FreeBSD: Installation mit Bildern kurz erklärt

Seit mindestens drei Jahren benutze ich neben Debian nun auch FreeBSD, nachdem es schon eine ganze Weile auf meiner TODO-Liste mit Betriebssystemen abseits von Linux gestanden hatte. Hiermit starte ich eine kleine Serie von Artikeln zu FreeBSD. Den Anfang macht die Installation.

Wer gerade keinen Ersatzrechner parat hat, um ein neues Betriebssystem auszuprobieren, dem empfehle ich FreeBSD in einer virtuellen Maschine zu installieren. Hierzu eignet sich z.B. ausgezeichnet QEMU/KVM, was sich mit virt-manager bequem via graphischer Oberfläche administrieren lässt.

VirtManager

Man kann zwischen verschiedenen Installationsmedien wählen. Ich habe mich für FreeBSD 11 und  AMD64 als Architektur entschieden.  Das minimale Image heißt zur Zeit FreeBSD-11.1-RELEASE-amd64-bootonly.iso. Es beinhaltet alle notwendigen Dateien, setzt jedoch eine funktionierende Netzwerkverbindung voraus. In virt-manager muss man danach nur noch eine neue virtuelle Maschine erstellen und das lokale Installationsmedium (hier eine ISO-Datei) auswählen. Als Speicher genügen 1024 MB RAM vollkommen. Ich habe mich noch für zwei virtuelle CPUs und eine kleine 3 GB Festplatte entschieden, danach kann man auch schon loslegen.

Der gesamte Installationsvorgang ist ausführlich im offiziellen FreeBSD-Handbuch beschrieben mit einer Anleitung in Deutsch oder Englisch. An dieser Stelle möchte ich deswegen nur noch auf einige Besonderheiten von FreeBSD und aus meiner Sicht erwähnenswerte Einstellungen eingehen. Die Installation gestaltet sich ähnlich wie bei Debian, wobei man erwähnen sollte, dass es keine Übersetzungen gibt und man zumindest eine grobe Ahnung der englischen Sprache haben muss. Das deutsche FreeBSD-Handbuch hilft hier jedoch weiter.

FreeBSD-Installation_1

Im Willkommenmenü bestätigt man Option 1 mit der Enter-Taste und mit einem weiteren Enter den Installationsbeginn. Interessant wird es direkt danach, wenn man die Tastaturbelegung auswählen muss. Die meisten Leser werden sich hier für German ISO-8859-15 entscheiden, man kann diese aber auch später noch in /etc/rc.conf ändern.

Bei der Auswahl um zusätzliche Systemkomponenten zu installieren, empfehle ich nur ports auszuwählen. Jede aufgeführte Option kann später auch noch nachträglich installiert werden, jedoch bietet sich ports direkt an, weil man damit unkompliziert weitere Software direkt aus den Quellen bauen kann. Dazu in einem weiteren Beitrag später mehr.

Als nächstes geht es daran das Netzwerk zu konfigurieren. Wer seine IP automatisch via DHCP bezieht, braucht hier lediglich wieder mit Enter bestätigen und danach einen deutschen Spiegelserver auswählen, von welchem das Basissystem heruntergeladen wird. Womit wir auch schon bei der Partitionierung wären. FreeBSD ist bekannt für sein ZFS-Dateisystem, an dieser Stelle empfehle ich jedoch erst einmal die geführte Partitionierung mit dem UFS-Dateisystem zu verwenden. Letzteres lässt sich wiederum mit dem EXT-Dateisystem unter Linux vergleichen, ist für Anfänger einfacher einzurichten, braucht weniger Ressourcen und fühlt sich deswegen in virtuellen Maschinen ohne weitere Konfiguration auch performanter an. Nichtsdestotrotz ist ZFS wegen seinen zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten und Merkmalen später auf jeden Fall einen Blick wert. Die weiteren Schritte danach einfach wieder mit Enter bestätigen. Ein Interessanter Aspekt bei der Partitionierung ist, welche Namenskonventionen FreeBSD im Gegensatz zu Linux für Partitionen verwendet. Diese werden auch als Slices bezeichnet und das Ganze liest sich dann so:

ada0s1a Die erste Partition (a) in der ersten Slice (s1) der ersten SATA-Festplatte (ada0).

Anschließend wird das Basissystem, der Kernel und die Portssammlung installiert. Man gibt das Rootpasswort an und wählt noch die Zeitzone aus, in welcher sich der Rechner befindet und schon befindet man sich bei diesem Schritt:

Hier lassen sich noch optionale Dienste/Programme installieren. SSH ist immer eine gute Wahl und unerlässlich, wenn man sich von einem entfernten Rechner verbinden will. Der Rest kann auch später noch installiert werden. Weiter gehts mit der Konfiguration einiger Sicherheitseinstellungen.

Im Prinzip ist es hier sinnvoll alles zu selektieren, wobei die ersten beiden Optionen eher bei Mehrbenutzersystemen mit mehreren lokalen Benutzern Sinn machen, jedoch bei einem Einzelrechner wie  in diesem Fall auch verwirren können. Insbesondere das Ausschalten des entfernten Loggens und das Abschalten von Sendmail sind in den allermeisten Fällen zu empfehlen. Den Sendmail-Dienst kann man bei Bedarf entweder durch eine vollwertige Lösung wie Postfix oder das extrem simple ssmtp ersetzen.

Nun ist der letzte Schritt auch schon fast erreicht. Ein normaler, unprivilegierter Benutzer muss noch angelegt werden, ein einfaches Frage- und Antwortspiel. Aufpassen sollte man aber bei: Invite user into other groups? Hier solltet ihr wheel eintragen. Eine Eigenheit von FreeBSD ist, dass kein normaler Benutzer zu Root werden kann, der nicht Mitglied dieser Gruppe ist.

Das war es auch schon. Anschließend Exit und Neustart wählen und sich in sein neues FreeBSD einloggen. Mehr zu den wichtigsten Befehlen, Konfigurationsdateien und Unterschieden zu Debian, bald hier in einem neuen Beitrag.

Debian mit FreeBSD-Kernel: GNU/kFreeBSD

Im Jahr 2013 kam ich zum ersten Mal mit Debian GNU/kFreeBSD in Berührung als ich an einem Patch für libgphoto2 arbeitete. Galt GNU/kFreeBSD zu Zeiten von Debian 6 „Squeeze“ noch als technische Vorschau, war es in Debian 7 „Wheezy“ schon eine offiziell unterstützte Debian-Architektur. Als Teil von Debian Testing konnten demnach Kompilierungsfehler von GNU/kFreeBSD die Veröffentlichung eines Pakets verhindern. Dieser Status hat sich mit der aktuellen stabilen Debian-Veröffentlichung nun erneut geändert, leider aber zum Schlechteren. GNU/kFreeBSD ist keine offizielle unterstützte Debian-Architektur mehr, gehört jedoch weiterhin zu den sogenannten Debian-Ports wie GNU/Hurd (eine weitere Kernelalternative) oder m68k (unterstützt ältere Amiga, Atari und Apple Macintosh). Der wohl entscheidende Grund, warum GNU/kFreeBSD seinen alten Status verloren hat, ist die zu geringe Anzahl an aktiven Entwicklern und vielleicht vermag dieser Artikel das Interesse zu wecken, sich etwas mehr mit dieser Debianvariante auseinander zu setzen.

Warum GNU/kFreeBSD?

Brauche ich einen FreeBSD-Kernel, wenn Debian mit dem Linux-Kernel schon tadellos auf meinem Rechner läuft. Vermutlich ist die Antwort „eher nicht“ aus den gleichen Gründen, warum FreeBSDler nicht zu Linux wechseln. Es ist diese Mischung aus Gewohnheit und der Tatsache, dass man mit beiden sowohl Desktop- als auch Serveraufgaben erledigen kann. Was GNU/kFreeBSD jedoch interessant macht ist die Tatsache, dass es zwei verschiedene Welten miteinander verbindet und was in der einen nur sehr schwierig oder gar nicht funktioniert, lässt sich mit dieser Kombination, FreeBSD-Kernel aber Debian-Paketsystem und Systemwerkzeuge, möglich machen.

Die Entwickler geben im Debian-Wiki die Antwort auf die Warum-Frage. Aus meiner Sicht am interessantesten sind:

  • Die Möglichkeit Jails zu benutzen, die man am besten mit OpenVZ bei Linuxsystemen vergleichen kann. Für Systemadministratoren bieten sie ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal und die Möglichkeit Prozesse „einzusperren“ und so eine weitere Barriere für Angreifer zu schaffen. Wie in einer Chroot-Umgebung unter Linux ließe sich aber auch ein Debian GNU/kFreeBSD unter FreeBSD betreiben und natürlich auch umgekehrt.
  • Das 128-bit-Dateisystem ZFS, das theoretisch so viel Speicherplatz bietet, dass die zum Betrieb notwendige Energiemenge alle Ozeane der Welt verdampfen könnte.  Wie man sich schnell denken kann, wurde es vor allem für den Einsatz in Rechenzentren mit immens vielen Daten konzipiert. Auf handelsüblichen Rechnern lässt es sich natürlich auch verwenden, setzt aber mindestens 1 GB RAM voraus, besser 2 GB oder gar mehr. Am ehesten lässt es sich mit btrfs vergleichen, wobei es jedoch schon deutlich länger produktiv zum Einsatz kommt. Größtes Hindernis für einen Einsatz auf Linuxsystemen ist die CDDL-Lizenz des Dateisystems, die leider inkompatibel mit der GPL-Lizenz des Linuxkernels ist. Das OpenZFS-Projekt versucht unter anderem dieses Problem zu lösen. Mit dem FreeBSD-Kernel gibt es aufgrund der liberalen BSD-Lizenz keine Probleme.
  • GNU/kFreeBSD benutzt die gleichen Debianpakete, die sich auch beim Linuxpendant finden lassen. Sie lassen sich genauso installieren und verwalten wie man das schon von Debian GNU/Linux gewohnt ist. FreeBSD bietet mit den Ports und seinem neuen Paketmanager pkg ebenfalls einfache Hilfe beim Installieren, jedoch muss man als Benutzer permanent die neuste Upstream-Version installieren, da sich der Support auf das Kernsystem beschränkt. Sicherheitsupdates für GNOME 3, Apache oder LibreOffice als stabile Version für drei oder sogar fünf Jahre, gibt es bei FreeBSD nicht.

Installation und erste Erfahrungen

Am einfachsten lässt sich FreeBSD zur Zeit mit dem „Test-Image“ von Steven Chamberlain installieren, der maßgeblich die Entwicklung von GNU/kFreeBSD vorantreibt. Sehr wahrscheinlich wird es in den nächsten Monaten auch wieder ein offizielles Abbild auf debian.org zu finden geben. Ich empfehle entweder die Installation auf einem älteren, unbenutzten Rechner 😉 oder ihr probiert das Ganze mit Qemu aus.

Vor drei Jahren hatte ich zuerst die Qemu-Variante gewählt und anschließend das Ganze auf meinen „neuen“ Lenovo-X200-Laptop transplantiert, es geht aber wohl auch einfacher. Danach funktioniert die Installation weiterer Pakete genauso wie unter Debian GNU/Linux. Meine alten Anleitungen sollten hier immer noch weiterhelfen können. Wer GNU/kFreeBSD auf etwas älteren Rechnern mit wenig Arbeitsspeicher verwenden will, sollte besser das ufs-Dateisystem wählen, was einen deutlichen Performanceschub verspricht.

GNU/kFreeBSD 1

Ich selbst teste gerne mit Lightdm als Displaymanager und Mate (alias Gnome 2). Andere Desktopvarianten sollten auch funktionieren, wobei man bei den großen wie Gnome 3 und KDE jedoch Abstriche hinnehmen und ggf. einen anderen Displaymanager wählen muss. Das gesamte System „fühlt“ sich nicht viel anders als unter Linux an. So lässt sich zum Beispiel der Befehl lsmod weiterhin benutzen, das entsprechende Kommando von FreeBSD lautet kldstat. Bekannte Software wie Firefox und VLC funktionieren ohne Probleme und lassen sich mit apt install firefox vlc installieren. Neu und anders sind die Gerätebezeichnungen für Festplatten oder Netzwerkkarten, einige bekannte FreeBSD-Werkzeuge fehlen oder wurden durch die GNU-Alternativen ersetzt.

GNU/kFreeBSD 2

Einige Anlaufschwierigkeiten hatte ich bisher nur mit dem Grafikartentreiber und manchmal startete ein Spiel nicht. Ich denke, das sind Fehler, die sich durch mehr Benutzer schneller finden und beseitigen ließen. Oft wäre es auch möglich beim FreeBSD-Projekt nach Patches zu suchen. Insgesamt ist GNU/kFreeBSD deutlich weiterentwickelt als dies z.B. beim GNU/Hurd-Port der Fall ist, dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Pakete nur aus „unstable“ installieren lassen und damit mit Vorsicht zu genießen sind. Zum Testen und Ausprobieren reicht es allemal. Um den Vergleich abzurunden, empfehle ich ebenso einen Blick auf FreeBSD zu werfen, das demnächst Version 10.3 veröffentlichen wird.

Netzinstallation mit Debian und Bildern Schritt für Schritt

Im Folgenden beschreibe ich in aller Kürze die Netzinstallation mit Debian. Sie ist die Ausgangsbasis für alle meine Installationen egal ob am Ende ein Server, ein Minimalsystem oder eine grafische Desktopumgebung danach entsteht.

  1. Mit Install geht es los.
  2. Die Sprache auswählen.
  3. In welchem Land befindet ihr euch. Damit wird die Zeitzone und die Systemlokalisierung in der richtigen Sprache gesetzt.
  4. Die richtige Tastaturbelegung auswählen.
  5. Dem Rechner einen Namen geben. Der Name ist im Prinzip egal. Die meisten Menschen scheinen aber dazu zu neigen, ihre Rechner nach einem bestimmten Schema zu benennen. Ich wähle oft Filmcharaktere.
  6. Den richtigen Netzwerknamen setzen. Für ein Heimnetzwerk kann man diesen Eintrag frei lassen.
  7. Ein starkes Passwort für den Systemadministrator „root“ setzen.
  8. Zur Sicherheit noch einmal eingeben.
  9. Der vollständige Name des neuen Benutzers.
  10. Eine Kurzbezeichnung für das neue Konto, z.B. der eigene Vorname in Kleinbuchstaben
  11. Ein starkes Passwort für den neuen Benutzer wählen.
  12. Zur Sicherheit noch einmal eingeben.
  13. Die Partitionierung. Wer es einfach haben möchte, wählt die geführte Partitionierung, wobei die vollständige Festplatte verwendet wird. Wer es manuell probieren möchte, sollte mindestens eine Swap-, Root-(/) und Home-Partition anlegen. Wie man eine verschlüsselte Partitionierung manuell vornehmen kann, hatte ich in diesem Beitrag beschrieben.
  14. Die gewünschte Festplatte auswählen.
  15. Eine zusätzliche /home-Partition ist empfehlenswert. Bei einer Neuinstallation kann man /home behalten und muss nur die Daten auf der Root-Partition ersetzen.
  16. Eine solche Aufteilung kann dann so aussehen. Die Größe der Partitionen sind nur Beispielwerte. Es genügt weniger als 1 GB Speicherplatz für eine Minimalinstallation.
  17. In diesem Menüdialog lässt sich das Dateisystem oder der Einbindungspunkt der Partition im Betriebssystem ändern. Ext4 ist eine gute Wahl.
  18. Hat man das Dateisystem und die Einbindungspunkte an seine eigenen Vorstellungen angepasst, werden alle Änderungen auf die Festplatte geschrieben. Alle vorher auf der Festplatte gespeicherten Daten gehen dabei verloren! Deshalb alles Wichtige vorher immer sichern.
  19. Den Paketmanager konfigurieren, indem das Land ausgewählt wird, indem man sich befindet.
  20. Einen Spiegelserver wählen, z.B. ftp.de.debian.org
  21. Wer einen Proxy benötigt um ins Internet zu kommen, kann hier seine Einstellungen eintragen. Ansonsten leer lassen.
  22. Hier kann man freiwillig an der Paketerfassung von Debian teilnehmen. Die Daten werden anonym erhoben und einmal in der Woche eine Auflistung der installierten Pakete an das Debian-Projekt geschickt. Dies hilft den Entwicklern bei der Priorisierung von Aufgaben.
  23. Bei der Softwareauswahl sollte alles abgewählt werden, um ein minimales Debian zu erhalten. Die Standard-Systemwerkzeuge können ausgewählt bleiben.
  24. Der letzte Schritt ist das Installieren des Bootloaders in den Master Boot Record (MBR) der Festplatte. Für eine Einzelinstallation oder wenn Debian parallel installierte Betriebssysteme verwalten soll, ist „JA“ hier die richtige Antwort. Wer das Booten von einem anderen System aus steuert, kann hier auf die Installation von GRUB verzichten. Anschließend wird die Installation ausgeführt und nach einem Reboot sollte man auf der Konsole landen, wo man sich mit dem vorher gesetzten Benutzernamen anmelden kann.

Installation und erste Schritte mit CRUX

Ich bin zu CRUX noch ein paar Worte schuldig. Wie vor ein paar Monaten angesprochen ist CRUX keine Stangenware, sondern mehr Linux-Haute-Couture. Maßgeschneiderte Ware, die mit Sicherheit ihren Preis hat, aber eben auch genau das widerspiegelt, was so mancher Geek schön und reizvoll findet: Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und die Schönheit des Schlichten.

Ich versuche in allen weiteren Beiträgen das übliche Blabla zu vermeiden und nicht zu versuchen für eine andere Zielgruppe zu schreiben, die so nie existieren wird. Das Schöne an CRUX ist, dass es wirklich technisch sehr übersichtlich und einfach aufgebaut ist. Es lässt sich aber überhaupt nicht mit Distributionen wie Ubuntu vergleichen, wo der Benutzer bei der Installation geführt wird und Programme vorkompiliert und durch Tausende von Benutzer getestet worden sind.

Die Gemeinschaft von CRUX ist deutlich kleiner und auch in der Dokumentation beschränkt man sich auf Einfachheit. Englisch ist die vorherrschende Sprache. Die Anleitungen sind auf den Punkt gebracht. Man erwartet, dass man sich im Internet über so Dinge wie Kernelkompilierung oder Bedienung einzelner Software gezielt informiert. CRUX ist also eine Do-it-yourself-Distribution, die sich ausdrücklich an erfahrene Linuxanwender richtet.

Ich verfolge mit CRUX folgende Ziele.

  1. Ich möchte quellbasierte Distributionen besser kennenlernen. Ich erhoffe mir dadurch auch ein paar interessante Einblicke in Gentoo und Slackware zu bekommen, die ich bisher kaum getestet habe, die aber vergleichbare Konzepte wie CRUX kennen. Genau genommen hilft die Gentoo-Dokumentation oft bei CRUX-Problemen weiter.
  2. Ich möchte ein maßgeschneidertes CRUX für meinen ältesten Laptop, den Toshiba Satellite 220CS, konfigurieren. Es soll sowohl ein reines Konsolensetup geben als auch eine Version mit grafischer Oberfläche. Außerdem möchte ich irgendwann CRUX auch mal auf einem moderneren System dauerhaft installieren.

Installation

Die Installation wird kurz und knapp im Handbuch von CRUX beschrieben. Wer schon Erfahrungen mit Arch Linux oder Gentoo gesammelt hat, wird sich eher wohl fühlen als jemand, der bisher vom Debian-Installer und der Ubuntu-Installation verwöhnt worden ist. Tatsache ist aber auch, dass die Installation bis auf die Kernelkompilierung absolut nachvollziehbar und auf den Punkt gebracht ist. Da man alles von der Konsole aus erledigt, entsteht kein Overhead an Standardeinstellungen. Das System bleibt dadurch äußerst schlank.

  1. Ladet euch ein passendes Abbild herunter. Es gibt von CRUX 2.7.1 sowohl eine i686 als auch eine Version für x86_64. Mit CRUX 2.7 existiert auch ein Image für i586! USB-Abbilder sind ebenfalls verfügbar.
  2. TIPP: CRUX lässt sich auch problemlos in einer virtuellen Maschine testen. Bei Virtualbox empfehle ich z.B. als Adaptertyp unter Netzwerkeinstellungen „INTEL PRO/1000 MT Desktop“. 2 GB Festplattenspeicher sind zum ersten Testen ausreichend. Der meiste Platz wird durch die Kernelkompilierung beansprucht.
  3. Einloggen als Benutzer root. Es gibt kein Passwort.
  4. Partitionierung

    fdisk /dev/sda
    Partition sda1 -> Swap
    Partition sda2 -> /
    Partition sda3 -> /home (optional)

    mkfs.ext4 /dev/sda2

  5. Partitionen einhängen

    mount /dev/sda2 /mnt
    mount /dev/sda3 /mnt/home (optional)
    mkswap /dev/sda1
    swapon /dev/sda1
  6. Gebt setup ein, um das Installationsskript zu starten. Die Core-Pakete reichen zum ersten Testen aus. Einzelne Pakete lassen sich auch abwählen.
  7. In Chroot-Umgebung wechseln

    setup-chroot

    Im Einzelnen werden folgende Schritte durch das Skript ausgeführt.

    mount --bind /dev /mnt/dev
    mount --bind /tmp /mnt/tmp
    mount -t proc proc /mnt/proc
    mount -t sysfs none /mnt/sys
    chroot /mnt /bin/bash
  8. Das Passwort für root mit passwd ändern und ggf. neue Benutzer mit useradd anlegen.
  9. Konfiguration von /etc/fstab

    /dev/sda1       swap         swap           defaults             0          0
    /dev/sda2       /            ext4           defaults             0          1
    devpts          /dev/pts     devpts         defaults             0          0
    none            /sys         sysfs          defaults             0          0
    none            /proc        proc           defaults             0          0
    
  10. Konfiguration von /etc/rc.conf

    FONT=default
    KEYMAP=de-latin1-nodeadkeys
    TIMEZONE=Europe/Berlin
    HOSTNAME=crux
    SYSLOG=sysklogd
    SERVICES=(net crond)

  11. Netzwerkkonfiguration: Bei mir funktioniert DHCP einwandfrei.
  12. Bootloader /etc/lilo.conf

    lba32
    compact
    install=text
    boot=dev/sda
    image=/boot/vmlinuz
              label=CRUX
              root=/dev/sda2
              read-only
              append="quiet"
    

    Danach lilo in der Konsole eingeben und Enter drücken.

  13. Kernelkompilierung. Das ist der wohl fehleranfälligste Punkt in der gesamten CRUX-Installation. Mir hat dieser Post enorm geholfen. Ebenso ist unter anderem dieser Beitrag von KMandla empfehlenswert. Zuvor hatte ich mehrfach versucht mit der Kernelkonfiguration von Slitaz den Kernel zu kompilieren. Das hat in der Vergangenheit bei der Erstellung eines Kernels für Debian zwar wunderbar funktioniert, scheiterte hier aber an der scheinbar legendären Fehlermeldung:

    Kernel panic – not syncing: VFS: Unable to mount root fs on unknown-block

    Entscheidend sind hierbei, dass man die Standardkonfiguration der i386-Architektur als Vorlage benutzt und die richtigen Einstellungen mit menuconfig wählt. Da wir einen Standardkernel ohne InitramFS benutzen, müssen die Treiber für das Dateisystem fest einkompiliert werden, ansonsten kommt es zu oben genannter Fehlermeldung.

    cd /usr/src/linux*
    make mrproper
    make i386_defconfig
    make menuconfig
    make all && make modules_install
    cp arch/x86/boot/bzImage /boot/vmlinuz
    cp System.map /boot

Wenn ihr Naturtalente seid, erhaltet ihr im ersten Anlauf nach erfolgreicher Kernelübersetzung und dem Installieren des Bootloaders Lilo ein bootfähiges System und startet in eure erste CRUX-Installation durch. Wahrscheinlich wird es aber mehrere Anläufe brauchen und nach und nach sollte man dann immer mehr Treiber aus dem Kernel entfernen, die man für die eigene Hardware gar nicht benötigt. Schließlich erhält man dadurch einen maßgeschneiderten Linux-Kernel.

Danach beginnt der eigentliche Spaß und das Installieren von zusätzlicher Software mit prt-get und den anderen CRUX-Werkzeugen. Ein anderes Mal mehr dazu.

Links

Bisher lesenswert fand ich auch die älteren CRUX-Anleitungen im VDR-Wiki und den Erfahrungsbericht von CRUX auf dem Libretto 100CT.

Slitaz 4.0 auf dem IBM Thinkpad 600 mit 128 MB RAM 266 MHz

Im April erschien nach gut zwei Jahren Entwicklungszeit Slitaz 4.0. Ein paar Wochen später installierte ich dann das leichtgewichtige Linuxwunder auf dem Thinkpad 600. Hier sind nun die Bilder und Eindrücke. Die grundlegenden Aussagen aus den letzten Beiträgen zum Thema Slitaz auf dem Tinkpad 600 und meinen ersten Gehversuchen bleiben weiter gültig. Nach wie vor gehört Slitaz zu meinen Favoriten, wenn es um leichtgewichtige Betriebssysteme geht.

Der erste Blick

Unter der Haube wurden vor allem einige Administrationswerkzeuge verbessert, so gibt es jetzt z.B. das TazPanel, welches die grafische Schaltzentrale im neuen Slitaz geworden ist. Egal ob es die Installation auf die Festplatte ist, Netzwerkkonfiguration oder Paketverwaltung, alles ist nun zentral angeordnet. Das interessante dabei ist, dass die gesamte Oberfläche als Webanwendung konzipiert wurde, die durch den Busybox-eigenen HTTP-Server ausgeliefert wird.

Busybox, Busybox, Busybox ist sowieso das Motto. Egal ob es essentielle UNIX-Werkzeuge wie rm, cp oder mv sind, Daemons wie Crond, InetD, DHCP, ein FTP-Server oder ein Texteditor wie vi, das alles wird über diese phänomenale Anwendung bereitgestellt. Man darf zwar nicht die gleichen Funktionen wie bei den Vorbildern erwarten, Busybox verhält sich aber sehr ähnlich zu den größeren Programmen und ist strikt auf Umgebungen mit geringen Ressourcen ausgerichtet. Überall in Slitaz begegnet man Busybox. Es wird nur schnell übersehen.

Egal ob die Distribution als Live-CD oder von einem USB-Stick aus gestartet oder doch auf die Festplatte installiert wird, dieses Betriebssystem ist klein, anspruchslos, schnell und bietet 3350 Softwarepakete, die alle wichtigen Programme eines grafischen Desktop abbilden. Natürlich ist Slitaz auch für ein Minimalsysteme geeignet, wie ich es immer noch für den Toshiba Satellite 220cs verwende.

Die Installations-CD bietet jetzt das vorher optionale 4in1-Image, das einem schon beim Starten die Wahl zwischen einer vollständigen grafischen Desktopumgebung, einer minimalen X-Umgebung und dem Textmodus lässt. Etwas versteckt gibt es die „Flavors“ wie gehabt einzeln zum Herunterladen. Wem das noch nicht reicht, kann sich dem Online-Builder widmen, mit dem sich per Webinterface neue Geschmacksrichtungen zusammenstellen lassen. Für versierte Nutzer liegen die winzigen Abbilder nur wenige Klicks entfernt, die selbst auf einer Floppy noch Platz finden.

Aussehen

Ist bekanntlich nicht alles, doch wem die inneren Werte gefallen haben, darf sich auch auf ein neues Design und den geschmackvoll eingerichteten Openbox-Desktop von Slitaz freuen, der so ein ganz kleines bißchen an Gnome 2 erinnert. 🙂

Das ist die Ansicht von der Live-CD, mit der ich den Core Duo gebootet habe. Spätestens hier bemerkt man, dass Slitaz als RAM-Distribution konzipiert worden ist und die 100-MB-Anzeige alle geladenen Programme und das Dateisystem widerspiegelt. Sie alle laufen vollständig im RAM und sind demnach wahnsinnig schnell. Das orange-braune Thema wirkt freundlich und einladend. Als Nutzer bekommt man sowohl das Rechtsklick-Menü von Openbox als auch das traditionelle Anwendungsmenü geboten, welches durch das LxPanel bereitgestellt wird.

Neben dem Tazpanel sticht vor allem TazWeb hervor, der sich anschickt, der (puh, waren wir bei 26 oder 27 stehengeblieben) Webkit-Browser zu sein. Er ist parallel mit Midori installiert, welches übrigens standardmäßig im privaten Modus startet, und lief selbst auf dem Laptop von 1998 mit solcher Geschwindigkeit, dass der Seitenaufbau selbst umfangreicher Webseiten zügig voranging.

Am Ende

Wer Slitaz 3.0 schon kannte, wird sicher auch an 4.0 Gefallen finden. Wer noch nie zuvor von Slitaz gehört hat und mal ein wirklich schlankes Linux kennenlernen möchte, sollte der Distribution auf jeden Fall eine Chance geben. Slitaz ist zwar insbesondere für ältere Rechner geeignet, macht aber eben auch eine richtig gute Figur als Live-CD/USB, mit der man blitzschnell unterwegs Anwendungen starten kann und mit ein paar Handgriffen auch anonym im Netz surfen kann.