Wrath of the Lich King – Ein erster Bericht

Fast schon wieder sind drei Monate seit Start der neuen Erweiterung vergangen. Was ist neu an WotLK? Hat sich das Warten gelohnt?

Die Welt

Wenn etwas den Namen episch verdient hat, dann ist es das neue Weltdesign in WotLK. Die gesamte Spielwelt in Nordend wirkt gigantisch. Bei einem Kontinent im eisigen Norden hätte man eigentlich nur Schnee- und Eislandschaften erwarten können, aber dem Licht sei Dank hat Blizzard ein abwechslungsreiches Szenario geschaffen, bei dem es sehr wohl trostlose Flecken wie in der Drachenöde gibt, diese aber bei weitem nicht so langweilig aussehen wie noch zu BC Zeiten die Höllenfeuerhalbinsel oder das Schattenmondtal. Jede Zone hat etwas besonderes Architektonisches zu bieten. Die alten Titanenfestungen in den Sturmgipfeln oder die Festungen in Eiskrone spiegeln genau dieses neue Weltdesign wieder. Da ist es auch verzeihlich, wenn massiv bei der berühmten Buchvorlage von J.R.R. Tolkien geklaut worden ist und Eiskrone wie ein zweites Mordor wirkt. Aber auch hier muss man sagen, besser gut geklaut als etwas schlechtes Neues zu produzieren. Außerdem merkt man dem ganzen Inhalt an, dass die Entwickler bewusst diese Verbindung zur Vorlage gezogen haben und dies ironisch in der  Namensgebung auch erwähnen.

Quests

Es gibt nicht nur deutlich mehr Quests als im letzten Addon, die der Lösung durch wahre Helden bedürfen, sondern vor allem sie sind auch qualitativ besser und abwechslungsreicher. Natürlich gibt es immer noch Quests a la „Besorge mir 10 Stück nutzloses Metall“ oder „Töte 15 Vrykul“. Trotzdem ist das ganze Szenario nun deutlich logischer aufgebaut. Während man in BC im Prinzip jeden Questtext wegklicken konnte, weil er selten etwas mit einer einleuchtenden Geschichte zutun hatte, gibt es nun Handlungsstränge, die einem die Welt besser erklären und auch zu Quests in Instanzen führen. Die größte Neuerung ist aber sicherlich die langersehnte Möglichkeit durch Questen auch die Spielwelt „verändern“ zu können. Nicht mehr nur stures annehmen und abgeben von Quests und nichts ändert sich wirklich. Tatsächlich entstehen nun durch einige Quests neue Flugpunkte, feindliche Gebäude werden zu eigenen Stützpunkten. Der Abschluss einer langen Questreihe in der Drachenöde führt zu einer epischen Zwischensequenz und einer darauffolgenden Befreiungsaktion. Mit Sicherheit ein Meilenstein in MMOs.
Durch die Einführung von Fahrzeugen und der Technik diese durch Spieler steuern zu können, wurden viele neue sehr gute Quests geschaffen. Spieler reiten auf Riesen, Bären, fliegen Protodrachen, fahren Katapulte und mehr. Nicht nur das Weltdesign wirkt epischer, die Quests reflektieren dies auch egal wohin man als Spieler kommt. Man ist plötzlich der Held, selbst Anführer verhalten sich ehrerbietig. Die Aufträge spiegeln nun viel deutlicher auch den Level des Charakters wieder. Man ist auf einer Ebene mit Anführern der eigenen Fraktion. Insgesamt ist alles deutlich abwechslungsreicher geworden und man merkt den Quests an, dass hier viel Arbeit investiert worden ist.

Instanzen

Die beste Gilde der Welt spielt innerhalb von drei Tagen nach Start der Erweiterung den gesamten Inhalt durch. Mehr brauch man sicherlich nicht über den Schwierigkeitsgrad sagen. Das ganze hat aber für die meisten Spieler nur positive Effekte. Selbst 25er Raidinstanzen lassen sich mit Randomgruppen bewältigen. Bewusst ist der Einstieg einfach gehalten worden. Jeder soll die Möglichkeit haben alles zu sehen. Dadurch schafft Blizz natürlich deutlich mehr Inhalt für „Normalspieler“. Ich finde das Konzept gut, obwohl es auch deutliche Nachteile hat. Alle Instanzen können deutlich schneller gespielt werden, aber es ist auch viel von den früheren Herausforderungen verloren gegangen. Kontrolle über Gegner wird nicht mehr verlangt. Wann hat man zuletzt einen Jäger eine Eisfalle legen sehen, was ist mit Sheepen? Es zählt mitlerweile nur noch Schaden. Teilweise fallen heroische Gegner so schnell, das wenig von einem heroischen Kampf aufkommen mag.
Früher spielte es eine Rolle welche Klassen in einer Gruppe vertreten waren. Heute wird nur noch nach der dps Zahl geschaut, die einem das Ace Addon recount ausgibt. Andere Faktoren sind bedeutungslos geworden. So positiv dieser vereinfachte Zugang zu neuem Inhalt ist, so negativ ist es, dass das Spiel hier nur noch eindimensional zu sein scheint. Der Inhalt der Instanzen ist gut gelungen. Von kurzen Trips wie der Violetten Festung oder Azjol Nerub geht es zu einer völlig neuen Instanzenart wie der Occulus. Schade, dass ein Reiz von WoW mit diesen „DMG und durch“ Instanzen genommen worden ist.

Berufe

Mittlerweile kann man sagen, es gibt keinen Beruf mehr mit dem kein Gold mehr zu verdienen ist. Jeder Beruf bietet etwas sinnvolles für den eigenen Charakter an und auch die herstellenden Berufe haben nun zahlreiche Möglichkeiten durch epische Rezepte Gold zu verdienen. Insgesamt hat man nun wirklich das Gefühl auch sinnvolle Gegenstände vor dem Besuch der ersten LvL 80 Instanzen herstellen zu können. Teilweise gibt es hier sehr gute Alternativen zu Instanzendrops. So ganz sicher bin ich mir nur nicht, was sich Blizz beim Juwelenschleifer gedacht hat. Nicht nur, dass dieser Beruf eigene tägliche Quests erhalten hat, womit er täglich 200-300g durch den Kauf und Verkauf von Drachenaugen verdienen könnte. Das alte Spiel mit Erze sondieren und schleifen ist zusätzlich bestehen geblieben. Wenn man sich die Preise so anschaut und weiss was beim Sondieren von Saroniterz anfällt, wird schnell klar, das Juwelenschleifer, die mit Abstand reichsten Spieler auf dem Server sein müssen.
Wer aber irgendetwas Bahnbrechendes erwartet hat, wurde mit Sicherheit enttäuscht. Die alte Spielmechanik ist beibehalten worden. Berufe in WoW sind ein netter Bonus, aber nichts worum sich die Entwickler kompliziertere Gedanken gemacht hätten. WoW bleibt ein MMO und keine Wirtschaftssimulation.

Erfolge

Die Beurteilung des neuen Erfolgssystem hängt von den Erwartungen jedes Einzelnen ab. Manche ignorieren es vollständig und ab und zu kommt es wieder in den Vordergrund, wenn das System einen neuen Erfolg signalisiert. Manche versuchen gezielt Erfolge zu erreichen. Ich denke das Feature erfüllt seinen Zweck. Es gibt Spielern die Möglichkeit sich Ziele zu setzen. Andererseits erhöht es auch deutlich die Anzahl an Aufgaben für Spieler in WoW, was natürlich mit einem hohen Zeiteinsatz einhergeht. Blizz freut sich über länger zahlende Kunden. Wer von Anfang an dabei ist, findet das Ganze manchmal nur lästig. Wieso sollte ein Meisterangler mit Skill 375 nicht schon 1000 Fische gefangen haben? Jemand der ehrfürchtig bei einer Fraktion wie Zul Gurub ist, hat dennoch nicht den Erfolg erhalten? Natürlich lassen sich die Bosse auf Stufe 80 einfach teilweise sogar alleine besiegen. Aber das ist doch nicht der gleiche Erfolg, den ein 40iger Schlachtzug noch zu LvL 60 Zeiten hatte. Schade, dass es hier keine Differenzíerung mehr gibt und wahrscheinlich auch geben kann. Für Classic Spieler kommt das System zu spät. Man muss es als Gimmick sehen und nicht zu sehr als Spielleitfaden nach dem Motto „Ich muss nun unbedingt alle Quests weltweit erledigien um Meister der Lehren zu werden“. Viele Spieler sollten mit Twinks zusammengenommen schon mit Sicherheit einen solchen Erfolg verdient haben.

Fazit

Blizz hat eine würdige Erweiterung geschaffen. Im Vergleich zu „Burning Crusade“ wirkt Nordend episch, gigantisch und sehr abwechslungsreich. Quests und Weltdesign sind spitzenklasse. Die Instanzen sind ebenfalls gut gelungen, aber nun zu einfach. Etwas mehr Herausforderung hier in Zukunft würden das Ganze gut abrunden. Insgesamt ist das Spiel wieder PvE lastiger geworden. PvP hingegen setzt nach wie vor auf die bekannten Schlachtfelder und das Arenasystem. Zwar gibt es mit dem „Strand der Uralten“ ein neues Schlachtfeld, das Ganze lässt sich aber durch das im Moment unausgewogene PvP System nicht richtig genießen. Für jeden Classic WoW-Spieler gibt es hier nichts wirklich Neues zu bestaunen. Momentan bietet das Spiel im PvE Bereich deutlich mehr Abwechslung. Fängt man neu mit WoW an, bieten sich zahllose Möglichkeiten und Ziele. Als jemand der sich noch an den Düsterbruchpatch erinnern kann, kommt einem vieles sehr bekannt vor. Eines ist sicher, Wrath of the Lich King ist zwar ein Addon für World of Warcraft, aber es hat mit dem ursprünglichen Spiel nicht mehr viel gemeinsam. WotLK ist mit Sicherheit ein gutes Addon, aber es bringt das Gefühl der ersten Wochen und Monate im alten WoW nicht wieder zurück.

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