Linux Mint MGSE, MATE und Gnome-3-Shell-Erweiterungen per Mausklick installieren

In Sachen Gnome-3-Erweiterungen passiert in letzter Zeit einiges. Dieser Beitrag ist für alle Zweifler, Nörgler und Nostalgiker, die am liebsten bis an das Ende aller Tage Gnome 2 benutzen möchten, genauso wie für alle euphorischen Enthusiasten, die die Veränderungen um der Veränderung willen bejubeln. Ihr habt nun die Möglichkeit das Rad der Zeit zurückzudrehen oder selbst Teil eines neuen Zeitalters zu werden. *Pathos Schilder und epische Musik im Hintergrund*

Linux Mint Gnome Shell Extensions (MGSE)

Seit dem 26. November 2011 steht Linux Mint 12 „Lisa“ in den Internetregalen. Wer dachte, dass Linux Mint Ubuntus Unity-Desktop hinterherhecheln würde, sah sich getäuscht. Mit der aktuellen Version führt das Mint-Team eine neue Erweiterung zu Gnome 3 ein, die schlicht Mint Gnome Shell Extensions genannt wird. Im Prinzip gelingt Linux Mint der Spagat, zum einen den traditionellen Mint-Desktop im Stil von Gnome 2 mit dem besonderen Mintmenü beizubehalten und zum anderen alle neuen Schmankerl von Gnome 3 hinüber zu retten. So wird Gnome 3 äußerlich und optisch wieder zu Gnome 2.

Ich denke Linux Mint hat hier gute Arbeit geleistet, den eigenen Markenkern aufpoliert und eine sehr gute Gnome-Shell-Erweiterung entwickelt. Idealerweise sollte MGSE aber bald Upstream, also vom Gnome 3 Projekt selbst, als Erweiterung aufgenommen werden und dann der gesamten Freien Software Welt zur Verfügung gestellt werden.

Im Moment lassen sich Mints Gnome Shell Extensions außerhalb von Linux Mint zum Beispiel als PPA bei Ubuntu installieren, was unter dem Stichwort „Gnome Shell Extensions“ im Wiki von ubuntuusers.de wie immer gut erklärt wird.

Auf MGSE bin ich aufmerksam geworden, als ich die „debian-devel“-Mailingliste überflogen habe, wo es schon die erste Anfrage gab, ob nicht irgendjemand MGSE für Debian paketieren möchte. Für Debian gibt es zwar noch kein Paket, wer aber Sid benutzt kann die Erweiterung MGSE direkt aus GIT herunterladen und den dortigen Anweisungen zur manuellen Installation folgen.

MATE

MATE ist eine Abspaltung von Gnome 2, die sich zumindest bei Linux Mint 12 und bei Arch Linux aus AUR parallel zu Gnome 3 installieren lässt. Das MATE-Projekt scheint im Juni diesen Jahres im Arch-Linux-Forum entstanden oder zumindest angekündigt worden zu sein. Der dortige MATE-Thread wird bis heute fortgeführt.

Ohne Zweifel ein sehr ambitioniertes Projekt, das scheinbar im Moment nur von einigen Einzelpersonen aus Argentinien vorangetrieben wird. Viele zentrale Gnome-2-Anwendungen sind schon auf GTK3 portiert worden. An vielen Stellen wurde aber auch nur der Name umbenannt und aus Nautilus wurde Maja, aus Metacity Marco und aus gconf mate-conf. Ziel soll es sein Gnome 2 fortzuführen und den „klassischen“ Desktop weiterzuentwickeln. Wie ein Debian-Entwickler im oben genannten Link auf der Mailingliste schon kritisch bemerkte, muss MATE zuerst einmal eine kritische Masse erreichen, damit überhaupt jemand daran denkt diese neue alte Desktopumgebung für Debian zu packen.

Ich denke, dass es nicht damit getan ist ein paar Anwendungen umzubenennen und für GTK3 zu kompilieren. Eine Weiterentwicklung kostet viel Zeit und Aufmerksamkeit, weshalb ich nicht daran glaube, dass MATE langfristig erfolgreich sein kann. Es ist deutlich einfacher den MGSE-Weg von Linux Mint zu gehen und die Gnome-Shell auf Grundlage von Gnome 3 neu zu designen, wobei gleichzeitig sicher gestellt ist, dass erfahrene Gnome-3-Entwickler diesen Weg für die Zukunft unterstützen werden. Trotzdem zeigt es aber auch den großen Vorteil Freier Software. Wenn man mit etwas unzufrieden ist, ist es ausdrücklich erlaubt es zu ändern und man muss nicht damit rechnen mit Patentklagen überzogen zu werden.

Wer wirklich an Gnome 2 hängt sollte die Installations-CD von Debian Squeeze mit Gnome-Desktop herunterladen und sich bis 2014 an einem äußerst zuverlässigen und stabilen System freuen oder trotz aller Nostalgie ernsthaft über eine reine Fenstermanager-Lösung wie Openbox plus Tint2 nachdenken (oder Enlightenment 😉 ), die ein vergleichbares Desktoperlebnis bieten können und wesentlich reaktionsfreudiger sind.

Gnome Shell Extensions per Mausklick installieren

Wer kennt nicht Minority Report, wo Tom Cruise spielend leicht mit ein paar Handbewegungen Bilder und Anwendungen seines gläsernen Computers bewegt. (Den uncoolen und nicht-drahtlosen Datenaustausch mit Hilfe einer Plexiglasscheibe vergessen wir besser).

Was spricht dagegen in nicht allzu ferner Zukunft seinen Desktop online einfach per Sprachsteuerung oder wilden Bewegungen zusammenzustellen? Warum nicht schon heute?

Mit extensions.gnome.org gibt es nun die brandneue Möglichkeit Gnome-3-Shell-Erweiterungen per Mausklick direkt im Browser zu installieren. Denkt an Firefox Addons und ihr ahnt wie das Ganze funktioniert. Im Moment ist die Anzahl zwar noch begrenzt, aber dort findet sich z.B. schon ein Anwendungsmenü im Stil von Gnome 2, ein Panel und die Möglichkeit Anwendungen aus dem Gnome Panel zu starten.

Einziger Haken bei der Sache: Man muss Gnome 3.2 installiert haben und auf Grund eines Bugs mit Webkit-Browsern vorerst besser Firefox/Iceweasel zum Installieren benutzen.

Moment…das bedeutet.

Gnome 2 ist zurück!

MGSE ist schön, MATE ist eine weitere Alternative, doch die Zukunft des modernen Linuxdesktops ist heute, hier und jetzt Gnome 3 mit seinen per Mausklick installierbaren Erweiterungen! (Nun, muss ich nur noch die versprochenen Millionen der Gnome-Entwickler für diese schamlose Werbung eintreiben. So geht das KDE :P)

13 Replies to “Linux Mint MGSE, MATE und Gnome-3-Shell-Erweiterungen per Mausklick installieren”

  1. Debian (die stabile Version) kommt ja noch mit Gnome 2.30 daher. So kann ich Gnome 3 jetzt leider noch nicht ausprobieren. Aber ich könnte eigentlich mal Mint in einer VM installieren. Hoffentlich finde ich da bald mal Zeit dazu. Und hoffentlich laufen noch alle meine GTK2 und Gnome2 Apps. Habe eigentlich keine Lust, die Software schon wieder anzupassen. Bin aber sehr gespannt auf Gnome 3.

  2. Vielen Dank! Toller Bericht.

    Ich habe Linux Mint auf meiner eSata Platte ausprobiert, allerdings herrschte ein grausames Chaos, nachdem ich fglrx installiert habe.

    Mein Drucker(Scanner) DCP195c von Brother funktioniert leider auch nicht mehr, genauso wie meine 2.1 Lautsprecher (ALC663 – HDA Intel). Hoffe da tut sich noch etwas.

    Eigentlich will ich bei den Ubuntus bleiben. Zur Zeit nutze ich Xubuntu 11.10 mit Avant Window Navigator.

  3. @Wir-sind-das-Volk! Vergiss fglrx! Damit hat man nur Ärger, speziell wenn man recht neue Kernel verwendet. Ich weiß nicht was Du für eine Grafikkarte hast, aber wenn es eine RadeonHD ist, dann nimm den Treiber ‚radeon‘ von Xorg, aber auf keinen fall den älteren ‚radeonhd‘. Letzterer ist nur für alte RadeonHD-Karten gedacht. Aber der ‚radeon‘ ist meinen Erfahrungen nach wesentlich besser als die Treiber von ATI. Allerdings muss man DRI support (eventuell händisch) aktivieren, im Kernel wie im Xorg. Ansonsten ist das Bild bei Video verpixelt.

    1. Vergiß fglrx und nimm Radeon von Xorg? Ergo: Vergiß 3D und nimm 2D? Merkwürdiger Ratschlag! Dann kann er auch bei Windows XP bleiben! Er sollte es vielleicht eher mit einer anderen fglrx-Version versuchen, vielleicht mal googeln, welche am besten für seine Grafik geeignet ist.

  4. Ich kenne mich mit Linux nicht so gut aus, auch habe ich mein System wohl schon des öfteren mal zerstört. Jedenfalls wusste ich dann nicht mehr weiter und musste neuinstallieren.
    Aber halb so wild, da ich meine Daten eh immer mehrfach absichere.

    Ich habe ein AMD ATI Mobility Radeon HD 4850 zusammen mit dem Intel core i3 350m Prozessor, der hat ja auch noch eine Grafikkarte drauf.

    Also mit dem ATI Treiber, den man bei „zusätzliche Treiber“ aktivieren kann, hatte ich bis jetzt keine Probleme. Ohne Treiber lief der Laptop mit 46-48 Watt, mit dem Treiber bei 32-34 Watt. Auch hatte ich sonst immer so Artefakte.

    Ich habe mal Ubuntu 12.04 auf der externen Platte installiert, da ist der Ton deutlich besser, zwar auch noch nicht, wie unter Windows 7 mit dem Realtek Treiber, aber hörbar besser, mehr tiefe…

    Dank dir für deine Tipps!

  5. Also, ich bin nicht seriös und nicht in der Lage einen ausgefeilten Text wie die anderen Kommentatoren zu schreiben, aber ich wüsste gerne ob die Gnome 3 Shell ohne die Extensions normal aussieht, da ich persönlich die normale Shell sehr schön und völlig benutzbar finde.
    Ich habe nun keine Lust mich mit Ubuntus mangelnder Integration der Shell herumzuschlagen, obwohl ich großer Fan Ubuntus bin. Für mich als Anfänger hat es die Benutzerfreundlichkeit und dazu den tollen Unterbau Debians. Da kommt Mint geradezu wie gerufen.

    1. Dein Kommentar ist widersprüchlich. Wieso nimmst du ausgerechnet Mint, wenn du zum einen das Ubuntu-Konzept für benutzerfreundlich hältst, dem man den Debian-Unterbau nicht mehr anmerkt und wenn dir zum anderen die „GNOME“ Shell ohne Extensions mehr zusagt? Mint möchte doch dem User GNOME 2 mit Maté völlig oder mit Cinnamon teilweise erhalten, also das Gegenteil von dem, was dir gefällt. Zu deinem ersten Satz: Im Deutschen wird das Wort „seriös“ etwas anders verwendet. „Ich bin nicht seriös“ könnte man ins Englische mit „I’m not honest“ übersetzen und eben nicht mit „I’m not seriously“. Vorsicht mit wörtlichen Übersetzungen!

  6. Hallo, die Extensions sind natürlich nur optional und du kannst Gnome 3 egal ob mit Ubuntu, Debian oder Mint nach der Installation problemlos benutzen.

    extensions.gnome.org muss man sich wirklich wie die Addons von Firefox vorstellen. Man kann sie installieren, muss es aber nicht tun.

  7. Zweifler, Nörgler und Nostalgiker? Mußt du gleich zur Hähme greifen, weil es Leute gibt, die einen Desktop, den man anfangs nicht konfigurieren konnte, als sozialistischen Einheitsdesktop verstanden haben? Bei GNOME 2 brauchte man keine „Extensions“, um sich den Desktop so zu basteln, wie man ihn selbst haben wollte. Das hatte man sogar als Anfänger nach einem Tag herausgefunden. Daß „GNOME“ 3 seit dem anfänglich großen Proteststurm eine „Extension“ nach der anderen scheibchenweise gnädigst dem User gewährt, ist nicht nur, aber auch dem beharrlichen Mint-Tem zu verdanken, das den Meuchelmord am allseits geliebten Zwerg zugunsten einer Tablet-Oberfläche nicht einfach so hingenommen hat. Falls DU einen Einheitsdesktop, den man nicht konfigurieren kann, für „modern“ hältst und einen, der der konfigurabelste aller Zeiten war, für „veraltet“, dann solltest du mal überlegen, ob du nicht zu Apple wechseln solltest…

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