Runes of Magic versus World of Warcraft

Zwei Online Rollenspiele miteinander zu vergleichen ist mitunter ziemlich schwierig. Schmeckt nun die Birne oder der Apfel besser? Wer sieht von beiden besser aus? Was macht mehr Spass? Vieles ist natürlich subjektiv. Dennoch wollte ich hier meine ersten Eindrücke von Runes of Magic niederschreiben, dass ich diesen Sommer zum ersten Mal ausprobiert habe.

Der erste Eindruck

Positiv fiel gleich die Charaktererstellung und die Vielzahl an Gesichtszügen auf, zwischen denen man sich entscheiden kann. Während bei WoW alle Menschen sich oft ähnlich sehen, bringt RoM hier mit einer größeren Anzahl von Merkmalen deutlich mehr Abwechslung herein. Auf der anderen Seite gibt es nur die Möglichkeit zwischen zwei Rassen, Elfen und Menschen, zu wählen, einen spannenden Konflikt wie Allianz gegen Horde sucht man hingegen vergeblich.

Grafik

Für meinen Geschmack sind die Texturen in RoM zu einfach gestrickt, ohne dass ich das einem abofreien MMO besonders ankreiden würde. WoW bietet hier trotz älterer Grafikengine einfach passendere und gefälligere Ansichten. Oft hört man WoW sei zu comichaft, zu bunt und nicht realistisch genug. Im Gegenteil finde ich, macht diese sehr bunte Welt das Flair der Spielwelt aus und fängt die Welt der Echtzeitstrategievorlage Warcraft hervorragend ein.
Dafür bietet RoM eine abwechslungsreichere Gestaltung der menschlichen Charaktere und mit Varanas eine Stadt, die das klassische Fantasieambiente der Spielwelt sehr stimmungsvoll einfängt. Auch die Darstellung der Pflanzen und Tierwelt ist gelungen, auch wenn teilweise sehr außergewöhnliche Kreaturen wie Pilzwesen und fleischfressende Pflanzen sich ein Stelldichein geben und gewisse Gebiete den Eindruck erwecken mit Kreaturen überladen zu sein. Gebäude wirken durch die Texturen von außen betrachtet recht schlicht, bieten aber fast immer auch eine unterschiedliche Aufteilung des Innenlebens. Im Gegensatz zu WoW wirken diese Räume deshalb öfter neu und deja vu Effekte sind selten.
Die Animationen sind durchweg gut gelungen, wobei man hier aber auch große Unterschiede zu World of Warcraft entdecken kann. Während ich die Emotes sehr gut finde, wirken die Bewegungen der Charaktere im Kampf ziemlich steif und ungelenk. Insbesondere wenn man das Anstürmen des Kriegers in RoM mit den Animationen der verschiedenen Rassen und Krieger in WoW vergleicht, muss man einfach zugeben, dass die Entwickler von WoW bei den Animationen hervorragende Arbeit geleistet haben.

Sound

Sowohl Hintergrundmusik als auch Effekte sind stimmungsvoll und passen zur Spielwelt. Die Musik harmoniert gut mit den verschiedenen Zonen, fing mich aber an nach einiger Zeit zu stören, da die Musikschleife standardmäßig zu oft wiederholt wird. Nach einer kleinen Anpassung der Einstellung lässt sich gut damit leben. Die Klangeffekte sind zwar nicht herausragend, oft fehlt es sowohl an spezifischen Geräuschen für Monster,  interessanten Umgebungsgeräuschen oder einem „realistischen“ Waffenklang. In der Summe halte ich den Sound in RoM aber für gelungen.

Die Spielmechanik

RoM ist ein absolut klassisches Fantasie MMO. Durch das Absolvieren von Quests und Besiegen von Monstern und Nicht Spieler Charakteren (NPC) wird der Charakter immer stärker und steigt im Level auf. Sowohl Benutzersteuerung als auch grundlegende Fertigkeiten und Zauber der Klassen ähneln stark denen von World of Warcraft.
Bedeutendster Unterschied ist das Duale Klassensystem. In RoM wählt man ab LvL 10 eine weitere Klasse und gewinnt dann bei späteren Stufenanstiegen sogenannte Elite-Fertigkeiten hinzu, die für jede Klassenkombination einzigartig sind. Dabei kann man sich z.B. frei entscheiden, ob man lieber die angefangene Klasse als Primärklasse weiterspielt oder doch lieber die hinzugewonnene Klasse zu seiner Primärklasse macht.
Es ist also ein Unterschied, ob man einen Magier/Kundschafter oder einen Kundschafter/Magier spielen möchte.
Talente steigern sich wie bei WoW über Talentpunkte, die automatisch im Verhältnis 1:10 zu Erfahrungspunkten durch das Abschließen von Quests und Töten von Monstern erlangt werden. Dabei stehen mit fortschreitendem Levelanstieg nicht mehr genug Talentpunkte zur Verfügung um alle Talente auf den Maximalwert zu steigern. Da es aber selbst nach Erreichen des Maximallevels möglich ist weitere Talentpunkte durch Quests, Monster oder spezielle Amulette hinzuzugewinnen, können im Endspiel alle Talente auf den Maximalwert gebracht werden. Im Gegensatz zu World of Warcraft bedeutet das Sterben eines Charakters, dass man einen Malus auf Erfahrungs- und Talentpunkte erhält, der zuerst wieder abgearbeitet werden muss, bevor man weiter aufsteigen kann.
Ein großer Unterschied stellt auch das Verbessern von Gegenständen dar. Während in World of Warcraft die Berufe maßgeblich zur Verbesserung von Gegenständen beitragen, gibt es in RoM ein Aufwertungssystem. Das System ist sehr interessant, leider aber nicht sehr intuitiv und man wird es entweder nur durch Ausprobieren oder durch das Lesen teilweise seitenlanger Forenguides vollständig meistern können. Der Grundgedanke ist, dass Werte von anderen Gegenständen auf spezielle Fusionssteine übertragen werden können und dann mit dem neuen Gegenstand verschmolzen werden, wobei der alte Gegenstand zerstört wird. Dadurch ist es möglich auch niedrigstufige Charaktere mit sehr mächtigen Werten auszustatten. Wesentlich für die Mächtigkeit eines Gegenstandes ist dabei die sogenannte Machtstufe und der Grad. Die Anzahl von Fusionssteinen, die nötig sind um einen höheren Grad zu erreichen, steigt exponentiell. Dabei werden Fusionssteine und Items geschätzt, die  keine unnützen Werte enthalten (Fachbegriff: clean sind). Verwirrt oder neugierig geworden? Das Aufwerten bei RoM ist jedenfalls anders als man es von WoW gewohnt ist, was ich persönlich eher spannend und reizvoll finde. Am besten man informiert sich im offiziellen Forum mehr über das Thema. Zumindest am Spielanfang ist es nicht wirklich wichtig.

Der Itemshop

Durch das Anklicken des Geschenksymbols öffnet sich der sogenannte Itemshop, in dem man Spielgegenstände gegen Diamanten, Rubine oder Phiriusmarken erwerben kann. Diamanten erhält man wiederum gegen echtes Geld, Rubine gibt es als Mengenrabatt bei größeren Käufen mit Diamanten dazu und Phirusmarken lassen sich durch Tagesquests erspielen. Der Itemshop ist der Dreh- und Angelpunkt über den sich das Spiel finanziert. Das Angebot reicht von Tränken, mit denen der Sterbemalus vermieden wird, über kosmetische Gegenstände, die das Aussehen von Rüstungen verändern bis hin zu Makellosen Fusionssteinen, die die Ausrüstung des Charakters deutlich verstärken können und den Fusionssteinen im Spiel überlegen sind.
Regelmäßig gibt es Sonderangebote, Rabattaktionen (z.B. doppelt so viele Diamanten für das gleiche Geld) und spezielle Gegenstände, die nur zeitweise verfügbar sind.

Die Gemeinschaft

Kaum ein anderer Begriff als „Community“ wird in Online Spielen öfter strapaziert. Ob die Gemeinschaft, die ein Spiel spielt, nun freundlich, nett und hilfsbereit ist oder doch eher egoistisch und unfreundlich, für viele entscheidet sich hier, ob ein Spiel langfristig Spaß macht oder nicht. Aus eigener Erfahrung, denke ich, ist die Community auch nur ein Querschnitt der Gesellschaft, man trifft viele nette Leute und manchmal leider auch Idioten. Umso mehr mitmachen, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich viele Online-Gemeinschaften irgendwann ähneln. Was bei RoM positiv auffällt ist die Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt eine Ausrüstungspunktzahl zu ermitteln, wie das bei WoW mit dem Addon Gearscore möglich ist. Deswegen fragt auch niemand nach einer solchen Zahl, was ich zuletzt bei WoW als sehr negative Entwicklung empfunden habe. Auf der anderen Seite wird natürlich trotzdem darauf geachtet, ob man gewisse Anforderungen an eine schwierigere Instanz erfüllt. Zumindest während der ersten 40 Level spielt die Ausrüstung aber kaum eine Rolle. Auch wenn es die üblichen Selbstdarsteller im Weltchat gibt und manche Spieler versuchen mit falschen Diamantenangeboten andere übers Ohr zu hauen, habe ich die Community auf meinem Server Scabtha als überwiegend freundlich und hilfsbereit erlebt.

Was mir gut gefiel

Runes of Magic bietet einige Spielelemente, die sich in dieser Form bei WoW nicht finden lassen. Schon ab Level 1 ist es möglich sein eigenes Haus zu besitzen, welches in der Standardversion ein schlichter Raum ohne Möbel ist. Dabei lässt sich das Haus durch das Ansprechen eines Hausmädchens betreten, welches sich in jeder größeren Siedlung oder Stadt befindet. Mit Phirusmarken und Diamanten können Möbel gekauft werden, die einen Erfahrungs- oder Talentpunktebonus geben oder Bücher und Handwerksgeräte, mit denen sich nach dem Ausloggen im Haus die Handwerksfertigkeit steigert. Alle Häuser sind instanziert und von außen nicht sichtbar. Dennoch ist es z.B. mit Hilfe eines Codes möglich auch die Häuser befreundeter Spieler zu betreten, wenn diese das erlauben. Ein weiteres Merkmal des Spiels sind Gildenburgen, die ebenfalls instanziert sind und allen Spielern einer Gilde Unterkunft und Lernmöglichkeiten bieten und gemeinschaftlich weiter ausgebaut werden können.
Zwar gibt es keine Flugreittiere wie in World of Warcraft, dafür bietet RoM ein umfassendes Transportsystem. Innerhalb von Städten gibt es Transporter, die das Reisen von einem Stadtteil zum anderen ermöglichen und außerhalb der Städte Portale, mit denen eine schnelle Verbindung zwischen Zonen geschaffen wird. Besonders erwähnenswert ist auch das Transportbuch, mit dem es möglich ist, einen Ort dauerhaft mit spezieller Tinte in diesem Buch festzuhalten und mit Hilfe einer Transportrune hierhin zu jeder Zeit zurückkehren zu können. Tinte und Transportrune erhält man anfangs zum Kennenlernen noch gratis, kann diese aber später auch im Itemshop gegen Diamanten erwerben. Auch gibt es Runen mit denen der Transport direkt zum eigenen Haus oder der Gildenburg möglich wird. Des weiteren besteht die Möglichkeit gegen Spielgold Pferde für ein paar Stunden auszuleihen oder mit Diamanten ein permanentes Reittier zu kaufen. Ich finde letzteres ist die beste Möglichkeit den Entwicklern und Herausgebern zu danken, wenn einem die ersten Level gefallen haben.
Die Lernkurve ist ähnlich steil wie bei World of Warcraft, so dass es leicht fällt sich mit der grafischen Benutzerschnittstelle zurecht zu finden und die allgemeinen Spielkonzepte sind leicht zu verstehen.
Gut finde ich auch die Möglichkeit mit Gegenständen aus dem Itemshop das Modell eines Gegenstandes mit einem anderen zu ersetzen und dabei die Werte des ursprünglichen Items beizubehalten oder das Aussehen seines Reittieres individuell zu färben.
Trotzdem es nicht die gleiche Anzahl an Addons wie bei World of Warcraft gibt, braucht man dennoch nicht auf die wichtigsten Annehmlichkeiten verzichten. Es gibt einige sehr gute Addons, mit denen sich das komplette Interface umgestalten lässt sowie Möglichkeiten die Funktionalität des Auktionshauses zu erweitern, Questgeber auf der Spielkarte anzeigen zu lassen oder erweiterte Informationen zu NPCs darzustellen. Insgesamt musste ich mich in dieser Beziehung überhaupt nicht umstellen.
Faszinierend war auch zu beobachten wie sich der Weltchat in Runes of Magic im Vergleich zum Handels- bzw. SucheNachGruppe Chat von World of Warcraft entwickelt. Für das Verschicken von Nachrichten im Weltchat ist ein Megaphon nötig, welches es nur für Diamanten oder eine Menge Phiriusmarken zu kaufen gibt. Das hält viele Spieler davon ab jede Nachricht im Weltchat kommentieren zu müssen, obwohl natürlich die Berufsspieler des Servers dennoch regelmäßig den Weltchat für sich beanspruchen. Im Allgemeinen finde ich die Idee eine Nachricht im Weltchat mit Kosten zu verbinden nicht schlecht. Ich denke ein ähnliches System in WoW könnte einigen Spam unterbinden.
Außerdem fand ich das offizielle Forum zum Spiel gut strukturiert und informativ. Es gibt dort sowohl viele Guides zum Spiel als auch Hilfe von Spielern und Moderatoren zu allerlei Problemen.

Was nicht so toll war

Nachdem die ersten Level wie im Flug vorüber gehen, erkennt man bald, dass es RoM an einer tiefer gehenden Geschichte oder einem Konflikt fehlt, der den Spieler weiter in seinen Bann zieht. Eine gute Geschichte zu erzählen halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben eines Online Rollenspiels. Die Quests in RoM sind vollkommen generisch und könnten in jeder anderen Fantasiewelt auch angesiedelt sein. Zwar gibt es manchmal kleine Geschichten um einen besonderen NPC herum, die große Mehrzahl der Quests ähnelt aber dem bekannten Schema:

  • <Questgeber1>: „Töte 10 Elche“
  • <Held>: „Pah, eine Kleinigkeit“
  • <Questgeber1>: „Du hast deinen Wert für unsere Sache bewiesen. Nun bringe mir 20 Geweihe von den Elchen um daraus eine besondere Arznei für meinen schwer verwundeten Freund <Questgeber2> herstellen zu können“
  • <Held>: „Nichts leichter als das!“
  • <Questgeber1>: „Bringe nun diese Tinktur zu <Questgeber2> in die grausame Eiswüste!“
  • <Held>: *Reitet geschwind*
  • <Questgeber2>: „*röchel* Mir dünkt, die Arznei entfaltet nicht ihre volle Wirkung. Gehe nun in den schwarzen Wald des Todes und bringe mir die Ohrläppchen der jähzornigen Riesenyetis, aber berichte vorher noch einmal <Questgeber1> von deinem Fehlschlag. *röchel* Nun eile!“
  • <Held>: „Für Erfahrungspunkte tue ich alles!“

Als großes Schmankerl von RoM wird gerne das Berufssystem angepriesen. Obwohl es im Gegensatz zu WoW die Möglichkeit gibt jeden Beruf mit einer Klasse zu erlernen, entschädigt dieses mehr an Auswahl nicht für das Fehlen von Spieltiefe und sinnvollen Berufsfähigkeiten. Auch in RoM gibt es Alchemie, Kochen, Schneiderei und das Rüstungshandwerk. Das Grundprinzip liegt aber nicht in der Tiefe, sondern in einem Mehr an benötigten Materialien und einem länger dauernden Fertigungsprozess. Deswegen existieren auch drei Sammelberufe, Kräuterkunde, Holz- und Erzesammeln. Einen Mangel an Vorkommen gibt es wahrlich nicht, vielmehr verliert man nach einer Weile schnell die Lust überhaupt seine Fertigkeiten zu nutzen, da das Sammeln einen enormen Zeitaufwand darstellt. Im Gegensatz dazu steht das fertige Produkt. Jedes Kraut, Holzstück oder Erz muss bei den entsprechenden Gerätschaften weiterverarbeitet werden. Im ersten Schritt wird aus je zwei Rohmaterialien ein verbessertes Produkt.  Im nächsten entstehen dann aus sechs dieser verbesserten Produkte ein noch besseres Produkt. Allein für das Umwandeln vergeht viel Zeit, in der man nichts weiter machen kann als den Fortschrittsbalken zu beobachten.
Schließlich müssen Erze, Holz oder Kräuter, 1 Phiole und eine spezielle Berufsrune zum fertigen Produkt verarbeitet werden. Wie in WoW sind natürlich nicht alle Produkte gleich wertvoll, dennoch fehlt es insbesondere im sogenannten Endgame an brauchbaren Produkten. Speziell im Alchemieberuf, den ich am meisten getestet habe, lässt sich alles Sinnvolle auf drei Tränke reduzieren. Zwei dieser Wundermittel steigern alle Werte um 10% bzw. 20%.
Hier wird das nächste Problem deutlich. Die Charaktere in Runes of Magic skalieren im Gegensatz zu den Gegnern wesentlich zu stark. Es ist schnell ersichtlich, dass ein Charakter mit 1000 Stärke Punkte von einem 20% Trank mehr profitiert als jemand mit 500 Punkten. Das führt dazu, dass die Lücke zwischen den stärksten Spielern und durchschnittlich ausgerüsteten Spielern gewaltig ist. Negativ ist auch, dass Spieler in den höchsten Leveln nicht auf die Berufe angewiesen sind, da vergleichbare Tränke oder Essen mit spziellem Loot, sogenannten Mementos, gekauft werden können.
Nicht nur in den Berufen auch bei den Talenten setzt sich diese prozentuale Steigerung von Fähigkeiten fort. Die Entwickler scheinen so langsam das Problem zu erkennen. Der Versuch Grundkosten für Fähigkeiten in Abhängigkeit des Spiellevels einzuführen, so wie das bei WoW schon lange der Fall ist, führte nach einem Aufschrei der Spielerschaft schon nach zwei Tagen zur kompletten Rücknahme der Änderung. Das wirkt natürlich nicht besonders durchdacht und schlecht kommuniziert. Hier muss sich RoM entscheiden, ob die Gegner in Zukunft stärker mit den Fähigkeiten der Spieler skalieren sollen oder ob das komplette System so umgestaltet wird, dass es wie in WoW praktisch in jeder neuen Tier-Stufe gleich schwierig bleibt neue Monster zu bezwingen.
Dann gibt es noch ein besonderes Pet-System in Runes of Magic, welches es allen Spielern erlaubt einen Begleiter zu besitzen, der den Charakter im Kampf unterstützt und sogar die Werte des Helden um einen nennenswerten Betrag verstärkt. Hier bin ich der Meinung, dass das System noch lange nicht ausgereift ist. Am schlimmsten ist sicherlich das Steigern des Begleiters, wozu man entweder andere Begleiter mit ihm „verschmelzen“ kann oder indem man für viel Spielgold Nahrungsmittel kauft. Das wiederum ist regelmäßig notwendig, da das Pet bei Aktivierung fortlaufend seine Zuneigung verliert, durch jeden Spielertod dessen Loyalität gesenkt wird und deswegen natürlich auch die Werte des Begleiters sinken.
Als besonders grausame Variante habe ich dabei die Quest empfunden, mit der man „Goldene Eier“, passend auf einer Farm, farmen darf. Dazu füttert man ein paar Hühner mit Hühnerfutter, welche daraufhin Eier legen und mit unverschämten Glück ist unter jedem fünfzigsten Ei auch ein goldenes dabei. Dieses lässt sich dann wiederum eintauschen, um den Begleiter um eine Winzigkeit zu verbessern. Schade, dass niemand auf die Idee gekommen ist den Begleiter mit dem Charakter steigern zu lassen, während man aktiv mit ihm Abenteuer unternimmt. Man hätte dann immer noch Spezialfähigkeiten oder Gimmicks über den Itemshop zum Kaufen anbieten können. So hinterlässt das Pet-System einen faden Beigeschmack. Achja, ich vergaß zu erwähnen, dass der Begleiter auch regelmäßig spricht, z.B. in der Form „Warum singt das Nachbarsmädchen so schön, ich aber nicht?“ Tamagotchi lässt grüßen.
Da das Sammeln anstrengend sein kann, dachten die Entwickler wohl, statten wir das Pet mit einer Sammelfähigkeit aus. Dazu müssen z.B. Spaten gekauft werden und dann wird ein Prozess gestartet, mit dem das Pet entweder einen nutzlosen, aber verkaufbaren Gegenstand herstellt oder Pflanzen findet. In 15 Minuten ist ein kompletter Stack Spaten verbraucht und das Inventar füllt sich mit Pflanzen. Das Steigern dieser speziellen Petfähigkeit dauert ebenfalls sehr, sehr lange und ersetzt praktisch die Sammelberufe des Spielers. Das Pet wird zu einem persönlichen Sammelbot. Da man dadurch natürlich Zeit spart, ist man nicht der einzige, der auf die Idee gekommen ist und schon bald steigt das Angebot an Rohmaterialien, was zur Folge hat, dass auch die Preise für die Endprodukte kontinuierlich sinken. Am Ende hat man so ein Problem (massives Farmen) gelöst, aber gleich wieder zwei neue geschaffen (nutzlose Sammelberufe, langweilig).

Zum Schluss

Ist Runes of Magic nun besser oder schlechter als World of Warcraft? Weder noch. Das Ergebnis hängt entscheidend von den eigenen Erwartungen ab. RoM existiert nun seit Anfang 2009, WoW schon seit fast sechs Jahren. World of Warcraft hat sich seit dem stark gewandelt und wichtige Spielelemente wurden kontinuierlich weiterentwickelt. Von Runes of Magic hätte ich erwartet, dass das jüngere Spiel grafisch weiterentwickelt wäre und Fehler anderer MMOs vermieden worden wären. RoM hat versucht viele gute Elemente aus anderen Online Rollenspielen zu übernehmen, aber oft hat man das Gefühl, dass es besser gewesen wäre sich auf einzelne Sachen zu konzentrieren als nur ein weiteres Feature zu übernehmen. So wirkt WoW insgesamt deutlich ausgereifter, insbesondere Player vs Player erscheint mir gegenüber RoM deutlich ausgeglichener zu sein. RoM ist ein MMO alter Prägung, bei denen das Sterben von Charakteren noch Konsequenzen nach sich zog und auch das Berufssystem ähnlich „aufopferungsvoll“ war. Das ganze Spiel kommt mit einem bewährten Interface daher, bietet Ansätze eines Erfolgssystems, Schlachtfelder, Arenen, Instanzen und große Schlachtzüge und dazu ein noch in der Entwicklung befindliches Gildenkrieg-System. Es ist also von allem etwas dabei. Da Runes of Magic nicht von den gleichen Einnahmen wie WoW leben kann, sollte man auch nicht das gleiche Ergebnis erwarten.
Ich denke Runes of Magic füllt eine Lücke im MMO Sektor schon ziemlich gut aus. Ein abofreies MMO hat den Vorteil, dass man selbst entscheiden kann, inwiefern man die Bemühungen der Entwickler honoriert. Man ist ein Stück flexibler. Auf der anderen Seite summieren sich die Ausgaben für das Spiel schnell in eine Höhe, die einem monatlichen Bezahlsystem gleichkommen, wenn man immer vorne mitspielen und herausstechen möchte. Insbesondere muss man sich daran gewöhnen, dass man für Geld selbst gebundene Top-Ausrüstung wieder entbinden kann und sich so praktisch seinen Charakter ohne jemals selbst in einer Instanz gewesen zu sein zusammenbasteln kann.
Meiner Meinung nach ist das Gesamtpaket von World of Warcraft ausgereifter und langfristig auch befriedigender, da für jeden Geschmack auf hohem Niveau etwas geboten wird. Runes of Magic hingegen bietet die Möglichkeit gerade für Gelegenheitsspieler immer mal wieder reinzuschauen und seinen Charakter weiter zu entwickeln, ohne das damit große Kosten verbunden sind. Am Ende bleibt nur zu sagen: Einfach mal selbst ausprobieren.

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