Fünf coole Linuxspiele und ein Gewinner

Ich schreibe die ganze Zeit von der Konfiguration des Servers, da das wirklich unzählige interessante Aspekte sind, aber wo sind bitte schön die ganzen Spiele? Wer sich mal selbst an so ein Projekt wagt stellt bald fest, dass es gar nicht so schwer ist einfach mal ein Spiel zu installieren. Doch es fängt schon damit an, dass ein Ego-Shooter wie z.B. OpenArena mehrere Spielmodi anbietet, unzählige Servervariablen und dazu noch Dutzende weitere Server existieren, die genau den selben Fokus haben. Wie schafft man es also, dass das ganze nicht zu einem rein akademischen Projekt ohne Praxisbezug verkommt und tatsächlich irgendwann Leute auf dem Server spielen?

Ich brauchte eine Weile bis ich herausgefunden hatte, was die Spieler eigentlich wollen. Zumindest bin ich mit den bisherigen Einstellungen zufrieden. Eine Garantie für dauerhaften Erfolg ist es natürlich nicht. Kurzum man muss auch Zeit in das Spiel selbst investieren und kann sich nicht nur auf die Administration beschränken.

Da mittlerweile mehr als zwei Monate seit dem Start des Projekts vergangen sind, wird es Zeit auch mal die Spiele zu nennen, die es bisher auf meinen vServer geschafft haben.

Das sind OpenArena, Cube2:Sauerbraten, Teeworlds und XPilot NG.

Doch bevor ich etwas mehr über die bisherigen Favoriten erzähle, wollte ich noch ein paar potentielle Ego-Shooter-Kandidaten vorstellen, die es zwar nicht geschafft haben, weil sie die Kriterien für meinen Spieleserver nicht erfüllt haben, aber auf jeden Fall spielenswert sind.

AlienArena


AlienArena wurde vor acht Jahren zum ersten Mal veröffentlicht und noch immer orientiert es sich am klassischen Science-Fiction-Genre mit dazu passendem Look. Sowohl Spielermodelle und Waffen als auch Texturen und Objekte rufen einen zurück in die Welt der althergebrachten und oft auch etwas trashigen Alienfilme mit Marsianern und ihren übergroßen Köpfen. Die Effekte und Texturen sind detailreicher als bei OpenArena, die Atmosphäre ist dunkel und düster.

AlienArena basiert sowohl auf der Quake II als auch der Quake III Engine, die beide von id Software unter der GPL veröffentlicht wurden.

Der Hauptgrund warum es AlienArena nicht geschafft hat: Man darf das Spiel nur ohne Modifikationen weiterverbreiten und unter dem gleichen Namen, was in Debian gleichbedeutend mit „unfrei“ ist. Außerdem habe ich mit OpenArena schon ein 100 % freies Spiel gefunden, das auf der Quake III Engine basiert.

Verschiedene Spiele haben unterschiedliche Wege eingeschlagen um sicherzustellen, dass ihr „Markenkern“ unangetastet bleibt und Entwickler bei dem Projekt bleiben und es nicht abspalten. In einem späteren Artikel möchte ich näher auf diese Unterschiede eingehen und herausfinden, welche Wege FOSS-Spiele gehen, warum manche 100% frei sind und andere eben nicht und was das für den jeweiligen Erfolg bedeutet hat. Doch für das hier und jetzt heißt es erst einmal zu sagen:

Cooles Spiel, aber kein Gewinner.

Nexuiz


Nexuiz war zuerst in jeder Hinsicht der totale Gewinner. Das Spiel basiert auf einer stark modifizierten Form der ursprünglichen Quake-Engine, die allgemein unter dem Namen Darkplaces-Engine bekannt ist und als Freie Software vorliegt. Nexuiz hat exzellente grafische Effekte, darunter sehr detailreiche Licht- und Partikeleffekte. Texturen und Waffenmodelle sind äußerst sehenswert. Das Beste von allem ist, sie sind ebenfalls unter freien Lizenzen verfügbar.

Das Gameplay selbst ist hart und schnell, wie man das eben aus alten Tagen kennt. Auch das Drum-Herum ist schön gemacht. So gibt es z.B. ein Einführungsspiel mit Tutor und passender Anleitung, das einem sowohl Waffen als auch Bewegungen erklärt.

Der Haken an dem Spiel liegt an den vor zwei Jahren stattgefundenen Entwicklungen in der Nexuiz-Gemeinschaft. Die beiden wichtigsten Programmierer und Anführer, darunter der Macher der Darkplaces-Engine, verließen das klassische Nexuiz-Projekt. Die Rechte an dem Namen Nexuiz wurden an IllFonic verkauft, welches dieses Jahr ein Nexuiz-Remake auf Basis der CryEngine3 für Konsolen auf den Markt gebracht hat.

Große Teile der Nexuiz-Gemeinschaft waren von dieser Entwicklung nicht begeistert und haben daraufhin die Arbeit an Xonotic begonnen, dass die bisherige Arbeit an Nexuiz fortführen soll.

Da Nexuiz kaum noch weiterentwickelt wird und die Zukunft Xonotic gehört, habe ich mich schließlich gegen das Spiel entschieden.

Tremulous


In Tremulous geht es wieder einmal um das klassische Feindbild Aliens gegen Menschen. Das Spiel basiert auf der Quake3-Engine unterscheidet sich aber deutlich von seinem großen Vorbild, indem es die Ego-Shooter-Komponente um einen strategischen Aspekt erweitert. Jede der beiden Fraktionen hat die Fähigkeit Strukturen zu errichten, die für die Verteidigung der eigenen Basis und sogar den gesamten Spielerfolg unabdingbar sind. Hat das gegnerische Team nämlich all diese Objekte zerstört, endet das Spiel. Faszinierend ist auch, dass die Aliens die Fähigkeit besitzen sich an Wänden und Decken festzuhalten. dort entlang zu klettern und damit tatsächlich das Gefühl entsteht als sei man selbst der Hauptdarsteller in einem der besten SciFi-Filme aller Zeiten.

Nachdem ich die Probleme mit dem OpenArena-Server und der „getstatus“-Attacke per Fehlerbericht an Debian gemeldet hatte, stellte sich heraus, dass Tremulous ebenfalls gefährdet war. Daraufhin bot ich dem Paketverwalter an den Patch zu testen. Der Server lief äußerst stabil, zog aber kaum Aufmerksamkeit auf sich. In der Regel finden alle Schlachten auf einigen ausgewählten Servern statt.

Das Hauptproblem bei Tremulous sehe ich in der geringen Bereitschaft der Upstream-Entwickler kleinere Updates zu veröffentlichen. So datiert die aktuelle stabile Version immer noch von 2009. Dieses Zögern verhindert zum einen, dass ein fünf Jahre alter Bug beseitigt werden kann, der Tremulous sogar Einlass in Debians „Main“-Repos verschaffen würde und zum anderen werden Sicherheitslücken wie die „getstatus“-Attacke nicht zeitgerecht beseitigt.

Wenn es da draußen jemanden gibt, der Tremulous gerne weiterhin in Debian und seinen Derivaten sehen will, solltest du dich nun beeilen. Wahrscheinlich schon nächste Woche wird der momentane Paketverwalter beantragen, dass Tremulous aus Debian entfernt wird, weshalb auch dieses interessante Spiel es nicht längerfristig auf meinen Server geschafft hat.

Warsow


Dann wäre da noch Warsow. Während viele Actionspiele versuchen so realistisch wie möglich zu wirken, hat sich die Gemeinschaft rund um Warsow entschlossen auf comichafte Grafiken zu setzen, die mit Hilfe von Cel Shading erzeugt werden. Die Grafikengine basiert auf einer modifizierten Form der Quake-II-Engine namens QFusion.

Genauso wie in Nexuiz gibt es ein einsteigerfreundliches Tutorial, das grundlegende Spieltechniken und Bewegungen erklärt. Warsow legt insbesondere viel Wert auf „Movement“, sprich Sprünge und flüssige Bewegungsabläufe sind ein wesentlicher Schwerpunkt des Spiels. Interessant sind vor allem sogenannte „Wall Jumps“, mit denen die Spielfigur sich auch von Wänden abstoßen kann und somit neue Abkürzungen und Spielmöglichkeiten entstehen. Erwähnenswert ist auch die Einteilung von Munition in schwache und starke.

Das Spiel hat mir gut gefallen, hat sich aber auch nicht durchsetzen können, da es zum einen kürzlich aus den Debian-Repos wegen fehlender Betreuung durch den Paketverwalter entfernt wurde und zum anderen genauso wie Urban Terror oder Alien Arena nicht vollständig als Freie Software vorliegt.

Xonotic

Xonotic ist der direkte Nachfolger des klassischen Nexuiz und wurde auf Grund der oben beschriebenen Differenzen der Gemeinschaft mit den beiden Gründern von Nexuiz ins Leben gerufen. Das Spiel steht vollständig unter der GPL und verwendet weiterhin die Darkplaces-Engine. Es ähnelt in Optik und Gameplay natürlich Nexuiz, setzt jedoch auch eigene Akzente. So werden unter anderem nach und nach Texturen und Spielermodelle verbessert und sogar Fahrzeuge verfügbar sein.

Wirklich bemerkenswert ist aber der Ansatz ein zentrales System zu implementieren, welches jeden Spieler per sicherer Authentifizierung einzigartig erkennbar macht. So können dadurch serverübergreifend Statistiken realisiert werden, aber auch Spieler per ID serverweit bei Verstößen gebannt werden. Die relevante Bibliothek nennt sich d0_blind_id.

Xonotic befindet sich weiterhin in einer Betaphase, ist aber spielbar. Erst seit letztem Monat gibt es erste Bemühungen Xonotic in Debian verfügbar zu machen und ein genauer Plan wurde aufgezeigt, welche Schritte nach und nach erledigt werden müssen. Es sieht demnach aus, dass Xonotic Nexuiz bei Debian irgendwann ablösen wird.

Sobald das Spiel in Debian verfügbar ist, werde ich einen Server aufsetzen. Probleme sehe ich derzeit nur wegen des Ressourcenverbrauchs. Hier muss ich schauen, ob der kleine vServer dieses Spiel noch aufnehmen kann, ohne dass andere Spiele darunter leiden.

Schaut euch den coolen Xonotic-Trailer an, wenn ihr einen ersten Spieleindruck bekommen wollt. Mehr Bilder und Videos gibt es auf xonotic.org. (Ja, das ist tatsächlich ein 100% freies Spiel) 🙂

 

Fazit

Ego-Shooter sind zwar nicht für jeden das richtige Genre. Linux bietet aber Dank id Software und einer Menge Freiwilliger eine Vielzahl an ausgezeichneten Spielen an. Wirklich jedes hier erwähnte Spiel unterscheidet sich sowohl in der Optik als auch im Gameplay und man kann tatsächlich von jeweils eigenständigen und herausragenden Kreationen sprechen.

Dass das noch nicht alles war ist ja klar. (Aber irgendwann ist auch mal Redaktionsschluss). Neben Xonotic favorisiere ich zur Zeit noch Redeclipse als weiteren Kandidaten für den Spieleserver. Dranbleiben. 😉

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