MediathekView 3.2: Neues Release für Debian verzögert sich wegen des neuen Mac-Designs

Das neue Jahr hatte mit dem guten Vorsatz begonnen öfter mal kleinere Artikel zu schreiben und wie das mit guten Vorsätzen so ist, waren sie dann auch schon kurze später wieder vergessen und man war wieder im alten Trott gefangen.

Dass ich nicht nur Müßiggang betreibe, sondern einfach nur das Schreiben mit ein paar Aufgaben für Debian getauscht habe, will ich mit diesem kleinen Bericht zur aktuellen Version von MediathekView beweisen, dem Betrachter für die Mediatheken des deutschsprachigen Fernsehens.

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Eine neue Version

Die neue Version 3.2 von MediathekView erschien vor zwei Tagen und brachte vor allem als neues Feature eine „Blacklist“, mit der es möglich ist Sendungen und Abonnements herauszufiltern, die man nicht angezeigt bekommen möchte. Das ist vor allem für viele Trailer nützlich, deren Datum in der Zukunft liegt und die trotzdem bisher in der allgemeinen Übersicht angezeigt wurden.

Ebenso auffällig ist die neue Filteransicht, die sich z.B. durch Drücken von F8 aus- und einschalten lässt. Nun lässt sich die gesamte Filmliste, wie in der Adressleiste von Webbrowsern gewohnt, schon durch die Eingabe von einzelnen Buchstaben durchsuchen. Außerdem wurde mit der neuen Version eine optische Auffrischungskur eingeleitet, so dass sich das Design nun mehr an MacOSX orientiert.

Alles Aqua?

Murren und Knurren oder doch eher Jubel? Ich bin anfangs skeptisch gewesen, da die Veränderungen hauptsächlich für Mac-Benutzer zu sehen sind, jedoch werden davon langfristig alle profitieren, da ein neuer Entwickler zum Projekt hinzugestoßen ist, der die UI für alle verbessern möchte.

Obwohl ich die Entwicklung von MediathekView regelmäßig verfolge und auch im dortigen Forum aktiv bin, hat mich der Umfang der Veränderungen „unter der Haube“ doch überrascht. Mir ist erst letzte Woche bewusst geworden, dass einige neue Abhängigkeiten, sprich Java-Bibliotheken, hinzugekommen sind. Das ist nichts Schlechtes, sondern erspart viel Entwicklungszeit, da man das Rad nicht wieder neu erfinden muss. Problematisch für mich als Betreuer des Pakets wurde es nur, als ich feststellte, dass noch niemand JIDE Common Layer (jide-oss) für Debian gepackt hatte.

Die Firma Jidesoft hat vor sechs Jahren Teile ihres ehemals proprietären Rahmenwerks für Java-Swing-Komponenten unter eine freie Lizenz gestellt und bietet mehr als 30 Komponenten und Werkzeuge an, damit komplexe Java-Anwendungen erstellt werden können. Das Angebot reicht von Buttons und Schiebereglern, über die Taschenrechnerkomponente, über Funktionen die Systeminformationen abgreifen bis hin zum Autocompletion-Feature und der SearchBar.

Als erstes stellte ich dann fest, dass die Lizenz nicht GPL-3 war, obwohl im Git-Repo von MV so ausgewiesen, sondern tatsächlich GPL-2 mit Classpath Exception. Eigentlich egal, GPL ist GPL, oder? Leider nein. GPL-3 und GPL-2 sind nicht kompatibel. Nach einiger Diskussion im Forum kamen wir jedoch zur Überzeugung, dass uns (mich) der Zusatz „mit Classpath Exception“ rettet, weil es dadurch möglich wird MediathekView rechtmäßig gegen diese Bibliothek zu linken. Ansonsten hätte das Programm nicht in Debian erscheinen können. Umgehen lässt sich das Lizenz-Dilemma mit der GPL, indem man den Nutzern die Möglichkeit gibt, auch jede spätere Version der GPL nutzen zu dürfen. Das muss aber explizit in der Lizenz erwähnt sein, war aber hier nicht der Fall.

Ursprünglich sollte dem Programm auch nur die Jar-Datei von jide-oss beiliegen, also der schon übersetzte Bytecode der Bibliothek. Das widerspricht jedoch auch Debians Gesellschaftsvertrag, wir brauchen den Quellcode, so dass in der neuen Version auch dieser MediathekView beizufügen wäre. Der „saubere“ Weg besteht jedoch darin Bibliotheken in separate Pakete auszulagern und extra zu packen. Im Klartext: Ich hatte mich gerade freiwillig als Maintainer für ein weiteres Javapaket gemeldet. 😉

Das neue Paket habe ich vergangene Woche auf der Mailingliste debian-java vorgestellt und kurz darauf auch darum gebeten dieses neue Paket in das Archiv hochzuladen. Natürlich kann das noch eine Weile dauern. Selbst wenn es augenblicklich passieren würde, müsste es erst mal durch die sogenannte Warteschlange für neue Pakete und von den FTP-Mastern gesichtet werden.

Ich erspare euch an dieser Stelle die Geschichte davon, wie ich den Code von Jide-OSS nach potentiellen Lizenzproblemen gescannt habe. Neben der allgemeinen Lizenz, GPL-2 with classpath exception, stehen Teile des Codes nämlich noch unter der BSD-, LGPL-2.1-, Apache-1.1- und Zlib-Lizenz.

Kurzum es wird wegen dieser neuen Bibliothek etwas länger bis zum Debian-Release dauern, jedoch verpasst ihr nicht allzu viel, wenn ihr noch Version 3.1 benutzt.

Wer mit Git nicht auf Kriegsfuß steht kann sich libjide-oss-java und MediathekView direkt aus dem Git-Repository herunterladen.

git://anonscm.debian.org/pkg-java/libjide-oss-java.git

git://anonscm.debian.org/collab-maint/mediathekview.git

Für alle, die nicht warten wollen, lassen sich Pakete hier herunterladen. Der Link verschwindet nach dem offiziellen Release wieder.

Installation

Installieren lässt sich MediathekView 3.2.1 dann mit

dpkg -i mediathekview_3.2.1-1_all.deb libjide-oss-java_3.5.3+dfsg-1_all.deb
aptitude install libmac-widgets-java libswingx-java libjgoodies-forms-java libcommons-compress-java libcommons-lang3-java

10 Replies to “MediathekView 3.2: Neues Release für Debian verzögert sich wegen des neuen Mac-Designs”

  1. Super, danke dafür 🙂 So muss ich nicht erst selbst bauen und hab direkt das Paket installiert 🙂 Optisch gefällt es jedenfalls jetzt schon besser als die 3.1 🙂

  2. Danke! Das Aussehen unter KDE ist in der Tat wesentlich verbessert. Vorher war es einfach nur ziemlich kaputt. Es ist zwar immer noch fern von schön und an die KDE-Oberfläche sich anpassend, aber auf jeden Fall schon wesentlich besser.
    Was mich interessieren würde, ob es vielleicht bessere Aufrufparameter für den VLC-Player geben könnte? Wenn ich im Streaming-Modus ein Video im VLC-Modus abspiele und das Abspielen dann pausiere, dann bricht das Abspielen nach dem Fortsetzen nach kurzem ab. Es sieht so aus, als ob mit dem Klicken auf Pause auch das Herunterladen pausiert würde und die Sender dann beim Fortsetzen die Verbindung bereits gekappt haben. Sinn würde es ja machen, wenn VLC beim klicken auf Pause den Stream weiter (im Zweifelsfalle vollständig) herunterladen würden.

    Ebenso frage ich mich, ob es vielleicht für das Abspreichern bessere Parameter gibt. Die Abgespeicherten Dateien scheinen keinen Index zu besitzen, so dass das Klicken in eine bestimmte Stelle des Streams immer lange dauert.

  3. Also ich persönlich lade die Filme immer erst vollständig herunter und schaue sie mir dann an. Das Problem ist, dass du nicht beliebig innerhalb des Streams vor- und zurückspulen kannst. Du müsstest den Cache soweit vergrößern, dass das gesamte Video vorgehalten wird.

    Ich benutze Mplayer2 und habe bisher noch keine Verzögerungen bemerkt, sofern ich alles vorher abgespeichert habe. Am besten du schaust im Forum von MediathekView vorbei, da könnte man eine Lösung dann auch gleich in das Wiki übertragen.

  4. Hey,
    wird es von dir noch neue Beiträge geben? Ich habe deinen Blog immer sehr gerne gelesen und würde auf deinen Blog im Feedreader nur sehr ungerne verzichten.

    Wenn du zu viel zu tun hast, wünsche ich dir, dass du irgendwann wieder Zeit und Ruhe findest, um wieder bloggen zu können. Ist ja doch eine ganz spaßige Angelegenheit,ne? 😉

    1. Hallo Georg,

      danke für dein Interesse an meinem Blog. Ja, es wird wieder Beiträge geben und hoffentlich wird diese Flaute hier sehr bald ein Ende haben.

      Gruß
      Markus

  5. Hallo,

    nachdem der letzte Eintrag knapp 1 Jahr alt ist, ist davon auszugehen, dass es hier (trotz Versprechungen ;)) nicht mehr weiter geht?

    Sehr sehr schade, ich habe den Blog immer mit grossem Interesse verfolgt. 🙁

    1. Hallo Thomas,

      freut mich, dass dir ein paar meiner Beiträge gefallen haben. In der Tat gab es schon zu lange hier nichts mehr zu lesen. Im Moment kann ich nur sagen, dass ich anderer Stelle momentan sehr aktiv bin und nicht tatenlos oder gar faul bin. 🙂 Ich verspreche nichts, dann kommt der nächste Artikel sicher schneller. 😉

  6. Hi Apo,

    habe Dein Blog erst jetzt – beim googeln nach Openbox-Ratschlägen – entdeckt und wollte Dir nur für die vielen HERVORRAGENDEN Tips (und Links!!) danken.

    Für einen nicht-Techniker wie mich, der hauptsächlich aus ideellen Gründen Linux-User ist, sind soche Tips unendlich hilfreich.

    Suche nach etlichen Jahren Zufriedenheit (KDE 3.5, Gnome 2) jetzt eine neue Desktop-Oberfläche, habe nach etlichem Bemühen mit Gnome 3x, Kde 4x und Unity aufgegeben und bin gerade bei Openbox gelandet – wenn man schon selbst alles machen muss, damit’s halbwegs passt, kann man gleich von Grund an anfangen … und jetzt hat mich Dein Beitrag über i3 auf eine weitere interessante Möglichkeit aufmerksam gemacht.

    Deine weiteren Beiträge fand ich übrigens auch sehr lesenswert, darum ist es schön, dass Du Dein Blog stehen gelassen hast.

    Danke nochmals; und solltest Du je dazu kommen, das Blog weiterzuführen, würde sehr wahrscheinlich nicht nur ich mich freuen …

    Scöne Grüsse aus Wien!

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