Linux Mint Debian die Weihnachtsausgabe 2010

Pünktlich zu Weihnachten erschien ein neues DVD-ISO des im Oktober 2010 gestarteten Linux-Mint-Debian-Projektes. Wochen zuvor hatte ich mir schon mit Rtorrent die erste ISO-Version heruntergeladen und in VirtualBox installiert und war nun gespannt, ob die Installationsroutine zum Erstling verbessert worden ist und mit welchen weiteren Neuerungen das Entwicklerteam aufzuwarten hatte.

Ab sofort ist Linux Mint Debian nun als 32bit- und 64bit-Version verfügbar. Für meine Zwecke reichte die 32bit-Variante und momentan sehe ich immer noch keine Vorteile um auf 64bit zu wechseln. Bei einem „Rolling Release“ ist der Download einer neueren Version normalerweise ziemlich sinnlos, da sich die komplette Software nach der Installation bequem über den Paketmanager erneuern lässt.

Gespannt war ich aber, ob das Installationsprogramm der LMDE-Live-DVD mittlerweile die Partitionierung mit lvm und eine Verschlüsselung mit cryptsetup unterstützt. Leider war das nicht der Fall. Nach wie vor muss man die Festplatte manuell mit gparted partitionieren und eine Root-Partition auswählen, wonach der Installationsprozess weiterlaufen kann. Für Linux-Anfänger könnte hier schon die erste Hürde liegen.

Ich bin mir sicher, dass das LMDE-Team in den nächsten Monaten den debian-installer, der bei Debian und Ubuntu zum Einsatz kommt, ebenfalls auch für LMDE verwenden wird. Die Einrichtung einer verschlüsselten Festplatte bei der Installation sollte also bei Linux Mint Debian nur eine Frage der Zeit sein.

Um schon heute eine verschlüsselte Festplatte einzurichten, wäre es am einfachsten, eine Debian-Minimalinstallation mit der Debian-Netinstall- oder Businesscard-Edition durchzuführen und danach in der /etc/apt/sources.list die Linux-Mint-Debian-Paketquellen nachzutragen. Schließlich macht man noch ein simples aptitude dist-upgrade und Linux Mint Debian ist auf einer komplett verschlüsselten Festplatte installiert. Um der Debian-Installation dann das Mint-Aussehen zu verpassen, muss man danach nur noch die spezifischen LMDE-Pakete installieren.

Update:
Wie es geht habe ich hier beschrieben.

Die weitere Installation ist intuitiv und stellt keine Probleme dar. Lediglich bei der Auswahl der Sprachunterstützung sollte man sicher gehen die richtige Deutsch-Variante gewählt zu haben. Germany (low) ist witzigerweise Niederländisch, doch ein paar Zeilen tiefer findet sich das richtige „German, Deutschland“. Danach kann man sich zurücklehnen und die weitere Installation beobachten.

Bei Linux Mint bin ich mir immer noch nicht sicher wie ich diese Distribution einordnen soll. Laut distrowatch.com ist Linux Mint eine der populärsten Linux-Distributionen. Bisher musste ich mir noch nicht die Frage stellen, ob ich mein Ubuntu 10.10 deinstallieren sollte, um Linux Mint 10 zu installieren. Ich gebe zu bisher noch kein reines Linux Mint irgendwo installiert zu haben, doch meine Vorurteile lassen sich so zusammenfassen: Linux Mint ist ein grünes Ubuntu. Warum sollte eine Distribution, die auf Ubuntu basiert, die wiederum auf Debian basiert, nennenswerte Vorteile haben?

Meine Aufmerksamkeit erregte Linux Mint deshalb erst mit der Ankündigung einer Linux-Mint-Debian-Edition, die zu 100 % kompatibel mit Debian ist, aber gleichzeitig Annehmlichkeiten wie bei Ubuntu versprach. Allen voran die Installation proprietärer Grafikkartentreiber, Wlan-Treiber und Videocodecs „out of the box“.

Des Weiteren bietet die LMDE-Version ein neues Anwendungsmenü, welches sich deutlich vom Standard-Gnome-Desktop unterscheidet, aber dennoch deutliche Ähnlichkeiten mit der SuSe-Linux-Distribution aufweist. Ich persönlich finde dieses Menü nützlich und auch übersichtlich, es ist aber nichts, weswegen ich unbedingt einen Wechsel zu einer Distribution empfehlen würde. Als Unterschied zu einer Standard-Ubuntu-Installation nahm ich Giver und einen Uploadmanager wahr. Thunderbird ist anstatt Evolution als E-Mail-Client voreingestellt und F-Spot ist bei LMDE gegenüber Shotwell als Fotoverwaltungsprogramm noch immer erste Wahl.

Unnötig fand ich die gleichzeitige Installation von drei verschiedenen Multimediaplayern wie Mplayer, VLC oder Totem. Bei einer Aktualisierung der aktuellen Pakete wird ebenfalls Evolution nachinstalliert. Natürlich ist es wie bei Debian gewohnt möglich diese neuen Pakete wieder zu entfernen. Idealerweise hätte ich aber erwartet, dass Linux Mint Debian eine solche Mehrfachinstallation von ähnlichen Programmen verhindert und eine klare Auswahl trifft.

Auch wenn sich dieser erste Eindruck nicht besonders euphorisch liest, halte ich Linux Mint Debian dennoch für eine gute Alternative zu anderen Standard Gnome Distributionen. Im Gegensatz zu Ubuntu fällt sofort der geringe Speicherverbrauch mit nur ca. 145 MB auf!

Die nächsten Monate werden zeigen inwiefern LMDE in der Lage ist die Verbesserungen der ursprünglichen Linux Mint Version in LMDE zu integrieren. Momentan warte ich noch gespannt, wie sich Ubuntu mit dem neuen Unity-Desktop gegenüber Gnome 3 entwickeln wird und inwiefern Linux Mint hier Akzente gegenüber Ubuntu setzen kann.

Im Moment schaut es für mich danach aus, dass eine Debian-Testing-Installation und geringe Anpassungen das gleiche Ergebnis wie ein Linux Mint Debian liefern können. Die Zeit wird weiteres zeigen.

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