Wie alles begann

Irgendwann im Jahre 2001 brachte der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen. Ich war bis dahin stolzer Besitzer eines typischen Komplett-PCs von der Stange mit einer für damalige Verhältnisse superschnellen GeForce-2-Grafikkarte, die man heute nicht mal mehr als Briefbeschwerer nutzen würde.

Ebenfalls typisch für die Zeit war das Betriebssystem Windows 98, mein erster Schritt in das große Internetzeitalter. Ich glaube damals war es noch normal, dass man mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Programme zum Registry säubern, Viren vernichten und Adware entfernen installiert hatte. Irgendwo auf der Festplatte gab es einen Ort, wo man regelmäßig die neuesten Versionen diverser Freeware- und Sharewareprogramme aus dem Netz sammelte und einen Extra-Ordner nur für Videocodecpacks angelegt hatte.
Es war die Zeit als ein Browser namens Netscape dem Internet Explorer verstärkt Konkurrenz machte. Es war die Zeit des Bluescreens. Besonders immer dann, wenn man gerade bei CS 1.3 einen 10:0 Lauf hatte…
Nachdem die Entropie des Chaos beinahe stündlich auf meinem PC zuzunehmen schien, kam in mir die verzweifelte Frage auf: „War das alles, gibt es keine Alternative?“

Irgendjemand hatte mal von einem anderen Betriebssystem namens Linux gesprochen. Dies sei kostenlos und Open Source, so mit grafischer Oberfläche und Programmen wie bei Windows. „Aha, und wo kann man das herunterladen?“ „Da gibt es verschiedene Distributionen von“ „Distrib…wie bitte?“

Mit ziemlicher Sicherheit suchte ich damals unter anderem mit Suchbegriffen wie „Was ist die beste Linux-Distribution“. Ich war ziemlich ahnungslos, wo nun die Vor- und Nachteile zu suchen waren. Jeder hatte eine andere Meinung, also musste ich zwangsläufig alle ausprobieren.

Die Suche nach Informationen zu Linux setzte sich bis in das Jahr 2002 fort. Meine ersten Distributionen waren RedHat Linux (heute Fedora), SuSe Linux, Mandrake (heute Mandriva) und Debian GNU/Linux. Am meisten lernte ich zuerst von RedHat und SuSe. Bis heute setzen beide auf das RPM-Format zum Installieren von Programmen. Dass sich plötzlich alles zentral über einen Paketmanager verwalten ließ, war ein Quantensprung.

RedHat konzentrierte sich damals auf die Gnome-Desktopumgebung während SuSe KDE bevorzugte. An Gnome mochte ich die Übersichtlichkeit, da aber zu dieser Zeit viele Programme noch mit GTK1-Bibliothek existierten, war das Erscheinungsbild gewöhnungsbedürftig. Lediglich bei Mandrake hatte ich immer das Gefühl, dass hier am besten mit der Konfiguration von Schriften und Aussehen umgegangen wurde.

Deswegen war ich auch anfangs bekennender Fan von KDE, das damals einfach besser aussah und auch viele nützliche Programme hatte, die ich in dieser Form bei Gnome vermisste. Dies änderte sich später mit Debian und Ubuntu wieder und heute ist meine Rundum-Sorglos-Desktopumgebung wieder Gnome, obwohl Xfce und vor allem die reinen Fenstermanager Openbox, Fluxbox und Awesome auf älterer Hardware klar vorne liegen.

Wie schon erwähnt setzte SuSe auf KDE, weshalb ich anfangs viel mit dieser Distribution experimentierte. Das zentrale Konfigurationswerkzeug YAST stach bei SuSe sofort ins Auge. Als Newbie wusste man bei SuSe sofort, wenn man etwas ändern möchte, muss man YAST benutzen. Da aber nie auf Anhieb alles klappte und viele Anleitungen im Netz immer vorschlugen irgendetwas an der Textdatei xy zu ändern, war man bei YAST aufgeschmissen, wenn mal etwas nicht funktionierte.

Zur damaligen Zeit wurden die meisten Infos zu Linux auf privaten Heimseiten und in Foren gesammelt und wissenswerte Informationen gab es meistens nur in Englisch. Auch in dieser Hinsicht punktete SuSe, denn die Kaufversion enthielt eine gute Dokumentation, die viele Fragen beantwortete.

Jep, ich kaufte mir SuSe Linux. Auch heute bin ich der Überzeugung, dass es kein Widerspruch ist für freie Software Geld auszugeben und die Ausgabe war es sicher wert. Und wenn wir gerade von Geld ausgeben sprechen, auch einen dicken Wälzer zu Linux kaufte ich mir. Michael Koflers Linux-Bibel steht bei mir noch heute in der 6. Auflage im Schrank. Als Nachschlagewerk würde ich es selbst heute noch empfehlen, auch wenn viele Informationen natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Sicher gibt es mittlerweile aber schon eine viel aktuellere Auflage.

Dann kam irgendwann der Tag, an dem ich auf einer Netzwerkparty in die Geheimnisse von Debian GNU/Linux eingeweiht worden bin. *epische Musik im Hintergrund*
Anfangs konnte ich mit Debian wenig anfangen, da insbesondere das Installationsprogramm dselect Guru-Kenntnisse voraussetzte und die Bedienung im Gegensatz zu anderen Linux-Distributionen wenig intuitiv war. Heutzutage hat sich das Bild vollkommen gewandelt, der debian-installer ist logisch und leicht zu bedienen und ist einer der vielen Stärken von Debian geworden.
Auf der LAN-Party lernte ich dann mit apt umzugehen inklusive dist-upgrade auf sid und wie man den Kernel selbst baut. Alles andere war ja langweilig 🙂

Entscheidender war, dass ich mit Debian zum ersten Mal eine Distribution gefunden hatte, wo man nach einiger Zeit sofort wusste, an welcher Stelle man suchen musste, wenn etwas nicht so funktionierte, wie man es erwartete. Mit apt wurde das Ausprobieren neuer Software zum Kinderspiel und wenn Debian läuft vergisst man schnell, warum es früher notwendig war den PC zig mal neuzustarten nur um ein Update aufzuspielen.

Heute würde ich jedem Linux-Neugierigen Ubuntu als Einstieg empfehlen und danach Debian zum Vertiefen. Vor allem gibt es mittlerweile viele gute Wikis und Informationen, die den Umstieg auf Linux einfach machen.
Danach sollte man sich auf jeden Fall einmal umschauen, was es sonst noch so gibt, denn es gibt noch ca 300-400 Distributionen zum Ausprobieren 😉

Momentan ist Ubuntu auf meinem Intel Core Duo Rechner installiert. Mit Debian experimentiere ich zur Zeit am meisten. Aber insbesondere kleine Distributionen wie z.B. Slitaz, die selbst noch einen alten Toshiba 220 CS zum Laufen bewegen, werden für mich immer interessanter. Dazu später mehr.

Achja und last but not least, LinuxMintDebian wird derzeit in Virtualbox getestet. Je nach dem wie sich Ubuntu mit der nächsten Version entwickelt, wage ich den Umstieg auf LMDE. Wer rastet, der rostet 🙂

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