Ich streichle meinen Pinguin

Ich lese gerade eines der wenigen Printmedien, welches trotz scheinbar unbegrenzter Informationsfülle aus dem Internet schon seit Jahren einen festen Platz bei mir erobert hat. Die Rede ist vom Magazin für Computer Technik oder kurz der c’t.
Auf der ersten Seite der Ausgabe 6/2011 hat Christof Windeck seine Gedanken zur entfachten Popularität von Linux in Googles Android Betriebssystem niedergeschrieben. Er geht dabei kritisch auf Googles Eigenart ein, dass wichtige Systemkomponenten nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn man auch ein Google Konto sein eigen nennen darf, sieht aber in Android ein wirkungsvolles Beispiel wie Linux populärer und für die Mehrheit der Menschen beliebter gemacht werden kann.
Auf der anderen Seite sieht er bei den normalen „echten“ Linuxvarianten die Gefahr, dass zu viel von der Perspektive der Programmierer aus entwickelt wird und die Anwender, vor allem Laien, vernachlässigt werden. Sein Fazit ist, wenn Linux aus der Nerd Ecke herauskommen wolle, müsse es die bessere, coolere, schönere Alternative zu Windows werden.
Ich kann ihm in vielen Punkten nur zustimmen. Woran liegt es, dass Android scheinbar jeder kennt, Linux aber ein Nischendasein fristet?
Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Kausalkette stimmt. Meiner Meinung nach ist Linux heute schon besser, cooler und schöner als Windows. Das Problem scheint viel mehr zu sein, dass nicht jeder weiß, wie man sein Lieblingslinux gestalten und anpassen kann.
Ist es wirklich so, dass sich die Leute für Android entscheiden, weil Google das benutzerfreundlichere Betriebssystem entwickelt hat? Wie viele Leute wissen eigentlich, dass Android auf Linux basiert? Und wie vielen ist dies überhaupt wichtig? Wer entscheidet sich gezielt für Open Source?
Woran liegt es, dass Android scheinbar so weit vorne liegt? Ist der Vergleich mit einer desktopbasierten Linuxdistribution überhaupt zulässig?
Ich glaube, die meisten Konsumenten interessieren sich nicht für Unterscheidungen wie Open Source und Proprietäre Software. Wenn ich mich für ein HTC Smartphone entscheide, wie viel Gedanken verschwende ich darauf, dass die zu Grunde liegende Software Open Source ist? Was sind die wirklichen Kaufgründe?
Oft ist es aber so, dass nicht die Software sondern zu erst einmal der Name, die Hardware und Form und nicht zu vergessen der Preis beim Kauf ausschlaggebend sind.
Ich denke Linux will gar nicht zwangsläufig das populärste Betriebssystem werden, denn dazu müsste Linux zuerst einmal einen allgemeinen Willen entwickeln, der ein solches Ziel anstrebt.
Linux ist für mich ein Gesamtkonzept zusammengetragen von den unterschiedlichsten Menschen. Je nach Bedarf entsteht so ein Betriebssystem für verschiedene Ansprüche. Davon profitieren alle und somit auch Googles Android.
Ist es nicht eigentlich egal, welchen Namen ein offenes Betriebssystem hat? Ist es nicht viel wichtiger, dass die Verbreitung von Informationen frei ist und bleibt, dass es Standards gibt, die sagen, egal ob du ein Smartphone OS entwickelst oder 10 Jahre alte Hardware weiterhin betreust, es gibt Open Source, um das zu ermöglichen?
Natürlich denke ich auch, dass Linux präsenter in der Öffentlichkeit auftreten könnte. Aber es ist wie mit der unabhängigen Band, die man schon seit den ersten Tagen hört. Sie ist immer nur dann cool, solange sie nicht erfolgreich und massentauglich ist.
In diesem Sinne hoffe ich, dass Linux weiterhin alles ist. Ein Betriebssystem für Nerds und gleichzeitig der Startpunkt für interessante kommerzielle Entwicklungen. Die Informationen müssen frei sein, egal welchen Namen das angesagte Produkt gerade trägt.

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