Lowendspirit: VPS-Server ab 3 Euro pro Jahr

Vor sechs Jahren habe ich über den Fünf-Cent-pro-Tag-Server geschrieben, ein damals schon ungemein günstiger Einstieg in die Welt der virtuellen Server. Neulich fand ich dann zu lowendspirit.com, wo man sich seinen Server ab drei Euro pro …Jahr mieten kann. Die Frage ist nun: Taugt das was und wozu braucht man das? Hier ein kurzer Bericht.

Lowendspirit ist ein Projekt mehrerer Anbieter, die vom Vermieten von Webspace und Servern leben und Standorte auf der ganzen Welt haben. Der Grundgedanke ist dabei, wie viel darf ein virtueller Server gerade noch kosten und welche Merkmale muss er haben, damit er einerseits wirtschaftlich betrieben und zum anderen für den Käufer noch nützlich sein kann. Die Antwort liefern die drei Hoster auf dieser Seite.

Das Angebot reicht von 64 MB RAM und 1 GB Festplatte in Hong Kong, über 128 MB RAM und 3 GB Festplatte (teilweise SSD) bis zu 256 MB RAM bei Mr. VM. Bei den eher „exotischeren“ Standorten Hong Kong, Johannesburg oder Tokyo ist der Traffic eher eingeschränkt (zwischen 50 GB und 150 GB pro Monat), ansonsten pendelt dieser so zwischen 300-500 GB pro Monat in Europa und Nordamerika, was in der Regel ausreichend ist um kleinere Projekte zu realisieren.

MiniVPS128 – UK

Zum Testen habe ich mir das Angebot von Inception Hosting angeschaut. Ausgesucht habe ich mir den Standort Enfield in London mit 128 MB RAM, 3 GB SSD und 350 GB Traffic inklusive pro Monat.

Die Bestellung war unkompliziert. Lediglich der Name des Servers und das Rootpasswort musste man angeben, welche später auch wieder geändert werden können. Bezahlt werden kann mit Paypal oder Kreditkarte, manchmal auch mit Kryptowährungen. Als Administrationswerkzeug kommt SolusVM zum Einsatz. Man muss ausdrücklich bestätigen, dass man weiß, was man hier kauft. Der vServer kommt primär mit IPv6-Unterstützung, eine NAT IPv4-Adresse ist mehr als Bonus zu sehen. Im Klartext: Der Server hat nur eine private IPv4-Adresse und ist ohne weitere Konfiguration nicht direkt mit dem alten Protokoll zu erreichen. Für die meisten Kunden aus Deutschland sollte das aber kein Problem sein, da IPv6 mittlerweile praktisch überall verfügbar ist oder sogar bei DSL-Lite-Anschlüssen vorausgesetzt wird. Kleine Helfer wie 6tunnel oder OpenVPN helfen außerdem Probleme mit IPv4/IPv6-Adressen zu umgehen. Wichtigste Anlaufstelle für Fragen ist das englischsprachige Forum. Direkten Support gibt es nicht und kann man bei dem Preis auch nicht wirklich erwarten.

Top oder Flop?

Mit der Begrüßungsmail erhält man die Zugangsdaten und eine Anleitung wie man sich per IPv4 verbinden kann. Im SolusVM-Konfigurator lässt sich aber auch direkt die IPv6-Adresse ablesen. Anschließend kann man sich wie gewohnt mit SSH verbinden. Der vServer nutzt als Virtualisierungslösung OpenVZ und Debian Wheezy war bei mir das voreingestellte Betriebssystem. Da Wheezy nun nicht mehr offiziell von Debian unterstützt wird, kann man sich entweder die neue, erweiterte Langzeitunterstützung anschaun (ELTS) oder man führt ganz einfach ein Upgrade auf Jessie durch, was problemlos bei mir geklappt hat.

Die Performance fühlt sich gut an, was ich bisher nicht immer von allen OpenVZ-Angeboten behaupten konnte. Der Server läuft seit mehr als einem Monat ununterbrochen und die Dienste, die ich für einen solchen Server sinnvoll halte (dazu gleich mehr) funktionieren problemlos. Festplattendurchsatz und Zugriffszeiten sind natürlich wie zu erwarten nicht berauschend. Hier mal eine Momentaufnahme mit ioping.

Inception Hosting – MiniVPS128 – UK

75 requests completed in 1.32 min, 17 iops, 71.0 KiB/s
min/avg/max/mdev = 184 us / 56.3 ms / 536.5 ms / 123.9 ms

Bei leistungsstärkeren Angeboten liegen die Zugriffszeiten normalerweise durchschnittlich alle im Mikrosekunden- anstatt Millisekundenbereich.

Empfohlene Dienste / Ideen

128 MB RAM klingt wenig, aber es gibt einige Dienste, für die das vollkommen ausreichend ist. Ein Lowendspirit-Server eignet sich ideal als SOCKS-Proxy. Da OpenSSH sowie schon vorinstalliert ist, kann man sich z.B. von seinem Rechner aus mit

ssh -D 9999 -C -q -N Lowendserver-IP-Adresse

verbinden. Im Firefox dann unter Einstellungen->Fortgeschritten->Netzwerk->Verbindung die Werte wie auf dem folgenden Bild setzen und schon surft man mit einer englischen IP-Adresse.

Auch Debians OpenVPN-Paket lässt sich problemlos betreiben. Und dann wäre da ja noch die Möglichkeit einen Webserver mit Lighttpd oder Nginx aufzusetzen. Zu Lighty hatte ich schon vor ein paar Jahren was geschrieben und zu Nginx braucht man heutzutage nicht mehr viel sagen.

Besser bleiben lassen

Intensive Datenbankanwendungen und alles was gerne Unmengen an RAM verschlingt (Hallo Java!). Mit etwas Optimierung lassen sich Forensoftware oder WordPress-Blogs installieren, hierzu würde ich aber eher zu einem 256 RAM Server greifen. Unmöglich ist es aber auch mit 128 RAM nicht, vielleicht liegt darin auch der Spaß und die Herausforderung.

Fazit

Lowendspirit.com ist ein Projekt, das keinen Gewinn macht, aber dennoch ein vernünftiges Angebot ist. Für 3,50 Euro pro Jahr geht man kein finanzielles Risiko ein. Die Server sind nicht für Anfänger geeignet. Wenn man jedoch bereit ist Neues dazuzulernen, gibt es kaum einen günstigeren Einstieg in die Welt der virtuellen Server. Die Server kommen ohne Backups, aber mit Werkzeugen wie rsync oder der Dirvish-Backuplösung sollte auch dieses Problem lösbar sein. Für alle, die schon immer mal einen Server in verschiedenen Ländern der Erde haben wollten, auf jeden Fall interessant. Übrigens, es gibt manchmal Bundleangebote: Fünf Server für 10 Euro pro Jahr. Dem eigenen Cluster steht nun nichts mehr im Wege. 😉

 

Der eigene vServer: Meine Erfahrungen mit vier Anbietern

Im Jahr 2012 mietete ich meinen ersten vServer bei serverway.de für mein Spieleprojekt und kurze Zeit später den Fünf-Cent-pro-Tag-Server von NbiServ.de. Nach vier Jahren habe ich nun Erfahrungen mit insgesamt vier Anbietern gesammelt und ich denke diese sind es nun Wert, sie mit dem Rest der Welt zu teilen. Worauf sollte man bei der Auswahl achten? Hilft viel Leistung wirklich viel und wie viel Geld sollte man vernünftigerweise einplanen?

Zur Zusammenfassung, auf was man beim vServer-„Kauf“ achten sollte, geht es hier:

NbiServ.de

NbiServ in Gera/Thüringen bietet einen sehr günstigen PrePaid-vServer für den Einstieg. In 2012 kostete dieser noch fünf Cent pro Tag, heute sind es sechs Cent, jedoch haben alle wichtigen Kennzahlen wie RAM, Speicherplatz und Prozessorleistung deutlich zugelegt. Der aktuelle Name des Produkts lautet VS-Prepaid-2016-SATA. Es gibt 512 MB RAM und 30 GB Speicherplatz (SATA). Es existiert sogar noch eine kleinere Version mit 256 MB RAM und 15 GB Festplatte (SATA) für 3 Cent pro Tag und Versionen mit SSD. Besonders hervorzuheben ist, dass selbst in dieser Preisklasse ein Backup inklusive ist, wobei das gesamte System (offline) als Snapshot in einem Tarball gesichert wird, der sich bequem herunterladen lässt. Es stehen zwei verschiedene Arten von Virtualisierung zur Auswahl: OpenVZ und KVM. Ich persönlich habe bessere Erfahrungen mit KVM gemacht, weil es mir erlaubt den Server nach meinen Wünschen zu konfigurieren und es die größte Flexibilität bietet. Insbesondere der Kernel lässt sich beliebig anpassen und Dinge wie tun/tap-Netzwerkgeräte für VPN-Server lassen sich problemlos konfigurieren. Bei OpenVZ teilt man sich hingegen einen gemeinsamen Kernel mit anderen Clients und sollte Vorsicht walten lassen, wenn man sein System konfiguriert und dabei eventuell Pakete wie Quota deinstalliert, nur um festzustellen, dass das System nicht mehr starten wird. Der Overhead bei OpenVZ mag geringer und dadurch die Leistung etwas besser sein, jedoch bietet KVM die Möglichkeit auch Nicht-Linux-Systeme wie FreeBSD einmal auszuprobieren.

Bei NbiServ miete ich zur Zeit zwei dieser PrePaid-Server auf KVM-Basis, wobei einer von Debian Jessie und der andere von FreeBSD 10 angetrieben wird. Sicherlich kann dieser Einsteigerserver nicht alle Ansprüche erfüllen, er eignet sich aber insbesondere für kleine Webseiten (statische Webblogs laufen einwandfrei), OwnCloud-Server für private Zwecke oder der anonyme (S)FTP-Server. Andere Alternativen sind z.B. Mumble, OpenVPN oder das eigene Git-Repo. Wenn die Anzahl der Nutzer überschaubar ist, reichen selbst 512 MB ohne Weiteres aus. Selbst als Minetest-Server käme dieser vServer in Frage (schon ausprobiert), man sollte aber nicht zu viele Mods installieren und mehr als 10 Spieler gleichzeitig wäre nicht die beste Wahl. CPU- und I/O-Leistung reichen hier nicht an die Werte teurerer Alternativen heran. Wenn man anspruchsvolle Datenbankanwendungen betreibt, kann ich nur empfehlen mehr Geld zu investieren und sich Angebote mit SSD-Technologie anzuschauen. Traffic ist „fair-use“, das heißt man sollte mit einer Drosselung der Geschwindigkeit rechnen, wenn man Terrabyte an Daten der Welt pro Monat zur Verfügung stellt. In der Realität hat das aber keine konkreten Auswirkungen, da man selten mehr als ein paar 100 GB selbst für gut besuchte Webseiten und andere Dienste an Traffic verbraucht.

Übersichtlich finde ich auch den oVZManager, mit dem sich der vServer administrieren lässt. Es stehen eine sehr große Auswahl an Betriebssystemen zur Verfügung (z.B. Debian, Ubuntu, Arch Linux, Gentoo, FreeBSD, CentOS), wenn man KVM als Virtualisierungsmethode wählt. Überrascht sollte man nicht sein, wenn das Hostsystem ohne Vorwarnung neustartet, was nicht ungewöhnlich ist, da Sicherheitsupdates natürlich von Zeit zu Zeit eingespielt werden müssen. Die Verfügbarkeit des Servers ist trotzdem gut und liegt im Rahmen der anderen hier vorgestellten Anbieter.

Serverway.de

Von Februar 2012 bis Mai 2016 war ich Kunde bei Serverway, deren Server im eigenen Rechenzentrum in Aachen untergebracht sind. Dort begann ich mein Spieleprojekt, linuxiuvat.de, das anfangs auf einem XEN-virtualisierten vServer mit 256 MB RAM und 30 GB Festplatte problemlos lief. Das Nachfolgeprodukt heißt heutzutage schlicht Root Server K1, kostet 3,90 Euro im Monat, wobei immer drei Monate im Voraus bezahlt werden muss und bietet 1 GB RAM und eine 40 GB Festplatte (SATA). Zur Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des vServers kann ich nur sagen, dass ich den Support nicht einmal innerhalb von drei Jahren wegen irgendetwas anschreiben musste. Alles funktionierte wie es sollte und ich denke, das spricht für sich. Erst der Umzug von XEN auf den neuen KVM-Server machte das Schreiben eines Tickets notwendig. Die CPU-Leistung ist solide und insgesamt eignet sich dieses Angebot für alle schon bei NbiServ genannten Einsatzszenarien. I/O-mäßig war die Leistung wie bei NbiServ nicht berauschend, für anspruchsvolle Datenbankanwendungen sollte man besser nach SSD-Angeboten Ausschau halten. NbIServ bietet mit dem VS-2016-M-SATA ein vergleichbares Angebot, hat dazu aber auch schon als Alternative eine SSD-Variante im Portfolio. Sehr positiv war bei Serverway der ohne Extrakosten zur Verfügung gestellte externe Backupspeicher, der immer halb so groß wie die im Angebot enthaltene Festplatte ist. Mit einem Rsync-Skript, welches im Kundenbereich zu finden ist, lässt sich leicht per Cron-Job ein tägliches Backup einrichten.

Besagter Kundenbereich könnte meiner Meinung nach verbessert werden. Zwar stehen alle wesentlichen Funktionen wie Server neustarten, Trafficverbrauch und Neubestellungen zur Verfügung, die FAQ und Supportseiten hätten jedoch durchaus ausführlicher sein können. Wie gesagt hatte ich nie größere Probleme, weswegen das nie besonders ins Gewicht fiel. Leider war mein Server eines Tages Opfer einer DDoS-Attacke und ich war ziemlich enttäuscht, dass er nicht nur mehrere Tage deswegen abgeschaltet wurde, sondern mir auch nicht mitgeteilt werden konnte gegen welchen Dienst sich die Attacke richtete. Es gibt keinen perfekten Schutz gegen DDoS und für 3,90 bzw 6,90 Euro erwarte ich keine Wunder, ein Hoster sollte aber in der Lage sein den Port der Attacke herauszufinden.

Netcup.de

Also zog ich mit dem Spieleprojekt zu Netcup und deren Rechenzentrum in Nürnberg um. Immerhin versprach dieser Anbieter einen DDoS-Schutz-Filter bis zu einem Traffic von 5 Gbit/s. In der Tat begann die Attacke nach wenigen Tagen erneut, doch dieses Mal erhielt ich eine automatische E-Mail, dass der Filter aktiv ist und welcher Port Ziel der Attacke war. Daumen hoch. Das System war zwar nur schwer zu erreichen, aber es gelang mir schließlich den Dienst zu deaktivieren, worüber ich an anderer Stelle schon kurz etwas geschrieben habe.
Mein neuer vServer lässt sich am besten mit dem VPS 2000 G7 vergleichen. Bei Netcup gibt es häufiger neue Produkte und zeitweise erhält man eine ältere Generation günstiger bevor die neue Generation eingeführt wird, was bei mir der Fall war. Ich habe mich dafür entschieden zwölf Monate im Voraus zu zahlen, was dann weniger als 8 Euro im Monat macht. Dafür gibt es eine 120 GB Festplatte (SAS), 6 GB RAM und die Möglichkeit Snapshots des aktuellen Systems auf der Festplatte anzulegen. Externer Backupspeicher kann zusätzlich gekauft werden. Im Vergleich zu Serverway bezahle ich nun anstatt 6,90 Euro 7,49 Euro im Monat, wodurch ich zahlungstechnisch weniger flexibel bin, die angebotenen Leistungen gleichen das jedoch wieder aus. Sechs Gigabyte RAM und die 120 GB Festplatte kann ich momentan nicht ausreizen, aber für die Zukunft lässt das mehr Spielraum für neue Ideen offen. Die I/O-Leistung ist besser als bei den anderen Anbietern, kommt aber nicht an die Latenz und die Leistung einer SSD heran. Herausheben möchte ich an dieser Stelle noch den Kundenbereich (customer control panel) und die Extraseite zur Wartung des vServers, die ich beide sehr übersichtlich finde. Server, Rechnungen, Bestandsdaten lassen sich problemlos verwalten. Dank KVM-Technologie stehen wie bei NbiServ und Serverway eine große Auswahl an Betriebssystemen zur Verfügung.

Ich bin nun seit fast drei Monaten Kunde bei Netcup und momentan sehr zufrieden. Gespannt bin ich wie reibungslos oder vielleicht auch nicht ein Serverupgrade nächstes Jahr verlaufen wird. Als Verbesserung hätte ich mir gewünscht, dass externer Backupspeicher schon im Angebot integriert gewesen wäre. Nicht überrascht sein: Als Neukunde wird man nach der Bestellung angerufen und überprüft, ob man tatsächlich auch existiert. 😉

Hosteurope.de

Vor zwei Monaten bin ich mit gambaru.de zu Hosteurope umgezogen, nachdem ich neun Jahre zufriedener Kunde bei FCUBE war und dort ein maßgeschneidertes Webhostingpaket nutzte. Ich denke gerade wenn man sich nicht um alle Details selber kümmern möchte, sind Webhostingpakete eine gute Alternative zum vServer. Bei fcube.de gibt es keine Stangenware, sondern man kann sich beraten lassen und nach Bedarf entscheiden.

Nach Hosteurope hat es mich schließlich verschlagen, weil ich endlich den Schritt zum eigenen Mailserver gegangen bin und auch für weitere Projekte flexibel sein wollte. Außerdem suchte ich einen anderer Anbieter, bei welchem ich nicht schon ein anderes Projekt hosten lasse und zum anderen sprach mich das Preis-/Leistungsverhältnis und die Rahmenbedingungen an.

Hosteurope betreibt derzeit zwei Rechenzentren in Straßburg und Köln. Als Produkt habe ich mich für den Virtual Server Starter entschieden, der für 9,99 im Monat 2 GB RAM und 100 GB Festplattenspeicher (SSD) und ein tägliches Dateibackup inklusive bereithält. Als Virtualisierungssystem kommt Virtuozzo zum Einsatz, das wie OpenVZ, die linuxbasierte FOSS-Version, auf Betriebssystemebene virtualisiert und dadurch weniger Ressourcen benötigt als KVM oder Xen. Wie bei OpenVZ teilen sich mehrere Gäste einen Kernel. Bei Hosteurope ist die Betriebssystemwahl deswegen eingeschränkt, weil ein reibungsloses Zusammenspiel nur für Ubuntu, Debian und CentOS garantiert wird. In der FAQ heißt es zwar, dass im Prinzip auch andere Distributionen genutzt werden können, jedoch wird dafür keine Garantie abgegeben. Kann man mit dieser Einschränkung so wie ich leben, wird ein vorkonfiguriertes Debian installiert. Positiv ist, dass alle wichtigen Anwendungen und Dienste schon installiert sind und z.B. IPv6 sofort einsatzbereit war. Wenn man jedoch wie ich gerne von einem Minimalsystem aus sein System aufbaut, ist das erst einmal gewöhnungsbedürftig und es leuchtet auch nicht sofort ein, warum man nicht auch ein Image ohne Apache und MySQL anbieten kann. Beachtung sollte man außerdem den Dateien /etc/hosts und /etc/hostname schenken, die nach einem Reboot immer wieder auf den Auslieferungszustand zurückgesetzt, sprich überschrieben werden. Auch dieser Punkt wird in der FAQ erwähnt, jedoch wirkt die vorgeschlagene Lösung veraltet in Zeiten von systemd. Für mich funktionierte auch ein @reboot Einzeiler in /etc/crontab.

Für diese Einschränkungen bei der Konfiguration erhält man jedoch ein sehr performantes System, dessen I/O-Leistung dank SSD beachtlich und gut geeignet für Datenbankanwendungen ist. Auch die CPU-Leistung hat mich bisher überzeugt, 2 GB reichen für die eigene Webpräsenz mit WordPress plus Mailserver ohne Weiteres aus. Positiv ist auch, dass man über Serverwartungen per E-Mail im Voraus informiert wird. Die Zahlungsmodalitäten sind kundenfreundlich. Abgerechnet wird monatlich, es gibt keine Mindestvertragslaufzeit.

Während mich die Leistung bisher voll überzeugt hat, frage ich mich natürlich wie reibungslos ein Upgrade auf Debian 9 nächstes Jahr verlaufen wird und wie gut es mit dem Virtuozzo-Container sich vertragen wird. Blind sollte man auf gar keinen Fall Pakete deinstallieren, einige von ihnen werden definitiv benötigt, ansonsten bootet der Server nämlich nicht mehr. 🙄

Auf was man achten sollte

  • CPU: Ich bin absichtlich nicht auf die Angaben der Anbieter zur CPU eingegangen, da die Informationen hierzu bestenfalls schwammig sind. Mal wird von einem vCore und an anderer Stelle von dedizierten CPU-Resourcen gesprochen. Eigentlich sollte gelten, dass mehr CPU-Kerne besser sind als nur einer und dediziert mehr Leistung verspricht als virtualisiert. Eigentlich. Manche Anbieter, nicht nur die hier vorgestellten, verwenden beide Begriffe austauschbar und man kann von der Produktbeschreibung nicht automatisch auf die tatsächlich zur Verfügung gestellte CPU-Performance schließen. Meine Empfehlung: Produkt vorher testen, wenn man nicht sicher ist, ob es für die eigenen Einsatzzwecke reichen wird.
  • Vertragslaufzeit: Hosteurope, Netcup und NbiServ bieten monatliche Zahlweise und keine Mindestvertragslaufzeit oder im Falle von NbiServ auch Prepaid an. Netcup offeriert flexible Vertragslaufzeiten, wodurch sich der Preis senken lässt, man jedoch auch bis zu einem Jahr an den Vertrag gebunden sein kann. Bei Serverway ist man für drei Monate festgelegt, bezahlt aber für den kleinsten vServer auch nur 3,90 Euro im Monat, was ein sehr überschaubares Risiko darstellt und ich deshalb auch nie als negativ empfunden habe. Meine Empfehlung: Alle hier vorgestellten Anbieter haben faire Vertragslaufzeiten. Zum Ausprobieren empfiehlt es sich keine Mindestvertragslaufzeit zu wählen, insbesondere wenn man sich noch nicht 100% sicher ist oder flexibel bleiben möchte.
  • Festplatte: Wenn man wählen kann, ganz klare Empfehlung für SSD für die beste I/O-Leistung. Klassische Festplatten haben technisch bedingt schlechtere Zugriffszeiten, wodurch es z.B. bei datenbanklastigen Spielen schnell zum berühmten Lag kommen kann. Dieser Makel wird jedoch durch mehr Speicherplatz für den gleichen Preis ausgeglichen, was für Backuplösungen oder die eigene Cloud von Vorteil sein kann. Falls es in der Produktbeschreibung erwähnt wird, dann sollte RAID 10 theoretisch bessere Werte liefern als RAID 1. Für bestimmte Dienste wie z.B. Mumble, Tor oder OpenVPN sind CPU-Leistung und Bandbreite die wichtigeren Kennwerte. Im Zweifelsfall wie beim Punkt CPU zu unterschiedlichen Zeiten testen bevor man sich langfristig bindet.
  • Bandbreite/Traffic: Ich bin mir sicher als Otto-Normal-Benutzerin wird man bei keinem der vorgestellten Anbieter an Grenzen stoßen, was Traffic oder Bandbreite angeht. Bei Hosteurope und Netcup gibt es sogar eine Flat, welche nur in der Bandbreite temporär gedrosselt wird, sollte man in einem Zeitintervall eine gewisse Datenmenge pro Sekunde überschreiten. Von der Bandbreite her liegt Hosteurope bei mir im Moment vor Netcup, dann kommt Serverway (5000 GB Traffic inklusive) und zum Schluss NbiServ (Fair Use). Wobei ich hier natürlich Äpfel mit Birnen vergleiche, denn bei NbiServ zahle ich auch nur 1,80 pro Monat im Gegensatz zu 9,99 € bei Hosteurope.
  • Backups: Die besten Anbieter stellen zumindest eine Backupvariante inklusiv zur Verfügung. NbiServ bietet für wenig Geld ein Offlinebackup, Hosteurope ein tägliches inkrementelles Dateibackup, welches automatisch durchgeführt wird und im Kundenbereich wieder zurückgespielt werden kann. Bei teureren vServern sind dann auch Snapshots bei Hosteurope inklusive. Serverway bietet ebenfalls externen Speicherplatz an, Backups müssen aber selbst angelegt werden. Snapshots sind nicht im Angebot. Externe Backups kosten bei Netcup extra, dafür werden deutlich mehr Varianten angeboten Abbilder und Backups zu exportieren, später wieder zu importieren und dabei auch vServer zu klonen. Meine Empfehlung: Das Angebot von inklusiven Backups sollte man beim Kauf eines vServers immer berücksichtigen.
  • Mindestverfügbarkeit: Manche Anbieter garantieren nur 95% Mindestverfügbarkeit für den vServer im Jahr oder 95 % für die Verfügbarkeit des Netzwerks im Jahresmittel, was meist versteckt irgendwo in den AGB steht. Das kann bedeuten, dass der Server tagelang im Jahr nicht erreichbar ist. Alle hier vorgestellten Anbieter garantieren mindestens 99 %, Netcup 99,6% und Hosteurope gar 99,95% im Monatsmittel.
  • Support: Außerdem nicht ganz unwichtig sind die Bedienbarkeit und Funktionsfülle des Kundenbereichs und der eigentliche Support, also der freundliche Mensch, der sich um die Fragen und Wünsche kümmert. Meiner Meinung nach ist es um so besser, je weniger ich mich mit dieser Frage beschäftigen muss. Hervorzuheben ist, dass Netcup z.B. auch ein Forum zum Austausch anbietet und bei Hosteurope eine große FAQ angelegt wurde, wobei ich mir eher wünschen würde, dass Dateien wie /etc/hosts einfach mal nicht überschrieben werden. NbiServ und Serverway haben hier nur ein eingeschränktes Angebot, der eigentliche Support per E-Mail war und ist bei beiden gut, auch wenn ich mir eine bessere Reaktion auf die DDoS-Attacke bei Serverway gewünscht hätte.
  • Sonstiges: Je nach Virtualisierungslösung ist man bei der Wahl des Betriebssystems eingeschränkt. Am flexibelsten ist man mit KVM.  Man bekommt heutzutage für weniger als 10 Euro im Monat einen guten vServer und für kleine Projekte kann es auch deutlich weniger sein. Für statische Webseiten oder VPN-Server genügen schon 512 MB RAM und eine kleine Festplatte. Zwischen 1 bis 2 GB RAM und eine SSD > 15 GB sollte man für das eigene Blog mit Datenbank einplanen oder den eigenen Minetestserver. Die Konfigurationsarbeit fordert einiges an Zeit. Auf der anderen Seite hat man die vollständige Kontrolle und kann sein System beliebig erweitern und anpassen. Wer weniger Aufwand betreiben möchte kann sich über Plesk informieren, was die Administration vereinfacht, aber auch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Ansonsten gibt es noch „Managed Server“, die vollständig vom Anbieter administriert werden. Selbst tun muss man dann nichts mehr. Die Kosten liegen hierbei zwischen 15 Euro und mehr als 100 Euro pro Monat je nach Produkt. Als günstigere Alternative lohnt es sich dann doch eher Webhostingprodukte zu buchen oder spezielle Angebote je nach Anwendung, z.B. der eigene OwnCloud-Server.

Der Fünf-Cent-pro-Tag-vServer

Im Februar hatte ich mich für das Mieten eines vServers entschieden und im März festgehalten, was mich an einem solchen virtuellen Rechner für mein Spieleprojekt interessierte. Als ich ein paar Wochen zuvor auf der Debian-Devel-Mailingliste auf das Thema OpenVZ- und XEN-vServer gestoßen bin, wusste ich zwar, inwiefern sich die einzelnen Virtualisierungstechnologien unterscheiden, kannte aber das Wettbewerberfeld der VPS-Abieter kaum.

Inzwischen weiß ich mehr und bin zwischenzeitlich ebenso Kunde bei NbIserv geworden und miete dort den VS-Prepaid-Server.

Wenn man die Angebote scannt laufen einem die drei gängigsten freien Virtualisierungstechniken OpenVZ, XEN und KVM regelmäßig über den Weg. Des öfteren findet sich leider auch gar keine Angabe auf der Webseite des Anbieters oder sie ist zumindest gut versteckt.

Ich empfehle bei der Suche nach dem passenden vServer weder den obligatorischen Testseiten noch einem Bericht zu vertrauen. Das klingt übertrieben vorsichtig, aber meiner Meinung nach ist es bei kaum einem anderen Produkt einfacher sich selbst einen ersten Eindruck zu verschaffen. Anfragen zum Testen des vServers wurden bisher bei mir immer positiv beantwortet und selbstverständlich steht euch natürlich auch ein Widerrufsrecht zu, wenn der Server nach den ersten Tagen nicht gefallen sollte.

Einige interessante Ideen zu Testmethoden für vServer habe ich auf Virtualist.de gefunden, einer Seite, die sich ebenfalls vServer-Tests widmet. Zwar gilt auch hier das, was ich ein paar Zeilen zuvor geschrieben habe, ich verlinke sie trotzdem, weil ich bei zwei dort gelisteten Anbietern mittlerweile selbst zufriedener Kunde bin und die Seite ein guter Einstieg ist, wenn man erst einmal nur eine Liste mit Anbietern haben möchte. Den Rest überlasse ich eurer Bewertung.

NbIServ

Dort bin ich auf NbIServ gestoßen, ein Unternehmen aus dem Raum Gera in Thüringen. Der Anbieter wirbt mit einem sogenannten Prepaid-Server. Die Kosten belaufen sich auf 5 Cent pro Tag. Sollte das Guthaben 30 Tage lang unter 0,01 Euro liegen wird der Server gelöscht und der Vertrag beendet. Eine Mindestvertragslaufzeit gibt es nicht. Als Kennwerte liefert der Server 128MB RAM und 2 GB Speicherplatz. Bei den Werten kann man sich die Virtualisierungslösung denken, es ist natürlich OpenVZ. Besonders für dieses Preisniveau ist auch das Anlegen eines Snapshots für Backupzwecke, das problemlos vom FTP-Server heruntergeladen werden kann.

Die Bestellung ist unkompliziert. Typisches Onlineformular und danach den Vertrag plus Kopie des Personalausweises per E-Mail an den Anbieter schicken. Die Bereitstellung des Servers erfolgte innerhalb weniger Stunden.

Das Benutzerszenario

Ich wollte schon länger einen SSH bzw. OpenVPN-Server im Netz haben, zu dem ich mich aus unsicheren Netzen verbinden kann. Außerdem gefiel mir die Idee einem eigenen Mumble/Murmur-Server zur Verfügung zu haben, wofür NbIServ sogar ein spezielles Abbild anbietet. Da von den Ressourcen weiterhin Luft war konnte ich mir auch den schon erwähnten vsftpd-Server für OpenArena leisten. Von der Bandbreite stehen mindestens 100 Mbit laut Produktbeschreibung bereit und 1 TB Traffic sind inklusive. Den Traffic erreiche ich natürlich nicht einmal annähernd, die Bandbreite schwankt nach Tageszeit, war für mein Szenario bisher aber immer ausreichend.

Den Support habe ich bisher als vorbildlich und schnell erlebt. Die „langsamste“ Reaktionszeit war drei Stunden. Das Ticket wurde mit Priorität „gering“ um Mitternacht abgeschickt und um 3.00 Uhr beantwortet. 😉 Mir wurde ebenso prompt beim Aktivieren des TUN-Device für OpenVPN geholfen. Der einzige Makel, der mir bisher aufgefallen ist, war ein teilweise hoher Serverload zwischen 1-6 Uhr, wo ich die Vermutung hatte, dass die automatischen Backups der Mitkunden dafür verantwortlich waren. Der Support hat den vServer auf einen anderen Master umgezogen, seitdem läuft der Server vollkommen stabil.

oVZManager

NbIServ benutzt den oVZManager als webgestützte Administrationshilfe. Ich finde, er ist übersichtlich strukturiert und bietet alle wichtigen Optionen, die man als Kunde wirklich braucht. Server stoppen und starten, neue Images einspielen, Kontostand abfragen, Traffic überwachen und es gibt sogar die Möglichkeit einen Backupsnapshot anzulegen. Momentan findet ein Upgrade auf Version 2.0 statt.

Was mir in der 128-MB-OpenVZ-Klasse bisher aufgefallen ist

    • Aptitude weigert sich manchmal eine Installation durchzuführen: FATAL -> Failed to fork.

Das Problem ist im Wiki von openvz.org gut erklärt und bedeutet nichts anderes, als dass dem Container bzw. der Applikation nicht genug Ressourcen, in meinem Fall privvmpages, zur Verfügung stehen. Am einfachsten umgeht man das Problem, indem man apt-get in diesem Fall zum Paketmanagement benutzt.

    • Monit Fehlermeldung

‚localhost‘ statistic error — memory usage gathering failed
May 24 16:58:49 hostname monit[1077]: system statistic error — cannot get real memory buffers amount

Ein bekannter Bug in Monit, der in Debian Wheezy gefixt worden ist. Ein Upgrade hilft. Außerdem habe ich extrem hohe CPU-Wait-Werte mit Monit gemessen, die so nicht stimmen können. Dem Bug bin ich aber bisher nicht weiter nachgegangen.

    • Allgemeine Ressourcenknappheit und Einschränkungen

128 MB RAM ist natürlich nicht üppig. Man muss/sollte seine Ansprüche dementsprechend anpassen. Mit meinem Benutzerszenario komme ich jedoch auf ca. 600 MB belegten Festplattenspeicher und eine Auslastung von 44 MB RAM bei einem 64bit Debian. Zum Monitoring, für einen Voice-Server oder einen kleinen Webserver reicht das. OpenVZ virtualisiert auf Betriebssystemebene. Man teilt sich den Kernel mit allen anderen Gästen und man hat in der Regel als Kunde keinen Einfluss auf geladene Kernelmodule. Eine freundliche Anfrage beim Support hilft hier oft weiter.

Warum der lange Text?

Hey, das ist ein Blog. 🙂 Ich bin nun seit einem Monat Kunde bei NbIServ und werde mir das Angebot längerfristig anschauen. Wenn sich etwas dramatisch ändert, werde ich auch darüber schreiben. Die Quintessenz des Ganzen ist: Es gibt Angebote für kleine Aufgaben, die nicht unbedingt viel Geld kosten müssen und sie lassen sich spielend leicht testen. Im Prinzip ist es bei dem Produkt „vServer“ egal, was man irgendwo liest, solange es möglich ist die „Ware“ vorher zu prüfen. Ihr kauft hier kein neues Auto und selbst bei Mindestvertragszeiten von einigen Monaten kann man sich in der Preiskategorie auch einen „Fehlschlag“ erlauben. Ich denke 5 Cent pro Tag ist fair.

Noch ein Kandidat

Einen weiteren Blick habe ich auf nhost und dessen Angebot „vServer S“ geworfen. Ich halte mich kurz. Das Produkt ist ähnlich zu dem von NbIServ, mich überzeugte aber die Leistung nicht. Zwar steht z.B. 2 TB Traffic nominell zur Verfügung, aber schon beim Einloggen verhielt sich das System weniger reaktionsfreudig. Auch der Festplatten-Benchmark bonnie++ zeigte z.B. schlechtere Werte als bei NbIServ an. Außerdem gab es hier keine Backupmöglichkeit und die Vertragslaufzeit beträgt 12 Monate, obwohl mich das in dieser Preiskategorie nicht abschreckt.

Der Support war freundlich und antwortete schnell. Nhost ist scheinbar noch ein junges Unternehmen, deswegen würde ich auch hier einen eigenen Testserver anfordern und mir die Sache selbst anschauen. Die Bereitstellung über den Support war problemlos möglich.

Serverway und der Spieleserver

Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle noch serverway.de, wo mein Spieleprojekt gehostet wird. Ich bin mit dem Anbieter bisher sehr zufrieden. Trotzdem ich das kleinste vServer-Angebot mit XEN benutze ist die Leistung für alle dort laufenden Spieleserver im grünen Bereich. Interessant ist auch, dass Serverway KVM-vServer anbietet, bei denen man Betriebssysteme wie FreeBSD und Linuxkernel beliebig installieren kann. Ich hoffe, die Leistung bleibt einfach so.