Chakra: Energie mit Arch Linux und KDE

Vor einigen Tagen bin ich abtrünnig geworden und habe mir die Linuxdistribution Chakra GNU/Linux angeschaut, die sich vollkommen auf den KDE-Desktop konzentriert. Dabei hatte ich mich schon auf einen waschechten Verriss gefreut, denn Chakra verhielt sich äußerst merkwürdig in meiner Virtualbox Testumgebung. Zwar kam ich bis zum Login und konnte mich nach kurzer Suche nach dem Passwort im Internet auch einloggen, doch dann landete ich prompt wieder beim Loginmanager KDM. Der obligatorische MD5-Checksummen-Test konnte auch keine Fehler mit der ISO-Datei feststellen, weshalb ich noch einmal genauer nachforschte und die Systemvoraussetzungen fand.

Für eine Installation aus Virtualbox dürfen es schon mal 1 GB sein, auf jeden Fall war RAM die Ursache allen Übels. Natürlich war das mit dem Core Duo nicht wirklich eine Herausforderung und zur Sicherheit aktivierte ich auch gleich noch mal die 3D-Beschleunigung in Virtualbox. Danach war es kein Problem in die Live Umgebung zu gelangen. Später brannte ich das ISO auf eine CD, von der sich problemlos starten ließ. Die Benutzer sind übrigens „live“ und „root“ mit den gleich lautenden Passwörtern.

Das Chakra-Projekt entstand irgendwann im Jahr 2009 mit dem Ziel eine auf Arch Linux basierende KDE-Live-CD zu entwickeln. Später hat man sich entschieden eigenständig zu werden und sich von Arch Linux abzukoppeln, der Chakra GNU/Linux Fork war entstanden.

Die auffallendsten Merkmale der Live-CD entdeckte ich schon beim Booten. Chakra lässt dem Nutzer ausdrücklich die Wahl, ob er mit freien oder unfreien Treibern starten möchte. Danach ging es schnell direkt in den sehr ansprechend gestalteten KDE Plasma Desktop. Man kann über KDE vieles sagen, mangelhafte Optik assoziiere ich aber nicht damit.

Als ich später Chakra auch noch einmal auf CD brannte und ausführte, fiel der Ressourcenverbrauch von KDE nicht weiter ins Gewicht. Alle Programme hatten eine angenehme Startzeit und insgesamt ließ sich der gesamte Desktop flüssig bedienen.

Interessant ist der Spagat, den die Entwickler versuchen zu erreichen. Zum einen soll der Unterbau nach dem K.I.S.S. Prinzip wie bei Arch Linux gestaltet sein und technisch immer die einfachste Lösung gefunden werden. Zum anderen soll vermieden werden weitere Zwischenschichten einzubauen, die die Komplexität des Gesamtsystems weiter erhöhen und dennoch ein für das Auge wohlgefälliges Betriebssystem entwickelt werden.

Chakra ist kein reines „Rolling Release“ System. Die wichtigsten Systemkomponenten wie z.B. der X-Server werden in einem Core Release stabil gehalten, d.h. erst nach einer längeren Testphase für ein Update frei gegeben, wodurch sich die Entwickler einen besseren Kompromiss zwischen Stabilität und aktueller Software erwarten.

Chakra bietet einige eigenentwickelte Werkzeuge an, darunter das Vorzeigeprojekt Tribe, ein auf QT4 basierender grafischer Installer, der im Hintergrund aber Bashskripte nutzt. Rein optisch gesehen ist Tribe bisher das Beste, was ich in dieser Form für den Linux-Desktop gesehen habe.

Natürlich könnte ich nun auch ätzen, inwiefern solche Optik nötig ist, wenn das automatisch nicht so leistungsfähige Hardware aussperrt. Schöner Schein für altbekannte Konfiguration? Gut, man muss klar sagen: KDE 4 ist wie das neue GNOME 3 keine echte Alternative für ältere Hardware, also für alle Pentiums, die einmal mit weniger als 512 MB RAM zu Recht kamen, aber immer noch wesentlich reaktionsfreudiger und leistungsfähiger als bekannte proprietäre Betriebssysteme.

Chakra und KDE möchten es aber auch nicht allen Recht machen. Entscheidet man sich für die beiden gibt es einen grafisch aufpolierten Desktop, mit dem jeder halbwegs moderne Rechner ohne Probleme nutzbar bleibt. Wer gerne bekannte GTK-Programme wie z.B. Gimp einsetzt, muss bei Chakra darauf auch nicht vollkommen verzichten. Zwar lautet die Devise: Keine GTK-Anwendungen, nur QT. Doch mit Hilfe vorgefertigter „Bundles“ lassen sich diese KDE fernen Vorzeigeprojekte ebenso leicht auch bei Chakra installieren. Das Ganze ist eine Mischung zwischen den bei MacOS bekannten .img Dateien und einem abhängigkeitsauflösenden System wie bei Linux.

Viele weitere Informationen findet man bei Chakra entweder im Wiki oder im Forum. Leider gibt es dort noch viele Dokumentation nur in englischer Sprache. Wie bei allen Open-Source-Projekten wächst aber der Sprachumfang mit der Anzahl der Benutzer. Vergessen darf man auch nicht, dass Chakra nach wie vor im Alpha-Stadium ist und sich in Entwicklung befindet. Beschützt eure Hamster!

An Programmen kann man aus dem reichen Fundus des KDE-Projektes auswählen und natürlich durfte auch der gefühlt 23. Webkit-Browser namens rekonq nicht fehlen.

In jedem Jahr probiere ich immer mal gerne 2-3 Distributionen mit KDE-Desktop aus, nur um der alten Zeiten willen. Realistisch gesehen gibt es eine Grenze wie viele verschiedene Desktopumgebungen man tatsächlich nutzen möchte und kann. Um wirklich alle jederzeit präsent zu haben, müsste sich mein Hardware-Arsenal mindestens verdreifachen.

Auch wenn es wohl in Zukunft Gnome 3 mit Debian Testing auf meinem Multi-Boot-System werden wird, es war wieder mal nett einen Blick auf KDE zu werfen. Optisch hat es nach wie vor eine Menge zu bieten und wie oft schon erwähnt, das Gute an Linux ist: Die Wahl zu haben.

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