Das Jahr 2011 mit alten Rechnern in der Retrospektive

83 Millionen. Diese interessante Zahl veröffentliche vorgestern der IT-Branchenverband Bitkom und bezifferte damit die potentielle Anzahl von in deutschen Haushalten herumliegenden Althandys, wie heise.de berichtet. Grob geschätzt hat also jeder Deutsche irgendwo noch ein Mobiltelefon zu Hause herumliegen, dass er womöglich gar nicht mehr benutzt.
Für mich rief diese Zahl Erinnerungen an meine vor einiger Zeit veröffentlichten Ergebnisse zum Energieverbrauch meiner Computer wach. Wie viele ältere PCs, Laptops und Netbooks wird es wohl in Deutschland noch geben und wie viel Energie wurde in ihre Herstellung investiert, was wird verbraucht und vor allem was lässt sich mit all der Elektronik noch anstellen?
Ich gebe mich nicht der Illusion hin zu glauben, dass sich in naher Zukunft etwas an diesem IT-Trend ändern wird. Es ist wohl heute schon eher der Regelfall mehrere Handys, Smartphones, Tablets, Laptops und normale PCs gleichzeitig zu besitzen. Auf einen allgemeinen Willen, der Fortschritt und Nutzen sowie wirtschaftliche als auch ökologische Vernunft zusammenführt, müssen wir wohl noch eine Weile warten.
Bevor ich mich nun als Moralapostel aufspiele, der nicht wenige dieser IT-Goodies selbst besitzt, ist hier einfach mal ein Überblick über meinen Rechenpark und die Freie Software, die dort zum Einsatz kommt, was man damit noch machen kann und warum es sich lohnt an gebrauchter Hardware nicht nur festzuhalten, sondern sie einfach weiterhin wie einen neuen Rechner zu benutzen.

Core Duo

Wenn man einen klassischen Desktop-PC mit einem 2,8 GHz Dual-Core-Prozessor betreibt, stellt man schnell fest, dass es kaum eine Anwendung gibt, die man damit nicht zum Laufen bringen kann. Dieser PC gehört schon lange wieder zur Low-End Kategorie, aber ernsthaft, mir ist noch keine Applikation untergekommen, die hier drauf nicht funktionieren würde.
Anfang des letzten Jahres habe ich mich entschieden ein Multiboot-System aufzusetzen, wo heute noch Ubuntu, Debian Testing und Debian Sid parallel installiert sind. Die Vorteile überwiegen für mich eindeutig. Auf einer weiteren Partition teste ich gerne auch andere Distributionen oder benutze sie für meine Experimente zum Thema Softwareentwicklung.
Ich denke, ich habe damit eine Menge neue und gute Erfahrungen gemacht und das System erfüllt alle meine Erwartungen. Insbesondere Debian Testing hat mich überzeugt, weil es dieses Jahr bis auf meine Nvidia-Probleme zuverlässig und mit aktueller Software funktionierte. Trotz des für die Debianentwickler aufwändigen Wechsels von Gnome 2 zu Gnome 3 geriet Testing nie ins stottern. Für einen klassischen Arbeits- und Multimedia-PC hat sich Debian auf jeden Fall bewährt und die Vorurteile, dass es mit Debian viel schwieriger sei ein solches Setup einzurichten und zu pflegen, konnte ich für mich nicht bestätigen.
Auch ein leichtgewichtiges Spielesystem macht sich bezahlt, dass nicht nur eine gute Performance liefert, sondern auch eine praktische und gefahrlose Trennung zwischen wichtigen und optionalen Anwendungen ermöglicht.
Ubuntu habe ich letztes Jahr etwas vernachlässigt. Das liegt weniger daran, dass mir Gnome 3 gegenüber Unity besser gefällt, als dass ich bisher wenig Zeit für mein Projekt, Ubuntu als Videoschnittplatz zu benutzen, gefunden habe. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Dell Inspiron 4000

Seit 2008 benutze ich diesen mittlerweile 10 Jahre alten Laptop. Als Betriebssystem stand Debian Sid mit Openbox als Fenstermanager eindeutig im Fokus. Trotz des hohen Alters sorgen beide dafür, dass sich Anwendungen flüssig bedienen lassen. Bis zu diesem kleinen Missgeschick hat er mich auch oft unterwegs begleitet. Zur Zeit dient er als Couch-Laptop, wer sich unter dem Begriff etwas vorstellen kann. 🙂
Internetsurfen, Mails abrufen oder Feeds lesen lässt sich natürlich auch mit einem älteren Laptop erledigen. Wozu also immer den wesentlich energiehungrigeren Core Duo bemühen?
Sicherlich ist er auch weiterhin perfekt um als Testrechner für die brandneuste Entwicklung mit Debian zu dienen. Es macht einfach Spaß mit Sid zu arbeiten, auch wenn oder gerade deswegen, manchmal etwas nicht so funktioniert wie es sollte.
Als Zweitsystem dient mir Arch Linux, womit ich interessante neue Ideen kennenlerne und ausprobiere. Arch Linux gelingt es an manchen Stellen wie z.B. der Paketverwaltung noch etwas reaktionsfreudiger zu sein.
Ansonsten dürfen sowohl KolibriOS als auch der Plop Bootmanager auf Grund ihrer Vielseitigkeit und des schieren “WoW-Faktors” auf diesem Laptop nicht fehlen.
Bevor ich mit dieser Einteilung zufrieden war, habe ich noch verschiedene Distributionen mit dem Inspiron ausprobiert, darunter unter anderem Crunchbang und Linux Mint Debian.

IBM Thinkpad 600

Erst vor wenigen Monaten habe ich einen Thinkpad als mobilen Ersatz für den Inspiron 4000 erworben, den ich dann am liebsten neben MacBook Pro Besitzern aufbaue. :mrgreen:
Neben seinem Gastauftritt auf einem Weihnachtsmarkt als Jukebox, ist er vor allem mit einer Menge nützlicher Konsolenanwendungen bestückt, die von Debian Stable geliefert werden. Benötige ich eine grafische Oberfläche, komme ich mittlerweile mit dwm sehr gut zurecht, das zum einen ressourcensparend ist und sich zum anderen bequem über die Tastatur bedienen lässt.
Als Alternative hat sich das parallel installierte ConnochaetOS etabliert, dass durch eine gute Vorauswahl von leichtgewichtiger Software und den effizienten Unterbau von Arch Linux besticht. Mit Hilfe von Partimage tausche ich manchmal dieses Zweitsystem aus.
Auch Slitaz hat sich nicht schlecht geschlagen und beeindruckt vor allem durch seinen äußerst geringen Verbrauch an Festplattenspeicher und sehr effiziente Systemprogramme. KolibriOS und der Plop Bootmanager dürfen ebenfalls nicht fehlen.
Zusammengenommen vermisse ich nicht besonders viel mit dem Thinkpad, sieht man mal von der Fähigkeit ab h264 Videos ruckelfrei abspielen zu können. Hier muss die Pentium II CPU einfach passen.

Toshiba Portégé 3110CT

Toshiba ist mit diesem kompakten Subnotebook 1999 schon ein kleines Kunststück gelungen. Portabilität ist sicher seine große Stärke. Umso merkwürdiger scheint es da zu sein, dass ich dieses Geschenk zur Zeit hauptsächlich als kleinen Heimserver und Testplatz für Fenstermanager und Konsolenanwendungen benutze. Viel zu klagen hatte ich 2011 nicht, denn dank Debian Stable läuft der Rechner rund und stabil. Durch die geringe Größe nimmt der Laptop nicht besonders viel Platz weg und trotz des kleineren 64 MB Arbeitsspeichers, sind seine anderen Systemspezifikationen besser als die des Thinkpad. Das macht ihn leistungsfähig genug, um alle meine privaten Serveransprüche zu erfüllen.

Toshiba Satellite 220CS

Dieser 15 Jahre alte Laptop ist mit Sicherheit eine Herausforderung. Das Problem liegt weniger an der 1,4 GB großen Festplatte oder dem Pentium I Prozessor. Hätte dieser Toshiba etwas mehr RAM, ich könnte sehr wahrscheinlich von den gleichen Ergebnissen wie bei den anderen Computern erzählen. Die Herausforderung besteht tatsächlich darin ein geeignetes Betriebssystem zu finden, welches sowohl die Hardwareanforderungen von 16 MB RAM erfüllt und zum anderen zeitgemäße Software zur Verfügung stellt.
Den besten Kompromiss aus Geschwindigkeit, Bedienbarkeit und Softwareauswahl liefert hier zur Zeit Slitaz. Es ist eine der wenigen Distributionen, deren Installationsmedien selbst bei so wenig RAM noch funktionieren und die, typische Linuxkenntnisse vorausgesetzt, keine großen Hürden für den Anwender darstellen. Idealerweise bringt Slitaz mit tazpkg einen äußerst reaktionsfreudigen Paketmanager mit, mit dessen Hilfe das Installieren von Software ein Kinderspiel ist.
Zur Zeit eignen sich insbesondere Konsolenanwendungen für einen effizienten Einsatz und auch der Betrieb als Torrent-Sklave oder Jukebox ist möglich. Für die Zukunft sollte man sich auch Do-it-yourself-Distributionen wie CRUX merken, mit denen sich ein maßgeschneidertes und sehr effizientes System erstellen lässt, dass aber mehr Wissen des Anwenders voraussetzt.
Schon heute gibt KolibriOS mit einer grafischen Oberfläche ein gutes Bild auf dem Satellite 220CS ab, auch wenn sich damit nicht jedes Benutzerszenario abdecken lässt. Ebenfalls beeindruckend ist FreeDOS, das eine ideale Wahl für Rechner Anfang und Mitte der 90iger Jahre ist und mit dem sich mehr erreichen lässt als nur Spiele aus der damaligen Zeit zu spielen.

Fazit

Mein Blog gäbe es in dieser Form nicht, wenn es selbstverständlich wäre, ältere Hardware weiterhin mit Freier Software weiterzuverwenden. Menschen, die so etwas tun, etikettiert man gerne mit negativ konnotierten Begriffen wie nostalgisch, antiquiert und rückwärts gewandt. Ich kann nicht garantieren, dass die in diesem Blog beschriebenen Wege für jeden das Richtige sind, ich sage nur, sie funktionieren für mich.
Alle meine privaten Anwendungsfälle werden mit den alten Rechnern abgedeckt. Es lohnt schon allein aus informativen Gründen, sich näher mit der Thematik rund um Freie Software und ältere Rechner zu beschäftigen. Man muss nur offen für Neues sein und immer an die Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten zurückdenken.
Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wann sich das alles mit der aktuellen Hardware von heute wiederholen wird.

Linux Mint MGSE, MATE und Gnome-3-Shell-Erweiterungen per Mausklick installieren

In Sachen Gnome-3-Erweiterungen passiert in letzter Zeit einiges. Dieser Beitrag ist für alle Zweifler, Nörgler und Nostalgiker, die am liebsten bis an das Ende aller Tage Gnome 2 benutzen möchten, genauso wie für alle euphorischen Enthusiasten, die die Veränderungen um der Veränderung willen bejubeln. Ihr habt nun die Möglichkeit das Rad der Zeit zurückzudrehen oder selbst Teil eines neuen Zeitalters zu werden. *Pathos Schilder und epische Musik im Hintergrund*

Linux Mint Gnome Shell Extensions (MGSE)

Seit dem 26. November 2011 steht Linux Mint 12 “Lisa” in den Internetregalen. Wer dachte, dass Linux Mint Ubuntus Unity-Desktop hinterherhecheln würde, sah sich getäuscht. Mit der aktuellen Version führt das Mint-Team eine neue Erweiterung zu Gnome 3 ein, die schlicht Mint Gnome Shell Extensions genannt wird. Im Prinzip gelingt Linux Mint der Spagat, zum einen den traditionellen Mint-Desktop im Stil von Gnome 2 mit dem besonderen Mintmenü beizubehalten und zum anderen alle neuen Schmankerl von Gnome 3 hinüber zu retten. So wird Gnome 3 äußerlich und optisch wieder zu Gnome 2.

Ich denke Linux Mint hat hier gute Arbeit geleistet, den eigenen Markenkern aufpoliert und eine sehr gute Gnome-Shell-Erweiterung entwickelt. Idealerweise sollte MGSE aber bald Upstream, also vom Gnome 3 Projekt selbst, als Erweiterung aufgenommen werden und dann der gesamten Freien Software Welt zur Verfügung gestellt werden.
Im Moment lassen sich Mints Gnome Shell Extensions außerhalb von Linux Mint zum Beispiel als PPA bei Ubuntu installieren, was unter dem Stichwort “Gnome Shell Extensions” im Wiki von ubuntuusers.de wie immer gut erklärt wird.
Auf MGSE bin ich aufmerksam geworden, als ich die “debian-devel”-Mailingliste überflogen habe, wo es schon die erste Anfrage gab, ob nicht irgendjemand MGSE für Debian paketieren möchte. Für Debian gibt es zwar noch kein Paket, wer aber Sid benutzt kann die Erweiterung MGSE direkt aus GIT herunterladen und den dortigen Anweisungen zur manuellen Installation folgen.

MATE

MATE ist eine Abspaltung von Gnome 2, die sich zumindest bei Linux Mint 12 und bei Arch Linux aus AUR parallel zu Gnome 3 installieren lässt. Das MATE-Projekt scheint im Juni diesen Jahres im Arch-Linux-Forum entstanden oder zumindest angekündigt worden zu sein. Der dortige MATE-Thread wird bis heute fortgeführt.
Ohne Zweifel ein sehr ambitioniertes Projekt, das scheinbar im Moment nur von einigen Einzelpersonen aus Argentinien vorangetrieben wird. Viele zentrale Gnome-2-Anwendungen sind schon auf GTK3 portiert worden. An vielen Stellen wurde aber auch nur der Name umbenannt und aus Nautilus wurde Maja, aus Metacity Marco und aus gconf mate-conf. Ziel soll es sein Gnome 2 fortzuführen und den “klassischen” Desktop weiterzuentwickeln. Wie ein Debian-Entwickler im oben genannten Link auf der Mailingliste schon kritisch bemerkte, muss MATE zuerst einmal eine kritische Masse erreichen, damit überhaupt jemand daran denkt diese neue alte Desktopumgebung für Debian zu packen.
Ich denke, dass es nicht damit getan ist ein paar Anwendungen umzubenennen und für GTK3 zu kompilieren. Eine Weiterentwicklung kostet viel Zeit und Aufmerksamkeit, weshalb ich nicht daran glaube, dass MATE langfristig erfolgreich sein kann. Es ist deutlich einfacher den MGSE-Weg von Linux Mint zu gehen und die Gnome-Shell auf Grundlage von Gnome 3 neu zu designen, wobei gleichzeitig sicher gestellt ist, dass erfahrene Gnome-3-Entwickler diesen Weg für die Zukunft unterstützen werden. Trotzdem zeigt es aber auch den großen Vorteil Freier Software. Wenn man mit etwas unzufrieden ist, ist es ausdrücklich erlaubt es zu ändern und man muss nicht damit rechnen mit Patentklagen überzogen zu werden.
Wer wirklich an Gnome 2 hängt sollte die Installations-CD von Debian Squeeze mit Gnome-Desktop herunterladen und sich bis 2014 an einem äußerst zuverlässigen und stabilen System freuen oder trotz aller Nostalgie ernsthaft über eine reine Fenstermanager-Lösung wie Openbox plus Tint2 nachdenken (oder Enlightenment 😉 ), die ein vergleichbares Desktoperlebnis bieten können und wesentlich reaktionsfreudiger sind.

Gnome Shell Extensions per Mausklick installieren

Wer kennt nicht Minority Report, wo Tom Cruise spielend leicht mit ein paar Handbewegungen Bilder und Anwendungen seines gläsernen Computers bewegt. (Den uncoolen und nicht-drahtlosen Datenaustausch mit Hilfe einer Plexiglasscheibe vergessen wir besser).
Was spricht dagegen in nicht allzu ferner Zukunft seinen Desktop online einfach per Sprachsteuerung oder wilden Bewegungen zusammenzustellen? Warum nicht schon heute?
Mit extensions.gnome.org gibt es nun die brandneue Möglichkeit Gnome-3-Shell-Erweiterungen per Mausklick direkt im Browser zu installieren. Denkt an Firefox Addons und ihr ahnt wie das Ganze funktioniert. Im Moment ist die Anzahl zwar noch begrenzt, aber dort findet sich z.B. schon ein Anwendungsmenü im Stil von Gnome 2, ein Panel und die Möglichkeit Anwendungen aus dem Gnome Panel zu starten.
Einziger Haken bei der Sache: Man muss Gnome 3.2 installiert haben und auf Grund eines Bugs mit Webkit-Browsern vorerst besser Firefox/Iceweasel zum Installieren benutzen.

Moment…das bedeutet.
Gnome 2 ist zurück!
MGSE ist schön, MATE ist eine weitere Alternative, doch die Zukunft des modernen Linuxdesktops ist heute, hier und jetzt Gnome 3 mit seinen per Mausklick installierbaren Erweiterungen! (Nun, muss ich nur noch die versprochenen Millionen der Gnome-Entwickler für diese schamlose Werbung eintreiben. So geht das KDE :P)

Linux Mint Debian im August 2011

Vor einer Woche wurde eine neue RC-Version von Linux Mint Debian veröffentlicht. Die Live-DVD mit Gnome ist noch einmal ein Stück größer geworden und fasst nun stolze 1,2 GB. Natürlich wollte ich wissen, ob es Änderungen und Verbesserungen gegeben hat und wie es mit dem Installer vorangegangen ist.

Da LMDE bekanntlich auf Debian Testing setzt, gibt es von der Softwareseite nicht viele Überraschungen. Gegenüber meinem ersten Eindruck von Weihnachten 2010 hat sich hier nicht viel verändert. Immer noch werden gleich drei Multimediaplayer MPlayer, VLC und Totem parallel installiert. Die gesamte Live-DVD ist nur in englischer Sprache verfügbar. Dafür bietet der Installer nun auch Deutsch und nicht mehr nur Plattdeutsch bzw. Niederländisch an.
Die Installationsschritte sind zwar recht einfach gehalten, wenn man sich schon etwas in Partitionierung und Linuxbegriffen auskennt, es gibt aber weiterhin keine Möglichkeit z.B. ein verschlüsseltes System zu installieren. Das Design wird wie gehabt in mint und metallisch präsentiert.
Wirklich herausstechend ist nur das MintMenu, welches Übersicht in die installierten Anwendungen bringt. Es wird aber spätestens mit dem Eintreffen von Gnome 3 in Debian Testing seinen Stellenwert verlieren.
Kurz gesagt: Ich konnte nicht viel Neues entdecken und nach wie vor sind die Unterschiede zu einer reinen Debian Testing Installation zu gering. Außerdem ist es mit Debian einfacher ein verschlüsseltes Linux Mint Debian einzurichten als mit dem Derivat selbst. Schaun wir mal, was die weitere Zukunft bereithält.

Die Vor- und Nachteile eines Multi-Boot-Systems

Mehr als ein Monat ist vergangen, seitdem ich Ubuntu 10.10 gegen ein Multi-Boot-System ausgetauscht habe. Falls ihr euch ebenfalls für ein solches System interessiert, findet ihr in diesem Beitrag eine Übersicht über die Vor- und Nachteile. Die gemachten Erfahrungen mit den drei neuen Betriebssystemen Ubuntu 11.04, Debian Testing und Arch Linux habe ich zusammengefasst und zu den einzelnen Schritten des Projekts verlinkt.

Warum überhaupt Multi-Boot?

Vorteile

Vergleichbarkeit: Mit einem Multi-Boot-System ist es unkompliziert sich die Vor- und Nachteile verschiedener Linuxdistributionen oder Desktopumgebungen unter realistischen Bedingungen anzuschauen. Zwar bieten Virtualisierungslösungen wie z.B. Virtualbox und Qemu einen weniger aufwendigen Überblick. Diese hinken in Sachen Performance einem Multi-Boot System in der Regel aber deutlich hinterher.
Klare Aufgabentrennung: Ein Multi-Boot-System eignet sich hervorragend, um typische Arbeiten am Computer zu trennen. So lässt sich ein Betriebssystem ausschließlich zum Arbeiten, ein anderes für Videobearbeitung und ein drittes vielleicht zum Spielen nutzen.
Flexibilität und Integrität: Nicht nur die Software kann flexibel an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden, auch unterschiedliche Dateisysteme können eingesetzt werden, um die Performance für spezielle Anwendungen zu erhöhen. Bei getrennten Partitionen und Betriebssystemen wiegt ein Schaden am Dateisystem weniger schwer und Fehler wirken sich nicht auf alle Daten gleichzeitig aus.
Sicherheit: Ein Multi-Boot-System kann so eingerichtet werden, dass nur diejenigen Anwendungen installiert sind, die man tatsächlich braucht. Was nicht installiert ist, kann auch nicht kompromittiert werden. Nutzt man ein System z.B. ausschließlich für private Korrespondenz und Büroarbeit lässt sich mitunter auf einen Browser und diverse Internet- und Multimediaanwendungen als potentielle Einfallstore für Schadsoftware verzichten.
Performance: Je nach Geschmack und Vorlieben lassen sich Multi-Boot-Systeme für ihren jeweiligen Anwendungszweck optimieren. Ein Linuxsystem für Spiele braucht z.B. keine Textverarbeitung, kein Multimedia, kein Emailprogramm und auch kein Compiz. Nur das Spiel, ein Terminal, eventuell IRC- und VoiP-Client der Wahl, der aktuellste Grafiktreiber und ein auf das notwendigste optimierter Linuxkernel sind wirklich notwendig.
Eingewöhnung: Gerade bei einem Umstieg von Windows oder Mac auf Linux oder zwischen zwei verschiedenen Linuxdistributionen, macht es Sinn für eine Übergangszeit zwei Systeme parallel zu nutzen, zumindest solange bis man sich an die neue Umgebung gewöhnt hat.

Nachteile

Mehr Aufwand: Für ein Multi-Boot-System fällt zusätzlicher Installations- und Konfigurationsaufwand an. Nicht nur muss der Installationsvorgang ggf. mehrmals wiederholt werden. Auch die Wartung, Pflege und Administration der Systeme kostet je nach Distribution und Vorstellungen zusätzliche Zeit. Noch nicht vertraute Konzepte anderer Distributionen müssen erst erlernt werden.
Reboot: Um das System zu wechseln ist immer ein Neustart notwendig. Auch das kostet Zeit und kann manchmal störend sein, wenn man “nur mal kurz” etwas ausprobieren möchte.
Doppelte Funktionalität: Idealerweise gibt es für die Multi-Boot-Systeme jeweils einen spezifischen Verwendungszweck. Es besteht aber die Gefahr, dass Programme doppelt installiert werden und sich Aufgaben überschneiden. Beispiel Browser: Hiermit lassen sich schnell Informationen im Internet finden, was sowohl für reine Büroarbeit als auch für Videobearbeitung und Spiele sinnvoll sein kann. Um Redundanz zu vermeiden, muss man sich vorher genau überlegen, was man sich von seinem Multi-Boot System überhaupt erwartet.

Partitionierung und Installation

Debian Testing: Manuelle Partitionierung eines verschlüsselten LVM
Ubuntu 11.04: Download der Beta mit jigdo und Installation
Arch Linux: Installation mit der Multi-Arch CD

Überblick über das Partitionsschema

PartitionBeschreibung
/dev/sda1 (Primär)Unverschlüsselte Bootpartition für Debian Testing (ext2)
/dev/sda2 (Primär)Daten- und Austauschpartition zwischen den verschiedenen Distributionen (ext4)
/dev/sda5 (Logisch)LVM auf einem verschlüsselten Volume mit den Logical Volumes root, swap und home für Debian Testing
/dev/sda6 (Logisch)Ubuntu 11.04 installiert in eine logische Partition (ext4)
/dev/sda7 (Logisch)Swap Partition für Ubuntu 11.04 und Arch Linux
/dev/sda8 (Logisch)Arch Linux installiert in eine logische Partition (ext4)

Die drei Linuxdistributionen im Überblick

Debian Testing (Gnome 2 + Compiz)


Ursprünglich wollte ich Linux Mint Debian mit verschlüsseltem LVM installieren. Mit LMDE beschäftige ich mich seit Ende 2010 und habe mich dann auf Basis einer Debian Netzinstallation für “The Debian Way” entschieden.
Nach einigem Rumprobieren und Abwägen zwischen Linux Mint Debian und dem reinen Debian, blieb ich schließlich bei Debian Testing. Zu gering erschienen mir die Vorteile und in der Tat war LMDE dann doch nur ein mint-meta Paket.
Debian Testing ist nun das Haupt- und Arbeitssystem, von dem auch die anderen Systeme mit Hilfe von GRUB im MBR eingebunden werden. Als Desktopumgebung nutze ich Gnome 2, das ich nach der Installation des gnome-core Pakets nur noch geringfügig konfigurieren musste, um die von Ubuntu gewohnten Eigenschaften zu erhalten. Zur Zeit bin ich wunschlos glücklich mit Debian und warte nun geduldig auf Gnome 3.

Ubuntu 11.04 (Unity+Compiz+Gnome)


Ubuntus Natty Narwhal dient mir seit neustem als Videoschnittplatz, worunter bei mir auch Bild- und Audiobearbeitung fallen.
Zukünftig möchte ich Ubuntu für die Realisierung kleinerer Videoprojekte einsetzen und dabei ausschließlich Open-Source-Software nutzen. Das Ganze ist ein Projekt im Entstehen. Sollten die Ergebnisse interessant und vorzeigenswert seien, gibt es eventuell auch einen Blogbeitrag. 😉
Die ersten Eindrücke zu Ubuntu 11.04 waren gemischt, aber mit ein paar kleinen Optimierungen lässt sich mit dem schicken Narwal leben.

Arch Linux (Gnome 3)


Arch Linux war schon seit längerem ein Testkandidat für mich. Obwohl etwas Einarbeitungszeit erforderlich ist, sind die erstklassige Dokumentation im Netz und das Ergebnis alle Mühen wert. Wer gar nicht auf ein gut getestetes Gnome 3 in Debian warten kann, hat mit Arch die besten Chancen die Zeit zu überbrücken.
Da ich Stabilität und Zuverlässigkeit bei Betriebssystemen sehr hoch einschätze, wird Arch vermutlich auch in Zukunft Debian nicht verdrängen. Zu unterschiedlich sind hier die beiden Ansätze. Das heißt nicht, dass Arch Linux notorisch instabil ist, aber allein aus grundsätzlichen Überlegungen kann ein Rolling Release, welches auf brandaktuelle Software abzielt, nicht genauso umfangreich wie Debian Stable getestet sein. Archs besonders hervorzuhebendes Qualitätsmerkmal ist die erstklassige Dokumentation. Für ein leichtgewichtiges Linux oder gerade wenn man auf neue Feature Wert legt, ist Arch mit Sicherheit eine Option, die man im Hinterkopf behalten sollte.

Fazit

Ein Multi-Boot-System ist nützlich, lehrreich und macht Spaß. So bleibt in Zukunft die Möglichkeit die Vor- und Nachteile verschiedener Distributionen unter realistischen Bedingungen zu testen. Insgesamt ist das Hauptsystem mit Debian Testing deutlich aufgeräumter und besser auf die Anforderungen angepasst als das eine Standardinstallation von Ubuntu naturgemäß vorher leisten konnte.
Die Reaktionsfähigkeit einer reinen Debian Installation gegenüber Ubuntu ist, nicht ganz überraschend, besser, obwohl es nicht leicht ist dieses Gefühl in Zahlen auszudrücken. Fakt ist aber auch, dass keine der Distributionen auch nur annähernd das gesamte Potenzial eines drei Jahre “alten” Dual Core Rechners unter durchschnittlichen Bedingungen ausreizen musste.
Für mich funktioniert ein Multi-Boot-System momentan sehr gut. Wer den Aufwand scheut, wird die gleichen Probleme aber sicher auch anders lösen können.

CUT – Debians Weg zu einem echten Rolling Release

Erneut bin ich im Blog von Raphaël Hertzog auf ein zur Zeit heiß diskutiertes Thema gestoßen. CUT oder Constantly Usable Testing ist die Idee, Debians Testing Zweig zu einem echten Rolling Release umzuwandeln und wenn möglich sich als Debians zweites Standbein neben Stable zu etablieren.
Zur Zeit ist es noch so, dass Testing vor allem dazu dient Bugs vor der nächsten Veröffentlichung von Stable auszumerzen. Schon heute bringt Testing die richtigen Werkzeuge mit, um fortlaufend aktuelle Software aus dem unstable Zweig zu beziehen. Im Gegensatz zu Stable ist Debian Testing deshalb vor allem für Anwender interessant, die an einer Balance zwischen Stabilität und regelmäßigen Updates mit neuen Feature interessiert sind.
Die Idee Debians starren Zyklus von Veröffentlichungen zu durchbrechen ist nicht neu. Gerade aus diesem Grund hat es Ubuntu geschafft viele Anwender für sich zu begeistern. Raphaël Hertzog hat in seinem Blog unter dem Schlagwort CUT und in einem Artikel auf lwn.net seine Vorstellungen von einem verbesserten Debian Testing dargelegt. Zur Zeit wird intensiv auf der Debianentwickler-Mailingliste die Vor- und Nachteile eines solchen neuen Rolling Releases diskutiert. Insbesondere soll der sogenannte “Freeze” vermieden werden und Sicherheitsupdates für Testing schneller bereitgestellt werden.
Das größte Problem scheint momentan zu sein wie man weiterhin sicherstellt, dass aus Testing/Rolling das nächste stabile Debian Release wird. Zur Zeit wird Testing irgendwann eingefroren und nur noch Fehler werden bei den bestehenden Paketen ausgebessert. Durch diese Methode erreicht Debian die extrem hohe Stabilität und Qualität seiner Distribution. Ein Rolling Release sollte idealerweise nie eingefroren sein und fortwährend neue Pakete erhalten. Als Alternative bietet sich aber auch an, ein solches Rolling Release zu einem bestimmten Zeitpunkt in eine eingefrorene Version abzuspalten, welche dann bis zur Fertigstellung parallel zum neuen Rolling betreut und als neues Debian Stable veröffentlich wird.
Lucas Nussbaum hat den momentan Verlauf der Diskussion in seinem englischen Blog zusammengefasst. Das Ganze ist zur Zeit, wie man so schön sagt, im Fluss. Das Faszinierende an Debian ist, dass es durch eine Gemeinschaft weiterentwickelt wird. Solche potentiellen und gravierenden Änderungen werden deswegen vorher ausführlich auf Mailinglisten besprochen.
Ich persönlich denke, dass Debian Testing allemal das Potenzial zu einem Rolling Release hat und für mich auch schon ist. Das Problem ist zum einen, dass Debian den Testing Zweig nicht als Rolling Release kommuniziert, obwohl andere Distributionen, wie z.B. das Debian-Derivat Linux Mint Debian, damit offensichtlich kein Problem haben. Testing ist in Debians Fachsprache “nur” die Plattform um RC-Bugs für die kommende stabile Version zu beseitigen.
Wie Lucas Nussbaum in seinem Blog geschrieben hat, glaube ich, dass CUT ein Schritt sein könnte um Debian wieder mehr in das Rampenlicht zu rücken, das momentan einige Derivate für sich in Anspruch nehmen. Ich konnte zum Beispiel kaum einen Grund finden, warum man als Debian Testing Nutzer zur Zeit LMDE bevorzugen sollte. Wie so oft hat alles Vor- und Nachteile. Der technische und logistische Aufwand für eine solche Umstellung ist natürlich nicht trivial. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn es dazu kommen würde.

Debian konfigurieren – Der leichte Weg

Viele auf Debian basierende Distributionen werben damit, dass proprietäre Treiber und Codecs schon automatisch nach der Installation funktionieren, alle wichtigen Anwendungen vorhanden sind und Compiz aus allen Ecken blinkt.
Doch dieses “Ich-habe-alles-was-ich-brauche” Gefühl lässt sich auch mit dem Original in wenigen Schritten nach einer Installation erreichen. Denn wer sagt denn, was eigentlich die “wichtigen” Programme sind und wer braucht wirklich jeden proprietären Codec um einen Film abzuspielen? Manchmal genügt es auch mit weniger als der kompletten Gnome Desktopumgebung Emails abzurufen oder im Internet zu surfen.
Ich mache einfach bei meinem letzten Beitrag weiter und zeige, welche Programme und Einstellungen mir nach einer minimalen Debian-Netzinstallation mit dem Paket gnome-core noch wichtig sind.
Im folgenden nutze ich aptitude zum Installieren, aber jeder ist frei auch auf apt-get oder das grafische Synaptic zum Installieren zurückzugreifen. Solange mein PC noch keine Befehle per Stimme entgegen nimmt, ist das für mich erst einmal der schnellste Weg zum Konfigurieren. 😉
Meine /etc/apt/sources.list:

deb http://ftp.de.debian.org/debian testing main contrib non-free
deb-src http://ftp.de.debian.org/debian/ testing main
deb http://www.deb-multimedia.org testing main non-free

Nvidia Treiber

Am einfachsten ist es das vorgefertigte Modul zu installieren, welches mit dem Testing Kernel, momentan noch 2.6.32, mitgeliefert wird.

aptitude install nvidia-kernel${VERSION}-$(uname -r)
aptitude install nvidia-glx${VERSION}
aptitude install nvidia-xconfig
aptitude install nvidia-settings

Mit dem Programm nvidia-xconfig lässt sich eine neue Konfigurationsdatei für den X Server automatisch erzeugen. Bei mir genügte es nvidia-xconfig im Terminal auszuführen und X danach mit invoke-rc.d gdm3 restart in der Konsole neu zu starten. Unter Systemverwaltung lassen sich dann mit Hilfe von nvidia-settings weitere Einstellungen vornehmen.
Ergänzung 01.10.2011: Debian Testing entwickelt sich fortlaufend weiter. Am leichtesten lassen sich die Treiber nun mit dem Paket nvidia-kernel-dkms installieren. Der Rest gilt auch weiterhin.
Es gibt noch drei andere Möglichkeiten den Nvidia Treiber zu installieren, doch ich denke, es ist am einfachsten das vorgefertigte Modul zu nutzen, welches sich auf die gleiche Weise auch mit neueren Kerneln verwalten lässt.

Multimedia

Viel Aufhebens wird oft um fehlende Codecs zum Abspielen von Filmen oder Audiodateien gemacht. Doch wie schwierig oder notwendig ist es diese nach zu installieren? Wer deb-multimedia.org in seinen Paketquellen eingetragen hat, hat dieses Problem oft schon mit der Installation von mplayer gelöst und vlc ist sicher auch eine gute Alternative. Ist man tatsächlich auf Quicktime, RealVideo, Windows Media 9 oder Flash angewiesen, muss nur noch w32codecs und flashplugin-nonfree installiert werden.

Gnome anpassen

Ich ziehe bei Debian eine minimale gnome-core Installation der kompletten Desktopumgebung vor und gehe lieber vom Kleinen zum Großen. Ich brauchte zusätzlich nur noch diese Pakete:

system-config-printer (Drucker einrichten mit Cups und Gnome)
seahorse und seahorse-plugins (Verschlüsselung mit GnuPG einrichten und Nautilus um diese Funktion erweitern)
gnome-system-tools (Grafische Werkzeuge zur Administration von Linuxsystemen)

Desktop gestalten

Das ist der Punkt, der oft am längsten dauert, meist nur aus dem Grund, weil es schwer fällt sich zu entscheiden. Der Standarddesktop von Debian und Gnome ist, neutral ausgedrückt, ziemlich schlicht. Am besten würden mir mehrere Debian-Pakete gefallen, welche einfach die am besten bewerteten Gtk2-Themen, Icons und Hintergründe installieren und man danach nur noch aus diesen wählen muss.
Linux Mint Debian hat sich die Mühe gemacht ein eigenes Design zu stemmen, doch warum in die Ferne schweifen, wenn es gute Designs z.B. schon auf gnome-look.org gibt.
Meine jetziges Design setzt sich so zusammen:
gtk2 Thema: Orta
Icons: Faenza
Hintergrund: Wechselt zu häufig, dank dem großen Angebot.

Compiz und AWN Dock installieren

aptitude install compiz compiz-gnome compizconfig-settings-manager avant-window-navigator
Danach lässt sich Compiz wie gewohnt unter System->Einstellungen verwalten. Im Gegensatz zu Ubuntu gibt es zwar kein Extramenü unter Einstellungen->Erscheinungsbild, um ein paar Voreinstellungen für Compiz zu aktivieren. Die wichtigsten Einstellungen lassen sich aber auch bequem mit dem CompizConfig-Einstellungs-Manager vornehmen.

Der Rest

Das waren für mich die wichtigsten Punkte nach der Debian Netzinstallation mit gnome-core. Der Rest beschränkt sich auf das Installieren von Einzelanwendungen. Ob man lieber Gimp, Transmission, Gwibber, Shotwell usw. installieren möchte oder nicht, ist wie das Design Geschmackssache.
Mir fällt im Moment nichts mehr ein, was ich gegenüber einer Ubuntu-Installation vermisst habe. Es funktionierte einfach. Das ist sicherlich nicht für jeden Linuxbeginner der Königsweg. Für mich war es aber eine gute Erinnerung, dass Debian zwar Kanten und Ecken hat, diese sich aber leichter abrunden lassen als andere oft behaupten.

Linux Mint Debian versus Debian Testing

Nach der kleinen Partitionierungsorgie war die restliche Installation von LMDE sehr kurzweilig. Im Gegensatz zur normalen Live-Installation von DVD, setzte ich bei der Netzinstallation wie gehabt auf das minimale gnome-core mit gdm3 als Loginmanager und Linux Mints mint-meta-debian Paket.
Einen guten Überblick wie LMDE direkt nach der Installation aussieht findet sich in Form von Screenshots auf thecodingstudio.com. Der optische Hauptunterschied besteht bei meiner verschlüsselten Debian-Netzinstallation plus LMDE lediglich darin, dass sowohl ein Panel oben als auch unten vorhanden ist.
Linux Mint macht einen optisch soliden Eindruck. Grau, metallisch und natürlich mint ist die vorherrschende Farbe. Auf jeden Fall allemal besser als die Standardauswahl von Gnome/Debian mit Crux, Glider oder Industriell. Dazu ist es spürbar reaktionsfreudiger als Ubuntu und ressourcenschonender, was aber hauptsächlich an dem reinen Debian-Unterbau liegt.
Am interessantesten ist das Mint Menu, welches unter anderem die Möglichkeit bietet nach installierten Programmen suchen zu lassen und diese mit Hilfe eines Rechtsklick-Menüs deinstallieren kann. Des weiteren ist die optische Aufteilung der Anwendungen gut gelungen und es bietet sich die Möglichkeit Favoriten extra zu gruppieren.
Danach entfernte ich zunächst einmal Epiphany und Evolution und installierte dafür Mints Firefox- und Thunderbird-Paket. Während ich noch dabei war LibreOffice nach zu installieren, stellte ich mir die Frage, welchen wirklichen Vorteil ich gegenüber einer reinen Debian Testing Installation gewonnen hatte.
Gut da waren Firefox und Thunderbird, doch außer den Namen unterscheiden sich diese gegenüber Iceweasel und Icedove kaum. Es gab extra Pakete für Dropbox und das Flashplugin, welche sich aber ebenfalls mühelos über Debians non-free Repos installieren lassen.
Ein Blick auf die Liste der Mint Debian Pakete offenbart auch schnell, dass sich die wesentlichen Veränderungen auf das Aussehen, proprietäre Software und Codecs und ein paar spezielle Mint Kreationen beschränken.
Am besten gefiel mir von letzterem noch MintUpdate und MintInstall, welches wie bei Ubuntu gewohnt eine optische Rückmeldung bietet, wenn es etwas Neues zu installieren gibt. Linux Mints Bemühungen hier gegenüber Synaptic oder Ubuntus Softwarecenter etwas Eigenes zu schaffen fördern auf jeden Fall die Auswahl.
Wer MintUpdate nicht braucht hat als Alternative z.B. apt-watch, update-notifier oder kann das System täglich mit zwei einfachen Befehlen aktualisieren.
aptitude update
aptitude safe-upgrade
MintWifi war für den Dual Core Rechner nicht notwendig, hilft aber den Frust beim in Betrieb nehmen des WLAN zu mindern.
Dann gab es aber Pakete wie MintNanny, ein kleines Werkzeug für die elterliche Kontrolle, mit dem sich Internetadressen sperren lassen. Für meinen Geschmack ist es noch zu rudimentär und für strenge Eltern kommt sowieso nur das Sperren aller Internetseiten und eine Whitelist in Frage. 😈
MintWelcome und MintUpload sind geschenkt. Hinter letzterem vermutete ich einen Clouddienst oder etwas ähnliches, was sich aber nicht bestätigte. MintBackup ist ebenfalls bestenfalls ein Basisprogramm zum Sichern seiner Daten, wobei schon lange die Möglichkeiten von Keep it simple, über the Debian way bis hin zum vollständigen Festplattenbackup reichen.
Was man wirklich vermisst ist ein Tool wie Ubuntus Jockey, mit dem sich leicht die passenden Treiber für 3D-Beschleunigung installieren lassen. Daran wird aber laut den Mint Entwicklern noch gearbeitet. Die Installation proprietärer Codecs verdankt Mint weniger eigenem Schaffen, sondern deb-multimedia.org, welches seit nun mehr zehn Jahren entsprechende Pakete bereitstellt.
Alles in allem kam ich schließlich zu dem Fazit, dass ich gegenüber einer reinen Debian Testing Installation kaum etwas gewonnen hatte. Wer es bequem mag bleibt bei Ubuntu und wer ein Rolling Release haben möchte nimmt Debian Testing. Findet man Gefallen an einzelnen Mint Paketen lässt man den Verweis auf Linux Mints Repos in der /etc/apt/sources.list einfach stehen, ansonsten kann dieser auch einfach gelöscht werden.
Meiner Meinung nach ist LMDE ein Paradebeispiel dafür, dass Debians Derivate sich besser austauschen müssen, damit Eigenkreationen wie das MintMenu irgendwann auch Eingang in Debian finden, gleichzeitig aber nicht permanent das Rad neu erfunden wird. Ich bleibe daher fürs Erste auch bei meinem reinen Debian Testing.

Das Multi-Boot Projekt: Manuelle Partitionierung mit Debian

Der Monat April steht im Zeichen des Multi-Boot Projektes. Nach fünf Jahren mit Ubuntu auf dem Hauptrechner und den anstehenden großen Umwälzungen im Desktopbereich, Stichwort Gnome 3 versus Unity, wollte ich wieder etwas Neues ausprobieren.
Da Ubuntu 11.04 erst Ende April erscheint, nutze ich die Zeit, und beginne mit der schon vorgestellten Installation von Linux Mint Debian auf einem verschlüsselten Logical Volume.
Um überhaupt die Möglichkeit zu haben Linux Mint Debian zu verschlüsseln, greife ich auf die Netzinstallation von Debian Squeeze mit dem Debian-Installer zurück. Leider ist die Partitionierung nicht mehr ganz so einfach wie bei meinem ersten Test auf dem Inspiron 4000, da ich mir für das Multibootsystem und meine 500 GB große Festplatte folgendes überlegt habe.

Primäre Partition sda1: /boot 256 MB ext2

Um das verschlüsselte Volume mit der Root-Partition öffnen zu können, muss es eine unverschlüsselte Boot-Partition geben.

Primäre Partition sda2: /data 430 GB ext4

Die Datenpartition, auf der alle Daten zwischen den verschiedenen Distributionen ausgetauscht werden. Wenn man möchte, kann man diese einzelne Partition später immer noch ganz einfach verschlüsseln.

Logische Partition sda5: LVM auf einem verschlüsselten Volume mit dm_crypt

Darin enthalten sind drei logische Volumes, ein 6,5 GB großes Swap, 10 GB root und 12,5 GB home Volume.
Die restlichen ca. 40 GB sind freier Speicher, den sich später Ubuntu 11.04 und eine weitere Distro teilen werden.
Leider bietet der Debian-Installer keine automatisierte Vorlage für ein solches Schema an und es besteht bei der manuellen Partitionierung schnell die Gefahr verschlüsselte Volumes auf LVM einzurichten, die später beim Booten alle einzeln entsperrt werden müssen.
Die wichtigsten Schritte bei der manuellen Partitionierung habe ich aus diesem Grund in Qemu noch mal nachgestellt, deswegen nicht von den Zahlenwerten für den Speicher verwirren lassen. Spätestens jetzt sollte von allen wichtigen Daten ein Backup gemacht worden sein. 😉

Nachdem man sich für die manuelle Partitionierung entschieden hat, wird der Freie Speicher ausgewählt und /boot und /data als primäre Partitionen angelegt. Für /boot nutzt Debian bei der geführten Installation immer ext2, weshalb ich hier die gleiche Einstellung gewählt habe.
Der reservierte Speicher kann meiner Meinung nach auf 1% verkleinert werden, da ich 5% bei heutigen Festplattengrößen für Verschwendung halte. Die Boot-Markierung (Boot Flag) sollte auf EIN stehen.

Als nächstes wird die logische Partition Nr. 5 angelegt. Anstatt bei “Benutzung als” ein Dateisystem auszuwählen, muss man hier “pysikalisches Volume für Verschlüsselung” wählen und das Ganze anlegen. Danach wählt man “Verschlüsselte Datenträger konfigurieren”, selektiert die crypto Partition und gibt nach dem Fertigstellen das Passwort zum Entschlüsseln der Partition ein, womit der Stand wie auf dem nächsten Bild sein sollte.
Einschränkung hier: Primäre Partition 2 muss natürlich auf /data eingebunden sein und nicht auf /. Das Dateisystem für das verschlüsselte Volume lässt sich später beim Anlegen der Logical Volumes noch ändern.

Als nächstes geht es daran innerhalb des verschlüsselten physikalischen Volumes eine Volume Gruppe anzulegen (hierzu verwendet Debian bei der geführten Verschlüsselung den Rechnernamen, man kann sich natürlich auch etwas Eigenes ausdenken) und wiederum innerhalb dieser Gruppe drei logische Volumes root, swap und home mit dem jeweiligen Dateisystem und der festgelegten Größe. Dies wird erreicht, indem “Logical Volume Manager konfigurieren” ausgewählt wird, wonach man das Menü auf dem nachfolgenden Bild erreicht, wo die oben beschriebene Gruppe und die logischen Volumes angelegt werden.

Nach diesem Schritt gilt es als letztes nur noch die Einbindungspunkte für /root, /home und die Swap-Partition festzulegen. Dazu muss man sich wieder im Hauptmenü befinden und die einzelnen logischen Volumes bearbeiten. Die für Linux Mint Debian endgültige Partitionsstruktur sieht dann wie folgt aus.

Ich hoffe, damit habe ich auch für mich beim nächsten Mal die größten Stolperfallen ausgeräumt. Weicht man von der geführten Partitionierung mit Verschlüsselung ab, sind sehr viele Menüs durchzuarbeiten. Leider ist die grafische Variante nicht einfacher, da sie 1:1 auf den Optionen der menügesteuerten Partitionierung aufbaut.
Die Frage ist natürlich auch, muss es denn unbedingt so kompliziert sein und geht es nicht auch einfacher? Wem Verschlüsselung nicht wichtig ist, kann sich auch drei primäre Partitionen mit Root-, Swap- und Home-Partition anlegen und dann mit logischen Partitionen weitermachen. Die erste logische Partition wäre dann die Datenpartition und die zweite die Root-Partition für Ubuntu, die dritte für “Lieblingsdistro XY” usw.
Alle weiteren Distributionen greifen dann auf die primäre Swap-Partition zurück, die bei meiner gewählten, verschlüsselten Partitionierung nicht von mehreren Systemen angesprochen werden kann.
Das Ganze soll die Möglichkeiten einer manuellen Partitionierung mit und ohne Verschlüsselung demonstrieren, wobei ich ersteres insbesondere für Laptops oder Netbooks immer für sinnvoll halte.
Der Rest der Installation verlief übrigens reibungslos und genauso wie bei der letzten Installation von LMDE. Demnächst wieder mehr Schockierendes. 🙂

Pläne für ein Multi-Boot-System

Mein Entschluss steht fest. Mit Erscheinen von Ubuntu 11.04 werde ich ein Multi-Boot-System auf meinem Dual Core Rechner einrichten. Nein, ich werde nicht wieder zu Windows zurück wechseln. 😉
Mein erstes Multi-Boot-System entstand ganz am Anfang meiner Linux-“Karriere”. Damals steckten viele Lösungen für Open-Source-Virtualisierung noch in den Kinderschuhen oder waren zumindest noch nicht so verbreitet wie das heute der Fall ist. Oft mangelte es auch an Wissen und leistungsfähiger Hardware.
Für viele war und ist der erste Schritt zu Linux ein Dual-Boot-System mit Windows. Natürlich unterstützt Windows bis heute nicht mehrere Betriebssysteme parallel auf einem Computer und auch fremde Dateisysteme lassen sich nicht ohne weiteres lesen oder sogar beschreiben.
Aus diesem Grund testete ich früher schon viele Betriebssysteme parallel und war Linux schon damals dankbar sich so geräuschlos um Multi-Boot-Systeme zu kümmern. Zuletzt waren fünf verschiedene Linuxdistributionen auf einem Rechner installiert, die alle mit Hilfe von GRUB gestartet wurden.
Heutzutage nutze ich weder Windows noch brauche ich zwingend verschiedene Linuxsysteme auf einem Rechner, ein paar alten Laptops sei Dank. 😉 Wenn überhaupt läuft ein weiteres Betriebssystem in Virtualbox oder Qemu.
Der Grund für ein Multi-Boot-System ist also wiedermal die Neugier und ein bisschen Experimentierfreude. Mit Ubuntu 11.04 setzt Ubuntu erneut andere Maßstäbe und favorisiert ab sofort eine eigene Desktopoberfläche namens Unity.
Prinzipiell lässt sich natürlich weiterhin zwischen Unity und Gnome 3 und jeder anderen Desktopumgebung wählen. Es besteht also keine Notwendigkeit Ubuntu den Rücken zu kehren.
Nichtsdestotrotz kommt mit Debian Testing und etwas Mint alias LinuxMintDebian mehr Abwechslung herein und schließlich komplettiert dies auch Debian Squeeze auf dem Toshiba Portégé und Debian Sid auf dem Dell Inspiron Laptop. 🙂
Momentan ist die Idee also LinuxMintDebian als Betriebssystem für alle typischen Desktopanwendungen zu nutzen und Ubuntu 11.04 gezielt für Video- und Audiobearbeitung einzusetzen, ohne dabei auf das schon vorgestellte Ubuntustudio zurückzugreifen.
Das dritte und eventuell vierte Betriebssystem dient dann mehr dem Ausreizen aller Möglichkeiten und ich wollte schon immer mal ein persönlich angepasstes ArchLinux erstellen. 🙂
Schade, dass Ubuntu 11.04 erst Ende April erscheint. 😈

Verschlüsseltes LMDE “the Debian way”

Während das LMDE-Team zwischen den Jahren ein paar Bugs mit der Linux-Mint-Live-DVD ausgebessert hat, habe ich versucht die Idee, Linux Mint Debian schon heute auf einem verschlüsselten Logical Volume zu installieren, in die Tat umzusetzen.
Da die LMDE-Live-DVD Verschlüsselung und die Einrichtung von LVM noch nicht unterstützt, bleibt z.B. der Weg über eine reine Debian-Installation mit anschließendem Upgrade auf die spezifischen Mint Debian Pakete.
Der Vorteil dieser Variante liegt hierbei in der geringen Größe der Netinst- oder Visitenkarten-Edition gegenüber knapp 900 MB Download der LMDE-Live-DVD. Umso kleiner aber die Installations-CD, desto mehr Pakete müssen über das Internet nachinstalliert werden. Eine funktionierende Internetverbindung ist also zwingende Voraussetzung.
Als Testrechner habe ich mich für den Dell Inspiron 4000 entschieden und die Debian Lenny Visitenkarten-Edition zum Installieren benutzt. Wer schon einmal Ubuntu mit der Alternativen CD installiert hat oder regelmäßig Debian nutzt findet sich natürlich sofort zu recht. Wichtig ist es, die geführte Installation mit LVM und Verschlüsselung auszuwählen.
Allen anderen empfehle ich die Debian-Netzinstallation oder youtube.com, wo es einige gute Videos zu diesem Thema gibt und vor allem etwas Durchhaltevermögen, denn die Debian-Installation ist nicht schwer!
Wer bis hierhin furchtlos Debian installiert hat, findet sich nach dem Neustart auf der nackten und kalten Konsole wieder. Aber keine Bange, der Rest ist trivial. Ab sofort meldet man sich als Benutzer “root” an und nimmt folgende Veränderungen an seinem Debian System vor.
Der Inhalt der Datei /etc/apt/sources.list wird komplett durch diese vier Zeilen ersetzt.

deb http://packages.linuxmint.com/ debian main upstream import
deb http://ftp.debian.org/debian testing main contrib non-free
deb http://security.debian.org/ testing/updates main contrib non-free
deb http://www.deb-multimedia.org testing main non-free

Anschließend genügt ein

aptitude update
aptitude install linuxmint-keyring deb-multimedia-keyring
aptitude dist-upgrade

und die aktuellsten Debian Testing Pakete werden installiert.
Nach dem Upgrade hat man aber weder Gnome noch Linux Mint Debian. Deswegen geht es gleich weiter mit

aptitude install gdm3 gnome-core

Debian installiert nun die wesentlichen Pakete der Gnome-Desktopumgebung und den Loginmanager GDM. Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, genügt die Eingabe von

gdm3

als Benutzer root um die grafische Desktopumgebung zu starten. Dann kann man sich wie gewohnt mit dem bei der Installation vergebenen Benutzernamen einloggen und man findet folgendes vor.

Beeindruckend ist hierbei der geringe Speicherverbrauch mit weniger als 90 MB RAM mit der Gnome-Core-Version, die aber schon wesentliche Programme wie Browser, Email, Datei- und Systemverwaltungsprogramme mitbringt.

Wo ist mein Mint?

Kein Problem. Terminal öffnen, sich als root anmelden und

aptitude install mint-meta-debian

eingeben.
Dieses schöne Mint-Metapaket installiert alles was man sich von seinem Linux Mint Debian erwartet. Sollte aptitude sich beschweren, dass ein virtuelles Paket namens gstreamer0.10-pitfdll sich nicht installieren lässt, muss man es vorher noch manuell aus dem Internet herunterladen und mit

dpkg -i gstreamer0.10-pitfdll

installieren.
Das war es schon! Nach einem Neustart begrüßt einem der Linux-Mint-Debian-Desktop auf einem komplett verschlüsselten Logical Volume. Der Speicherverbrauch ist für ein Gnome immer noch sehr gering. Um es mit der ursprünglichen Linux-Mint-Debian-Installation oder gar Ubuntu zu vergleichen müssen aber noch einige Pakete nachinstalliert werden.

Compiz fehlt, ebenso Pidgin und Openoffice.org. Ich wage trotzdem die kühne Behauptung, dass man mit dieser Methode sich ein individuelles und sehr leichtes LMDE installieren kann, welches, egal wie man es anstellt, flexibler und ressourcenschonender als die LMDE-Live-DVD und ebenso die Linux Mint Main Edition oder Ubuntu ist.

Noch ein paar Gedanken

Auch nach dieser erneuten Gnome-Installation auf dem Inspiron 4000, bemerkt man doch die Unterschiede zu einer reinen Fenstermanagerlösung. Gnome lässt sich ohne Frage bedienen, aber auf dem älteren Laptop ist dies nicht der Königsweg.
Um es deutlich zu sagen, das liegt nicht an Debian oder Linux Mint. 256 RAM sind für Gnome wirklich nur der Anfang, was ich schon vor knapp 2,5 Jahren feststellen musste. Auf jedem neueren Rechner wird man mit Sicherheit die verbesserte Reaktionsfreudigkeit feststellen.
Was mir bei der Aktion in den Sinn kam, ist die Frage, ab wann man eigentlich von einer eigenständigen Distribution sprechen kann. Ich denke Linux Mint Debian ist deswegen so interessant, weil es viele proprietäre Formate “out of the box” anbieten möchte, womit sich insbesondere das Installieren von WLAN-Karten, Video- und Grafiktreibern vereinfachen lässt.
Die momentane Linux-Mint-Live-DVD steckt leider noch in den Kinderschuhen, weswegen man bei der Installation hiervon noch nicht von solchen Vorteilen profitieren kann. Ich hoffe aber weiterhin, dass im weiteren Voranschreiten des Projekts das bald anders sein wird.
Ketzerisch betrachtet ist Linux Mint aber ein Debian-Meta-Paket. Manche sagen ich habe Linux Mint Debian installiert, ein langjähriger Debiannutzer würde vielleicht behaupten, er habe sich mit aptitude Debian Testing mit Gnome- und Mint-Geschmack gezogen.

Rolling release, was ist das eigentlich?

LMDE benutzt für seine Installation die Debian-Spiegel und nutzt demnach zu 100% auch Debian-Software. Für meinen Geschmack sollten die Entwickler stärker darauf hinweisen, dass in Debian die sogenannten Testing- und Unstable/Sid-Zweige einzig und allein dazu dienen eine stabile Debian-Version zu produzieren.
Obwohl Testing und selbst Sid eine hohe Stabilität aufweisen, geht dennoch mal von Zeit zu Zeit etwas schief. LMDE profitiert derzeit verstärkt von dem eingefrorenen Zustand des Testing-Zweiges, der wahrscheinlich im ersten Quartal 2011 dann als “Squeeze” die nächste stabile Debian 6.0 Version werden wird.
Ob damit das momentane Testing ein echtes “Rolling Release” ist wage ich deswegen zu bezweifeln. Das kann dann in einigen Monaten wieder anders aussehen. Wenn man Rolling Release mit “neueste Software zu jedem Zeitpunkt” gleichsetzt, müsste LMDE auf Sid basieren.
So wie der Begriff “Rolling Release” zur Zeit benutzt wird, klingt es mehr wie ein Werbeslogan. Was würden ArchLinux-Nutzer dazu eigentlich sagen?
Aber mal ehrlich. Solche Wortklaubereien sind mir egal. Linux Mint Debian macht Debian bekannter. Linux Mint Debian entwickelt neue Software um Linux insgesamt besser zu machen. Linux Mint Debian interessiert mehr Menschen für Freie Software. Darauf kommt es schließlich an.