Debian Wheezy, Xfce 4.8 und die Netzinstallation

Dies ist der zweite Beitrag zur Debian-Anleitung und zu den vier Desktopumgebungen und wie man mit Debians Netzinstallation in wenigen Schritten einen funktionsfähigen Arbeitsplatz installiert. Heute dreht sich alles um Xfce 4.8.

Xfce hat mich vor vier Jahren zum ersten Mal begeistert, als ich eine ressourcenschonende Desktopumgebung für den Dell Inspiron 4000 suchte. Ich hatte mich damals für Debian Etch und Xfce entschieden, weil es sich auf dem älteren Laptop spürbar reaktionsfreudiger als Gnome verhalten hatte und es insbesondere für Rechner mit wenig RAM eine gute grafische Alternative bot.

Zielgruppe

In den letzten vier Jahren bin ich dann zu reinen Fenstermanager-Lösungen geschwenkt, die noch anpassungsfähiger, leichtgewichtiger und somit auch performanter sind. Dennoch kann ich Xfce weiterhin allen empfehlen, die mit wenig Aufwand eine komplette Desktopumgebung installieren möchten, die sich sehr ähnlich zum alten Gnome 2 verhält, dabei aber klare Performancevorteile hat. Als Gesamtpaket ist Xfce gerade für alle, die von Gnome 3 enttäuscht sind, eine gute Alternative. Weiterhin benutze ich auch einige der Komponenten von Xfce bei meinen Fenstermager-Lösungen, darunter meinen Favoriten Thunar und für Laptops nicht uninteressant, den xfce4-power-manager. Gute Gründe Xfce weiterzuverfolgen.

Installation

aptitude install lightdm xfce4

Das Metapaket „xfce4“ installiert alle essentiellen Komponenten der Desktopumgebung, die ausreichend sind, um nach einem Neustart sofort loslegen zu können. In dem Artikel zu Gnome 3 und der Netzinstallation sprach ich noch vom alten „Space-Design“, seit ein paar Tagen sieht der Bootsplash von Wheezy nun so aus.

Bootsplash von Wheezy

Direkt nach dem Login mit Hilfe von Lightdm liegt der Speicherverbrauch bei rund 75 MB (i386-Architektur). Viele Helferprogramme und nützliche Erweiterungen zu Xfce 4.8 fehlen dann zwar noch, die restliche Anpassung des Systems gelingt jedoch über das Installieren von Metapaketen oder die Einzelinstallation mit Aptitude.

Xfce Desktop mit 75 MB Speicherverbrauch

Gestaltung

aptitude install xfce4-goodies

Im Metapaket xfce4-goodies befinden sich viele nützliche Plugins für das Panel und alleinstehende Programme wie Squeeze zur Archivverwaltung, der Bildbetrachter Ristretto und ein Brennprogramm wie Xfburn. Zur Druckerunterstützung gibt es das Paket xfprint4.

Danach fehlt nur noch der vom Xfce-Projekt offiziell unterstützte Webbrowser Midori und ein gutes E-Mail-Programm wie Claws-Mail und die ein oder andere leichtgewichtige Softwarealternative, und ihr seid durch.

Xfce-Desktop mit Mplayer und Midori

Natürlich sind das alles Bilder nach einer Standardinstallation mit Debian. Mit etwas Geschick und Interesse lässt sich der gesamte Desktop individuell anpassen. Ein paar sehenswerte Screenshots gibt es auf der offiziellen Seite und auf xfce-look.org.

Virtualbox

Zum Schluss noch ein Hinweis für alle, die Software gerne in einer VM wie Virtualbox ausprobieren. Im Gegensatz zu Gnome 3 ist Xfce 4.8 relativ anspruchslos, was Grafikeffekte angeht. Deswegen musste ich hier lediglich das Virtualbox-Guest-Additions-ISO einhängen und das Linuxskript ausführen, um die virtuelle Maschine mit angepasster Skalierung im Vollbild betrachten zu können.

Warum Ubuntu nicht braun sein muss

Bekanntlich sagen Bilder mehr als tausend Worte und nicht immer ist man in der Stimmung langatmige (Blog)-Texte zu lesen, nur um über die Unterschiede im Aussehen von Linux Distribution X zu Distribution Y informiert zu werden. Auf der anderen Seite lässt sich unter Linux jeder Desktop vielfältig konfigurieren, anpassen, umwandeln und auch austauschen.

Spricht man über das Aussehen von Ubuntu, ist damit oft implizit die Gnome-Desktopumgebung gemeint. Dass man bei Ubuntu und anderen Distributionen Desktopumgebungen wechseln und Fenstermanager wie Gnomes Metacity z.B. mit Openbox austauschen kann, taucht oft in der Beschreibung nicht auf. Ganz kurios wurde es, wenn man früher in Foren las, dass Ubuntu zu braun sei, das dem persönlichen Geschmack nicht entspreche und man es deswegen nicht installieren werde.

Anderen ist vielleicht Linux Mint zu grün oder RedHat zu rot. Bei all den Diskussionen um das Aussehen von Linux, kann man es nicht oft genug betonen. Das Äußere ist Geschmackssache und solange Linux im Inneren drin steckt, wird es immer möglich sein, sich sein eigenes Desktopideal zu gestalten.

Gnome steht allgemein für leichte und komfortable Bedienbarkeit, intuitive und einfache Gestaltung. Ideal für alle, die ein Desktop-Linux kennenlernen aber auch sofort damit produktiv sein wollen.

Xfce, LXDE oder gar nur einzelne Fenstermanager zielen mehr auf Geschwindigkeit und wenig Ballast mit externen Softwarebibliotheken, die das ganze System verlangsamen aber nur wenig zur Produktivität beitragen.

Doch was der eine an Gnome gut findet, missfällt dem anderen. Bevor nun gleich alles wieder deinstalliert wird, warum nicht einfach noch mal die Synaptic-Paketverwaltung nutzen oder das Terminal öffnen und

aptitude install kde-full openbox fluxbox xfce4 lxde

eingeben, installieren, ausloggen und beim Login aus weiteren fünf Alternativen wählen, alles testen, ausprobieren, Hintergrund und Themen ändern, Icons austauschen und und und.

Den schnellen Überblick über ein Standardthema einer Distribution und die vielen Möglichkeiten seinen Desktop zu ändern, bieten die folgenden Seiten.

  • thecodingstudio.com bietet eine komplette Übersicht mit Screenshots zu den Standardinstallationen der jeweiligen Distributionen. Wer also schnell wissen will wie sein Linux direkt nach der Installation aussieht, findet hier alles was er braucht.
  • Wie macht man aus seinem „braunen“ Ubuntu ein knall pinkes mit gelber Schrift? Wo kommen all die verschiedenen Schriften, Icons, Hintergrundbilder, Transparenzeffekte und Desktopthemen her, die man auf anderen Linuxdesktops sieht? Höchstwahrscheinlich von hier: gnome-look.org, kde-look.org, xfce-look.org ,box-look.org, deviantart.com.

Demnächst mehr schockierende Einblicke in meinen Ubuntudesktop. Stay tuned. 😉

Tapping mit Squeeze und Synaptics Touchpad

Nach dem ansonsten reibungslos verlaufenden dist-upgrade meines Dell Inspiron 4000 mit Xfce Desktopumgebung, funktionierte das Tapping mit dem Laptop Touchpad plötzlich nicht mehr. Das Touchpad bei Dell und anderen namhaften Herstellern wird von der Firma Synaptics hergestellt. In den meisten Fällen wird es automatisch erkannt. In manchen Fällen lässt sich mit ein paar Handgriffen nachhelfen.

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Einfach Mounten mit Debian Etch und Xfce

Die Kehrseite von Debians stable Version ist leider, dass viele aktuelle Neuerungen von Programmen nicht enthalten sind. Debian setzt bewusst nur Software ein, die ausgiebig getestet worden ist und sich in einer Produktivumgebung als stabil erwiesen hat. Deshalb werden Pakete in der stable Version nur selten mit neuen Features aktualisiert und hauptsächlich Sicherheitslücken geschlossen. Der restriktive Ansatz schließt den unkontrollierten Einfluss von nicht getesteten Programmen aus.

Nun so weit so gut, das System ist also sehr sicher und stabil, aber warum werden meine CDs und der USB Stick nicht automatisch gemountet und auf dem Desktop angezeigt so wie es zum Beispiel Xubuntu vormacht?

Scheinbar heißt hier auch das Problem, dass Debian Etch nicht das neueste Xfce 4.4.2. mitliefert, sondern <=4.2. Da Thunar laut der Xfce Tour erst mit Version 4.4 die Möglichkeit bietet entfernbare Geräte wie USB Sticks oder CD-ROM automatisch einzubinden und zu verwalten, gibt es nun mehrere Lösungsmöglichkeiten.

Da die nächste Stable Version von Debian Lenny diese Neuerung mitbringen wird, könnte man nun sein ganzes System auf Testing upgraden, nur einen Xfce Backport einspielen oder Xfce deinstallieren und aus den neusten Quellen selbst kompilieren.

Wenn aber bewusst Etch laufen soll und backports aus Gründen der Sicherheit/Stabiliät nicht erwünscht sind, bleibt noch eine andere Möglichkeit.

In der Xfce Taskleiste lässt sich ein Objekt namens „Geräte einhängen“ hinzufügen. Dieses Plugin greift direkt auf die Datei /etc/fstab zu und liest die dortigen Informationen aus. Um Laufwerke, Partitionen und Geräte per Plugin mounten zu können, muss die Datei angepasst werden. Für meinen Laptop sieht die Datei so aus:

# /etc/fstab: static file system information.
#
# <file system> <mount point> <type> <options> <dump> <pass>
proc /proc proc defaults 0 0
/dev/hda1 / ext3 defaults,errors=remount-ro 0 1
/dev/hda5 none swap sw 0 0
/dev/hdc /media/cdrom0 udf,iso9660 user,noauto 0 0
/dev/fd0 /media/floppy0 auto rw,user,noauto 0 0
/dev/sda1 /media/usb auto user,noauto 0 0

Um herauszufinden wie auf eurem Rechner die Gerätenamen heißen, genügt ein fdisk -l auf der Konsole. In meinem Fall hatte mein USB Stick den Gerätenamen /dev/sda1. Das Verzeichnis /media/usb muss als root mit mkdir /media/usb angelegt werden. Anschließend lassen sich alle Laufwerke per Knopfdruck mittels des Plugins ein- und aushängen.

Fazit:

Zum automatischen mounten fehlt HAL und die aktuelleste Xfce Version 4.4.2, die beide wohl mit Lenny irgendwann zum Einsatz kommen. Bis dato lässt sich das grafische Ein-und Aushängen der Geräte auch einfach per Taskleistenplugin lösen.

Grafisches Beenden von Xfce unter Debian Etch

Für alle, die sich wundern, warum man den Rechner unter Xfce nicht grafisch neustarten oder herunterfahren kann. Hier ist die Voreinstellung von Debian sehr sicherheitsbewusst gewählt.

Wer nicht immer auf die Konsole oder das Terminalfenster als root wechseln möchte um reboot oder halt einzugeben, muss vorher in der Datei sudoers einen Eintrag vornehmen. Laut /etc/sudoers muss diese Datei mit dem Kommando visudo geändert werden.

Als Benutzer root muss man lediglich visudo eingeben und anschließend

user ALL=NOPASSWD:/usr/sbin/xfsm-shutdown-helper

eintragen, wobei für user der eigene Benutzername eingetragen werden muss. Unter Debian Etch ist nano als Editor eingestellt. Um das eingetragene abzuspeichern und visudo zu beenden muss man STRG+X drücken und Speichern mit Ja bestätigen.

Anschließend ist es möglich den Rechner mit Klick auf das Beenden Symbol im unteren Panel neuzustarten oder auszuschalten.