Gnome 3 und dwm spielen zusammen

Fenstermanager erwähne ich meistens nur im Zusammenhang mit einem mini maximalistischen Betriebssystem, das auf Effizienz und Geschwindigkeit getrimmt ist. Natürlich kann man auch den Favoriten parallel zu einer großen Desktopumgebung wie Gnome 3 installieren, obwohl viele Puristen darin einen Widerspruch in sich sehen. Möglicherweise hilft es aber auch Leuten, die am gleichen Rechner arbeiten und bei denen jeder eine andere Vorstellung von der “besten” Arbeitsumgebung hat.

Ich habe meine angepasste Konfiguration von dwm dieses Mal für amd64 übersetzt. Das vorgefertigte Debianpaket in Version 6.0 funktioniert natürlich auch. Dabei wurde ich daran erinnert, dass es bei Debian Testing durchaus Sinn macht einen anderen Namen oder zumindest Versionsnummer für dwm zu wählen, da der Paketmanager mein älteres 5.9 gleich aktualisieren wollte. Ein aptitude hold dwm half hier weiter.

Anschließend ließ sich dwm sofort in GDM3 aus dem Menü auswählen und fast schon blitzartig gelangte man zu einem alternativen Desktopkonzept. Kachelnde Fenstermanager sind gar nicht mehr so ungewöhnlich, bzw. sie scheinen deutlich an Bekanntheitsgrad zu gewinnen. Ich war richtig überrascht als ich meinem Vater vor einem Monat aus Spaß dwm auf dem Thinkpad 600 zeigte und er nur lapidar meinte, Windows 8 würde das auch bald haben. 😯

Benutzerdefinierte Sitzung mit Gnome 3

Nicht nur die Bedienung von Gnome 3 hat sich geändert, auch einige bekannte Funktionen befinden sich nun an anderer Stelle. Normalerweise konnte man früher beim Login auch eine sogenannte “Custom Session” auswählen, die dann die Einstellungen in der Datei .xsession berücksichtigte im Gegensatz zu der startx-Lösung, wo sich alles in der .xinitrc abspielt.

Bei Gnome 3 fehlt dieser Eintrag auf jeden Fall. Möchte man zusätzliche Programme oder Einstellungen beim Start von dwm ausführen, kann man eine .desktop Datei in /usr/share/xsession erstellen, wodurch ein Menüeintrag in GDM3 erzeugt wird, der wiederum Xsession ohne Argumente ausführt und somit die Einstellungen in .xsession berücksichtigt. Die Idee dazu stammt aus einem mehr als zwei Jahre alten Ubuntu-Fehlerbericht.

In meinem Fall gab es schon eine dwm.desktop Datei. Ich musste lediglich die Zeile Exec und Type anpassen. Danach wurden meine Einstellungen, ein schwarzer Hintergrund und eine Datumsanzeige, berücksichtigt.

dwm.desktop

[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Name=Dwm
Comment=Dynamic window manager
Exec=/etc/X11/Xsession
Icon=dwm
Type=Application

.xsession

while xsetroot -solid black -name "`date` `uptime | sed 's/.*,//'`"
do
sleep 20
done &

exec dwm

GTK-Themen manuell zuweisen

Hat man dieses spezifische Gnome-Problem gelöst, kann man sich der Optik des Desktops zuwenden. Sowohl GTK-Themen als auch die Icons sahen etwas fade aus und entsprachen den Standardeinstellungen. Ich löste das Problem mit der manuellen Methode, indem ich im Heimverzeichnis für GTK2 die .gtkrc-2.0 benutzte. Im Gegensatz dazu lassen sich alle GTK3-Themen allgemein für den lokalen Benutzer immer in ${XDG_CONFIG_HOME}/gtk-3.0/settings.ini ändern, bei mir war das ~/.config/gtk-3.0/settings.ini. Die global installierten Themen befinden sich alle in /usr/share/themes. Man kann sich direkt an der dortigen gtkrc und settings.ini orientieren. Zusätzlich fügte ich noch das ein.

.gtkrc-2.0

include “/usr/share/themes/Adwaita/gtk-2.0/gtkrc”
gtk-icon-theme-name=”Faenza”

settings.ini

gtk-theme-name = Adwaita
gtk-fallback-icon-theme = Faenza

Fazit

Nachdem ich diese Dinge erledigt hatte, entsprach das Äußere den Einstellungen unter Gnome 3. Das Bedienungskonzept ist natürlich ein vollkommen anderes und auch die bessere Geschwindigkeit macht sich bei dwm bemerkbar. Einfach mal selbst ausprobieren. 😉

2 Kommentare zu Gnome 3 und dwm spielen zusammen

  • Hallo,
    ich finde den Titel etwas irreführend. Ich persönlich nahm an, dass nun so was kommt wie “dwm in GNOME 3 betreiben”, sprich mit dem Panel und allem drum und dran von gnome 3 (ich weiß, so was kann sich mit tiling fenstermanagern beißen), aber was du machst ist ja eigentlich nur dwm über gdm3 starten und gtk3-Themen nutzen, oder? (evtl. noch weitere gnome-settings, kenne mich mit gnome 3 nicht aus und konnte das nicht rauslesen)

    Wie auch immer, ist wohl eine gute Anleitung für Distris, die GDM3 und GNOME 3 als Standard haben. Danke auch für all deine bisherigen Posts, wirklich ein klasse Blog 🙂

  • apo

    Hi!

    Titel müssen irreführend sein, das provoziert mehr! 😀

    Ich musste über deine Aussage kurz nachdenken, aber ich denke dwm in Gnome 3 zu betreiben, wäre ja gleichbedeutend mit Mutter durch dwm zu ersetzen. Ich kann mir das für den Gnome3-Ausweichmodus vorstellen, aber dwm besitzt nicht die Fähigkeiten 3D-Effekte oder die gnome-shell darzustellen.

    Bei Gnome2 ließ sich Metacity durch Openbox austauschen und auch kachelnde Fenstermanager waren kein Problem. Das gesamte Desktopkonzept bei Gnome 3 ist aber anders. Kurz: Mit Ausweichmodus klappt es vielleicht, müsste man mal ausprobieren. 🙂

    Der Post war mehr als Gedankenstütze für alle, die versuchen einen Fenstermanager parallel zu Gnome 3 zu installieren und dann zwischen diesen beiden Lösungen hin- und herwechseln wollen.

    Danke für dein Feedback!

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