KolibriOS auf einer Floppy

Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit mir KolibriOS in der aktuellen Version 0.7.7.0 etwas näher anzuschauen. KolibriOS hat genau genommen nichts mit dem Linuxkernel zu tun, ist aber Freie Software und, für mich besonders bemerkenswert, komplett in Assembler programmiert.

Das Erstaunliche: Das komplette grafische Betriebssysten passt auf eine einzige 1,44 MB Floppy, lässt sich aber auch von einem USB-Stick oder einer CD booten und direkt mit Hilfe von GRUB und memdisk von jedem Linuxsystem aus starten.

Mein erster Gedanke war, wie schlägt sich KolibriOS auf dem antiken Toshiba Satellite 220cs mit nur 16 MB RAM.

Slitaz ist dort mittlerweile in der Minimalinstallation installiert, Sound funktioniert, ein paar wesentliche Systemeinstellungen wurden auch schon justiert, was nun noch fehlte war eine moderne grafische Oberfläche, die auch angemessen schnell reagiert.

Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass eine komplette GUI überhaupt notwendig ist. Slitaz bringt auf der Kommandozeile schon genug nützliche Programme mit.

Bis ich dieses Problem gelöst habe, gibt es nun KolibriOS. Eine Dual-Boot-Installation mit GRUB Legacy ist äußerst einfach und um es vorweg zu nehmen, der Satellite 220cs kommt gut damit zurecht.

Es genügt das Paket syslinux zu installieren und dann den Bootloader memdisk von /usr/lib/syslinux z.B. in das Boot-Verzeichnis oder eine separate Partition zu kopieren. Anschließend muss die Datei kolibri.img der Diskettenversion ebenfalls in dieses Verzeichnis/Partition kopiert werden.

Um KolibriOS beim Start von GRUB auswählen zu können, wird die /boot/grub/menu.lst editiert. Liegen memdisk und kolibri.img auf der boot Partition hda1 sieht das so aus.

title KolibriOS
root (hd0,0)
kernel /memdisk
initrd /kolibri.img

Auch für GRUB2 ist die Installation schnell erledigt. Unterschied ist die neue Syntax und die geänderte Zählweise bei Partitionsnummern. Die sauberste Lösung ist bei Debian das Editieren der Datei /etc/grub.d/40_custom. Danach nur noch den Befehl grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg als root ausführen.

menuentry “KolibriOS” {
set root='(hd0,1)’
linux16 /memdisk
initrd16 /kolibri.img
}

Memdisk war leider nicht im Syslinux-Paket von Slitaz enthalten, weswegen ich Memdisk von einer Debianinstallation benutzt habe und das auch problemlos funktionierte.

Nach dem Neustart lässt sich nun bequem zwischen KolibriOS und der alten Linuxdistribution wählen.

KolibriOS überraschte mich mit einem kompletten grafischen Desktop und einer Unmenge an Programmen, Gimmicks und Spielen. Außerdem funktionierte die Internetverbindung auf dem Inspiron 4000 dank Unterstützung für den Intel-Chipsatz. Das schaffte nicht einmal Debian Squeeze out-of-the-box. (oder besser wollte nicht schaffen) 😉

Ein komplettes SDK zur Programmierung von Anwendungen in Assembler ist integriert. Der Hintergrund und die Icons lassen sich ändern, Touchpad und Maus funktionieren und auch der kleine quäkende PC Speaker gibt Töne von sich 😉

Es gibt einen IRC-Client, einen HTML-Viewer, Telnet und FTP-Clients, man kann Internet-Schach spielen. Da sind ein Taschenrechner, ein kleines Malprogramm, Texteditor, Shell, ein CD-Player und auch ein Dateimanager und und und.

Mehr als genug Programme um behaupten zu können, ein komplettes Betriebssystem vor sich zu haben. Sicher ist aber auch, dass trotzdem nicht von heute auf morgen jeder Privathaushalt und jedes Unternehmen auf KolibriOS umstellen wird. Die Hardwareerkennung ist natürlich sehr eingeschränkt. Wer also PCMCIA und USB-Wlan-Sticks zum Surfen braucht hat Pech gehabt.

KolibriOS ist so winzig, dass der Begriff “leichtgewichtig” schon wieder zu schwer ist. KolibriOS zum Maßstab aller leichtgewichtigen Linuxdistributionen zu machen ist aber genauso ungerecht wie zu erwarten, dass ein kompletter Firefox in Assembler irgendwo zwischen den 1,44 MB schlummert oder OpenOffice sich wundersamerweise hinter einem der zahlreichen Programmmenüs verbirgt.

Ebenfalls beachten sollte man, dass KolibriOS nur auf FAT-Partitionen schreiben kann und von ext2/ext3 nur liest. Deswegen werde ich die Programme auch mal näher vorstellen, sobald ich eine FAT-Partition auf einem der Laptops eingerichtet habe. Die Screenshots stammen deshalb noch aus Qemu.

Ich denke KolibriOS ist ein starker Gegenbeweis zu manch Gigabyte großer Installation und zeigt was theoretisch machbar wäre.

Ich ziehe auf jeden Fall meinen Hut vor den Entwicklern.

5 Kommentare zu KolibriOS auf einer Floppy

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