Erfahrungen mit ConnochaetOS auf dem Thinkpad 600

Am 11. August 2011 wurde ConnochaetOS in der finalen Version 0.9 freigegeben. Ich hatte im Juni schon über meinen ersten Eindruck berichtet und wollte nun diese Distribution auf dem Thinkpad 600 ausprobieren. Da die damalige RC-Version schon gut funktionierte, verzichtete ich auf den erneuten Download. Das System lässt sich natürlich später immer noch über den Paketmanager Pacman anpassen.

Bevor ich über die Erfahrungen erzähle, muss ich erst noch erklären, was ich mir bei der Aufteilung der Festplatte gedacht hatte. Ich wollte nicht jedes mal eine bestehende Installation überschreiben und partitionierte die Festplatte so, dass es eine Swap- und Root-Partition für Debian gab und noch eine dritte Partition für den Testkandidaten. Ich weiß, eine zusätzliche Bootpartition wäre sicher nicht verkehrt gewesen, aber ich wollte es so einfach wie möglich haben. Leider kommt bei nur 128 MB RAM ein komplettes Festplattenbackup mit Clonezilla nicht mehr in Frage. Doch auf der anderen Seite ist Clonezilla auch „nur“ eine ausgeklügelte Oberfläche für diverse Backup-Werkzeuge, weswegen ich für später entschieden habe Partition Nr.3 von meiner bestehenden Debian-Installation mit Hilfe von partimage zu sichern.

Die Installation

Mittlerweile habe ich schon einige Installationen mit Arch Linux bzw. ConnochaetOS hinter mir. An die Textinstallation gewöhnt man sich schnell. Sie bietet an einigen Stellen im Gegensatz zum Debian-Installer etwas zusätzliche Kontrolle und ist insgesamt sehr logisch aufgebaut. Wenn man Erfahrung mit linuxtypischen Begriffen hat sind die Hürden eher gering. Als Nachteil empfinde ich nur, dass die Installation auf Grund des K.I.S.S. Prinzips nur in Englisch durchgeführt werden kann und dass es keine Option gibt um die gesamte Festplatte wie bei Debian schon bei der Installation mit dm_crypt zu verschlüsseln. Am besten ihr bildet euch eine eigene Meinung. Die gesamte Installation wird auf der ConnochaetOS Seite in Bild und Text und sogar mit Videos erklärt. Am einfachsten ist es sicher auf die umfangreiche Dokumentation von Arch Linux zurückzugreifen z.B. auf die Anleitung für Einsteiger. Alles in allem verlief die Installation von ConnochaetOS problemlos.

Hardwareerkennung

Hier verdient sich ConnochaetOS ein großes Lob. Nach dem Reboot wurden alle Hardwarekomponenten des Laptops ausnahmslos erkannt und eingerichtet. Weder die Neomagic-Grafikkarte noch die sehr alte CS4237B-ISA-Soundkarte waren ein Problem und wurden automatisch so konfiguriert, dass man sofort mit einer Auflösung von 1024×768 in den Desktop startete und nach der Justierung der Lautstärke mit dem Programm alsamixer oder aumix Musik hören oder Videos abspielen konnte. Auch das Einrichten des Framebuffers mit dem Neofb-Treiber und die richtige Einstellung der Auflösung auf der Konsole geschah automatisch. Hier ist ConnochaetOS sogar benutzerfreundlicher als Debian.

Software

Während man bei Arch Linux nach der Installation beginnt das System Schritt für Schritt an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, bietet ConnochaetOS passend für die Zielgruppe, ältere Computer, sinnvolle Voreinstellungen und eine gute Auswahl ressourcenschonender Software. Neben dem Webkit-Browser xxxterm gibt es sowohl Anwendungen für Büroarbeit, Bild- und PDF-Betrachter, Editoren, ein E-Mail-Programm und Software zum Abspielen von Musik und Videos. Für allgemeine Computeraufgaben und zum Surfen im Internet sind die Programme vollkommen ausreichend.

ConnochaetOS basiert zwar auf Arch Linux, hat aber alle Anwendungen für die i586 Architektur optimiert. Der Softwareumfang ist dadurch geringer und bei weitem nicht so groß wie bei Debian. Ist man also Debian gewohnt, muss man hier entweder Kompromisse eingehen oder sich im Forum von ConnochaetOS umsehen. Einige Teilnehmer bieten dort ihre selbst übersetzten Pakete zum Download an. Auch ein hier oft zitierter K.Mandla war dort kurzzeitig unterwegs und hat einige nützliche Informationen hinterlassen.

Als ConnochaetOS-Benutzer hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man lädt die schon übersetzten Pakete manuell oder mit dem Paketmanager Pacman herunter. Die andere Möglichkeit wäre mit Hilfe des archtypischen Programms makepkg und einem sogenannten PKGBUILD sich das gewünschte Programm selbst zu bauen. Da ich hier selbst noch am Anfang stehe, verweise ich nur auf die Einträge im Arch Wiki. Die Dokumentation hierzu ist gut und das Ausprobieren hat bisher Spaß gemacht. Noch einfacher geht es, wenn man dem schon bereiteten Pfad folgt und sich K.Mandlas PKGBUILDS und Software herunterlädt.

Am Ende installierte ich noch scrot, um ein Bildschirmfoto machen zu können. Gerne gesehen hätte ich auch Osmo und MTPaint und einige meiner Konsolenfavoriten.

Netzwerk

Man hat die Wahl das Netzwerk manuell z.B. in der /etc/rc.conf einzurichten oder den grafischen Netzwerkmanager Wicd dafür zu benutzen. Als ich letzteren im Menü wählte, tat sich erst einmal gar nichts. Hierzu musste man wissen, dass der Wicd-Daemon zuerst gestartet und die rc.conf angepasst werden muss. Die entscheidende Zeile sah bei mir dann so aus:

DAEMONS=(metalog netfs crond dbus wicd sshd)

Wer später auch einen SSH Server installieren möchte und vom eigenen Server abgewiesen wird, sollte in die /etc/hosts.deny schauen und die Zeile ALL: ALL: DENY löschen oder auskommentieren.

Nun wollte ich zuerst meine WLAN-Karte von Linksys mit dem Kerneltreiber b43 einrichten. Als ich die hierfür unfreie Firmware an den richtigen Ort kopiert hatte rührte sich aber nichts. Nach einem Blick in das Log mit dmesg stieß ich zum ersten Mal auf den Begriff „deblobbed“. Kurzum der Libre-Kernel von ConnochaetOS widersetzt sich jeder unfreien Komponente und verhindert das Laden dementsprechender Firmware. Mittlerweile besitze ich aber Hardware mit freien Treibern, weswegen sich dieses Problem später aufgelöst hat. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Der Desktop

ConnochaetOS setzt auf IceWM als Fenstermanager. Um die Konfiguration anzupassen sollte man die Dateien aus /usr/share/icewm nach ~/.icewm kopieren. Ein neues Thema von box-look.org lässt sich ganz leicht installieren, indem das Verzeichnis nach ~./icewm/themes/ entpackt wird. Dieses wird dann wie bei IceWM gewohnt im Anwendungsmenü unter Einstellungen ausgewählt. Und so sieht ConnochaetOS mit dem zur Zeit am besten bewerteten „Elegance“ Thema aus.

ConnochaetOS in Debians GRUB Menü eintragen

Die automatische Erkennung mit Hilfe von os-prober ist bei mir fehlgeschlagen. Manuell lässt sich ConnochaetOS bei Debian in der Datei /etc/grub.d/40_custom einbinden. Je nach dem mit welcher Methode man seine Festplatten einhängen möchte, muss die „root“-Zeile angepasst werden und die UUID geändert werden. Anschließend noch einmal update-grub ausführen.

menuentry "ConnochaetOS" {
set root=(hd0,3)
linux /boot/vmlinuz26-libre-lts root=/dev/disk/by-uuid/f8966bb4-ff65-478e-9032-8da14ad1077c rootflags= rootfstype=ext3 ro
initrd /boot/kernel26-libre-lts.img
}

Fazit

Ich empfand die Installation insgesamt als unkompliziert. Auf diesem speziellen IBM-Laptop war die Hardwareerkennung sogar exzellent. Auch die vorinstallierte Software ist für Otto-Normal-Benutzer ausreichend und verhält sich trotz des fortgeschrittenen Laptopalters von 13 Jahren immer noch angenehm schnell. Einziges Manko ist die geringe Auswahl an zusätzlichen Softwarepaketen. Hier muss man Eigeninitiative beweisen oder sich am besten im Forum von ConnochaetOS mit Gleichgesinnten austauschen.

Als zusätzlichen Bonus erhält man eine nach den GNU-Richtlinien freie Linuxdistribution. Wer Hardware mit unfreien Komponenten besitzt stößt hier aber schnell auf Probleme. Im schlimmsten Fall gibt es keine Hardwareunterstützung, weil der Libre-Kernel nur ausschließlich Freie Software unterstützt. Insgesamt macht es Spaß ConnochaetOS auf dem alten Laptop zu benutzen und ich kann guten Gewissens sagen, dass die Software den Rechner nicht überbeansprucht. Die Speicherauslastung nach einem Neustart liegt bei ca. 40 MB.

IceWM, IceWM, Baby

Es ist Sommer, es ist heiß kalt und jeder denkt natürlich nur an IceWM. IceWM ist einer der ältesten Fenstermanager, bis 1997 lässt sich dieses Projekt zurückverfolgen. Bei Fenstermanagern kann man schnell der Versuchung erliegen und sie in die dunkle Schublade der Vorurteile packen: „Fenstermanager sind schwierig zu konfigurieren. Da nehme ich besser Gnome, KDE und Xfce“. Stimmt, komplette Desktopumgebungen machen vieles leichter und nehmen ein Stück Arbeit beim Konfigurieren ab.

Trotzdem denke ich lohnt sich der Blick auf dieses Bauteil eines jeden modernen Desktops. Denn natürlich steckt auch in den großen Desktopumgebungen ein Fenstermanager sei es Metacity oder Mutter für Gnome, KWin für KDE und xfwm für Xfce. Die Auswahl ist so groß, dass man schnell den Überblick verlieren kann.

Meine Erfahrung aus der Vergangenheit ist, X und Fenstermanager der Wahl reichen aus, um scheinbar zu „alte“ Rechner wieder so nutzen zu können als würden sie direkt aus der Fabrikhalle kommen. Angefangen habe ich mal mit Fluxbox und kachelnden Fenstermanagern wie Awesome, ratpoison oder dwm. Später habe ich mich für Openbox entschieden, der mir bis heute noch sehr gut gefällt. IceWM gehört ebenfalls zu den bekannteren Fenstermanagern und es lohnt sich ihn für ein leichtgewichtiges Computersetup genauer anzuschauen.

Mit Debian und Ubuntu gestaltet sich die Installation sehr einfach. Hat es einem zu Gnome verschlagen, ist es mit der Installation des Pakets icewm-gnome-support schon getan um Metacity durch IceWM zu ersetzen. Auf meinem Inspiron 4000 Laptop habe ich seit neustem gdm3 als Loginmanager installiert um einem Bug aus dem Weg zu gehen, der mich vor einer Weile schon beschäftigt hat. Installiert man das Paket icewm aus den Repos, kann man danach direkt beim Login zwischen den verschiedenen Fentermanagern oder Desktopumgebungen wählen.

IceWM lässt sich sofort nach dem Login produktiv nutzen. Ein Panel ist standardmäßig installiert, das Anwendungsmenü ist gefüllt (wenn nicht, einfach mal das Paket menu installieren) und bei manchen Themen ist sogar schon ein Hintergrundbild automatisch gesetzt.

IceWM hat dazu ein eingebautes Feature, das Hintergrundbild lässt sich aber auch wie bei anderen Fenstermanagern z.B. mit der Hilfe von feh einrichten. Wem die vorinstallierten Themen nicht zusagen, sollte gleich danach icewm-themes installieren, um die Auswahl nochmal stark zu vergrößern. Natürlich war das noch nicht alles, es gibt noch viele weitere Kreationen auf box-look.org, aber nehmt mich nicht beim Wort.

Wie bei allen anderen Fenstermanagern auch, lässt sich IceWM über das Anpassen einiger Textdateien an die eigenen Vorstellungen anpassen. Im Regelfall befinden sich die Konfigurationsdateien in /etc/X11/icewm/ und sollten für den einzelnen Benutzer nach ~/.icewm/ kopiert werden. Von box-look.org heruntergeladene Themen landen genau dort und zwar im Ordner ~/.icewm/themes/, danach lassen sie sich durch einen Klick unter Einstellungen->Themen im Anwendungsmenü auswählen.

Wie bei allen Laptops/Netbooks habe ich mir irgendwann einmal angewöhnt die Programme, die ich sehr oft benutze, mit einer Tastenkombination aufzurufen. Bei IceWM stellt ihr das in der Datei keys ein. Ansonsten lässt sich das Anwendungsmenü noch in der Datei menu anpassen und weitere Einstellungen in preferences. Programme, die beim Login gestartet werden sollen, gehören in die Datei startup. Wer schon die ersten Schritte zu Fluxbox oder Openbox gelesen hat, dem kommen diese Konzepte sicher bekannt vor.

Vom Speicherverbrauch her spüre ich auf einem PIII mit 800 MHz und 256 MB RAM keinen Unterschied zu den anderen Fenstermanagern. Erst bei 64 MB RAM und weniger sollte man hier genauer nachhaken. Ich denke verschiedene Fenstermanager auszuprobieren ist gerade mit auf Debian basierenden Distributionen sehr einfach. Für die Zukunft habe ich mir noch vorgenommen K.Mandlas Windows XP Desktopthema nachzubauen. Normalerweise halte ich so etwas ja für Kitsch, aber zum Lernen oder einfach nur aus Spaß, ist es sicher die aufgewendete Zeit wert.

Links

IceWM bei ubuntuusers.de

AntiX: Ein schlankes Debian-Derivat mit Fluxbox und IceWM

AntiX. Der Name ließ mich zuerst an ein reines Betriebssystem für die Konsole denken. Doch ein Blick mit Hilfe von Virtualbox offenbarte eine Live-CD mit der Möglichkeit in einen grafischen Desktop mit Fluxbox oder IceWM zu booten. Ich war zuerst skeptisch als ich las AntiX basiere auf Debian Testing und Mepis, welches ebenfalls wiederum auf Debian Stable fußt. Schon wieder ein Debian-Derivat?

Nachdem ich dieses Jahr einige neue Distributionen ausprobiert hatte, wusste ich, zählt man Debian und Ubuntu basierende Distributionen zusammen, dass laut Distrowatch Debian in 66% aller Linuxdistributionen steckt. AntiX war in dieser Hinsicht also auch keine Überraschung mehr. Welche Gründe könnte es geben AntiX einer reinen Debian Installation vorzuziehen?

Nach dem Login fällt auf jeden Fall das ansprechende Design des IceWM-Desktops auf. Nicht dass das Panel am unteren Bildschirmrand eine originelle neue Erfindung wäre, aber die Struktur des Menüs und das gewählte Thema machen einen überzeugenden Eindruck. Schaut man sich dann die installierten Programme etwas näher an, findet man dort viele bekannte schlanke GUI- sowie Konsolenanwendungen wieder. Großes Kompliment für alpine, moc, rtorrent, elinks und irssi, die ich auch ohne weiteres für jedes effiziente und leichtgewichtige Setup empfehlen kann.

Zusätzlich gibt es z.B. auch noch den DOS-Emulator DOSBox dazu. DOSBox in AntiX in Virtualbox auf einem Debian Testing Wirtssystem…ah Fortschritt ist wundervoll. 🙂

Für Linuxeinsteiger kann es eventuell verwirrend sein, dass AntiX sich nicht auf eine Applikation pro Aufgabe beschränkt hat. Während ich die Idee GUI- und Konsolenapps nebeneinander zu präsentieren gut finde, macht es nicht so viel Sinn den ROX-Filer als Zeichner des Hintergrundbilds zu verwenden, Thunar parallel zu installieren und dann ROX mit einem Desktopicon in den Vordergrund zu rücken. Eine Abwechslung ist hingegen die Verwendung der Internetsuite Iceape, mit der Browsen, E-Mail, ein Adressbuch, ein HTML-Editor und Chatten zur Verfügung stehen.

Die Fluxbox-Variante bringt die gleichen Anwendungen mit und…den Fenstermanager Fluxbox.

AntiX liefert einen eigenen Installer, mit dem sich das Betriebssystem direkt von der Live-CD aus installieren lässt. Hier gibt es nichts wirklich Neues zu bestaunen. Auffallend ist die EULA, die man zuvor akzeptieren muss und die auf einige Copyright-Einschränkungen zu Mepis hinweist, dessen treibende Kraft ein Unternehmen mit Sitz in den USA ist. Mein erster Eindruck war, dass das nicht im Widerspruch zu FOSS steht, da die GPL oder andere freie Softwarelizenzen respektiert werden. Mepis versucht aber genauso wie Ubuntu mit Dienstleistungen und einem eigenständigen Produkt Geld zu verdienen.

AntiX lässt einem die Wahl der Software. Debian Testing ist voreingestellt, man kann aber auch zu einem Mix aus Debian Stable und den Mepis-Repositorien wechseln. Mir persönlich hat die Konfiguration des IceWM-Desktops gefallen und wer einfach an eine Konfiguration für Fluxbox oder IceWM gelangen möchte, kann mit AntiX nicht viel falsch machen.

Dennoch würde ich Debian AntiX vorziehen. Das Derivat bringt zwar einige einfache grafische Konfigurationswerkzeuge mit, hebt sich aber nicht so stark von Debian ab, dass es unverwechselbar wäre. Deinstalliert man den Mepis-Kernel und schaltet nur Debian-Quellen frei, ist es im Prinzip auch nichts anderes als Debian. Hinzu kommt, dass die Dokumentation ziemlich dürftig ist.

AntiX lässt sich ein wenig mit Crunchbang vergleichen, was eine sehr gute Openbox-Konfiguration zusammengestellt hat, das Rad aber auch nicht grundsätzlich neu erfindet. Während AntiX teilweise mehrere Applikationen pro Aufgabe ausgewählt hat, bleibt Crunchbang dem Motto „Eine Anwendung pro Aufgabe“ treu.

Alles in allem ist der Testkandidat eine gute Alternative für ältere Rechner, die man gerne näher anschauen darf, sofern man sich für Fluxbox- oder IceWM-Desktops interessiert und nicht so viel Zeit in die Konfiguration stecken möchte. 128 MB RAM werden als Mindestanforderungen empfohlen. Wem die vorinstallierten Anwendungen nicht gefallen, sollte sich auch einmal die Base- oder Core-Variante von AntiX anschauen, worauf man aufbauend sich ein eigenes System erstellen kann.

ConnochaetOS: Moderne Software für alte Computer

Eine weitere interessante Linuxdistribution für alte Computer. ConnochaetOS basiert zwar auf ArchLinux, die Zielgruppe des Projekts sind aber Computer vom 586er bis zum Pentium III, wodurch sie sich von Archs Fokussierung auf die i686 und x86_64 Architektur unterscheidet.

Connochaet ist vom wissenschaftlichen Fachbegriff Connochaetes für ein Gnu abgeleitet und spielt natürlich auf das GNU-Projekt an. Ziel ist es ausschließlich freie Software nach den GNU-Richtlinien zu enthalten und mit so wenig Ressourcen wie nötig ein modernes und stabiles Betriebssystem auf die Beine zu stellen.

ConnochaetOS, ehemals auch als Deli Linux bekannt, befindet sich immer noch in einer Beta-Phase. Eigentlich wollte ich noch bis zur finalen Version warten, bevor ich einen Blick riskiere, doch die Neugier hat schließlich gesiegt.

Wer Archlinux kennt wird mit der Installation keine Probleme haben. Bis auf die Auswahl der Software sind es die gleichen Schritte. ConnochaetOS hat sich bei der Auswahl der Programme von den Gedanken freie Software, ressourcensparend und schnell leiten lassen. Das merkt man überall. IceWM ist als Fenstermanager voreingestellt, der bekanntermaßen versucht bewährte Konzepte des Windows- und Linuxdesktops zu kombinieren.

Mplayer ist standardmäßig sowohl für Audio als auch Video verantwortlich und Gnumeric und Abiword erledigen die Büroarbeit. Interessante Alternativen zu bekannten anderen leichtgewichtigen Programmen sind LilyTerm, ein Terminalemulator, und xxxTerm, ein Webbrowser. Letzterer basiert auf der WebKit-Engine und gibt sich sehr genügsam. Im Gegensatz zu Midori oder anderen Alternativen fehlen aber noch einige Funktionen.

Als Dateimanager wird PacManFM eingesetzt, so wie auch andere Komponenten der LXDE-Desktopumgebung um Systemeinstellungen zu konfigurieren. Ansonsten gibt es einige weitere, einfache grafische Frontends z.B. um das Hintergrundbild zu ändern oder Blinky, eine GUI für Archs Paketmanager PacMan.

Wie gesagt befindet sich ConnochaetOS noch in der Entwicklungsphase, weswegen man es mit vorschnellen Urteilen nicht übertreiben sollte. Momentan scheint ConnochaetOS stabil in Virtualbox zu laufen und die richtigen Designentscheidungen getroffen zu haben, um ein sehr leichtes und dennoch gut ausgestattetes Betriebssystem auf Basis von Archlinux zu entwickeln.

Als Hardwareanforderungen werden mindestens ein Pentium I und 64 MB RAM für eine grafische Installation empfohlen. Direkt nach dem Login mit Hilfe von xdm werden ca. 38 MB RAM belegt. Wem die anderen Distributionen auf der Liste der leichtgewichtigen Distributionen nicht zusagen oder wer sowieso für alles Archlinux einsetzt, der sollte sich ConnochaetOS merken.

Höchstens die fehlende Dokumentation scheint mir momentan noch zu den größeren Schwächen zu gehören, wobei man für grundlegende Probleme auch auf die Foren und das Wiki von Archlinux ausweichen kann. Hilfe gibt es aber im offiziellen Forum, auch auf Deutsch.

Von IceWM zu Gnome 3 mit Arch Linux

Es hat Dank des deutschen und englischen Wikis von Arch Linux nicht lange gedauert bis Gnome 3 zum ersten Mal über den Bildschirm flimmerte.

Nach der Basisinstallation sollte man bei Arch, ähnlich wie bei Debian auch, die installierten Pakete auf den neusten Stand bringen. Das Werkzeug hierzu heißt Pacman. Ähnlich wie bei Apt lässt sich damit die Software verwalten.

Nach dem obligatorischen pacman -Syu war es Zeit das System etwas zu erweitern. Als erstes installierte ich wie immer den SSH-Server und Client, um damit den Rechner aus der Ferne zu administrieren oder Daten auszutauschen.

Nach der Installation des Arch-Pakets openssh kam ich zum ersten Mal mit einer archtypischen Konfigurationsdatei in Berührung, der zentralen Datei /etc/rc.conf. Hier lassen sich neben der Lokalisierung und Netzwerkeinstellungen unter anderem Daemons eintragen, die beim Start ausgeführt werden sollen.

Hier landete dann auch sshd, womit der SSH-Server automatisch beim Booten gestartet wird. Später folgten dann auch noch Dbus, Alsa und GDM. Doch bevor ich Gnome 3 mit pacman -S gdm gnome installierte, probierte ich mich zuerst an dem Fenstermanager IceWM. Die Installation des Fenstermanagers zieht wie bei Debian auch keine Pakete für den X-Server. Diese mussten ebenfalls separat ausgewählt werden.

Die Installation von X und der Xorg Pakete war aber genauso leicht wie die Installation des Open Source Treibers Nouveau für meine Nvidia-Grafikkarte und der TrueType Schriftarten. Um IceWM ohne Loginmanager zu starten, griff ich auf den schon verwendeten Tipp aus dem Arch-Wiki zurück.

IceWM sieht in der Standardkonfiguration noch nicht beeindruckend aus, lässt sich aber leicht so einrichten, dass es später mal das Aussehen von Windows 95 vortäuschen kann (was für viele scheinbar auch ein Hauptgrund ist IceWM zu installieren ;)). Die Konfigurationsdateien liegen alle in /usr/share/icewm und sollten noch nach ~/.icewm kopiert werden. Weitere Informationen zu IceWM gibt es z.B. auch auf ubuntuusers.de. Ein anderes Mal werde ich mir IceWM genauer ansehen. Nach dem Login zeigte htop 74 MB RAM Systemauslastung an. Das klingt doch vielversprechend. 🙂

Zurück zu Gnome 3. Da ich mich bei dem kurzen Testlauf mit IceWM genau an die Anleitung für Einsteiger gehalten hatte, war Gnome 3 mit den Paketen gdm und gnome im Handumdrehen installiert, was bei Debian dem Paket gnome-core entsprechen würde. Arch Linux bietet noch zusätzlich das Paket gnome-extras an, mit allem was Gnome sonst noch so zu bieten hat.

Zu Gnome 3 kann ich nicht viel mehr hinzufügen, was ich nicht auch schon in meinem Beitrag zu Gnome 3 und der Fedora-Live-CD geschrieben habe. Damit Gnome mit dem freien Nouveau-Treiber funktioniert, muss dessen experimenteller 3D-Treiber, nouveau-dri, zusätzlich installiert werden. Gnome läuft aber nicht nur ohne proprietäre Treiber sondern verhält sich danach auch noch ausgesprochen flüssig.

Ein großer Vorteil eines Multi-Boot-Systems ist, man kann verschiedene Desktopumgebungen leicht vergleichen. Während ich mir sowohl für Ubuntus Unity als auch Gnome 3 mehr Konfigurationsmöglichkeiten wünsche, gefällt mir die Geschlossenheit des ganzen Konzepts bei Gnome sehr gut. Die Aufteilung der Anwendungen ist in der Gnome Shell meiner Meinung nach zur Zeit besser umgesetzt als dies Ubuntu mit seiner Dash vormacht.

Was bleibt zu Arch zu sagen? Ich schreibe gerade diesen Beitrag mit Firefox 4 in Gnome 3 auf einem 64 bit Arch-Linux-System. Zwar war die Installation und Konfiguration für mich aufwendiger als bei Debian, doch war es Dank der ausgezeichneten Dokumentation schließlich auch nicht besonders schwer Arch Linux zum Laufen zu bekommen.

Das alles setzt voraus, dass man gerne selbst Hand an sein System anlegt, schon Erfahrung mit linuxtypischen Fachbegriffen hat und bereit ist einige neue Konzepte dazuzulernen. Ich mag an Arch Linux, dass es brandaktuelle Software anbietet und sich auf i686 und die x86_64 Plattform konzentriert und eine vorbildliche Dokumentation hat. Auf jeden Fall eine gute Entscheidung, wenn man seinen Horizont in Sachen Linux erweitern möchte.