Ubuntu 11.10 in der Nußschale

Ubuntu Oneiric Ocelot ist da, weswegen ich nicht gezögert und ein Update von 11.04 auf 11.10 vollzogen habe. Nach dem Einblick in das leichtere Lubuntu ist mir wieder einmal aufgefallen, welchen großen Unterschied schon der Austausch der Desktopumgebung und das Ersetzen von Standardanwendungen mit ihren leichtgewichtigen Pendants ausmacht. Möglicherweise bedeutet das für meinen angedachten Bild-, Audio- und Videoschnittplatz in Zukunft, dass ich allen Ballast über Bord werfe und nur noch das Notwendigste für diese Aufgaben installieren werde. Aber abwarten, im Moment komme ich nicht dazu die Gedankenspiele umzusetzen und nur theoretisch darüber zu philosophieren bringt auch nichts.

Außerdem ist es ja nicht gerade so als ob der Core-Duo-Rechner wegen Ubuntu am Stock gehen würde und mir ist es selbst mit 64bit noch nie gelungen den RAM komplett auszureizen. Deswegen erst einmal den Updatemanager aufrufen und gespannt Ubuntus Bemühungen verfolgen ein einsteiger- und benutzerfreundliches und vor allem freies Betriebssystem zu erschaffen. Nochmal einen Blick auf Natty Narwal werfen und los gehts.

Das Upgrade auf Oneiric Ocelot verlief vollkommen problemlos. Nur einmal war Interaktion erforderlich als ich aufgefordert wurde das Überschreiben einer Konfigurationsdatei zu bestätigen oder abzulehnen. Nach mehr als 900 MB Download und einer Stunde Installation, einem Neustart und dem obligatorischen

os-prober
update-grub

in meinem Debian Testing Hauptsystem, um das GRUB Menü anzupassen, war 11.04 passé und Oneiric Ocelot betriebsbereit.

Positives

  • Ubuntu 11.10 fühlt sich schneller an. Ich vermute das liegt an einigen Anpassungen am Unterbau wie dem Zurückwechseln zu gtk-window-decorator anstelle von unity-window-decorator. Anwendungen und der Arbeitsflächenumschalter verhalten sich flüssiger. Unity2D ersetzt das alte Gnome als Fallback Mechanimus, sollte die Hardware nicht mitspielen.
  • Unity sieht schöner aus. Augenschmaus ohne Ende. Die Shell hat nun Transparenzeffekte hinzu bekommen. Das durchgehend schwarze Layout ist verschwunden, ebenso wie das eher notdürftig hingepinselte Zusatzmenü, welches nun unter „Suchergebnisse filtern“ mit einem übersichtlichen und zum transparenten Thema passenden ersetzt worden ist.
  • In der rechten Ecke des Panels hat man nun Zugriff auf die wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten des Systems und kann von dort auch den Rechner ausschalten oder den Benutzer wechseln.
  • Neue Anwendungen: Thunderbird ist der standardmäßige E-Mail-Client, die Videosoftware Pitivi ist rausgeflogen, LightDM ersetzt GDM, déjà dup bietet nun eine integrierte Backuplösung und insbesondere Ubuntus Softwarecenter wurde rundherum erneuert. Es nimmt immer mehr die Gestalt eines AppStore an und wird in Zukunft weitere kostenpflichtige Angebote beinhalten. Prinzipiell finde ich die Idee gut, es gibt nichts gegen ein paar kommerzielle Angebote einzuwenden. Wichtig ist nur, dass die Angebote auch tatsächlich lohnenswert sind und das Softwarecenter klar zwischen Freier und Unfreier Software trennt.
  • OneConf ist ein im Softwarecenter integriertes Feature, mit dem sich speziell für Ubuntunutzer Einstellungen und die Liste der Anwendungen sichern und auf andere Computer mit Ubuntu intuitiv übertragen lässt. Ein Angebot für alle, die eine integrierte Lösung zum Backup ihres Systems suchen und für die Keep it simple, Clonezilla oder The Debian Way noch nicht das Wahre ist.
  • Die neuen Hintergrundbilder sind wieder einmal hervorragend gelungen.
  • Die Suche in der Dash mit Hilfe von Zeitgeist kommt gut voran. Man kann jetzt langsam erahnen wie die vollständige Funktion in der Zukunft aussehen wird, wenn man Dokumente, Musik, Kontakte und Soziale Netzwerke zentral mit Hilfe einer Zeitleiste durchsuchen kann.
  • Ubuntu 11.10 führt den im Debian-Projekt vorangetriebenen Multiarch-Support ein.

Negatives

  • Unity lässt sich immer noch nur begrenzt mit dem CompizConfig-Einstellungsmanager modifizieren. Optionsmöglichkeiten um Aussehen und Verhalten der Shell zu ändern sind nicht zu erkennen.
  • Achja, wie wäre es schön, wenn es eine offensichtlichere Möglichkeit gäbe die Icons auszutauschen. Wer vergebens unter Systemeinstellungen gesucht hat, kann das Iconthema mit Hilfe des dconf-editor verändern, was auch schon mit Ubuntu 11.04 funktioniert hat. Die Option ist dort versteckt unter org->gnome->desktop->interface, wo man nach icon-theme suchen muss. Welche Icons installiert sind, findet man durch einen Blick in /usr/share/icons heraus. Mehr Tipps und Tricks um Ubuntu 11.10 zu tweaken, gibt es bei webupd8.org.
  • Die Einträge zum globalen Menü erscheinen weiterhin erst, wenn man mit der Maus darüber fährt. Mir würde es besser gefallen, wenn es wie bei MacOS einfach permanent zu sehen wäre.

Die gesamten Veränderungen in 11.10 finden sich auch in den offiziellen Release Notes.

Oneiric Ocelot wirkt an vielen kleinen Stellen verbessert und runder, ohne dass es erneut einen großen Bruch wie bei 11.04 gegeben hätte. Ubuntus Marschrichtung ist klar. Nach jahrelangen Investitionen soll Ubuntu in Zukunft endlich Gewinne abwerfen, weswegen Dienste wie UbuntuOne, der MusicStore und das Software Center Schritt für Schritt ausgebaut werden. Kein wirklich überraschender Zug und sicherlich auch nicht der Untergang von Linux, wenn wie bisher die Wahlmöglichkeiten erhalten bleiben.

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