FreeDOS: Multiboot-System mit dem Toshiba Satellite 220cs

Es macht Spaß FreeDOS in einer virtuellen Maschine unter Linux auszuprobieren oder das sehr praktische DOSEMU zum Starten von DOS-Programmen und Spielen zu benutzen. Ich denke, das ist die einfachste Möglichkeit um mit FreeDOS den Einstieg in die DOS-Welt zu wagen. Natürlich war mein nächstes Ziel das Freie Betriebssystem auch auf dem Toshiba Satellite 220cs zum Laufen zu bringen, was schon fast als logische Konsequenz für einen Laptop aus dem Jahr 1996 mit 16 MB RAM anmutet.

Installation

Ich habe mich erneut für die Installation mit Qemu entschieden, die Festplatte des 220cs ausgebaut und mit Hilfe des USB-IDE-Adapters und mit dd ein Abbild der Festplatte erzeugt. Der große Vorteil liegt darin, dass man gleichzeitig ein Backup hat und bedenkenlos experimentieren kann. Eine einfache Lösung ist sicherlich ein leeres Raw-Image zu erstellen, FreeDOS zu installieren und mit dd auf die Festplatte zu schreiben. Wie es geht, hatte ich bei meiner Vorstellung von FreeDOS gezeigt.

Da ich die bestehenden Betriebssysteme Slitaz und KolibriOS behalten wollte, habe ich das Dateisystem meiner Slitazinstallation verkleinert und anschließend die Partition mit fdisk verändert. Mit Hilfe der Debian Netzinstallations-CD habe ich im Rettungsmodus folgendes gemacht.

e2fsck - f /dev/hda2
resize2fs -p /dev/hda2 600M

Mit fdisk wurde die Partition hda2 neu angelegt und auf 700M verkleinert und zusätzlich hda3 als dritte primäre Partition mit W95 FAT32 erstellt. Nach einem Neustart in Slitaz konnte ich dort erneut

resize2fs -p /dev/hda2

ausführen, damit das Dateisystem exakt an die neue Partitionsgröße angepasst wurde. Bei der Operation muss auf jeden Fall das Dateisystem vor der Partitionierung verkleinert werden, ansonsten kommt es zum Datenverlust. Mit dem zusätzlichen „resize2fs“-Schritt ohne Angabe der Größe wird das Dateisystem schließlich exakt an die Partitionsgröße angepasst.

Hat man diese Vorbereitungen abgeschlossen, kann man FreeDOS mit Hilfe von Qemu installieren, wobei das Installationsprogramm automatisch die erste FAT32-Partition als Laufwerk C: erkennt. Wem das nicht geheuer ist, kann es auch mit xfdisk überprüfen.

qemu -hda toshiba.img -cdrom fdfullcd.iso -boot d

Da ich schon ein vollständiges FreeDOS-Abbild hatte, verzichtete ich dieses Mal auf die meisten zusätzlichen Anwendungen und installierte nur base, games und media.

GRUB-Menü in Slitaz anpassen

Slitaz 3.0 benutzt noch GRUB 1. Meine /boot/grub/menu.lst sieht momentan so aus.

title Slitaz GNU/Linux (Kernel 2.6.30.6-slitaz)
root (hd0,1)
kernel /boot/vmlinuz-2.6.30.6-slitaz root=/dev/hda2 vga=788

title KolibriOS
root (hd0,1)
kernel /boot/memdisk
initrd /boot/kolibri/kolibri.img

title FreeDOS
rootnoverify (hd0,2)
chainloader +1
makeactive

FreeDOS-Einstellungen

Ein paar Änderungen der Voreinstellungen halfen mir auf dem 220cs Laptop weiter. Wer gerne Startzeiten von Betriebssystemen vergleicht, wird sich bei FreeDOS über die 2 Sekunden von GRUB bis zum Prompt freuen. Dazu sollte in der fdconfig.sys

MENUDEFAULT=3,0

stehen. Dabei stellt die Zahl 3 sicher, dass FreeDOS mit dem HIMEM-XMS-Memory-Treiber geladen wird, um Programme im erweiterten Speicher ausführen zu können und mit 0 wird die Verzögerung bei der Wahl des Menüpunkts auf 0 Sekunden gesetzt.

Standardmäßig werden zwei Treiber in den XMS-Speicher geladen, die 12 MB von 16 MB RAM belegten. Um später das Musikprogramm Mpxplay starten zu können, musste ich zumindest einen davon in der fdconfig.sys für Auswahl 3 deaktivieren.

12?DEVICEHIGH=C:FDOSbincdrcache.sys FDC0001 CDRCACH0 6000

Erwähnenswert ist auch, dass man die Energiesparfunktionen mit fdapm APMbios oder fdapm APMoff des BIOS ein- und ausschalten kann, was verhindert, dass die Festplatte nach jedem Kommando in den Ruhezustand versetzt wird. FreeDOS APM-Modus lässt sich mit fdapm APMdos wieder einschalten.

Mpxplay

FreeDOS bringt das Freie Musikprogramm Mpxplay mit, mit welchem sich zahlreiche Formate wie z.B. mp3, ogg oder FLAC abspielen lassen. Damit Mpxplay funktionierte, änderte ich die DMA-Einstellung für den Soundblaster-Treiber in der autoexec.bat für die Yamaha-Opl3sa2-Soundkarte von 1 auf 0.

SET BLASTER A220 I5 D0 H5 P330

Soundkarte und Lautsprecher des Toshiba Laptops sind zwar nach wie vor vermutlich nicht die beste Lösung für eine audiophile Umgebung, um einen Raum zu beschallen sind sie aber ausreichend. Leider habe ich noch nicht das Screenshotprogramm gefunden, deswegen hier nur ein Foto. Ich bin auf jeden Fall beeindruckt. MP3- und OGG-Dateien ließen sich problemlos abspielen.

USB und Netzwerk

USB und Internet waren in den 80igern und Anfang der 90iger noch in weiter Ferne. Erst mit Windows 95 gab es später eher schlecht als recht USB-Support. Umso mehr überrascht es deswegen vielleicht, dass es sowohl USB-Support als auch Netzwerkunterstützung für FreeDOS gibt. Im folgenden finden sich einige Links zu Seiten, die ich für lesenswert halte und für die Zukunft hier dokumentiere.

  • USB with DOS – Ein Artikel von 2003 zum USB Support mit DOS
  • cholla.mmto.org – Englischer Beitrag zum Thema Netzwerken mit DOS
  • FreeDOS on a Compaq Contura Aero – Englische Anleitung zur FreeDOS Installation auf einem Compaq Laptop von Ulrich Hansen (empfehlenswert)
  • Networking FreeDOS – Ulrich Hansens 40 Seiten umfassende Arbeit zum Thema FreeDOS und Networking im Wiki Format (beeindruckend, sehr empfehlenswert, es gibt auch ein nahezu identisches pdf Dokument namens dosnet.pdf, welches sich leicht im Netz finden lässt)
  • Das Dokument wurde auch ins Deutsche übersetzt und befindet sich in der FreeDOS Hilfe und lässt sich dort als Netzwerken unter FreeDOS finden.
  • FreeDOS Hilfe in Deutsch

Scheinbar wird darin sogar die Inbetriebnahme einer meiner 3com-Netzwerkkarten beschrieben, weswegen ich zuversichtlich bin, dass ich später einmal mit FreeDOS im Internet unterwegs bin. 😉

Ich denke die Installation der Treiber und das Einrichten des Netzwerks ist momentan mit Slitaz zwar einfacher. KolibriOS und FreeDOS ergänzen den Laptop jedoch um einige coole Funktionen. Die Installation von FreeDOS empfand ich als eher einfach, die Soundkarte war mit einer kleinen Änderung sofort einsatzbereit und zahllose Spiele für FreeDOS gibt es obendrauf. Für ein Multibootsystem auf jeden Fall mehr als einen Blick wert.

Eine Reise in die Vergangenheit: Der Wert der Laptops gestern und heute

Was machst du von heute an in zehn Jahren? Wie wird dein Leben aussehen? Wo wirst du wohnen, arbeiten, deine Zeit verbringen? Wenn du ein Medium mit Interessen für ältere Computer und Linux bist und durch einen aberwitzigen Zufall auf diese Seite geraten sein solltest, kennst du die Antwort vielleicht schon. Für Normalsterbliche ist ein Blick in die Glaskugel mitunter jedoch ziemlich trübe. Auch ich weiß nicht, was in der Zukunft passieren wird, weshalb ich mich in diesem Post einer verlässlicheren Größe zuwende – der Vergangenheit.

Ich hatte Lust mir alte Rezensionen zu meiner Hardware anzuschauen und herauszufinden wie hoch die Verkaufspreise damals ausfielen. Hier also ohne Wertung ein paar Informationen dazu.

Dell Inspiron 4000

Der Inspiron kam Ende 2000 zum ersten Mal in den Handel. Auf pcpro.co.uk kostete er damals 1.996 Englische Pfund (1999: 1 Pfund = ca. 3DM) . Bei Testberichten auf dooyoo.de variierte der Preis im Jahr 2001 zwischen 5500DM (2.812€) bis ca. 1.700€ im gleichen Jahr. Ich kaufte ihn im Jahr 2008 gebraucht für 100€ inklusive Zubehör. Die meisten Kommentatoren hoben das helle und gute Display hervor und störten sich manchmal am Gehäuse oder den Lautsprecherboxen. Insgesamt sei er ein solider Laptop und diesen Eindruck kann ich auch heute noch bestätigen.

Toshiba Portégé 3110CT

Das Toshiba Subnotebook erschien im Jahr 1999 und wurde am 1.10.1999 auf pcpro.co.uk vorgestellt. Es kostete damals ca. 1.992 Englische Pfund. Auf dooyoo.de wurde er als ideal für Präsentationen oder als „mobile office“ angepriesen. Auch im Jahr 2001 scheint er noch stolze 5000DM gekostet zu haben. Wer aber den 3110CT mal in Echt gesehen hat, wundert sich bei der kompakten Bauweise aus dem Jahr 1999 auch nicht mehr über den damaligen Preis. 2008 habe ich ihn netterweise für lau als Geschenk erhalten.

Toshiba Satellite 220cs

Cnet.com preist das „multimedia excitement and versatility“ an. Auf expertreviews.co.uk wird das verbesserte 800×600 Pixel Display gegenüber den älteren 640×480 Pixeln hervorgehoben. Preislich musste man dafür am 01.09.1997 1.757 Englische Pfund hinlegen, was ca. 2500€ damals entsprochen hätte. Den 220cs habe ich letztes Jahr für 18 € bei ebay ersteigert.

IBM Thinkpad 600

Den Cnet.com Artikel zum Thinkpad 600 hatte ich schon vorgestellt. Der Artikel ist voll des Lobes über den nur 5 Pfund schweren Laptop mit einem „schreiend schnellen Pentium II Prozessor“. Ersteigert habe ich ihn vor wenigen Monaten für 27,50 € bei ebay. In der offiziellen Pressemitteilung von IBM aus dem Jahr 1998 wird ein Verkaufspreis von 3199$ offeriert. Das war noch zu einer Zeit als der Dollar etwas mehr wert war als heute. 😉

Erkenntnisse bei 16 MB RAM und weniger

Er ist nicht vergessen, nur etwas ruhiger ist es um ihn geworden. In der Zwischenzeit hat er einen neuen Platz neben meinem Router gefunden, um nun direkt mit Hilfe einer PCMCIA zu LAN-Karte ins Netz zu gehen. Ab und an probiere ich ein paar Programme und Einstellungen aus um herauszufinden, was tatsächlich möglich und vor allem sinnvoll ist bei einem 16 Jahre alten, Toshiba 220cs, Laptop. Zwar ist 16 MB RAM weit davon entfernt ein komfortables Polster zu sein, doch verhalten sich einige Konsolenprogramme nicht anders als auf einem Core-Duo-Rechner.

Nach wie vor benutze ich Slitaz in der Minimalinstallation und das winzige KolibriOS als Dual-Boot System. Zwischendurch hatte ich Slitaz zwar auch schon wieder von Grund auf neu aufgespielt, aber am Ende rettet das Image vom Jahresanfang immer noch den Tag.

Wenn ihr zu den Leuten gehört, die elektronische Geräte bei längerer Nichtbenutzung komplett vom Stromnetz trennen, solltet ihr nach dem Wiederanfahren unbedingt einen Blick in das BIOS werfen. Bei Problemen mit der PCMCIA Karte kann es passiert sein, dass die ausgelaugte CMOS-Batterie nicht mehr genug Energie zur Verfügung stellt, um die richtigen Einstellungen zu speichern.

RAM. Zwar rede ich immer von 16 MB RAM, htop zeigt mir aber lediglich nur 10 MB an. Vermutlich wird Speicher durch eingebaute Hardware reserviert, weswegen am Ende für die tatsächliche Ausführung weniger RAM zur Verfügung steht. Htop ist aber nicht das einzige Programm, das diesen Wert anzeigt. Auch KolibriOS signalisiert hier den gleichen Wert. Trotzdem ist es erstaunlich, was ein minimales Slitaz an Arbeitsspeicher benötigt und dabei dennoch alle Hardwaretreiber geladen hat.

WLAN. Das WLAN in Betrieb zu nehmen, war auf dem 220cs noch nie ein Problem. Obwohl 1996 die meisten Laptops noch nicht bereit waren für die mobilen Ansprüche des Internetzeitalters (mit dem 220cs kann man sich Hanteltraining sparen), ist es ohne weiteres möglich seine PCMCIA-Karte mit WPA in Betrieb zu nehmen. Leider nimmt diese drahtlose Funktion einige MB in Anspruch. Wenn man also den Rechner sowieso nur zur Hause für einen bestimmten Zweck nutzen möchte, ist eine PCMCIA zu LAN Karte vorzuziehen. Die beiden von 3com erfüllen nicht nur ihren Zweck, sondern haben auch Freie Linuxtreiber.

Rtorrent. Keine Frage ist Rtorrent die bevorzugte Lösung, wenn man BitTorrent von der Konsole aus bedienen möchte. Mit dem geringen Verbrauch an Systemressourcen und dem intuitiven Ncurses-Interface kann man nicht viel falsch machen. Obwohl RAM hier ein wichtiger Flaschenhals ist, sollte man I/O nicht unterschätzen. So alte Laptops haben meist keine sehr schnelle Festplatte, USB 1.0 war zu dieser Zeit noch eine Seltenheit und versucht man gleichzeitig mehrere Torrents über WLAN zu verteilen, hat man die besten Voraussetzungen geschaffen, um dem System die Grenzen aufzuzeigen. Der Umstieg auf eine LAN-Verbindung hat bei mir zwar deutlich geholfen, dennoch muss man die Bandbreite bei der Übertragung drosseln, damit der Laptop weiterhin bedienbar bleibt. In Rtorrent sollte deswegen die Anzahl der maximalen Peers begrenzt werden und gleichzeitig für den Download eine Grenze gezogen werden. Global 300 kb/s war ein vernünftiger Zahlenwert.

Musik. Nachdem ich die richtigen Audioeinstellungen gefunden hatte, ließ sich ohne weiteres Musik mit cmus abspielen, dass ich mit Hilfe von tazpkg von einem Debian- in ein Slitazpaket umgewandelt habe. Ob die abgespielten Klänge aber als Hörgenuß bezeichnet werden dürfen, lasse ich an dieser Stelle mal offen. Hier muss man wohl die Schuld bei der Soundkarte suchen. Lauter Krach immer, Äolsharfe gleiche Klänge eher nein.

SSH. Normalerweise benutze ich SSH nicht nur zur Fernadministration, sondern auch zum Einhängen entfernter Dateisysteme mit sshfs. Diese Methode scheint bei dem Toshiba 220cs ziemlich instabil zu sein, weswegen möglicherweise der Versuch lohnt Dateien mit Hilfe von NFS freizugeben. Auf jeden Fall ist Dropbear der geeignete Ersatz für OpenSSH, wenn die Ressourcen begrenzt sind.

Lighttpd. Ich erwähnte schon bei der Vorstellung von Ideen, was man mit alten Computern machen kann, dass ein hauseigener Webserver unter Umständen ein guter Verwendungszweck für einen alten Rechner sein kann. Als leichtgewichtige Variante bietet sich hier Lighttpd an, der sich bei Slitaz problemlos installieren und mit /etc/init.d/lighttpd start auch sofort in Betrieb nehmen lässt. Dauerhaft wird der Dienst in der /etc/rcS.conf unter RUN_DAEMONS eingetragen. Danach nur noch mit dem Browser auf die lokale Adresse surfen und man kann sich von den Fähigkeiten von Lighttpd überzeugen.

Prinzipiell funktionieren viele textbasierte Programme wie auf einem brandneuen Modell. Egal ob es der IRC Chat ist, der Terminplaner für die Konsole oder das E-Mail-Programm. Wunder darf man aber nicht erwarten. Insbesondere lassen sich nicht alle Programme parallel ausführen und umfangreiche Editoren wie Vim verhalten sich zeitweise recht träge.

Für die Zukunft stehen noch FreeDOS und Crux auf dem Testplan. Ersteres um herauszufinden, welche Möglichkeiten ein weiteres Nicht-Linux, aber Freies Betriebssystem, bietet und letzteres, weil es einen speziellen i585-Port zur Verfügung stellt und dazu noch äußerst anpassbar ist.

Debian auf dem Toshiba Satellite 220 CS

Der neue 2.6.30 Debian-Kernel war erstellt worden und funktionierte in Qemu, nun musste alles noch auf den Toshiba-Laptop übertragen werden.

Ich hatte zwei Versionen zum Testen, einmal ein minimales Debian Squeeze und die Lenny-Sandbox-Version von KMandla, die schon gute Konsolenprogramme enthielt, nachweislich mit 32 MB RAM zurechtkommt und mir die Zeit erspart ein Debian Lenny in Qemu neu zu installieren.

Für Debian Squeeze war leider nach GRUB und dem Versuch /dev einzubinden Schluss. Da Squeeze eine andere Art benutzt um ein Device anzulegen als das noch bei Lenny der Fall war, müssen offenbar noch ein paar Optionen im neuen „Slitaz“ 2.6.30 Kernel aktiviert werden, damit diese Funktionalität auch unterstützt wird.

Welche das genau sind und ob ich damit überhaupt richtig liege, entzieht sich momentan meiner Kenntnis. Der Verdacht liegt jedenfalls nahe, denn in einem emulierten System mit Qemu erhalte ich keine Fehlermeldung und alles scheint zu funktionieren.

Nun da war ja noch Lenny. Das 1 GB große Image wurde wieder mit dd auf die Toshiba Festplatte geschrieben und wie erhofft bootete das ganze System.

Da ich schon in Qemu die Wlan-Karte eingerichtet hatte, konnte ich sofort mit dem Ausprobieren beginnen. Die meisten Programme reagierten einzeln genauso wie dies bei Slitaz der Fall war.

Zum ersten Mal haarig wurde es bei dem Versuch mehrere Programme parallel über eine SSH-Verbindung zu nutzen. Der voreingestellte OpenSSH-Server und -Client und die gestarteten Programme reagierten für meinen Geschmack zu träge.

Vielleicht hilft das Austauschen des SSH-Servers mit Dropbear, dachte ich. Also versuchen wir einmal aptitude update.

Eine Stunde später war die Apt-Datenbank aktualisiert. 🙄 Ich entfernte den SSH-Server und installierte Dropbear und wieder dauerte es eine Stunde bis dieser Vorgang abgeschlossen war.

Ich bin zwar bei sehr alter Hardware geduldig, aber zwei Stunden Wartezeit um ein Programm zu installieren und zu entfernen, ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Hieran erkennt man, was für ein großer Unterschied ein paar MB RAM und ein schnellerer Prozessor ausmachen können. Die gleiche Operation dauert auf dem vier Jahre jüngeren Toshiba Portégé 3110 CT höchstens 2-3 Minuten und das ist für einen zwölf Jahre alten Laptop eine sehr akzeptable Zeit.

Dropbear reagierte tatsächlich besser, aber dies änderte nichts daran, dass die anderen Konsolenprogramme schwer zu kämpfen hatten. Danach trat das gleiche Problem auf, welches ich schon mit der Slitaz-Minimalinstallation hatte.

Versucht man ein netzwerklastiges Programm wie z.B. Rtorrent oder Moc über SSHfs zu betreiben, friert der Laptop irgendwann ein. Wlan plus WPA-Verschlüsselung und zusätzlich noch starker Netzwerkverkehr überfordern ihn einfach.

Nichts Neues also und auch bei den Systemspezifikationen keine wirkliche Überraschung.

Am Ende muss ich feststellen, dass Slitaz Installationsmethode für so alte Rechner einfach sinnvoller und ressourcenschonender ist, in Sachen Abhängigkeiten auflösen und Mächtigkeit der Anwendung hinter Apt aber zurückfällt.

Das Kompilieren des Debian-Kernels mit der Slitaz-Config hat aber eines gezeigt. Es ist möglich auch Debian auf dem Toshiba Satellite 220 CS zu installieren, wenn der Kernel an 16 MB RAM angepasst ist.

Einen eigenen Debian Kernel mit Hilfe von Slitaz zu bauen war nicht schwer. Ab hier würde aber nun die wirkliche Bastelarbeit beginnen, indem man Kerneloptionen findet, die das System noch weiter optimieren.

Einfacher geht das alles indem man Slitaz direkt installiert. Zumindest bei so wenig RAM spart Slitaz einem eine Menge Ärger. Die Option Squeeze zu installieren wird zumindest auf diesem Modell keinen Vorteil bringen.

Halten wir mal fest: 1:0 für Slitaz, noch einige Möglichkeiten sind offen und in Sachen Kernelkompilierung wurde Wissen wieder aufgefrischt. 😉

Noch ein paar Bilder zu KolibriOS

Das Erstellen einer Fat32-Partition war zwar schwieriger als gedacht, aber nach etwas resize2fs-Magie nicht unmöglich. KolibriOS lässt sich auf meinem Toshiba220cs nun über GRUB starten und das Abspeichern der Konfiguration oder Sichern von Screenshots ist mit der neuen Fat32-Partition auch kein Problem mehr.

KolibriOS bringt einige Systemprogramme mit, die wertvolle Informationen über Speicherverbrauch, CPU und Mainboard herauslesen können. Für manche Infos sollte man aber zumindest grundlegende Kenntnisse in Binärsprache und Hex-Schreibweise haben. 🙂

Bei den insgesamt nur 16 MB RAM des Toshiba Satellite ist es nicht möglich jedes Programm gleichzeitig auszuführen, vor allem da das gesamte Betriebssystem im RAM läuft (dies aber schon ab 8 MB). KolibriOS verweigert dann einfach das Starten. Da einige der mitgelieferten Spiele mehr RAM benötigen, lässt sich nur die Hälfte von ihnen auf dem alten Laptop spielen.

Einige der Programme imitieren das Aussehen von bekannten Anwendungen aus der Windows- oder Linuxwelt. Augenscheinlich haben es Winamp und der Midnight Commander geschafft in Assembler portiert zu werden. 😉 Mit dem CD-Player hatte ich bisher noch keinen Erfolg, da das Device nicht erkannt wird.

Es handelt sich übrigens um einen DVD-Brenner, den der Vorbesitzer anstelle des ursprünglichen CD-Laufwerks eingebaut hatte. Zumindest unter Slitaz hat eine Audio-CD schon Töne von sich gegeben.

Eine schicke Besonderheit sind die vielen Demos von KolibriOS, die verschiedene Grafikfeatures oder bekannte Gimmicks wie die „rollenden Augen“ repräsentieren. Ohne Scherz, es gibt sogar die Möglichkeit Quake mit KolibriOS zu spielen.

Was gut funktioniert ist auf jeden Fall das Screenshot-Programm und der ImageViewer, mit dem sich die Schnappschüsse auch sofort anschauen lassen.

Zumindest mit dem Inspiron 4000 ist es mir gelungen auch eine Netzwerkverbindung herzustellen, da die Netzwerkkarte von KolibriOS unterstützt wird. Der Versuch, mit dem IRC Client sich zum Kolibri-Server zu verbinden, wurde leider abgelehnt und auch irc.debian.org wies die Anfrage zurück.

Der HTML-Viewer ist tatsächlich nur ein Betrachter und kein vollwertiger Firefox-Ersatz. Zumindest www.kolibrios.org lässt sich damit problemlos darstellen. 🙂

In Sachen Benutzerfreundlichkeit könnte das ein oder andere Programm sicher noch optimiert werden, obwohl so etwas einfach nur das Sahnehäubchen in einem komplett in Assembler programmierten Betriebssystem wäre. Vielleicht muss sich der ein oder andere Thunderbird-Benutzer bei der Bedienung des POP-Mail Clients aber umstellen. 😛

KolibriOS hat noch mehr Programme zu bieten und ich kann immer noch nicht behaupten, wirklich jeden Aspekt vollkommen getestet zu haben. Für ein Betriebssystem, dass auf eine 1,44 MB Floppy passt, ist KolibriOS schon jetzt unglaublich.

Wer sich soviel Festplattenspeicher leisten kann und sich nicht scheut, entweder Qemu oder einen Booteintrag in GRUB vorzunehmen, der hat ab sofort ein neues in Assembler programmiertes Zweitsystem, dass es in dieser kompakten Form sicher kaum ein zweites Mal gibt.