Ubuntu, Xubuntu und Debian Etch auf Dell Inspiron 4000

Vor wenigen Wochen habe ich einen gebrauchten Dell-Inspiron-4000-Laptop mit vorinstalliertem Debian 4.0 und Gnome-Desktop erworben. Da zu dieser Zeit gerade Ubuntu 8.04 erschienen ist, wollte ich die neue Distribution gleich auch mal auf Stabiliät und vor allem Geschwindigkeit auf diesem älteren Dell-Laptop-Modell testen. Am Ende stand dann der Vergleich zwischen Ubuntu 8.04, seinem Derivat Xubuntu mit XFCE-Desktop und der aktuellen stabilen Version von Debian Etch mit Gnome bzw. Xfce Desktop

Der Dell Inspiron hat folgende Merkmale:

  • Intel Celeron (Coppermine) 800 MHz CPU
  • bei Ubuntu und Xubuntu 8.04 und Debian Etch mit Gnome Desktop erst 128 MB, später 256 MB RAM
  • ATI Rage Mobility M3 2x AGP Grafikkarte
  • ESS Technology ES19835 Maestro Soundkarte
  • Agere Systems WinModem 56k
  • 1x USB 1.0 Anschluss
  • 2x PCMCIA Slots
  • 30 GB Festplatte
  • Der Laptop Bildschirm erlaubt eine maximale Auflösung von 1400×1050 Pixel

Downloads für Ubuntu 8.04, Xubuntu 8.04 und Debian 4.0 mit XFCE Desktop gibt es auf den verlinkten Seiten.

Update: Einen aktuelleren Leitfaden für den Inspiron 4000 und eine reine Debian Installation habe ich hier veröffentlicht.

Die alternative Installation mit Ubuntu und Xubuntu unterscheidet sich kaum voneinander. Beide setzen auf den debian-installer. Die Alternate-Installation ist sehr intuitiv und wird gut auf www.ubuntuusers.de beschrieben. Da ich auf dem Laptop keine verschiedenen Partitionen einrichten wollte um mehrere Betriebssysteme nebeneinander zu installieren, wählte ich bei der Partitionierung immer die geführte Installation und das vollständige überschreiben der vorhergehenden Distribution aus. Der debian-installer richtet dann automatisch nur eine Root-Partition und eine Swap-Partition ein.

Sowohl bei Ubuntu 8.04 als auch bei Xubuntu 8.04 gab es während des Installationsvorganges keine Beanstandungen. Lediglich Geduld sollte man mitbringen. Bei 128 MB RAM dauerte die Installation bei Ubuntu knapp 90 Minuten, bei Xubuntu nur unwesentlich weniger lang. Auch mit 256 RAM installierte sich Debian Etch später nicht unbedingt schneller.

Nach dem Neustart gab es dann die erste Überraschung. Bei allen drei Installationen wird die Grafikkarte nicht richtig erkannt bzw. die Bildschirmanzeige falsch eingerichtet. Nach einem Wechsel mit STRG+ALT+F2 auf die Konsole hilft in so einem Fall dann meist mit

sudo dpkg-reconfigure xserver-xorg

den XServer neu zu konfigurieren und die xorg.conf neu zu erstellen. Leider konnte ich mit Ubuntu und Xubuntu nur Tastatur und Mauskonfiguration vollenden, die Grafikeinstellung zu ändern war nicht möglich. Um das Problem zu lösen, muss man also die xorg.conf selbst bearbeiten und die nötigen Änderungen vor allem an der vertikalen und horizontalen Bildwiederholungsrate vornehmen. Bei Ubuntu/Xubuntu ließ sich das Problem schließlich aber auch so lösen:

sudo vim /etc/X11/xorg.conf

unter Section “Device” bei Driver “ati” eintragen

sudo /etc/init.d/gdm restart

eingeben, XServer neustarten und zurück wechseln mit STRG+ALT+F7.

Nun erscheint ein Auswahldialog um die Einstellungen zu vervollständigen. Dort sollte man nun noch einmal den ATI-Treiber wählen und die maximale Bildschirmauflösung von 1400×1050 Pixel einstellen. Anschließend startet Ubuntu/Xubuntu den XServer mit den richtigen Einstellungen neu.

Mit Debian Etch funktionierte dpkg-reconfigure xserver-xorg als root ohne Probleme. Nachdem man dort ebenfalls ati als Treiber ausgewählt hat, wird eine korrekte xorg.conf erzeugt und der XServer startet ohne Probleme neu.

Ubuntu 8.04 mit Gnome 128MB RAM

Sehr positiv ist, dass die Hardwareerkennung ansonsten einwandfrei verlaufen ist. Alle Hardwarekomponenten wurden automatisch erkannt. Meine eingesteckte WLAN-Karte wgt511t von Netgear mit Atheros-Chipsatz funktionierte direkt nach der Installation. Lediglich mein wgt624-Wlan-Router von Netgear wollte nicht ganz mitspielen. Trotzdem alle Wlan-Einstellungen aktiviert waren und auch die WLAN-Karte den Accesspoint anzeigte, konnte keine Verbindung hergestellt werden. Nach stundenlangem Rumprobieren brachte dann ein einfaches Ein-und Ausschalten des Routers die Lösung. Wer später seine WLAN-Karte mit Atheros-Chipsatz installieren möchte, muss das Paket linux-restricted-moduls installieren.

Bei Verwendung eines Gnome-Desktops werden mindestens 256 RAM empfohlen. Das machte sich dann auch bei lediglich 128 MB bemerkbar. Ubuntu musste permanent Daten auf die Swap-Partition auslagern, was natürlich das gesamte System verlangsamte. Im Gegensatz zur ursprünglichen Debian-Etch-Installation mit Gnome war Ubuntu 8.04 wegen des geringen RAM-Speichers noch etwas träger lief aber ansonsten sehr stabil.

Xubuntu 8.04 mit Xfce Desktop

Hier gab es bei der Hardwareerkennung nach dem ATI-Problem ebenfalls nichts zu bemängeln. Selbst mit 128 MB RAM reagierte der Dateimanger Thunar sowie andere Xfce-Anwendungen sehr schnell. Gegenüber Debian Etch und Ubuntu mit Gnome-Desktop kam Xfce mit den 128 MB deutlich besser zurecht, Daten mussten aber immer noch auf die Swap-Partition ausgelagert werden. Leider funktionierte die Konfiguration der WLAN-Karte mit NetworkManager bzw. WIfiRadar überhaupt nicht. Nach der Deinstallation beider Anwendungen und manueller Konfiguration von /etc/network/interfaces und wpa_supplicant.conf klappte später zwar die Netzwerkkommunikation, das System wurde aber instabil und fror nach einiger Zeit komplett ein. Mit 256 MB RAM lief Xubuntu später flüssig und auch mehrere Anwendungen gleichzeitig ließen sich noch angenehm bedienen.

Debian Etch mit Xfce Desktop

Hier gefiel mir sofort die Anordnung und das Aussehen des Xfce-Panels und -Menüs gegenüber Xubuntu sehr gut. Die Geschwindigkeit gegenüber Xubuntu mit 256 MB RAM ist ebenfalls noch ein Stück besser. Gibt man top in die Konsole ein, bemerkt man deutlich weniger tasks als dies bei Ubuntu oder Xubuntu der Fall ist. Die Stärke von Ubuntu durch im Hintergrund laufende Prozesse auf neueren Systemen für sehr viel Benutzerfreundlichkeit zu sorgen, führt bei schwächerer Hardware eher zu langsameren Ladezeiten und wirkt sich daher kontraproduktiv aus. Debian holt hier meiner Meinung nach für das alte Dell-Notebook mehr an Desktopgeschwindigkeit heraus. Lediglich die Installation des WLAN-Treibers war etwas aufwendiger, aber in wenigen Schritten erledigt. Dazu in einem anderen Eintrag später mehr.

Debian setzt bei Xfce etwas andere Schwerpunkte und installiert Openoffice vor während Xubuntu Abiword bevorzugt. Nach der Installation lassen sich aber wie bei Debian Systemen gewohnt beide Distributionen leicht über apt erweitern und anpassen.

Fazit:

Eine grafische Oberfläche mit Gnome auf einem Dell Inspiron 4000 mit weniger als 256 MB RAM zu betreiben macht kaum Sinn. Xfce ist dafür schon wesentlich besser geeignet, wobei man dort aber Abstriche beim Bedienungskomfort machen muss. Richtig interessant wird es erst ab 256 RAM, wobei mir hier Debian Etch mit Xfce durch mehr Geschwindigkeit besser als Xubuntu gefällt.

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