MediathekView 3.2: Neues Release für Debian verzögert sich wegen des neuen Mac-Designs

Das neue Jahr hatte mit dem guten Vorsatz begonnen öfter mal kleinere Artikel zu schreiben und wie das mit guten Vorsätzen so ist, waren sie dann auch schon kurze später wieder vergessen und man war wieder im alten Trott gefangen.
Dass ich nicht nur Müßiggang betreibe, sondern einfach nur das Schreiben mit ein paar Aufgaben für Debian getauscht habe, will ich mit diesem kleinen Bericht zur aktuellen Version von MediathekView beweisen, dem Betrachter für die Mediatheken des deutschsprachigen Fernsehens.
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Eine neue Version

Die neue Version 3.2 von MediathekView erschien vor zwei Tagen und brachte vor allem als neues Feature eine “Blacklist”, mit der es möglich ist Sendungen und Abonnements herauszufiltern, die man nicht angezeigt bekommen möchte. Das ist vor allem für viele Trailer nützlich, deren Datum in der Zukunft liegt und die trotzdem bisher in der allgemeinen Übersicht angezeigt wurden.
Ebenso auffällig ist die neue Filteransicht, die sich z.B. durch Drücken von F8 aus- und einschalten lässt. Nun lässt sich die gesamte Filmliste, wie in der Adressleiste von Webbrowsern gewohnt, schon durch die Eingabe von einzelnen Buchstaben durchsuchen. Außerdem wurde mit der neuen Version eine optische Auffrischungskur eingeleitet, so dass sich das Design nun mehr an MacOSX orientiert.

Alles Aqua?

Murren und Knurren oder doch eher Jubel? Ich bin anfangs skeptisch gewesen, da die Veränderungen hauptsächlich für Mac-Benutzer zu sehen sind, jedoch werden davon langfristig alle profitieren, da ein neuer Entwickler zum Projekt hinzugestoßen ist, der die UI für alle verbessern möchte.
Obwohl ich die Entwicklung von MediathekView regelmäßig verfolge und auch im dortigen Forum aktiv bin, hat mich der Umfang der Veränderungen “unter der Haube” doch überrascht. Mir ist erst letzte Woche bewusst geworden, dass einige neue Abhängigkeiten, sprich Java-Bibliotheken, hinzugekommen sind. Das ist nichts Schlechtes, sondern erspart viel Entwicklungszeit, da man das Rad nicht wieder neu erfinden muss. Problematisch für mich als Betreuer des Pakets wurde es nur, als ich feststellte, dass noch niemand JIDE Common Layer (jide-oss) für Debian gepackt hatte.
Die Firma Jidesoft hat vor sechs Jahren Teile ihres ehemals proprietären Rahmenwerks für Java-Swing-Komponenten unter eine freie Lizenz gestellt und bietet mehr als 30 Komponenten und Werkzeuge an, damit komplexe Java-Anwendungen erstellt werden können. Das Angebot reicht von Buttons und Schiebereglern, über die Taschenrechnerkomponente, über Funktionen die Systeminformationen abgreifen bis hin zum Autocompletion-Feature und der SearchBar.
Als erstes stellte ich dann fest, dass die Lizenz nicht GPL-3 war, obwohl im Git-Repo von MV so ausgewiesen, sondern tatsächlich GPL-2 mit Classpath Exception. Eigentlich egal, GPL ist GPL, oder? Leider nein. GPL-3 und GPL-2 sind nicht kompatibel. Nach einiger Diskussion im Forum kamen wir jedoch zur Überzeugung, dass uns (mich) der Zusatz “mit Classpath Exception” rettet, weil es dadurch möglich wird MediathekView rechtmäßig gegen diese Bibliothek zu linken. Ansonsten hätte das Programm nicht in Debian erscheinen können. Umgehen lässt sich das Lizenz-Dilemma mit der GPL, indem man den Nutzern die Möglichkeit gibt, auch jede spätere Version der GPL nutzen zu dürfen. Das muss aber explizit in der Lizenz erwähnt sein, war aber hier nicht der Fall.
Ursprünglich sollte dem Programm auch nur die Jar-Datei von jide-oss beiliegen, also der schon übersetzte Bytecode der Bibliothek. Das widerspricht jedoch auch Debians Gesellschaftsvertrag, wir brauchen den Quellcode, so dass in der neuen Version auch dieser MediathekView beizufügen wäre. Der “saubere” Weg besteht jedoch darin Bibliotheken in separate Pakete auszulagern und extra zu packen. Im Klartext: Ich hatte mich gerade freiwillig als Maintainer für ein weiteres Javapaket gemeldet. 😉
Das neue Paket habe ich vergangene Woche auf der Mailingliste debian-java vorgestellt und kurz darauf auch darum gebeten dieses neue Paket in das Archiv hochzuladen. Natürlich kann das noch eine Weile dauern. Selbst wenn es augenblicklich passieren würde, müsste es erst mal durch die sogenannte Warteschlange für neue Pakete und von den FTP-Mastern gesichtet werden.
Ich erspare euch an dieser Stelle die Geschichte davon, wie ich den Code von Jide-OSS nach potentiellen Lizenzproblemen gescannt habe. Neben der allgemeinen Lizenz, GPL-2 with classpath exception, stehen Teile des Codes nämlich noch unter der BSD-, LGPL-2.1-, Apache-1.1- und Zlib-Lizenz.
Kurzum es wird wegen dieser neuen Bibliothek etwas länger bis zum Debian-Release dauern, jedoch verpasst ihr nicht allzu viel, wenn ihr noch Version 3.1 benutzt.
Wer mit Git nicht auf Kriegsfuß steht kann sich libjide-oss-java und MediathekView direkt aus dem Git-Repository herunterladen.
git://anonscm.debian.org/pkg-java/libjide-oss-java.git
git://anonscm.debian.org/collab-maint/mediathekview.git
Für alle, die nicht warten wollen, lassen sich Pakete hier herunterladen. Der Link verschwindet nach dem offiziellen Release wieder.

Installation

Installieren lässt sich MediathekView 3.2.1 dann mit

dpkg -i mediathekview_3.2.1-1_all.deb libjide-oss-java_3.5.3+dfsg-1_all.deb
aptitude install libmac-widgets-java libswingx-java libjgoodies-forms-java libcommons-compress-java libcommons-lang3-java

MediathekView 3.1.0: Neuigkeiten und Veränderungen im Debian-Paket

MediathekView GPL-3+
Am 07. Januar 2013 wurde offiziell MediathekView 3.1.0 freigegeben. Wer schon ein wenig im Forum gestöbert hatte, fand auch öfter den Hinweis auf Entwicklerversionen, von denen sich die jetzige Version kaum unterscheidet. Ich hatte zwischendurch immer mal wieder an einem Teil im Debianpaket geschraubt. Am Ende ist folgendes herausgekommen:

  • Abhängigkeit libjdom1-java ist nicht mehr notwendig und wurde entfernt. (Das ist natürlich mehr ein Dienst von W. Xaver, dem Entwickler 😉 )
  • Ich habe Mplayer2 als weiteren alternativen Videoplayer zu den empfohlenen Anwendungen hinzugefügt.
  • Es gibt ab sofort auch eine deutsche Manpage. Machte meiner Meinung nach Sinn, da MediathekView wohl hauptsächlich Leute anspricht, die Deutsch verstehen.
  • Es ist nun ganz einfach nachzuvollziehen wie ich auf die Quellen für Debians Source-Tarball gekommen bin. Einfach debian/rules get-orig-source des MediathekView-Pakets aufrufen. (und dabei natürlich vorher git installiert haben. 🙂 )

Ich werde die Version noch ein paar Tage testen, bin aber schon ziemlich zufrieden. Wer einen ersten Blick erhaschen möchte, findet MediathekView 3.1.0 auf meinem FTP-Server.
Ihr könnt auch dem Artikel über Reprepro folgen, meinen GPG-Schlüssel eurem Schlüsselring und diese Zeilen eurer /etc/apt/sources.list hinzufügen.

Ist nun im offiziellen Archiv. 😉

Ein umfangreicher Artikel zum Thema MediathekView folgt bald. Sollte der angegebene Link nicht mehr funktionieren, bedeutet das, dass MediathekView 3.1.0 Eingang ins offizielle Debian-Archiv gefunden hat.

K.Mandla is back: inconsolation.wordpress.com

Sag niemals nie!. Passend zum Jahresanfang verkündete K.Mandla in seinem Blog kmandla.wordpress.com das Ende seiner Abstinenz vom Bloggen. Marlon war so freundlich und hat mich darauf auch per Mail hingewiesen, jedoch… ich war noch Abonnent seiner Posts und konnte deswegen auch sofort reagieren und das erste Kommentar im neuen Blog posten. 🙂
Warum soviel Aufhebens um ein anderes Blog? Nun, wer hier in den etwas älteren Artikeln liest, stößt immer wieder mal auf den Namen K.Mandla, dessen Blog mich inspiriert hat etwas Ähnliches zu machen und mich mehr mit älterer Hardware und Linuxanwendungen für die Konsole zu beschäftigen. Deswegen gehen eine Menge “kudos” an ihn. Bis heute habe ich noch nicht alle Ideen selbst ausprobieren können, die er in seinem alten Blog veröffentlicht hat, was ein Indiz für den immensen Output dieses Mannes ist.
In seinem neuen Blog inconsolation.wordpress.com, soll es etwas ruhiger weitergehen. Nicht mehr ganz so viele esoterische Systemeinstellungen, na wers glaubt. 😛
Wer Freude an Linux, älterer Hardware, kuriosen Systemeinstellungen und Anwendungen für die Konsole hat, sollte sich inconsolation.wordpress.com als Lesezeichen setzen.

ZNC: Ein funktionsreicher IRC-Bouncer – mit Anleitung

Was macht man, wenn man nicht nur eine Mailingliste verfolgen, sondern auch einem IRC-Channel beitreten soll, um dort über die aktuellsten Geschehnisse des Debian-Games-Teams auf dem Laufenden zu bleiben? Man greift zu ZNC, einem IRC-Proxy oder auch Bouncer genannt. Das tolle daran ist, dass die Verbindung zum Channel nie unterbrochen wird und man von überall, unterwegs und mit verschiedenen IRC-Klienten gleichzeitig sich zum Bouncer verbinden kann, der unter anderem die Fähigkeit besitzt den eigenen Channel-Nick zu reservieren und die Konversationen der letzten Stunden wiederzugeben, so dass man nichts verpasst.
In diesem Beitrag geht es um die Inbetriebnahme von ZNC auf einem vServer (natürlich funktioniert auch jeder Heimserver) für ein Netzwerk (irc.oftc.net) und mehrere Channel.

Installation

Wie immer einfach.
aptitude install znc

Konfiguration

Die Konfiguration ist genauso geradlinig. Immer wenn es in dem animierten GIF etwas schneller geht, müsst ihr nur die Standardeinstellung mit ENTER bestätigen.
ZNC-Anleitung
Der Port auf dem ZNC lauschen soll lässt sich beliebig festlegen. Sollte der IRC-Server, wie dies bei irc.debian.org der Fall ist, SSL unterstützen, muss ein Pluszeichen vor den Port des IRC-Servers gestellt werden. Ob es IPv4 oder doch schon IPv6 sein soll, Benutzername und Passwort, ist natürlich individuell verschieden.
Wer sich nicht sofort für das Aktivieren von zusätzlichen Modulen entscheiden möchte, kann das später immer noch nachholen. Dazu müsst ihr lediglich

/msg *status help

in eurem favorisierten IRC-Client eingeben, sobald ihr euch mit ZNC verbunden habt. Mit Befehlen wie

/msg *status ListAvailMods
/msg *status LoadMod Name-des-Moduls

erhaltet ihr Hilfe und könnt euren bevorzugten IRC-Gehilfen nachladen. Für mich war z.B. die log-Funktion wichtig, damit ich Nachrichten später noch lesen konnte. Für ZNC gibt es selbstverständlich auch ein Wiki, wo sich viele Hinweise und Antworten finden lassen und auch die obligatorische FAQ für ZNC.

Beispielkonfiguration mit Irssi

Wenn ZNC erst einmal auf dem Heim- oder vServer läuft, muss nur noch der favorisierte IRC-Klient so eingerichtet werden, dass dieser sich nun zuerst mit ZNC verbindet.
Für Irssi genügt z.B. folgender Eintrag in $HOME/.irssi/config:

servers = (
{
    address = "123.123.123.123";
    chatnet = "OFTC";
    port = "55555";
    use_ssl = "yes";
    ssl_verify = "no";
    autoconnect = "yes";
    password = "Apo:meingeheimesPasswort";
}

Die Adresse des ZNC-Servers, Port, Netzwerk, Benutzername und Passwort, das wars. Nach dem Start verbindet sich dann Irssi sofort verschlüsselt via SSL mit dem Bouncer, der wiederum eine verschlüsselte Verbindung zum IRC-Server irc.debian.org aufgebaut hat.
Wer sich E-Mail lesen gar nicht abgewöhnen kann, darf auch einen Cronjob einrichten und danach Logrotate anweisen einem die tägliche IRC-Logdatei per Mail zukommen zu lassen. 😉

Richard Stallman wettert gegen Ubuntu Spyware

Es gibt einige universelle Konstanten im Universum: Lichtgeschwindigkeit, Plancksches Wirkungsquantum, die 42 und natürlich Richard Stallman. Sucht man nach einer klar definierten und polarisierenden Meinung zum Thema Freie Software, findet man sie mit traumwandlerischer Sicherheit bei ihm. Genau das Richtige für einen kleinen Aufreißer bei Sonnenschein und Schnee am Wochenende.
Gestern veröffentlichte RMS, wie er von vielen liebevoll abgekürzt wird, in seinem Blog den Artikel Ubuntu Spyware: What to do?
Er stellt darin die These auf, dass Freie Software die Nutzer vor schädlicher, gar boshafter Software beschütze und Ubuntu dieses Paradigma mit der Einführung seiner Shopping-Funktionen bei Amazon nun grob verletzt habe, indem Benutzerdaten standardmäßig an die Server von Canonical, dem Unternehmen hinter Ubuntu, übermittelt werden.
Selbst wenn dieses Feature nach der Installation ausgeschaltet wäre, bestünde immer noch die Gefahr für die Benutzer, dass deren Daten jederzeit wieder transferiert werden können. Zwar könne jede Einzelne diese Funktion abschalten, jedoch würde das bedeuten, dass die Abgrenzung zwischen proprietärer Software und freier Software verwischen würde und das Argument “Freie Software spioniert nicht” nicht mehr gelte. Wer schon ein paar andere Artikel von Richard Stallman kennt erahnt, was sein Fazit war.
Hört auf Ubuntu zu benutzen und es anderen weiterzuempfehlen!
Wenn man seinen Artikel zu Amazon gelesen hat und weiß, dass selbst Debian auf der Liste der Distributionen steht, die von der Free Software Foundation nicht empfohlen werden, kommt diese Aussage nicht vollkommen überraschend.
Diese Schwarz-Weiß-Ansichten sind einfach formuliert und egal was man von ihnen hält, man weiß immer genau für was der Andere steht oder eben nicht. Ob die Welt aus zahlreichen Grautönen besteht oder gar bunt ist, interessiert da nicht. Die Frage, die ich mir gestellt habe war, welche Möglichkeiten hat eigentlich ein Unternehmen, dass mit Freier Software arbeitet und handelt, Gewinne zu machen? Wie kann ich Menschen für ein Produkt begeistern und maßgeschneiderte Lösungen anbieten, ohne dass ich dafür etwas über sie wissen muss?
Das scheint ein ganz schön vertracktes Problem zu sein, nichts speichern, nichts wissen, aber dennoch Informationen in Echtzeit via Internet anbieten. Klar, Canonical könnte auch den Versandkatalog von Amazon auf DVD an alle seine Nutzer verschicken, die ihn dann lokal installieren. Möglichkeiten neue Arbeitsplätze zu schaffen, gibt es viele.
Vielleicht ist Stallmans Vorschlag, lokale und entfernte Suche strikt zu trennen und nur mit expliziter Einwilligung der Nutzer zu handeln, gar nicht so verkehrt und die einzige Möglichkeit alle datenschutzrechtlichen Bedenken auszuräumen. Doch ist es realistisch anzunehmen, dass jeder Nutzer zwei getrennte Schnittstellen benutzen würde, wenn es sie denn gäbe? Wer denkt bei der ganzen Diskussion eigentlich an die kleinen Buchläden und Einzelhändler, die von so einer Funktion so oder so nicht profitieren?
Im Moment weiß ich nur, dass ich kein Patentrezept habe. Mehr Transparenz bei all diesen “Shopping-Features” wäre sicherlich nicht verkehrt und dann bitte schön auch mit größerer Auswahl. Aufrufe zum Boykott halte ich jedoch für falsch, solange es die Möglichkeit gibt die betreffende Funktion einfach bei Nichtgefallen zu deaktivieren.
sudo apt-get remove unity-lens-shopping

Hilfe zur Selbsthilfe – Erkenne die Probleme deines Lieblingspakets

Genug mit dem Blogurlaub. Bevor ich das Schreiben ganz verlerne, mache ich meine Antwort zu einer E-Mail kurzerhand öffentlich und versuche ein paar nützliche Links und Hilfsmittel anzuschneiden, mit denen ihr erkennen könnt, ob etwas mit eurem Lieblingspaket nicht stimmt und wie ihr vielleicht sogar dabei helfen könnt, damit sich die Lage wieder etwas aufhellt.
Vor kurzem erhielt ich per Mail die Anfrage, wie ich es mit Xarchiver halten würde. Vor einigen Jahren, einige erinnern sich sicherlich noch, war das immerhin das Standardprogramm von Xfce, wenn es um das Archivieren bzw. Komprimieren von Dateien und Verzeichnissen ging, auch wenn es eine Zeitlang mit Squeeze konkurrierte.
Beide Programme sind ein wenig in der Versenkung verschwunden, weil sie schon seit längerem von Xfce nicht mehr beworben werden. Xarchiver steckt seit 2009 in einer Art Winterschlaf und solange niemand die Entwicklung erneut aufnimmt, wird dies auch weiterhin so bleiben. Jedoch ist es im Grunde genommen gar nicht so schlecht um dieses Programm bestellt und es erfreut sich nach wie vor einer großen Anzahl von Nutzern.

Die Diagnose

Wie bei den meisten Programmen gibt es auch bei Xarchiver ein paar Bugs. Das stellt sich z.B. so dar, dass man mitunter eine böse Überraschung erlebt, wenn man versucht 7z-Archive zu öffnen und das Programm dabei abstürzt. Die Bugs #665642 und #551468 erzählen davon und auch auf Launchpad sammeln sich die Fehlerberichte.
In Ubuntu liefert die Paketübersicht den ersten Hinweis darauf, wie es um das Paket bestellt ist. Neben dem Link zu den Fehlerberichten ist vor allem interessant zu wissen, dass Xarchiver von den Ubuntu MOTU (Master of the Universe ;)) Entwicklern betreut wird, jedoch wie die meisten Ubuntu-Pakete ursprünglich vom Debian-Projekt stammt und dort einen Maintainer besitzt, der sich in der Regel auch darum kümmert.
Für Debian gibt es eine ganz ähnliche Paketübersicht wie bei Ubuntu, jedoch mit einem besonderen Bonus, Debians Package Tracking System (PTS). In dieser Übersicht erkennt man oft schon mit einem Blick wie es um das Paket bestellt ist.
Bei Xarchiver fällt auf, dass der letzte Upload vor mehr als drei Jahren stattfand, was man unter der Rubrik News schnell erkennen kann. Auf der linken Seite befinden sich die allgemeinen Angaben zum Paket, den Versionen und wer der aktuelle Betreuer ist. Rechts wiederum ist die Kurzübersicht zu den Fehlern unterteilt nach Schweregrad. Viele nützliche Links befinden sich darunter. Insbesondere der Bericht von Lintian über festgestellte Paketfehler macht oft deutlich wie es um die inneren Werte des Pakets steht.
Als Indikator für die Popularität des Pakets dient hingegen der sogenannte Popcon-Wert. Debian bietet hier gegenüber der Ubuntu-Variante ein paar nette Graphen, die Aufschluss über die Benutzerentwicklung geben. Der Trend bei Xarchiver zeigt klar nach oben und mit mehr als 6000 installierten Anwendungen, das sind immerhin 5% aller eingereichten Berichte, ist Xarchiver für eine optionale Anwendung ziemlich begehrt.
Wäre das Paket “verwaist” oder würde der Betreuer nach einem Nachfolger suchen, gäbe es unter Todo einen weiteren Link, der auf den entsprechenden Fehlerbericht zeigen würde. Da dies nicht der Fall ist, kann man nur zum Schluss kommen, dass das Paket aktuell nicht betreut wird, jedoch auch kein Nachfolger gesucht wird, Fehler aufweist, von denen sich einige beseitigen lassen und das ganze Paket ziemlich populär ist. Auf der anderen Seite stagniert die Entwicklung seit mehr als drei Jahren, weswegen der Paketbetreuer auf jeden Fall auf Mithilfe angewiesen ist, wenn er nicht gleich selbst der neue Entwickler von Xarchiver werden möchte.
In so einem Fall würde ich also den Patch für den 7z-Bug, den es tatsächlich schon gibt, an den Fehlerbericht anhängen und freundlich anfragen, ob das Paket weiterhin noch betreut wird. In der Regel sollte man danach:

  • Zwei Wochen warten, dann noch einmal nachfragen.
  • Nach einem Monat einen Blick auf diese Seite werfen und den Links zur Debian-Mailingliste für Qualitätssicherung und dem hauseigenen IRC-Channel folgen und das Problem dort ansprechen.

In der Regel wird das Paket spätestens dann für neue interessierte Betreuer freigegeben. Der Vorgang könnte meiner Meinung nach etwas einfacher sein und zur Zeit gibt es tatsächlich eine aktive Diskussion darüber diesen Prozess durch einen Fehlerbericht einzuleiten. Dieser kann dann von jedem Nutzer eingereicht werden, jedoch nur von Debianentwicklern bestätigt werden, wonach das Paket für einen Nachfolger freigegeben wird. Das Ganze ist noch nicht spruchreif, wird aber mit etwas Glück in den nächsten Monaten vorgestellt werden.

Fazit

Oft spielen wie immer mehrere Faktoren zusammen. Die Entwicklung des Programms ist eingeschlafen, der Paketbetreuer scheint in Urlaub zu sein und am eigenen PC fragt man sich nur, woran hängt es eigentlich. Das Paketverfolgungssystem von Debian bietet die wichtigsten Infos auf einen Blick und danach kann man dann entscheiden, ob man Zeit in die Fehlerbeseitigung investieren möchte oder doch lieber zu einer Alternative greift.

Du willst ein Spiel in Debian und Ubuntu sehen? So gehts!

Mich erreichte vor drei Wochen eine nette E-Mail und schnell kamen wir auf das Thema Freie Software und Spiele bei Debian zu sprechen. Unter anderem erhielt ich auch ein paar Vorschläge, welche Spiele es in die nächste Veröffentlichung von Debian schaffen sollten, was mich zu der Idee brachte diesen Artikel zu schreiben.

Du willst ein Spiel in Debian und Ubuntu sehen? So gehts!

FreeOrion

  • Gehe auf die Suche. Es gibt tatsächlich viele Spiele, die als Freie Software entwickelt werden, aber von denen noch kaum jemand gehört hat. Berusky2 in der Linuxversion gibt es zwar schon mehr als ein Jahr, von einem Paket in Ubuntu oder Debian fehlt jedoch noch jede Spur. FreeOrion ist ein rundenbasiertes, intergalaktisches Weltraumeroberungsspiel in der Tradition der Master-of-Orion-Serie. Lips of Suna ist ein ironisch gemeintes Action-Rollenspiel. Leider existiert für all diese Spiele noch kein Debianpaket. Weitere Ideen zu Linuxspielen findest du z.B. bei holarse-linuxgaming.de, der Linux Game Database, Penguspy, Linuxgames.com und bei vielen weiteren Links.
  • Mache sie bekannt. Es nützt nichts, wenn du die Einzige bist, die all diese Spiele kennt. Mache sie bekannt! Das Games Team von Debian pflegt ein paar Seiten im Debian-Wiki. Unter anderem sind das Games/Suggested und Games/Unsuitable. Erstellt euch einen Account für das Wiki und tragt eure Ideen unter “Suggested” ein. Haltet euch an die alphabetische Sortierung und beschreibt, um was es bei dem Spiel geht, unter welcher Lizenz man es verbreiten darf, in welcher Programmiersprache es geschrieben wurde und was euch ansonsten noch für Besonderheiten aufgefallen sind.
  • Erstellt einen RFP- oder ITP-Fehlerbericht. RFP steht für request for package und ITP für intent to package. Falls ihr das Spiel selbst nach Debian bringen wollt, ist ITP natürlich die erste Wahl, in den meisten Fällen genügt es jedoch schon Aufmerksamkeit zu erzeugen, indem ihr einen RFP-Fehlerbericht verfasst.
    Am einfachsten benutzt ihr reportbug.
    reportbug wnpp
    Mit diesem Befehl erstellt ihr einen Fehlerbericht gegen das sogenannte Pseudo-Paket “wnpp”, Work-Needing-and-Prospective-Packages. Folgt ihr den Menüoptionen zum Thema RFP, könnt ihr ein Paket vorschlagen, welches ihr für geeignet haltet, um irgendwann in Debian oder Ubuntu zu erscheinen.
  • Nutzt das richtige Forum. Spieleentwicklung geschieht häufig auf bestimmten Mailinglisten, im IRC, aber auch Foren und jede andere Kommunikationsform sind denkbar. Debian hat eine eigene Mailingliste für die Entwicklung von Spielen, bei Ubuntu gibt es ebenfalls ein eigenes GamingTeam! Wenn ihr eine gute Idee habt, sprecht sie an, stellt sie vor, verwirklicht sie! Umso mehr Informationen ihr zur Verfügung stellt, desto besser können sich Interessierte eine Meinung darüber bilden, ob sie das Spiel als Paket einbringen wollen. Lasst euch jedoch auch von Rückschlägen nicht entmutigen.
  • Tu es selbst. Ihr habt euch die Mühe gemacht und alle Informationen zusammengetragen, sie öffentlich gemacht, aber so richtig will keiner anbeißen. Warum? Freie Software zu entwickeln ist für viele nur ein Nebenjob. Ihr erntet also nur Missmut und gar Unverständnis, wenn ihr erwartet, dass irgendjemand ein Spiel für euch paketieren soll. Macht es einfach selbst. Die Chancen steigen exponentiell, wenn ihr euch selbst als zukünftiger Paketverwalter anbietet.
    Wenn gute Gründe gegen die Karriere als Paketverwalterin sprechen, macht euch den Spaß und tragt so viele Informationen zusammen wie nur möglich, haltet sie am besten auf einer eigenen Wiki-Seite fest und stellt sie vor. Die meiste Arbeit bei der Erstellung eines Pakets ist nicht selten nur die reine Technik, sondern oft das Sichten der Lizenzen. Stimmt es tatsächlich, wenn die Entwickler ein reines “Open-Source-Spiel” versprechen? Oft offenbart z.B.
    grep -ri "All rights reserved" /Pfad-zum-Spiel
    die ein oder andere Überraschung. Ihr helft der zukünftigen Aufnahme des Spiels in Debian und Ubuntu ungemein, wenn ihr solche “Show-stopper” frühzeitig erkennt und problematische Dateien und Code öffentlich dokumentiert.

Ich erwähnte es sicherlich schon an der ein oder anderen Stelle. Freie Software bietet einem alle Freiheiten, ist manchmal auch anstrengend, macht jedoch auch immer wieder Spaß.
Mach mit!

Mehr als ein Feiertag: Mediathekview 3.0.0 ist in Debian Sid

MediathekView
Vorgestern war in zweifacher Hinsicht ein besonderer Tag. Es war Tag der Deutschen Einheit und mein erstes “richtiges” Debianpaket, MediathekView, wurde in das offizielle Archiv hochgeladen und befindet sich nun in Debian Unstable alias Sid. Wer meine MediathekView-Pakete bisher von diesem Blog aus bezogen hat, braucht sich nicht groß umstellen, bis auf ein paar interne Details hat sich zur Version 3.0.0 nicht viel geändert.
Ich werde nun einen sogenannten “Unblock”-Fehlerbericht verfassen, damit MediathekView 3.0.0 noch die Chance hat nach Wheezy zu migrieren und die nächste bzw. erste stabile Version in Debian wird. Die Chancen stehen leider nicht besonders gut, da sich gegenüber der alten Version viel verändert hat. Wenn das Release-Team den Daumen senkt, gibt es eben keine Version für Debian Wheezy. Liegt leider außerhalb meines Machtbereichs. Sorry.
Ansonsten wurden noch meine drei “RC-NMUs” (Abkürzungen sind toll) ebenfalls gestern hochgeladen. Die Sache mit der invaliden E-Mail-Adresse. Zugegeben das waren triviale Änderungen, aber ein Debianentwickler dachte sich scheinbar: “Egal. Es fixt drei veröffentlichungskritische Bugs”. Also wer immer schon mal Lust hatte Debian oder Freier Software im Allgemeinen zu helfen, dann zögert nicht und beseitigt RC-Bugs!
Der Vollständigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass Bart Martens, ebenfalls Debian-Entwickler, die Sache leicht anders gesehen hat. Seine Aussage: Wenn ein Paketverwalter es nicht einmal für nötig halte seine Kontaktdaten aktuell zu halten, solle man das Paket gleich verwaisen lassen – sprich einen neuen Maintainer suchen.
Bart hat Recht. Ich denke, es ist vollkommen normal, wenn man irgendwann an einen Punkt gelangt und keine Zeit oder Lust mehr für Debian hat und weiterziehen möchte. Fairerweise sollte man jedoch das auch öffentlich machen und Leute dazu auffordern die eigenen Pakete zu übernehmen. Viele verschwinden jedoch und zurück bleibt Software, die keiner mehr betreut. Aus falscher Rücksichtnahme auf den Maintainer passiert dann auch schon einmal Monate lang gar nichts.
Ich denke hier hilft einfach gesunder Menschenverstand weiter. Wenn ein Paket tatsächlich in einem miserablen Zustand ist, erstellt einfach einen Patch oder ein neues, besseres Paket. Mit Sicherheit wird sich dann jemand finden, der es in Debian einstellt.

Schroot(e) dein Linux: Debian in Ubuntu installieren Teil 2

Letztes Jahr hatte ich mir zu Testzwecken ein Debian-System innerhalb von Ubuntu 10.10 mit Hilfe von Debootstrap installiert, um in diesem abgeschotteten Bereich einen Linuxkernel zu kompilieren. Damit das funktionierte griff ich auf eine typische Linuxfunktion, chroot, zurück.
Der Nachteil des Ganzen war, dass nur Root in so eine Chroot-Umgebung wechseln durfte und ich manuell /proc und /dev hinein mounten musste. Das alles geht einfacher und zwar mit Schroot.
Schroot nimmt einem die ganze Arbeit ab. Ab sofort kann man als normaler Benutzer in die Chroot-Umgebung wechseln und das manuelle Einbinden von Partitionen und Dateisystemen entfällt. Benutze ich einen kachelnden Fenstermanager befindet sich meine Entwicklungsumgebung (Debian Sid) im Terminalfenster auf der linken Seite und Debian Stable oder Testing auf der rechten. Ich kann Pakete innerhalb von Schroot kompilieren und das Experimentelle von meinem stabilen System trennen, muss mich aber nicht verrenken, um Dateien zwischen beiden auszutauschen, denn das beste von allem ist, sowohl die Schroot-Umgebung als auch die reguläre Arbeitsumgebung greifen auf das gleiche Home-Verzeichnis zurück.

Schritte um Schroot einzurichten

  1. aptitude install debootstrap schroot
  2. mkdir -p /home/chroot/sid-amd64
  3. cd /home/chroot/
  4. debootstrap --include=zsh --arch amd64 sid sid-amd64 http://ftp.de.debian.org/debian
  5. Kaffee holen.
  6. vim /etc/schroot/schroot.conf
    [sid]
    description=Debian sid (unstable)
    directory=/home/chroot/sid-amd64
    type=directory
    root-users=apo
    groups=sbuild
    root-groups=root,sbuild
    aliases=unstable,default
    
  7. schroot -c sid

In der schroot.conf lassen sich nach diesem Schema weitere Umgebungen definieren, z.B. für Ubuntu! oder ein i386-System. Da ich [sid] mit dem Alias default versehen habe, kann ich auch direkt nur mit dem Befehl schroot in die Umgebung gelangen. Ich verwende ZSH als Shell und habe mir dieses Paket schon bei der Installation mit Debootstrap hinzugefügt. Ob ihr Gruppen für euren Benutzer oder gar mehrere anlegt ist Geschmackssache. Zur Zeit experimentiere ich ein wenig damit.
Die Sid-Umgebung lässt sich genauso konfigurieren, wie ihr das von eurem normalen System auch gewohnt seid. Das liegt vor allem daran, dass Schroot die ganze Arbeit erledigt und die Konfiguration in /etc/schroot/default bei diesem Setup abarbeitet. Mein Home-Verzeichnis wird ebenfalls direkt in diesen eigenständigen Bereich eingebunden, so dass ich mich nicht lange mit Kleinarbeit aufhalten muss.
Schroot bietet noch viele weitere interessante Optionen und Möglichkeiten. Siehe auch man schroot und man schroot.conf. Ich muss noch herausfinden, wie ich X-Anwendungen an mein normales System weiterleiten kann. Zum Kompilieren von Paketen ist diese (S)chroot-Umgebung aber schon jetzt eine sehr praktische und auch performante Erleichterung, die eine virtuelle Maschine für die gleiche Aufgabe ersetzen kann.

ganbatte kudasai: Das Open-Source-Blog-Netzwerk

Open-Source-Blog-Netzwerk
Seit letzter Woche bin ich Mitglied im Open-Source-Blog-Netzwerk (OSBN). Mit einem dezenten Button auf der rechten Seite, habe ich das seit heute auch deutlicher gemacht. In was für eine Sekte hat es ihn nun verschlagen? Nun das Ganze muss man sich als einen losen Zusammenschluss von Weblogs vorstellen, die hautpsächlich über das Thema Open Source und Freie Software bloggen und deren Feeds an einer zentralen Stelle aggregiert werden. Also genau das, was z.B. der Planet von ubuntuusers.de auch macht. Wo liegt also der große Unterschied?
Zum einen macht es ein loser und unabhängiger Bund etwas einfacher eigene Schwerpunkte zu setzen. Manche fühlen sich vielleicht auch weniger durch Vorgaben wie beim Planeten eingeschränkt, wobei mich die Regeln dort in keinster Weise stören. Grundsätzlich sind dort Themen über Freie Software sehr willkommen, ohne dass jeder Artikel speziell Ubuntu thematisieren müsste. Und mal ganz ehrlich: Mich würde es auch stören, wenn jemand nur über seinen Hamster oder die politischen Weltanschauungen schreiben würde.
Ich sehe das OSBN daher mehr wie eine zusätzliche Ergänzung, ein Experiment und etwas, was man weiterentwickeln kann, ohne dass einer der Teilnehmer hier irgendwelchen Zwängen unterworfen wäre. Zugegeben die Aufrechterhaltung der Infrastruktur, die Pflege der Startseite und des Forums machen Arbeit. Der Grundgedanke ist, dass eine Plattform geschaffen wird, wo sich Blogger und Leser gleichermaßen austauschen können und man neue interessante Artikel, Informationen und Menschen finden kann, z.B. wenn man den OSBN-Feed liest.
OSBN wurde durch Valentin von picomol.de ins Leben gerufen. Das Open-Source-Blog-Netzwerk ist dabei eine Art Weiterentwicklung seines weiteren Projekts ubuntunews.de, das Newsfeeds aus der Ubuntu-verwandten Sphäre zusammenführt. Mich persönlich interessiert auch die dahinter steckende Technik. Alles ist mit PHP, HTML5, CSS und Simple Pie verwirklicht worden.
Die Hoffnungen für das Netzwerk gehen dahin, dass es Leser einfacher haben interessante Themen und Artikel zu entdecken und wir Blogger, nun ja, Leser gewinnen, die unsere bedruckten T-Shirts und Kaffeetassen kaufen. Außerdem mag ich kleine und unbekannte Netzwerke, die (noch) niemand kennt.
Warum ich bei OSBN bin und nicht einmal einen Button für Facebook, Twitter und Google+ in meinem Blog untergebracht habe? Der Grund ist,…kommt noch. 🙂