Der Fünf-Cent-pro-Tag-vServer

Im Februar hatte ich mich für das Mieten eines vServers entschieden und im März festgehalten, was mich an einem solchen virtuellen Rechner für mein Spieleprojekt interessierte. Als ich ein paar Wochen zuvor auf der Debian-Devel-Mailingliste auf das Thema OpenVZ- und XEN-vServer gestoßen bin, wusste ich zwar, inwiefern sich die einzelnen Virtualisierungstechnologien unterscheiden, kannte aber das Wettbewerberfeld der VPS-Abieter kaum.

Inzwischen weiß ich mehr und bin zwischenzeitlich ebenso Kunde bei NbIserv geworden und miete dort den VS-Prepaid-Server.

Wenn man die Angebote scannt laufen einem die drei gängigsten freien Virtualisierungstechniken OpenVZ, XEN und KVM regelmäßig über den Weg. Des öfteren findet sich leider auch gar keine Angabe auf der Webseite des Anbieters oder sie ist zumindest gut versteckt.

Ich empfehle bei der Suche nach dem passenden vServer weder den obligatorischen Testseiten noch einem Bericht zu vertrauen. Das klingt übertrieben vorsichtig, aber meiner Meinung nach ist es bei kaum einem anderen Produkt einfacher sich selbst einen ersten Eindruck zu verschaffen. Anfragen zum Testen des vServers wurden bisher bei mir immer positiv beantwortet und selbstverständlich steht euch natürlich auch ein Widerrufsrecht zu, wenn der Server nach den ersten Tagen nicht gefallen sollte.

Einige interessante Ideen zu Testmethoden für vServer habe ich auf Virtualist.de gefunden, einer Seite, die sich ebenfalls vServer-Tests widmet. Zwar gilt auch hier das, was ich ein paar Zeilen zuvor geschrieben habe, ich verlinke sie trotzdem, weil ich bei zwei dort gelisteten Anbietern mittlerweile selbst zufriedener Kunde bin und die Seite ein guter Einstieg ist, wenn man erst einmal nur eine Liste mit Anbietern haben möchte. Den Rest überlasse ich eurer Bewertung.

NbIServ

Dort bin ich auf NbIServ gestoßen, ein Unternehmen aus dem Raum Gera in Thüringen. Der Anbieter wirbt mit einem sogenannten Prepaid-Server. Die Kosten belaufen sich auf 5 Cent pro Tag. Sollte das Guthaben 30 Tage lang unter 0,01 Euro liegen wird der Server gelöscht und der Vertrag beendet. Eine Mindestvertragslaufzeit gibt es nicht. Als Kennwerte liefert der Server 128MB RAM und 2 GB Speicherplatz. Bei den Werten kann man sich die Virtualisierungslösung denken, es ist natürlich OpenVZ. Besonders für dieses Preisniveau ist auch das Anlegen eines Snapshots für Backupzwecke, das problemlos vom FTP-Server heruntergeladen werden kann.

Die Bestellung ist unkompliziert. Typisches Onlineformular und danach den Vertrag plus Kopie des Personalausweises per E-Mail an den Anbieter schicken. Die Bereitstellung des Servers erfolgte innerhalb weniger Stunden.

Das Benutzerszenario

Ich wollte schon länger einen SSH bzw. OpenVPN-Server im Netz haben, zu dem ich mich aus unsicheren Netzen verbinden kann. Außerdem gefiel mir die Idee einem eigenen Mumble/Murmur-Server zur Verfügung zu haben, wofür NbIServ sogar ein spezielles Abbild anbietet. Da von den Ressourcen weiterhin Luft war konnte ich mir auch den schon erwähnten vsftpd-Server für OpenArena leisten. Von der Bandbreite stehen mindestens 100 Mbit laut Produktbeschreibung bereit und 1 TB Traffic sind inklusive. Den Traffic erreiche ich natürlich nicht einmal annähernd, die Bandbreite schwankt nach Tageszeit, war für mein Szenario bisher aber immer ausreichend.

Den Support habe ich bisher als vorbildlich und schnell erlebt. Die „langsamste“ Reaktionszeit war drei Stunden. Das Ticket wurde mit Priorität „gering“ um Mitternacht abgeschickt und um 3.00 Uhr beantwortet. 😉 Mir wurde ebenso prompt beim Aktivieren des TUN-Device für OpenVPN geholfen. Der einzige Makel, der mir bisher aufgefallen ist, war ein teilweise hoher Serverload zwischen 1-6 Uhr, wo ich die Vermutung hatte, dass die automatischen Backups der Mitkunden dafür verantwortlich waren. Der Support hat den vServer auf einen anderen Master umgezogen, seitdem läuft der Server vollkommen stabil.

oVZManager

NbIServ benutzt den oVZManager als webgestützte Administrationshilfe. Ich finde, er ist übersichtlich strukturiert und bietet alle wichtigen Optionen, die man als Kunde wirklich braucht. Server stoppen und starten, neue Images einspielen, Kontostand abfragen, Traffic überwachen und es gibt sogar die Möglichkeit einen Backupsnapshot anzulegen. Momentan findet ein Upgrade auf Version 2.0 statt.

Was mir in der 128-MB-OpenVZ-Klasse bisher aufgefallen ist

    • Aptitude weigert sich manchmal eine Installation durchzuführen: FATAL -> Failed to fork.

Das Problem ist im Wiki von openvz.org gut erklärt und bedeutet nichts anderes, als dass dem Container bzw. der Applikation nicht genug Ressourcen, in meinem Fall privvmpages, zur Verfügung stehen. Am einfachsten umgeht man das Problem, indem man apt-get in diesem Fall zum Paketmanagement benutzt.

    • Monit Fehlermeldung

‚localhost‘ statistic error — memory usage gathering failed
May 24 16:58:49 hostname monit[1077]: system statistic error — cannot get real memory buffers amount

Ein bekannter Bug in Monit, der in Debian Wheezy gefixt worden ist. Ein Upgrade hilft. Außerdem habe ich extrem hohe CPU-Wait-Werte mit Monit gemessen, die so nicht stimmen können. Dem Bug bin ich aber bisher nicht weiter nachgegangen.

    • Allgemeine Ressourcenknappheit und Einschränkungen

128 MB RAM ist natürlich nicht üppig. Man muss/sollte seine Ansprüche dementsprechend anpassen. Mit meinem Benutzerszenario komme ich jedoch auf ca. 600 MB belegten Festplattenspeicher und eine Auslastung von 44 MB RAM bei einem 64bit Debian. Zum Monitoring, für einen Voice-Server oder einen kleinen Webserver reicht das. OpenVZ virtualisiert auf Betriebssystemebene. Man teilt sich den Kernel mit allen anderen Gästen und man hat in der Regel als Kunde keinen Einfluss auf geladene Kernelmodule. Eine freundliche Anfrage beim Support hilft hier oft weiter.

Warum der lange Text?

Hey, das ist ein Blog. 🙂 Ich bin nun seit einem Monat Kunde bei NbIServ und werde mir das Angebot längerfristig anschauen. Wenn sich etwas dramatisch ändert, werde ich auch darüber schreiben. Die Quintessenz des Ganzen ist: Es gibt Angebote für kleine Aufgaben, die nicht unbedingt viel Geld kosten müssen und sie lassen sich spielend leicht testen. Im Prinzip ist es bei dem Produkt „vServer“ egal, was man irgendwo liest, solange es möglich ist die „Ware“ vorher zu prüfen. Ihr kauft hier kein neues Auto und selbst bei Mindestvertragszeiten von einigen Monaten kann man sich in der Preiskategorie auch einen „Fehlschlag“ erlauben. Ich denke 5 Cent pro Tag ist fair.

Noch ein Kandidat

Einen weiteren Blick habe ich auf nhost und dessen Angebot „vServer S“ geworfen. Ich halte mich kurz. Das Produkt ist ähnlich zu dem von NbIServ, mich überzeugte aber die Leistung nicht. Zwar steht z.B. 2 TB Traffic nominell zur Verfügung, aber schon beim Einloggen verhielt sich das System weniger reaktionsfreudig. Auch der Festplatten-Benchmark bonnie++ zeigte z.B. schlechtere Werte als bei NbIServ an. Außerdem gab es hier keine Backupmöglichkeit und die Vertragslaufzeit beträgt 12 Monate, obwohl mich das in dieser Preiskategorie nicht abschreckt.

Der Support war freundlich und antwortete schnell. Nhost ist scheinbar noch ein junges Unternehmen, deswegen würde ich auch hier einen eigenen Testserver anfordern und mir die Sache selbst anschauen. Die Bereitstellung über den Support war problemlos möglich.

Serverway und der Spieleserver

Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle noch serverway.de, wo mein Spieleprojekt gehostet wird. Ich bin mit dem Anbieter bisher sehr zufrieden. Trotzdem ich das kleinste vServer-Angebot mit XEN benutze ist die Leistung für alle dort laufenden Spieleserver im grünen Bereich. Interessant ist auch, dass Serverway KVM-vServer anbietet, bei denen man Betriebssysteme wie FreeBSD und Linuxkernel beliebig installieren kann. Ich hoffe, die Leistung bleibt einfach so.

2 Replies to “Der Fünf-Cent-pro-Tag-vServer”

  1. Ich bin bei Billiganbietern eher skeptisch. Solange es sich nur um einen Experimentierserver handelt, und nichts allzu Wichtiges drauf ist, ist das aber natürlich ok.

    Für reines Webhosting ist btw nearlyfreespeech.net eine gute Adresse, finde ich.

  2. So war der Post gedacht. Ich denke solche Angebote sind zum Ausprobieren und zum Kennenlernen geeignet. Sie senken meiner Meinung nach auch die Hürde mal selbst einen vServer auszuprobieren oder sich mit Administration zu beschäftigen.

    Danke auch für deinen Link. Ich hoffe ja immer darauf, dass man bei solchen Beiträgen dann auf weitere interessante Alternativen gestoßen wird. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.