charm: Mein charmanter Blogging Client

Zuerst die schlechte Nachricht. Charm lässt sich seit gestern nicht mehr über Debian Unstable installieren, wobei ich daran wohl nicht ganz unschuldig bin. 🙄 Dazu später mehr.
Vermutlich werden die Versionen aus testing und stable automatisch mit der Zeit aus den Repositorien entfernt. Das sollte trotzdem niemanden davon abhalten sich charm zu installieren, denn charm ist winzig klein, schnell und durch seine Implementierung in Python auch nicht zwangsläufig an ein Betriebssystem gebunden.
Alles was man braucht ist Python in der Version >=2.5 und charm. Es genügt die tar.gz Datei in einen Ordner der Wahl zu entpacken und charm mit
python charm
zu starten.

Warum gerade charm zum Bloggen nutzen?

Ja, es gibt noch weitere Blogging Clients für Linux da draußen. Was charm besonders macht, ist seine Fähigkeit alle Funktionen als Kommandozeilenprogramm auszuführen. Keine grafische Oberfläche ist notwendig.
Charm lässt sich entweder durch ein interaktives Menü textbasiert steuern oder auch direkt durch die Übergabe von Parametern zum automatischen Erstellen von Blogeinträgen einsetzen.
Selbst auf dem ältesten Rechner mit einer Python-Installation lassen sich so Informationen an sein Lieblingsblog übertragen.
Charm wurde ursprünglich als Client für das Livejournal Blog entworfen, unterstützt mittlerweile aber auch ATOM oder Metaweb (WordPress!) APIs.
Wer WordPress kennt hat über die Jahre sicherlich auch festgestellt, dass diese hervorragende Open Source Sofware mit jeder Veröffentlichung umfangreicher, vielseitiger und intelligenter wurde.
Leider kann es selbst auf leistungsfähigen Rechnern mit schnellen Browsern vorkommen, dass WordPress sich beim Darstellen der Webseiten viel Zeit lässt, was vor allem an einem mittlerweile überschäumenden Einsatz von JavaScript und der großen Komplexität der Software liegen mag.
Was für einen Dual Core Rechner schon ärgerlich sein kann, wirkt sich auf einem 10 Jahre alten Laptop nicht positiver aus.
Der größte Vorteil von charm: Man kann seinen Editor zum Bloggen selbst wählen. Zum Beispiel benutze ich gerade Leafpad, könnte aber genauso gut auch vim, emacs, nano oder gedit zum Editieren auswählen.
Zum Ausbessern von Fehlern eignet sich niemand besser als charm. Kein Warten auf das Starten des Browsers, das Einloggen in sein WordPress-Blog, das Suchen nach dem Artikel und erneutes Warten bis sich der WordPress-Editor aufgebaut hat.

Wie lässt sich charm bedienen?

Als erstes muss die versteckte Datei .charmrc im Homeverzeichnis angelegt werden. Dort genügt es folgendes einzutragen.

metaweb = Nutzer Passwort http://www.meinlinuxblog.de/blog/xmlrpc.php
editor = leafpad

Für Nutzer und Passwort müssen selbstverständlich die eigenen Informationen stehen und die Adresse des WordPress-Blogs bzw. zur Datei xmlrpc.php.
Nachdem Start von charm auf der Konsole erscheint ein textbasiertes Menü in Englisch, welches einem die Möglichkeit bietet neue Einträge zu posten [p], bestehende zu editieren [e] oder charm wieder zu verlassen [q].
Mit der Option [p] erscheint ein weiteres Untermenü, wo man mit [e] und dem voreingestellten Editor sofort losschreiben kann.
Die Optionen [s], [c], [k] ändern den Titel des Artikels, die Kategorien und die Schlagwörter.
Im Regelfall genügt danach nur noch das Abspeichern des Textes im Editor und die Option [u], womit der Blogeintrag abgeschickt wird.
Das Editieren ist genauso leicht. Nach der Auswahl im Hauptmenü muss noch die Anzahl der Einträge angegeben werden, die von charm abgerufen werden sollen. Danach kann man durch Eingabe der Zahl vor dem Post den Artikel zum Editieren auswählen.

Charm bietet noch weitere Möglichkeiten wie Rechtschreibüberprüfung oder das Bearbeiten des Textes mit Filtern, um wiederkehrende Prozesse beim Bloggen zu vereinfachen. Speziell für das Livejournal Blog gibt es noch mehr Funktionen.
Mir persönlich genügten schon die soeben vorgestellten. Doch auch ein paar Schwächen von charm will ich nicht verschweigen, womit wir zu meinem Eingangs erwähnten Eingeständnis kommen, dass ich nicht ganz unschuldig bin, dass charm (zumindest vorläufig) aus Debian entfernt wurde.

Charm Bugs

Charm wurde ursprünglich für Livejournal und für englischsprachige Bediener entwickelt. Da das Menü nicht sehr kompliziert ist, lässt sich letzteres leicht verschmerzen.
Problematisch wird es beim Bloggen mit Sonderzeichen wie z.B. deutschen Umlauten. Hier scheint charm das Encoding der Texte nicht immer richtig zu erkennen. Da sowohl WordPress standardmäßig mit UTF-8 arbeitet und auch Linux diesen Standard seit Jahren favorisiert, hätte ich gehofft, dass es hier weniger Probleme gibt.
Scheinbar gibt es den Bug schon seit Jahren in verschiedenen Formen, was zumindest auf der Livejournal Seite von Lydia Leong, der Entwicklerin von charm, nachzulesen ist.
Des weiteren sollte man vermeiden eine wiederhergestelle Session ohne Abspeichern zu verlassen. Charm löscht daraufhin die Originalvorlage, was ziemlich ärgerlich ist, wenn man dieses “Feature” nicht kennt.
Ich habe daraufhin meine Erfahrungen mit dem Programm reportbug an Debian gemeldet und konnte zumindest für das Encoding-Problem schon eine Lösung finden. Bug #613036
Für das Löschen und ein verwandtes Problem erstellte ich Bug #616427 und Bug #616430
Soweit so gut, dachte ich, der Paketverwalter hatte sich auch dem ersten Problem schon angenommen und den Bug an “Upstream” weitergeleitet. Doch gestern musste ich leider erfahren, dass der Paketverwalter keinen der Entwickler erreichen konnte und selbst das Programm nicht ändern kann.
In so einem Fall kann man beantragen, dass das Paket aus den Debian-Repositorien gelöscht wird, was auch getan wurde. Hätte ich nur geschwiegen. 🙁
Wirklich schade. Ich bin mir nicht sicher, ob versucht wurde Lydia Leong direkt per Email zu erreichen, denn die offizielle Seite von charm bei Sourceforge scheint tatsächlich äußerst selten gelesen zu werden.
Tja, das ist eben auch Open Source. Sobald ich mehr über die anderen Probleme herausfinde, kann ich sie vielleicht selbst lösen und erreichen, dass charm erneut in Debian aufgenommen wird. Bis dahin empfehle ich trotzdem den Download der Originalversion aber mit dem Hinweis die Bugreports noch einmal zu lesen.
Auch mit diesen Schwächen bleibt charm für mich die Nr.1 zum Bloggen.

3 Replies to “charm: Mein charmanter Blogging Client”

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