Debian 6.0 Squeeze veröffentlicht

Heute wurde Debian 6.0 „Squeeze“ veröffentlicht!
Mehr als 29.000 kompilierte Binärpakete stehen in dieser Version zur Verfügung.
Wichtige Links:

Debian Squeeze ist das erste Debian mit vollständig freiem Kernel. Wie schon früher geschrieben, kann das bei der Installation vor allem bei Netzwerkkarten mit propritärer Firmware zu Problemen führen.
Dafür hat es Debian als erste Linuxdistribution geschafft ein vollkommen freies Betriebssystem zu erschaffen, dass vielen anderen Distributionen nun als Basis dient.
Für die Firmwareproblematik gibt es zwei einfache Lösungen. Der oben genannte Link empfiehlt den Tarball mit der unfreien Firmware herunterzuladen, auf einen USB-Stick zu kopieren und bei der Installation dann auf diese Datei zu verweisen.
Debian bietet aber auch eine inoffizielle Squeeze-Netinstall-CD an, auf der die unfreien Firmwaretreiber schon integriert sind.
Jeder kann also selbst entscheiden, was für welchen Einsatzzweck sinnvoller ist.
So und nun alle fleißig das neue Debian 6.0 seeden. 😉

Grml 2010.12

Gebrüder Grml“ ist der Codename für eine im Dezember 2010 erschienene und auf Debian basierende Live-CD und ganz augenscheinlich ein Wortspiel der österreichischen Entwickler auf die Gebrüder Grimm.
Abseits davon, dass Grml ein einprägsamer Name für eine Distribution ist (zumindest für mich *grummel*), gefiel mir die Aussage, dass man das Rad nicht neu erfinden wolle und deshalb Debian als Basis nutze.
Die Zielgruppen des primär als Live-CD konzipierten Debian-Derivats sind nach eigener Aussage Fortgeschrittene und Experten, Systemadministratoren und Liebhaber von Textprogrammen.
Grml lässt sich in drei verschiedenen Ausführungen herunterladen, einer Standardversion mit X (700 MB, 2,3 GB entpackt!) , Grml Small ohne X und nur den wichtigsten Werkzeugen (110 MB) und Grml Medium mit X und zusätzlichen nützlichen Programmen (220 MB). Dazu ist der Linuxkernel 2.6.36 installiert und Debian Sid wird als Systemunterbau verwendet.

Grml mit Fluxbox
… ein paar Shells

Grml besitzt vielfältige Bootoptionen und ein optisch übersichtliches Bootmenü, darunter auch die Möglichkeit die gesamte Distribution im RAM laufen zu lassen. Die deutsche Spracheinstellung wird mit einem Tastendruck ausgeführt oder kann später auch direkt auf der Konsole mit grml-lang de jederzeit umgestellt werden. Dazu bietet die Live Version die gleichen „Cheatcodes“ wie die Knoppix Live-CD. Wer also schon einmal Knoppix benutzt hat, wird sich bei der Übergabe der Startparameter nicht viel umstellen müssen.
Nach der Erkennung der Hardware kann man sich mit einem weiteren Tastendruck dafür entscheiden, ob man lieber in eine grafische Desktopumgebung mit Fluxbox, i3, wmii, Openbox oder Awesome einsteigen möchte oder gleich auf der Konsole Platz nimmt.
Grml bietet für die Arbeit auf der Konsole eine Reihe gut vorkonfigurierter Programme an. Insbesondere fällt hier auf, dass sich die Entwickler auch Gedanken über Schriften und Farben zur besseren Lesbarkeit gemacht haben. Alle bekannten Editoren und Shells sind standardmäßig verfügbar, die Konfigurationsdateien sind gut kommentiert.

Grml mit Konsole

Das Steckenpferd von Grml ist eindeutig die Zsh-Shell. An vielen Stellen kann man sich innerhalb der Live-CD oder auf der offiziellen Homepage über die Vorzüge von zsh informieren. Die mächtige Autovervollständigung, selbst bei Variablen oder Programmoptionen ist schon sehr beeindruckend.
Mögliche Verwendungszwecke für Grml sehen die Entwickler z.B. als Rettungs-CD, zur forensischen Analyse von Daten und um eine Debian Live-CD mit allen wichtigen Werkzeugen für Systemadministratoren sofort griffbereit zu haben.
Da Grml für fortgeschrittene Anwender geschaffen wurde, sollte man nicht erwarten, dass man von grafischen Programmen Schritt für Schritt bei jeder Aufgabe unterstützt wird. Es wird vorausgesetzt, dass man weiß, welche Programme für eine Sicherung oder Rettungsaktion notwendig sind und wozu ein Programm wie ophcrack sinnvoll ist. Dafür gibt es auf der Homepage zumindest einen kurzen, aber guten Überblick, wie man mit ein paar Kommandos verschiedene Aufgaben lösen kann.
Besonders die Konfigurationsdateien für die verschiedenen Konsolenprogramme sind interessant, weshalb sich das Anschauen von Grml schon deshalb gelohnt hat. Ich denke insbesondere die vimrc, screenrc und die zsh Shell werde ich mir noch öfter genauer ansehen.
Grml hat eine klare Ausrichtung auf erfahrene Anwender und bestimmte Einsatzszenarien. Deswegen ist es auch einleuchtend, warum Programme wie Openoffice oder große Desktopumgebungen wie Gnome und KDE nicht zum Einsatz kommen. Dafür blieb mehr Platz für Adminwerkzeuge.
Wer eine wirklich kleine, schnelle, grafische Live-CD haben möchte wird mit Slitaz eher glücklich oder sollte für eine komplette Desktopumgebung besser Knoppix bevorzugen. Auch gibt es schon Live CDs, die sich in ähnlicher Weise wie Grml spezialisiert haben. Ophcrack wird sogar als Einzelprogramm mit einer Live-CD ausgeliefert und Distributionen wie Clonezilla oder PartedMagic sind meiner Meinung nach für eine Backuplösung einfacher zu bedienen.
Grml bietet dafür mehr Konsolenanwendungen und gut vorkonfigurierte Textprogramme und ist ideal, wenn man sich über die Stärken von zsh, vim, emacs, screen und Co informieren will. Deswegen werde zumindest ich, sie mir noch etwas näher anschauen 😉

Prinzipien, Ideale und was eine gute Distribution ausmacht

Jeder hat seine Lieblingsdistribution. Meine ist Debian. In den letzten zehn Jahren hat sich in dieser Hinsicht nicht viel getan. Lediglich Ubuntu konnte sich bisher dazwischen drängen und mich 2006 von ihren Zielen überzeugen.
Das bedeutet nicht, dass mich andere Ideen nicht interessieren oder ich fundamentalistisch an einer Distribution festhalten muss. Im Gegenteil: Ich kann zwar nicht versprechen Debian komplett zu vergessen, aber ich bin mir sicher, dass es da noch viele coole Ideen gibt und sei es nur eine Config Datei, die ich für ein Debian System nutzen kann.
Warum aber die Distribution wechseln?
Irgendeinen Grund muss es geben, dass es dort draußen so viele verschiedene Linuxdistributionen gibt, von denen laut distrowatch.com immerhin 129 Stück auf Debian basieren, mit großem Abstand folgen Fedora, Slackware oder Gentoo basierte.
Debian versucht seit neuestem mit einem Zensus mehr Feedback von diesen vielen Derivaten zu erhalten, um Änderungen und Verbesserungen besser in das Hauptprojekt einfließen lassen zu können.
Worin besteht nun der Unterschied zwischen einem Derivat, einer Linuxdistribution oder sogar einem Blend wie Debian Projekte wie Skolelinux, Debian Multimedia oder Debian Science bezeichnet.
Ein Blend oder Flavor ist nichts anderes als eine neue Mischung, eine Untermenge aus allen verfügbaren Softwarepaketen einer Distribution, nur zum Zweck geschaffen eine bestimmte Aufgabe für eine Nutzergruppe möglichst einfach „out-of-the-box“ zu erfüllen. Oft sind sie als sogenanntes Metapaket verfügbar.
Derivate sind von einer Distribution abgeleitete Projekte, die im Kern immer noch auf einer wichtigen Komponente des Originals basieren, z.B. der Paketmanager. In anderen Bereichen unterscheiden sie sich aber mehr oder weniger stark von der Originaldistribution. Veröffentlichungen können regelmäßiger oder unregelmäßiger stattfinden, das Erscheinungsbild der Desktopoberfläche ist standardmäßig anders und besonders wichtig, neue Funktionen, Verbesserungen oder Programme, die im Original nicht existieren, wurden hinzugefügt.
Eine Linuxdistribution ist nach Wikipedia eine Zusammenstellung des Linux Kernels mit diverser Software, um hieraus ein Betriebssystem zu bilden.
Im Grunde genommen ist eine Distribution also auch der allgemeine Übergriff, unter dem sich alle anderen aufgezählten Begriffe summieren. Was macht nun aber eine gute Distribution aus?
Für mich persönlich stehen folgende Punkte im Vordergrund:

  • Mehrwert: Eine gute Distribution sollte dem Anwender einen großen zusätzlichen Nutzen bieten. Die Software ließe sich zwar auch manuell Paket für Paket installieren oder kompilieren, doch ein Blend übernimmt diese Aufgabe mit einem Kommando oder Mausklick. Bessere Sprachunterstützung, barrierefreie Bedienung, ein Derivat bietet eine benutzerfreundlichere Installation, vereinfachte Konfiguration oder im Gegenteil eine weiter fortgeschrittene, detailliertere Justierung, kurzum mehr Kontrolle. Auch die Vorinstallation einer bestimmten Desktopumgebung mit darauf ausgerichteter Software und angepassten Einstellungen wäre ein gutes Argument für eine Distribution. Umso mehr Mehrwert desto besser.
  • Klare Ausrichtung: Eine gute Distribution wurde mit einem bestimmten Ziel geschaffen. Linux bekannter und einsteigerfreundlicher machen (Ubuntu), ein universelles, stabiles, von einer Gemeinschaft entwickeltes Betriebssystem schaffen (Debian), eine extrem leichtgewichtige LiveCD kreieren (z.B. Slitaz) oder jede Kompilierungseinstellung selbst steuern können (Gentoo). Gibt es eine Philosophie, ein besonderes Merkmal oder CI um aus der Masse herauszustechen?
  • Tue eine Sache, die aber richtig: Eine gute Distribution schließt eine bisherige Anwendungslücke, ist für einen bestimmten Zweck oder eine Plattform besonders geeignet oder genau das, wonach sich die Welt schon immer gesehnt hat. Egal ob Live Distribution, Server-, Desktop- oder Gaming-Version, wird die Distribution ihren eigenen Anforderungen gerecht und stellt alles andere bisher Dagewesene in den Schatten, führt kein Weg mehr daran vorbei. Kann sie darüber hinaus alles auf hohem Niveau gleichzeitig, dann nenne man sie ab sofort Deb…ähm hervorragende Distribution.
  • Support und Community: Jede Distribution hat mal klein angefangen, meistens typisch in irgendeiner Garage 🙄 . Welche Möglichkeiten bietet sie aus diesem Anfangsstadium herauszukommen? Gibt es eine Website, ein Forum, ein Wiki, eine Newsgroup oder gar Handbücher? Wie verhält sich die Gemeinschaft gegenüber „Newbies“, welche Maßnahmen wurden ergriffen um die Qualität und Weiterentwicklung positiv zu gewährleisten? Wie werden Entscheidungen über die Distribution getroffen und wie nachhaltig sind diese?
  • Freie Software versus Proprietäre: Unfreie Software darf niemals freie Software einschränken. Eine gute Distribution überlässt dem Anwender die Entscheidung, welche Software er verwenden will und welche nicht und schafft dafür die Voraussetzungen. Freie, perfekte, fehlerlose Software für jeden Anwendungsfall ist das Ideal. Doch in der unvollkommenen, realen Welt müssen manche Menschen von Einnahmen leben. Kommerzielle Dienstleistungen, die auf freien Standards aufsetzen und dem Nutzer einen Mehrwert bieten, sollten nicht nur toleriert sondern auch gefördert werden.

In den nächsten Monaten werde ich einige neue Distributionen ausprobieren und schauen, wer Debian vom Thron stoßen kann.
Mal sehen, ob sich auch meine Prinzipien ändern werden. 😉

KolibriOS auf einer Floppy

Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit mir KolibriOS in der aktuellen Version 0.7.7.0 etwas näher anzuschauen. KolibriOS hat genau genommen nichts mit dem Linuxkernel zu tun, ist aber Freie Software und, für mich besonders bemerkenswert, komplett in Assembler programmiert.

Das Erstaunliche: Das komplette grafische Betriebssysten passt auf eine einzige 1,44 MB Floppy, lässt sich aber auch von einem USB-Stick oder einer CD booten und direkt mit Hilfe von GRUB und memdisk von jedem Linuxsystem aus starten.
Mein erster Gedanke war, wie schlägt sich KolibriOS auf dem antiken Toshiba Satellite 220cs mit nur 16 MB RAM.
Slitaz ist dort mittlerweile in der Minimalinstallation installiert, Sound funktioniert, ein paar wesentliche Systemeinstellungen wurden auch schon justiert, was nun noch fehlte war eine moderne grafische Oberfläche, die auch angemessen schnell reagiert.
Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass eine komplette GUI überhaupt notwendig ist. Slitaz bringt auf der Kommandozeile schon genug nützliche Programme mit.
Bis ich dieses Problem gelöst habe, gibt es nun KolibriOS. Eine Dual-Boot-Installation mit GRUB Legacy ist äußerst einfach und um es vorweg zu nehmen, der Satellite 220cs kommt gut damit zurecht.
Es genügt das Paket syslinux zu installieren und dann den Bootloader memdisk von /usr/lib/syslinux z.B. in das Boot-Verzeichnis oder eine separate Partition zu kopieren. Anschließend muss die Datei kolibri.img der Diskettenversion ebenfalls in dieses Verzeichnis/Partition kopiert werden.
Um KolibriOS beim Start von GRUB auswählen zu können, wird die /boot/grub/menu.lst editiert. Liegen memdisk und kolibri.img auf der boot Partition hda1 sieht das so aus.

title KolibriOS
root (hd0,0)
kernel /memdisk
initrd /kolibri.img

Auch für GRUB2 ist die Installation schnell erledigt. Unterschied ist die neue Syntax und die geänderte Zählweise bei Partitionsnummern. Die sauberste Lösung ist bei Debian das Editieren der Datei /etc/grub.d/40_custom. Danach nur noch den Befehl grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg als root ausführen.

menuentry „KolibriOS“ {
set root='(hd0,1)‘
linux16 /memdisk
initrd16 /kolibri.img
}

Memdisk war leider nicht im Syslinux-Paket von Slitaz enthalten, weswegen ich Memdisk von einer Debianinstallation benutzt habe und das auch problemlos funktionierte.
Nach dem Neustart lässt sich nun bequem zwischen KolibriOS und der alten Linuxdistribution wählen.
KolibriOS überraschte mich mit einem kompletten grafischen Desktop und einer Unmenge an Programmen, Gimmicks und Spielen. Außerdem funktionierte die Internetverbindung auf dem Inspiron 4000 dank Unterstützung für den Intel-Chipsatz. Das schaffte nicht einmal Debian Squeeze out-of-the-box. (oder besser wollte nicht schaffen) 😉
Ein komplettes SDK zur Programmierung von Anwendungen in Assembler ist integriert. Der Hintergrund und die Icons lassen sich ändern, Touchpad und Maus funktionieren und auch der kleine quäkende PC Speaker gibt Töne von sich 😉
Es gibt einen IRC-Client, einen HTML-Viewer, Telnet und FTP-Clients, man kann Internet-Schach spielen. Da sind ein Taschenrechner, ein kleines Malprogramm, Texteditor, Shell, ein CD-Player und auch ein Dateimanager und und und.
Mehr als genug Programme um behaupten zu können, ein komplettes Betriebssystem vor sich zu haben. Sicher ist aber auch, dass trotzdem nicht von heute auf morgen jeder Privathaushalt und jedes Unternehmen auf KolibriOS umstellen wird. Die Hardwareerkennung ist natürlich sehr eingeschränkt. Wer also PCMCIA und USB-Wlan-Sticks zum Surfen braucht hat Pech gehabt.
KolibriOS ist so winzig, dass der Begriff „leichtgewichtig“ schon wieder zu schwer ist. KolibriOS zum Maßstab aller leichtgewichtigen Linuxdistributionen zu machen ist aber genauso ungerecht wie zu erwarten, dass ein kompletter Firefox in Assembler irgendwo zwischen den 1,44 MB schlummert oder OpenOffice sich wundersamerweise hinter einem der zahlreichen Programmmenüs verbirgt.
Ebenfalls beachten sollte man, dass KolibriOS nur auf FAT-Partitionen schreiben kann und von ext2/ext3 nur liest. Deswegen werde ich die Programme auch mal näher vorstellen, sobald ich eine FAT-Partition auf einem der Laptops eingerichtet habe. Die Screenshots stammen deshalb noch aus Qemu.
Ich denke KolibriOS ist ein starker Gegenbeweis zu manch Gigabyte großer Installation und zeigt was theoretisch machbar wäre.
Ich ziehe auf jeden Fall meinen Hut vor den Entwicklern.

Verschlüsseltes LMDE “the Debian way”

Während das LMDE-Team zwischen den Jahren ein paar Bugs mit der Linux-Mint-Live-DVD ausgebessert hat, habe ich versucht die Idee, Linux Mint Debian schon heute auf einem verschlüsselten Logical Volume zu installieren, in die Tat umzusetzen.
Da die LMDE-Live-DVD Verschlüsselung und die Einrichtung von LVM noch nicht unterstützt, bleibt z.B. der Weg über eine reine Debian-Installation mit anschließendem Upgrade auf die spezifischen Mint Debian Pakete.
Der Vorteil dieser Variante liegt hierbei in der geringen Größe der Netinst- oder Visitenkarten-Edition gegenüber knapp 900 MB Download der LMDE-Live-DVD. Umso kleiner aber die Installations-CD, desto mehr Pakete müssen über das Internet nachinstalliert werden. Eine funktionierende Internetverbindung ist also zwingende Voraussetzung.
Als Testrechner habe ich mich für den Dell Inspiron 4000 entschieden und die Debian Lenny Visitenkarten-Edition zum Installieren benutzt. Wer schon einmal Ubuntu mit der Alternativen CD installiert hat oder regelmäßig Debian nutzt findet sich natürlich sofort zu recht. Wichtig ist es, die geführte Installation mit LVM und Verschlüsselung auszuwählen.
Allen anderen empfehle ich die Debian-Netzinstallation oder youtube.com, wo es einige gute Videos zu diesem Thema gibt und vor allem etwas Durchhaltevermögen, denn die Debian-Installation ist nicht schwer!
Wer bis hierhin furchtlos Debian installiert hat, findet sich nach dem Neustart auf der nackten und kalten Konsole wieder. Aber keine Bange, der Rest ist trivial. Ab sofort meldet man sich als Benutzer „root“ an und nimmt folgende Veränderungen an seinem Debian System vor.
Der Inhalt der Datei /etc/apt/sources.list wird komplett durch diese vier Zeilen ersetzt.

deb http://packages.linuxmint.com/ debian main upstream import
deb http://ftp.debian.org/debian testing main contrib non-free
deb http://security.debian.org/ testing/updates main contrib non-free
deb http://www.deb-multimedia.org testing main non-free

Anschließend genügt ein

aptitude update
aptitude install linuxmint-keyring deb-multimedia-keyring
aptitude dist-upgrade

und die aktuellsten Debian Testing Pakete werden installiert.
Nach dem Upgrade hat man aber weder Gnome noch Linux Mint Debian. Deswegen geht es gleich weiter mit

aptitude install gdm3 gnome-core

Debian installiert nun die wesentlichen Pakete der Gnome-Desktopumgebung und den Loginmanager GDM. Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, genügt die Eingabe von

gdm3

als Benutzer root um die grafische Desktopumgebung zu starten. Dann kann man sich wie gewohnt mit dem bei der Installation vergebenen Benutzernamen einloggen und man findet folgendes vor.

Beeindruckend ist hierbei der geringe Speicherverbrauch mit weniger als 90 MB RAM mit der Gnome-Core-Version, die aber schon wesentliche Programme wie Browser, Email, Datei- und Systemverwaltungsprogramme mitbringt.

Wo ist mein Mint?

Kein Problem. Terminal öffnen, sich als root anmelden und

aptitude install mint-meta-debian

eingeben.
Dieses schöne Mint-Metapaket installiert alles was man sich von seinem Linux Mint Debian erwartet. Sollte aptitude sich beschweren, dass ein virtuelles Paket namens gstreamer0.10-pitfdll sich nicht installieren lässt, muss man es vorher noch manuell aus dem Internet herunterladen und mit

dpkg -i gstreamer0.10-pitfdll

installieren.
Das war es schon! Nach einem Neustart begrüßt einem der Linux-Mint-Debian-Desktop auf einem komplett verschlüsselten Logical Volume. Der Speicherverbrauch ist für ein Gnome immer noch sehr gering. Um es mit der ursprünglichen Linux-Mint-Debian-Installation oder gar Ubuntu zu vergleichen müssen aber noch einige Pakete nachinstalliert werden.

Compiz fehlt, ebenso Pidgin und Openoffice.org. Ich wage trotzdem die kühne Behauptung, dass man mit dieser Methode sich ein individuelles und sehr leichtes LMDE installieren kann, welches, egal wie man es anstellt, flexibler und ressourcenschonender als die LMDE-Live-DVD und ebenso die Linux Mint Main Edition oder Ubuntu ist.

Noch ein paar Gedanken

Auch nach dieser erneuten Gnome-Installation auf dem Inspiron 4000, bemerkt man doch die Unterschiede zu einer reinen Fenstermanagerlösung. Gnome lässt sich ohne Frage bedienen, aber auf dem älteren Laptop ist dies nicht der Königsweg.
Um es deutlich zu sagen, das liegt nicht an Debian oder Linux Mint. 256 RAM sind für Gnome wirklich nur der Anfang, was ich schon vor knapp 2,5 Jahren feststellen musste. Auf jedem neueren Rechner wird man mit Sicherheit die verbesserte Reaktionsfreudigkeit feststellen.
Was mir bei der Aktion in den Sinn kam, ist die Frage, ab wann man eigentlich von einer eigenständigen Distribution sprechen kann. Ich denke Linux Mint Debian ist deswegen so interessant, weil es viele proprietäre Formate „out of the box“ anbieten möchte, womit sich insbesondere das Installieren von WLAN-Karten, Video- und Grafiktreibern vereinfachen lässt.
Die momentane Linux-Mint-Live-DVD steckt leider noch in den Kinderschuhen, weswegen man bei der Installation hiervon noch nicht von solchen Vorteilen profitieren kann. Ich hoffe aber weiterhin, dass im weiteren Voranschreiten des Projekts das bald anders sein wird.
Ketzerisch betrachtet ist Linux Mint aber ein Debian-Meta-Paket. Manche sagen ich habe Linux Mint Debian installiert, ein langjähriger Debiannutzer würde vielleicht behaupten, er habe sich mit aptitude Debian Testing mit Gnome- und Mint-Geschmack gezogen.

Rolling release, was ist das eigentlich?

LMDE benutzt für seine Installation die Debian-Spiegel und nutzt demnach zu 100% auch Debian-Software. Für meinen Geschmack sollten die Entwickler stärker darauf hinweisen, dass in Debian die sogenannten Testing- und Unstable/Sid-Zweige einzig und allein dazu dienen eine stabile Debian-Version zu produzieren.
Obwohl Testing und selbst Sid eine hohe Stabilität aufweisen, geht dennoch mal von Zeit zu Zeit etwas schief. LMDE profitiert derzeit verstärkt von dem eingefrorenen Zustand des Testing-Zweiges, der wahrscheinlich im ersten Quartal 2011 dann als „Squeeze“ die nächste stabile Debian 6.0 Version werden wird.
Ob damit das momentane Testing ein echtes „Rolling Release“ ist wage ich deswegen zu bezweifeln. Das kann dann in einigen Monaten wieder anders aussehen. Wenn man Rolling Release mit „neueste Software zu jedem Zeitpunkt“ gleichsetzt, müsste LMDE auf Sid basieren.
So wie der Begriff „Rolling Release“ zur Zeit benutzt wird, klingt es mehr wie ein Werbeslogan. Was würden ArchLinux-Nutzer dazu eigentlich sagen?
Aber mal ehrlich. Solche Wortklaubereien sind mir egal. Linux Mint Debian macht Debian bekannter. Linux Mint Debian entwickelt neue Software um Linux insgesamt besser zu machen. Linux Mint Debian interessiert mehr Menschen für Freie Software. Darauf kommt es schließlich an.

Linux Mint Debian die Weihnachtsausgabe 2010

Pünktlich zu Weihnachten erschien ein neues DVD-ISO des im Oktober 2010 gestarteten Linux-Mint-Debian-Projektes. Wochen zuvor hatte ich mir schon mit Rtorrent die erste ISO-Version heruntergeladen und in VirtualBox installiert und war nun gespannt, ob die Installationsroutine zum Erstling verbessert worden ist und mit welchen weiteren Neuerungen das Entwicklerteam aufzuwarten hatte.
Ab sofort ist Linux Mint Debian nun als 32bit- und 64bit-Version verfügbar. Für meine Zwecke reichte die 32bit-Variante und momentan sehe ich immer noch keine Vorteile um auf 64bit zu wechseln. Bei einem „Rolling Release“ ist der Download einer neueren Version normalerweise ziemlich sinnlos, da sich die komplette Software nach der Installation bequem über den Paketmanager erneuern lässt.
Gespannt war ich aber, ob das Installationsprogramm der LMDE-Live-DVD mittlerweile die Partitionierung mit lvm und eine Verschlüsselung mit cryptsetup unterstützt. Leider war das nicht der Fall. Nach wie vor muss man die Festplatte manuell mit gparted partitionieren und eine Root-Partition auswählen, wonach der Installationsprozess weiterlaufen kann. Für Linux-Anfänger könnte hier schon die erste Hürde liegen.
Ich bin mir sicher, dass das LMDE-Team in den nächsten Monaten den debian-installer, der bei Debian und Ubuntu zum Einsatz kommt, ebenfalls auch für LMDE verwenden wird. Die Einrichtung einer verschlüsselten Festplatte bei der Installation sollte also bei Linux Mint Debian nur eine Frage der Zeit sein.
Um schon heute eine verschlüsselte Festplatte einzurichten, wäre es am einfachsten, eine Debian-Minimalinstallation mit der Debian-Netinstall- oder Businesscard-Edition durchzuführen und danach in der /etc/apt/sources.list die Linux-Mint-Debian-Paketquellen nachzutragen. Schließlich macht man noch ein simples aptitude dist-upgrade und Linux Mint Debian ist auf einer komplett verschlüsselten Festplatte installiert. Um der Debian-Installation dann das Mint-Aussehen zu verpassen, muss man danach nur noch die spezifischen LMDE-Pakete installieren.
Update:
Wie es geht habe ich hier beschrieben.
Die weitere Installation ist intuitiv und stellt keine Probleme dar. Lediglich bei der Auswahl der Sprachunterstützung sollte man sicher gehen die richtige Deutsch-Variante gewählt zu haben. Germany (low) ist witzigerweise Niederländisch, doch ein paar Zeilen tiefer findet sich das richtige „German, Deutschland“. Danach kann man sich zurücklehnen und die weitere Installation beobachten.
Bei Linux Mint bin ich mir immer noch nicht sicher wie ich diese Distribution einordnen soll. Laut distrowatch.com ist Linux Mint eine der populärsten Linux-Distributionen. Bisher musste ich mir noch nicht die Frage stellen, ob ich mein Ubuntu 10.10 deinstallieren sollte, um Linux Mint 10 zu installieren. Ich gebe zu bisher noch kein reines Linux Mint irgendwo installiert zu haben, doch meine Vorurteile lassen sich so zusammenfassen: Linux Mint ist ein grünes Ubuntu. Warum sollte eine Distribution, die auf Ubuntu basiert, die wiederum auf Debian basiert, nennenswerte Vorteile haben?
Meine Aufmerksamkeit erregte Linux Mint deshalb erst mit der Ankündigung einer Linux-Mint-Debian-Edition, die zu 100 % kompatibel mit Debian ist, aber gleichzeitig Annehmlichkeiten wie bei Ubuntu versprach. Allen voran die Installation proprietärer Grafikkartentreiber, Wlan-Treiber und Videocodecs „out of the box“.
Des Weiteren bietet die LMDE-Version ein neues Anwendungsmenü, welches sich deutlich vom Standard-Gnome-Desktop unterscheidet, aber dennoch deutliche Ähnlichkeiten mit der SuSe-Linux-Distribution aufweist. Ich persönlich finde dieses Menü nützlich und auch übersichtlich, es ist aber nichts, weswegen ich unbedingt einen Wechsel zu einer Distribution empfehlen würde. Als Unterschied zu einer Standard-Ubuntu-Installation nahm ich Giver und einen Uploadmanager wahr. Thunderbird ist anstatt Evolution als E-Mail-Client voreingestellt und F-Spot ist bei LMDE gegenüber Shotwell als Fotoverwaltungsprogramm noch immer erste Wahl.
Unnötig fand ich die gleichzeitige Installation von drei verschiedenen Multimediaplayern wie Mplayer, VLC oder Totem. Bei einer Aktualisierung der aktuellen Pakete wird ebenfalls Evolution nachinstalliert. Natürlich ist es wie bei Debian gewohnt möglich diese neuen Pakete wieder zu entfernen. Idealerweise hätte ich aber erwartet, dass Linux Mint Debian eine solche Mehrfachinstallation von ähnlichen Programmen verhindert und eine klare Auswahl trifft.
Auch wenn sich dieser erste Eindruck nicht besonders euphorisch liest, halte ich Linux Mint Debian dennoch für eine gute Alternative zu anderen Standard Gnome Distributionen. Im Gegensatz zu Ubuntu fällt sofort der geringe Speicherverbrauch mit nur ca. 145 MB auf!
Die nächsten Monate werden zeigen inwiefern LMDE in der Lage ist die Verbesserungen der ursprünglichen Linux Mint Version in LMDE zu integrieren. Momentan warte ich noch gespannt, wie sich Ubuntu mit dem neuen Unity-Desktop gegenüber Gnome 3 entwickeln wird und inwiefern Linux Mint hier Akzente gegenüber Ubuntu setzen kann.
Im Moment schaut es für mich danach aus, dass eine Debian-Testing-Installation und geringe Anpassungen das gleiche Ergebnis wie ein Linux Mint Debian liefern können. Die Zeit wird weiteres zeigen.

Live mit Slitaz unterwegs

Seit einiger Zeit war ich auf der Suche nach einer Linux-Distribution, die sich in mehreren Punkten von dem großen Standardeinerlei abhebt. Und dann bin ich auf Slitaz gestoßen. Genauer gesagt fiel mir diese Mini-Distribution schon bei der Suche nach Software auf, um einen altertümlichen Highscreen 486 SLC Laptop wiederzubeleben. Dass die Auferstehung schließlich scheiterte lag weniger an Slitaz, sondern vielmehr an den kümmerlichen 2 MB RAM, die eine sinnvolle Verwendung verhinderten.
Slitaz gehört zu den wenigen Distributionen, die mehrere positive Eigenschaften vereinen, die ich an einer guten Distri schätze. Slitaz ist als Live-Distribution konzipiert, die vollständig im RAM laufen kann, lässt sich aber auch ohne Probleme auf eine Festplatte installieren. Dabei ist Slitaz sehr effizient, flexibel und sogar in der Lage 486er Computer mit 8 MB RAM anzutreiben. Neben der Core-Version, der momentanen stabilen 3.0-Live-CD, existieren noch weitere „flavor“ Versionen, die insbesondere für alte Computer mit wenig Arbeitsspeicher geeignet sind.
Trotz der Fähigkeit (oder gerade deswegen) selbst auf sehr alter Hardware lauffähig zu bleiben, ist die Core Version leicht zu bedienen, nicht unnötig kompliziert und bietet mit Openbox als Fenstermanager und dem Lxpanel eine leichtgewichtige, grafische Desktopumgebung, die vollständig im Arbeitsspeicher funktionieren kann, blitzschnell reagiert und dazu noch schick aussieht.

Als Nutzer hat man hier die Möglichkeit wichtige Systemfunktionen wie das Installieren neuer Software oder die Konfiguration der Desktopumgebung entweder grafisch zu lösen oder aber in Textdateien manuell einstellen zu können.
Slitaz verwendet mit dem TAZ-Paketmanager eine eigene Lösung zum Installieren neuer Software, die sich aber stark an bekannte Anwendungen wie z.B. Debians Apt anlehnt. Interessant ist vor allem die Verwendung von Software und Bibliotheken, wie Busybox, Dropbear und der uClibc-Bibliothek, die man vor allem in Embedded-Systemen finden kann.
Bei einer 30 MB großen ISO-Datei darf man natürlich nicht erwarten, dass jedes große Softwarepaket sofort installiert worden ist. Sofort verfügbar ist aber z.B. der Midori-Browser (mit dem ich gerade diesen Artikel schreibe), der PCMan-Dateimanager, wichtige Systemwerkzeuge, Transmission, ein IRC-Client, Alsaplayer und ein Brennprogramm. Benötigt man in seiner Liveumgebung weitere Programme, so lassen sich diese mit dem Paketmanager in den Arbeitsspeicher nachinstallieren.
Möchte man Konfigurationseinstellungen dauerhaft speichern, benötigt man hierzu nur einen weiteren USB-Stick und muss beim Booten Slitaz mit der Option

slitaz home=usb

starten.
An Slitaz Live-CD schätze ich, dass sie klein aber fein ist, extrem schnell reagiert und ohne Murren sowohl auf meinem Intel Core Duo als auch dem Dell-Inspiron-4000-Laptop läuft. Insbesondere bei letzterem hat mich überrascht, dass Slitaz in der Lage war die X-Umgebung überhaupt automatisch, wenn auch mit kleinen Abstrichen, zum Laufen zu bringen, was bisher sowohl Debian als auch Ubuntu verwehrt blieb.
In der heutigen Zeit ist es fast zur Regel geworden, dass alle großen Distributionen ihre eigene Live-CD herausbringen. Knoppix kommt mir immer noch zuerst in den Sinn, wenn ich an eine leistungsfähige Linux-Live-CD denke. Mit Slitaz hat man dafür aber eine Linux-Distribution speziell für ältere Rechner in der Hand, mit der ich sogar einen Toshiba 220 CS mit 16 MB RAM zum Laufen bewegen konnte.
Soweit die ersten Eindrücke der stabilen 3.0-Live-CD von Slitaz. Demnächst mehr zu einer absoluten Slitaz-Minimalinstallation auf dem Toshiba 220 CS.