Im Zweifelsfall besser qemu-kvm

Gestern wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich zwar Qemu und Virtualbox schon als Virtualisierungslösungen vorgestellt, dabei aber qemu-kvm unterschlagen habe. Das hat leider seinen Grund. Meinen Rechnern fehlt es an der notwendigen Erweiterung für den Prozessor, welche echte Hardwareunterstützung für Virtualisierung bietet.

Bisher kamen für das normale Qemu sowieso nur der Intel Core Duo e7400 und der Dell Inspiron 4000 in Frage. Der zehn Jahre alte Laptop ist naturgemäß weniger für rechenintensive Virtualisierung geeignet als der mit zwei Prozessorkernen und 4 GB RAM bestückte Core Duo. Bei letzterem ist die Geschwindigkeit nicht berauschend, aber zum Testen und Anschauen neuer Distributionen in einer virtuellen Maschine ist alles noch im grünen Bereich.

Mit dem Paket qemu-kvm erhält man eine Kernel-based Virtual Machine (KVM), die vollständig als Freie Software vorliegt und sowohl ein Kernelmodul als auch ein weiteres prozessorspezifisches Modul zur Verfügung stellt. Im Zusammenspiel mit der Hardwareunterstützung der Intel oder AMD Prozessoren lässt sich so eine virtuelle Maschine erschaffen, die volle Hardwareunterstützung erfährt und somit deutlich an Leistung gewinnt.

Wie erfährt man, ob der eigene Intel oder AMD Rechner über eine eingebaute Virtualisierungstechnologie verfügt? Entweder ihr fragt bei eurem nächsten Rechnerkauf im Fachhandel oder im Supermarkt an der Kasse einfach: „Tschuldigung, unterstützt der Rechner auch Intel-V/AMD-V Befehlssatzerweiterungen für eine Kernel-based Virtual Machine?“ oder ihr schafft es ein Linux dort zu installieren und folgende Befehle auszuführen

egrep '^flags.*(vmx|svm)' /proc/cpuinfo

oder einfach

cat /proc/cpuinfo | grep vmx (bzw. svm)

Als Ergebnis sollte eine Zeile mit den Prozessorflags erscheinen, bei der entweder das Wort vmx (Intel-Chip) oder svm (AMD-Chip) hervorgehoben ist. Tja und falls nicht, dann gehört ihr noch zu der Gruppe der Ohne-Hardwareunterstützung-Virtualisierer. Falls alles fehlschlägt: Vielleicht hilft auch diese Übersicht mit kompatiblen Prozessoren weiter.

Also bevor sich die Beschwerden häufen, dass qemu so unglaublich langsam ist, solltet ihr im Zweifelsfall qemu-kvm probieren. Als Freie-Software-Alternativen gibt es unter Linux weiterhin Virtualbox und Xen. Xen unterscheidet sich technisch zwar deutlich von KVM (siehe auch die FAQ bei linux-kvm.org), ist aber eine weit verbreitete Alternative bei Serversystemen.

Auf Grund der einfachen Implementierung als Kernelmodul für Linux und der intuitiven Bedienung eignet sich qemu-kvm vermutlich besser für den Heimgebrauch und Virtualbox bleibt auch weiterhin eine benutzerfreundliche Alternative.

4 Replies to “Im Zweifelsfall besser qemu-kvm”

  1. Hallo,

    Qemu-KVM ist wirklich flott. Ein paar exemplarische Geschwindigkeitsfaktoren gegenüber Qemu (auf Core 2 Duo, 64 Bit, Qemu-KVM 0.15 und mit SliTaz):

    Bootzeit: x 6,5
    zlib/lzma etc: x 12,5 – x 22,5
    Stockfish: x 28,0

    Die Schach-Engine Stockfish schießt den Vogel ab und läuft genauso schnell wie wie nativ. Fazit: Qemu-Fans sollten die KVM-Version installieren.

    Ad apo: sehr schöner und informativer Blog.

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