Debian-Derivate sauber und minimal halten

Jedes auf Debian basierende System lässt sich mit dem Paketmanager apt spielend leicht an die eigenen Bedürfnisse anpassen. In der Regel reicht täglich ein

aptitude update
aptitude safe-upgrade

um das System auf dem aktuellen Stand zu halten. Gerade wenn man aber regelmäßig Anwendungen auf einem sich häufig ändernden Debian Unstable oder Testing installiert oder deinstalliert, können mit der Zeit ein paar verwaiste Bibliotheken zurückbleiben, die keinem Programm mehr zugeordnet werden können.

Um Platz zu schaffen oder seine Installation einfach nur sauber zu halten, gibt es für dieses Problem zwei Debianprogramme.

  1. deborphan
  2. debfoster

Deborphan bringt das textbasierte Programm orphaner mit, welches als Supernutzer Root ausgeführt werden kann. Orphaner findet alle verwaisten Bibliotheken, die sich mit einem Druck auf die Space-Taste zum Deinstallieren auswählen lassen.

Debfoster hingegen führt man am besten einmal nach einer Minimalinstallation mit Debian aus und wählt alle dann installierten Pakete als erwünscht aus. Kommen später neue Pakete dazu und wird debfoster erneut aufgerufen, werden die vorher bestätigten Pakete nicht noch einmal zur Auswahl gestellt und man muss sich nur noch entscheiden, ob man die neuen behalten oder deinstallieren möchte.

Beide Programme interagieren im Prinzip nur mit apt und vereinfachen die Suche nach bestimmten Paketen und das Löschen derselben.

Empfohlene Pakete nicht mitinstallieren

Seit Squeeze werden empfohlene Pakete automatisch bei der Auswahl eines Pakets mitinstalliert. In der Regel hat das keine Nachteile, sondern ist einfach ein sinnvoller Bequemlichkeitsfaktor. Anstatt sich darum zu kümmern, welche weiteren Programme im Zusammenhang mit Paket X noch sinnvoll sind, nimmt apt einem diese Aufgabe einfach ab.

Manchmal möchte man aber tatsächlich selbst bestimmen, welches Paket wirklich gebraucht wird und auf einem absoluten Minimalsystem ist es deswegen oft besser das automatische Installieren der empfohlenen Pakete zu deaktivieren.

Dazu muss folgende Zeile in der /etc/apt/apt.conf nachgetragen werden.

APT::Install-Recommends „false“;

Möchte man lieber von Paket zu Paket entscheiden, ob man empfohlene Pakete mitinstallieren möchte, geht das am einfachsten mit der Option -R, z.B.

aptitude -R install surfraw

Hier wird zwar das Paket surfraw installiert, das empfohlene und mehrere Megabyte große surfraw-extra aber nicht. Natürlich lässt sich der Schuh auch anders herum aufziehen. Man kann standardmäßig das Installieren empfohlener Pakete in der apt.conf deaktivieren und dann wieder je nach Paket entscheiden

aptitude -r install surfraw

Man beachte hier nun das kleine r. Übrigens lässt sich als normaler Benutzer das Installieren und Deinstallieren von Paketen simulieren. Hierzu gibt es den Schalter -s, z.B.

aptitude -r -s install surfraw

6 Replies to “Debian-Derivate sauber und minimal halten”

  1. Bei einem Debian Testing oder Unstable sollte man allerdings immer ein aptitude full-upgrade, bzw, ein apt-get dist upgrade ausführen.
    Nutzt man lediglich ein aptitude safe-upgrade, bzw. apt-get upgrade wird es über kurz oder lang zu Abhängigkeitsproblemen kommen.

    1. Mit full-upgrade sollte man vorsichtig sein. Der Versuchung bin ich z.B. bei meinem Testing System erlegen und habe mir dadurch die seahorse-plugins, also Verschlüsselung innerhalb von Nautilus, deinstalliert. In Gnome 3 scheint das irgendwie anders bereitgestellt zu werden. Deshalb empfehle ich immer genau zu prüfen, was aptitude full-upgrade vorhat und ggf. auch mal andere Lösungsvorschläge von apt auszuprobieren. Manchmal lohnt sich auch einfach nur zu warten und ein neues Paket löst das Problem auf.

  2. In Testing fließen aber eben auch ständig neue Pakete und neue Versionen ein. Die bekommt man aber nicht, wenn man nie ein volles Upgrade macht, dass heißt, Testing ist dann nicht mehr Testing, sondern Pakete veralten. Das ist ja nicht Sinn der Sache. Bei unstable ist das noch ausgeprägter.

    Daher ist es eigentlich üblich, bei diesen Zweigen immer full, bzw. dist-upgrades zu machen.

    safe-upgrade ist eigentlich nur für Stable gedacht.

    Wenn sich Abhängigkeiten ändern, kann es natürlich auch vorkommen, dass Pakete deinstalliert werden. Das ist aber normal, Testing ist eben nicht Stable, da ändert sich schon mal was. Verhindert man diese Änderungen, indem man immer nur safe-upgrades macht, macht man sich auf Dauer das System kaputt.

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