Debian mit FreeBSD-Kernel: GNU/kFreeBSD

Im Jahr 2013 kam ich zum ersten Mal mit Debian GNU/kFreeBSD in Berührung als ich an einem Patch für libgphoto2 arbeitete. Galt GNU/kFreeBSD zu Zeiten von Debian 6 „Squeeze“ noch als technische Vorschau, war es in Debian 7 „Wheezy“ schon eine offiziell unterstützte Debian-Architektur. Als Teil von Debian Testing konnten demnach Kompilierungsfehler von GNU/kFreeBSD die Veröffentlichung eines Pakets verhindern. Dieser Status hat sich mit der aktuellen stabilen Debian-Veröffentlichung nun erneut geändert, leider aber zum Schlechteren. GNU/kFreeBSD ist keine offizielle unterstützte Debian-Architektur mehr, gehört jedoch weiterhin zu den sogenannten Debian-Ports wie GNU/Hurd (eine weitere Kernelalternative) oder m68k (unterstützt ältere Amiga, Atari und Apple Macintosh). Der wohl entscheidende Grund, warum GNU/kFreeBSD seinen alten Status verloren hat, ist die zu geringe Anzahl an aktiven Entwicklern und vielleicht vermag dieser Artikel das Interesse zu wecken, sich etwas mehr mit dieser Debianvariante auseinander zu setzen.

Warum GNU/kFreeBSD?

Brauche ich einen FreeBSD-Kernel, wenn Debian mit dem Linux-Kernel schon tadellos auf meinem Rechner läuft. Vermutlich ist die Antwort „eher nicht“ aus den gleichen Gründen, warum FreeBSDler nicht zu Linux wechseln. Es ist diese Mischung aus Gewohnheit und der Tatsache, dass man mit beiden sowohl Desktop- als auch Serveraufgaben erledigen kann. Was GNU/kFreeBSD jedoch interessant macht ist die Tatsache, dass es zwei verschiedene Welten miteinander verbindet und was in der einen nur sehr schwierig oder gar nicht funktioniert, lässt sich mit dieser Kombination, FreeBSD-Kernel aber Debian-Paketsystem und Systemwerkzeuge, möglich machen.

Die Entwickler geben im Debian-Wiki die Antwort auf die Warum-Frage. Aus meiner Sicht am interessantesten sind:

  • Die Möglichkeit Jails zu benutzen, die man am besten mit OpenVZ bei Linuxsystemen vergleichen kann. Für Systemadministratoren bieten sie ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal und die Möglichkeit Prozesse „einzusperren“ und so eine weitere Barriere für Angreifer zu schaffen. Wie in einer Chroot-Umgebung unter Linux ließe sich aber auch ein Debian GNU/kFreeBSD unter FreeBSD betreiben und natürlich auch umgekehrt.
  • Das 128-bit-Dateisystem ZFS, das theoretisch so viel Speicherplatz bietet, dass die zum Betrieb notwendige Energiemenge alle Ozeane der Welt verdampfen könnte.  Wie man sich schnell denken kann, wurde es vor allem für den Einsatz in Rechenzentren mit immens vielen Daten konzipiert. Auf handelsüblichen Rechnern lässt es sich natürlich auch verwenden, setzt aber mindestens 1 GB RAM voraus, besser 2 GB oder gar mehr. Am ehesten lässt es sich mit btrfs vergleichen, wobei es jedoch schon deutlich länger produktiv zum Einsatz kommt. Größtes Hindernis für einen Einsatz auf Linuxsystemen ist die CDDL-Lizenz des Dateisystems, die leider inkompatibel mit der GPL-Lizenz des Linuxkernels ist. Das OpenZFS-Projekt versucht unter anderem dieses Problem zu lösen. Mit dem FreeBSD-Kernel gibt es aufgrund der liberalen BSD-Lizenz keine Probleme.
  • GNU/kFreeBSD benutzt die gleichen Debianpakete, die sich auch beim Linuxpendant finden lassen. Sie lassen sich genauso installieren und verwalten wie man das schon von Debian GNU/Linux gewohnt ist. FreeBSD bietet mit den Ports und seinem neuen Paketmanager pkg ebenfalls einfache Hilfe beim Installieren, jedoch muss man als Benutzer permanent die neuste Upstream-Version installieren, da sich der Support auf das Kernsystem beschränkt. Sicherheitsupdates für GNOME 3, Apache oder LibreOffice als stabile Version für drei oder sogar fünf Jahre, gibt es bei FreeBSD nicht.

Installation und erste Erfahrungen

Am einfachsten lässt sich FreeBSD zur Zeit mit dem „Test-Image“ von Steven Chamberlain installieren, der maßgeblich die Entwicklung von GNU/kFreeBSD vorantreibt. Sehr wahrscheinlich wird es in den nächsten Monaten auch wieder ein offizielles Abbild auf debian.org zu finden geben. Ich empfehle entweder die Installation auf einem älteren, unbenutzten Rechner 😉 oder ihr probiert das Ganze mit Qemu aus.

Vor drei Jahren hatte ich zuerst die Qemu-Variante gewählt und anschließend das Ganze auf meinen „neuen“ Lenovo-X200-Laptop transplantiert, es geht aber wohl auch einfacher. Danach funktioniert die Installation weiterer Pakete genauso wie unter Debian GNU/Linux. Meine alten Anleitungen sollten hier immer noch weiterhelfen können. Wer GNU/kFreeBSD auf etwas älteren Rechnern mit wenig Arbeitsspeicher verwenden will, sollte besser das ufs-Dateisystem wählen, was einen deutlichen Performanceschub verspricht.

GNU/kFreeBSD 1

Ich selbst teste gerne mit Lightdm als Displaymanager und Mate (alias Gnome 2). Andere Desktopvarianten sollten auch funktionieren, wobei man bei den großen wie Gnome 3 und KDE jedoch Abstriche hinnehmen und ggf. einen anderen Displaymanager wählen muss. Das gesamte System „fühlt“ sich nicht viel anders als unter Linux an. So lässt sich zum Beispiel der Befehl lsmod weiterhin benutzen, das entsprechende Kommando von FreeBSD lautet kldstat. Bekannte Software wie Firefox und VLC funktionieren ohne Probleme und lassen sich mit apt install firefox vlc installieren. Neu und anders sind die Gerätebezeichnungen für Festplatten oder Netzwerkkarten, einige bekannte FreeBSD-Werkzeuge fehlen oder wurden durch die GNU-Alternativen ersetzt.

GNU/kFreeBSD 2

Einige Anlaufschwierigkeiten hatte ich bisher nur mit dem Grafikartentreiber und manchmal startete ein Spiel nicht. Ich denke, das sind Fehler, die sich durch mehr Benutzer schneller finden und beseitigen ließen. Oft wäre es auch möglich beim FreeBSD-Projekt nach Patches zu suchen. Insgesamt ist GNU/kFreeBSD deutlich weiterentwickelt als dies z.B. beim GNU/Hurd-Port der Fall ist, dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Pakete nur aus „unstable“ installieren lassen und damit mit Vorsicht zu genießen sind. Zum Testen und Ausprobieren reicht es allemal. Um den Vergleich abzurunden, empfehle ich ebenso einen Blick auf FreeBSD zu werfen, das demnächst Version 10.3 veröffentlichen wird.

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