GPA oder Nautilus-Actions: Dateien intuitiv mit GnuPG verschlüsseln

Die seahorse-plugins waren früher für mich immer der Garant dafür, dass ich mit einem simplen Rechtsklick in Nautilus eine Datei ganz leicht mit GnuPG verschlüsseln oder entschlüsseln konnte. Wie im letzten Beitrag zu Gnome 3 erwähnt, dauert es mit der Wiedereinführung dieses Pakets noch bis Gnome 3.4. Zwar lassen sich die wichtigsten GnuPG-Kommandos auch schnell in der Konsole ausführen, ein grafisches Frontend für die Gnome-Desktopumgebung macht den Umgang mit den vielfältigen Optionen aber deutlich bequemer. Wer nicht warten möchte, hat eine Reihe von Alternativen. Für mich funktionieren die folgenden ganz gut.

Gnu Privacy Assistant (GPA)

Eine Möglichkeit viele Dateien auch mit verschiedenen Schlüsseln bequem mit Hilfe eines grafischen Frontends zu verschlüsseln, bietet das Programm Gnu Privacy Assistant kurz GPA genannt. Im Prinzip lässt es sich wie ein gewöhnlicher Dateimanager bedienen. Zu verschlüsselnde Dateien werden über den „Öffnen“-Dialog importiert, wonach man sie signieren, verschlüsseln und natürlich auch wieder entschlüsseln kann. GPA verwendet dabei die modularisierte und erweiterte Version 2 der GnuPG Software.

Nautilus Actions

Mit der Anwendung Nautilus-Actions lassen sich zusätzliche Menüeinträge zu Nautilus hinzufügen. Sie wird entweder als externes Programm in der Gnome-Shell oder mit dem Befehl nautilus-actions in einem Terminal gestartet. Mit dieser Erweiterung zum Dateimanager Nautilus ist es möglich angepasste Befehle, Funktionen und sogar Skripte an einen Menüeintrag zu binden.

Aktion definieren


Zuerst wird unter dem Reiter Aktion der Kontextbezeichner für den zukünftigen Menüeintrag festgelegt. In diesem Fall also Verschlüsseln oder Entschlüsseln. Zusätzlich lässt sich noch ein Symbol definieren, welches als Miniaturausgabe neben dem Eintrag erscheinen soll.

Befehl festlegen


Um GnuPG bedienen zu können und die Passwortabfrage möglich zu machen, habe ich mich entschieden meinen Terminalemulator rxvt-unicode zu benutzen. Im Prinzip ist es der gleiche „Trick“ wie bei den „Benutzerdefinierten Aktionen“ in Thunar, den ich im Beitrag zu GnuPG vorgestellt habe. Eigentlich hätte ich erwartet, dass dieses Verhalten standardmäßig von Nautilus-Actions unterstützt wird oder sich zumindest unter dem Reiter Ausführung festlegen lässt. Leider funktionierte das so bei mir aber nicht.
Als Pfad trägt man /usr/bin/urxvt oder den für den eigenen Terminal entsprechenden Namen ein und als Parameter dann -e sh -c "gpg -ser 11111111 %f"
Dabei muss für 11111111 natürlich euer GnuPG-Schlüsselwert stehen. Die restlichen Einstellungen kann man für „Verschlüsseln“ so belassen. Der Eintrag erscheint dann bei jeder Datei und mit einem Klick darauf wird gpg in rxvt-unicode ausgeführt. Dateien werden sowohl signiert als auch verschlüsselt. %f ist der Platzhalter für die Datei.

Entschlüsseln nur für gpg und pgp Dateien anzeigen

Der Parameter für den Entschlüsseln Eintrag im Reiter Befehl sieht bei mir so aus. -e sh -c "gpg -o %w -d %f"
Dadurch erhält die entschlüsselte Datei auch wieder ihren Originalnamen (%w). Damit der Eintrag nur bei *.pgp und *.gpg Dateien angezeigt wird, müssen unter dem Reiter Basisnamen und MIME-Typen zwei Filter angelegt und die Option „Muss einem entsprechen“ bei beiden ausgewählt werden.
Für Basisnamen

*.pgp
*.gpg

Für MIME-Typen

application/pgp
application/gpg

Nützliche Links

Viele vorgefertigte Schemata gibt es auf der Entwicklerseite. Diese lassen sich direkt in Nautilus-Actions importieren. Ebenfalls nützlich ist der Blogeintrag auf upubuntu.com, der Schritt für Schritt mit Bildern zeigt, wie man z.B. den shred-Befehl in das Nautilusmenü einbindet.

Debian Testing: Leb wohl Gnome 2, Willkommen Gnome 3

Am 08. November 2011 landete schließlich Gnome 3.0 beinahe vollständig (nautilus-dropbox erreichte mich gestern) in Debian Testing und damit auf dem Core Duo. An diesem Tag sollten über 100 Pakete aktualisiert oder installiert werden, wozu ein full-upgrade mit aptitude nötig war. Der ganze Vorgang verlief bei mir vollkommen reibungslos.

Gnome 3 ist da

Der Post ist etwas ausführlicher geworden als geplant und speziell für Debiannutzer gedacht, die erst seit kurzem mit Gnome 3 konfrontiert werden. Der Beitrag zeigt Alternativen zu Gnome 3 auf, meine ersten Erfahrungen und Schritte mit der neuen Desktopumgebung sowie einige Hinweise zum Entwicklungsstand spezieller Gnome-3-Pakete in Debian. Viel Spaß.
Bevor ich nun ein paar Worte über das neue Gnome 3 in Debian Testing verliere, hier gleich das Wichtigste für alle Gnome-2-Fans vorne weg. Solltet ihr längere Zeit kein Upgrade gemacht haben, Vorsicht, Gnome 3 ersetzt Gnome 2 in Testing komplett, eine beschauliche Koexistenz ist leider nicht möglich. Wer auf gar keinen Fall upgraden will hat folgende Optionen zur Hand:

Lang lebe Gnome 2!

  1. Debian Squeeze. Wer ohne das richtige Gnome 2 nicht leben kann, hat nur eine ernsthafte Alternative (ist alternativlos sozusagen) – der Wechsel zu Debian Stable. Was Debian immer von allen Desktopbenutzern angekreidet bekommt, entpuppt sich hier als zusätzliche Stärke. Die Gnomepakete sind nicht etwa veraltet, sondern genau auf dem Stand (2.32), woran Milliarden von Menschen beinahe 10 Jahre lang gearbeitet haben. Und das Beste: Gnome 2 wird noch mindestens bis 2013 unterstützt und wer sich dann weigert ein Upgrade zu machen, kommt noch einmal für ein weiteres Jahr in den Genuss von Gnome 2 in Oldstable Squeeze. Sprich Support und Sicherheitsaktualisierungen bis 2014. Außerdem wird es keine Gnome-3-Backports für Squeeze geben. Denkt darüber nach.
  2. Den Ausweichmodus benutzen. Na gut, es gibt doch ein paar Alternativen. Gnome 3 wird mit einem sogenannten Ausweichmodus ausgeliefert, der dazu gedacht ist Leuten mit Hardware- oder Treiberproblemen dennoch eine grafische Desktopumgebung zur Verfügung zu stellen. Praktischerweise bietet Debian direkt beim Login mit Hilfe von GDM3 die Möglichkeit sich zwischen dem neuen Gnome und diesem Fallbackmodus zu entscheiden. Dieser sieht dem alten Gnome 2 verblüffend ähnlich und lässt sich über das Gnome Tweak Tool (dazu später mehr) auch optisch über Themen anpassen.
  3. Eine andere Desktopumgebung muss her. Wenn dich das alles nicht überzeugt hat und du bei Debian Testing/Sid bleiben willst, kommt nur der Wechsel der Desktopumgebung in Frage, was bei auf Debian-basierenden Systemen nicht schwierig zu verwirklichen ist. Als Alternativen bieten sich hier natürlich Xfce, zumindest solange die Entwickler nicht die Xfce-Shell einführen, und LXDE an. Solltest du dich für letzteres entscheiden liegt ein selbst zusammengestelltes System mit Openbox, Fluxbox oder Awesome nicht weit entfernt und da du schon Testing oder Unstable benutzt, hast du sicherlich nichts gegen Experimente und bist flexibel.

Bringt mir ein Gebüsch Gnome 3

Gnome 2
Gnome 3

Im folgenden möchte ich speziell zu den Erfahrungen bei der Umstellung von Gnome 2 zu Gnome 3 mit Debian Testing schreiben und aus meiner Sicht erklären, was nun anders ist und wie mein „Workflow“ mit der neuen Desktopumgebung funktioniert.
Nachdem das Upgrade vollendet war, startete ich den X-Server mit invoke-rc.d gdm3 restart neu und befand mich danach im sogenannten Ausweichmodus von Gnome 3.

Gnome 3 Ausweichmodus

3D Support aktivieren

Das Problem war, dass ich zur Zeit wegen eines Bugs im Nvidia-Treiber, der übrigens in Sid nun behoben ist, die Nouveau-Treiber verwende. Die Freien Treiber verfügen zur Zeit größtenteils nur über einen experimentellen 3D-Support, den man bei Debian erst durch das Installieren des Pakets libgl1-mesa-dri-experimental vollständig für meine Geforce 9600GT aktivieren konnte. Gleichzeitig muss man sicherstellen, dass die alten Nvidia-Pakete hier nicht dazwischenfunken. Der sicherste Weg ist alle installierten Nvidia-Pakete zu deinstallieren. Finden lassen sie sich z.B. mit dem Kommando aptitude search 'nvidia ~i'. Startet man danach den X-Server neu, lässt sich Gnome 3 problemlos mit den Freien Nouveau-Treibern bedienen.

Was ist deine Lieblingsfarbe? – Gnome-3-Aussehen anpassen

Gnome 3 ersetzt wie schon gesagt das alte Gnome 2. Das schließt mit ein, dass man an einigen Stellen beim Aussehen Hand anlegen muss.

Gnome 3 Shell

Anfangs ist noch das Standardhintergrundbild von Debian eingerichtet. Dieses lässt sich aber schnell mit einem Klick auf den Benutzernamen oben rechts -> Systemeinstellungen -> Hintergrund ändern. Auch Icons und das Thema entsprechen den Default-Einstellungen. Um zum alten Aussehen des Gnome 2 Desktops, wie auf den obigen Screenshots gezeigt, zurückzukehren, habe ich zuerst das Gnome-Tweak-Tool installiert, welches dafür da ist „fortgeschrittene“ Einstellungen wie Schriften und Thema des Desktops zu ändern, die für den „gewöhnlichen“ Benutzer nicht von Interesse seien, so die Beschreibung des Pakets. Das GUI-Fenster des Tweak-Tools lässt sich in Version 3.0 nicht richtig skalieren. Der Fehler läuft bei Debian unter #648005 und ist in Version 3.2 behoben.
Mein Icon-Thema ist das ausgezeichnete Faenza, welches sich auf gnome-look.org herunterladen lässt. Am besten man kopiert es nach /usr/share/icons für alle Benutzer oder lokal nach ~/.icons. Als Thema habe ich mit Gnome 2 Orta benutzt. Für die Gnome Shell gibt es eine angepasste Version auf deviantart.com. Das Thema kann im Allgemeinen nach ~/.themes für den lokalen Benutzer und nach /usr/share/gnome-shell für alle User entpackt werden. Bei mir führte die lokale Variante zu Problemen und erst nach der Installation in /usr/share/gnome-shell/theme/ funktionierte alles. Der „theme“-Ordner sollte vorher noch gesichert werden, falls man später zum Default-Thema zurückwechseln möchte. Icons, Themen und Schriften lassen sich nach der Installation dann mit dem Tweak-Tool auswählen. Solange die „Extensions“ zur Gnome-Shell in Debian nicht verfügbar sind, kann man das Thema der Shell mit dem gconf-editor ändern. Dort muss man nach desktop->gnome->shell->windows suchen und die Variable theme auf z.B. Orta setzen.
Ich war mit der Deckkraft der Gnome-Shell bei diesem Thema noch nicht zufrieden. Veränderungen lassen sich bei Gnome 3 aber über CSS Dateien vornehmen. Um das Hintergrundbild deutlicher hervorzuheben, habe ich die entsprechende Stelle in der gnome-shell.css von Orta angepasst. Die letzte Zahl bei background-color löst das Problem.

/* Overview */
#overview {
    spacing: 12px;
    background-color: rgba(226,226,228,0.1);
}

Gnome-Shell-Extensions

Um den Prozess der Desktopgestaltung zu vereinfachen, gibt es Upstream das Feature Erweiterungen zur Gnome Shell zu implementieren. Das entsprechende Paket wird demnächst in Debian Experimental eingestellt. Der Vorgang lässt sich unter Bug #627515 verfolgen. Michael Biebl, einer der Gnome-Betreuer bei Debian, stellte vor wenigen Tagen auf der „pkg-gnome-maintainers“-Mailingliste einen baldigen Upload in Unstable in Aussicht. Mit den Extensions lässt sich nicht nur das Thema intuitiv ändern, sondern auch kontroverse Einstellungen wie die nicht sichtbare „Ausschalten“-Funktion verändern. Ausschalten lässt sich der Computer direkt nur, indem man auf den Benutzernamen oben rechts im Panel klickt und dann die ALT-Taste gedrückt hält, wonach die Funktion erscheint. Ich weiß. 🙄

Unico Engine

Gnome 3 anzupassen bleibt auf jeden Fall ein spannendes Thema. Es gibt z.B. das Projekt Unico, mit dem eine Engine entwickelt werden soll, mit der sich ansprechendere Themen mit Hilfe von GTK und CSS erschaffen lassen. Vielleicht so etwas wie das Gegenstück zur Murrine Engine bei Gnome 2. Bei Debian wartet das Paket noch auf die Aufnahme. Viele sehr gut bewertete Gnome 3 Themen basieren mittlerweile auf Unico, welches sich mit Ubuntu schon ausprobieren lässt.

Wie man die Heilige Handgranate bedient – Gnome 3 Workflow

Die Dash

Kurzum für mich hat sich nicht besonders viel verändert. Früher benutzte ich entweder das Panel oder das AWN-Dock um oft verwendete Anwendungen schnell starten zu können. Anwendungen lassen sich nun nicht mehr auf das Panel ziehen. Diese Funktion ist tatsächlich überflüssig geworden. Die Funktion des AWN-Docks übernimmt die Dash, welche anstatt am unteren Bildschirmrand nun auf der linken Seite angebracht ist. Hervorholen lässt sie sich mit der Super/Windows-Taste oder durch die Bewegung des Mauscursor in die obere linke Ecke. In der Regel habe ich nur eine Handvoll von Anwendungen, die ich wirklich oft brauche und die Dash spart mir hier sogar noch mehrere zusätzlich installierte Pakete.

Die Shell

Früher gab es die simple Aufteilung Anwendungen/Orte/System. Jeder wusste sofort, wo er was suchen musste. Heute lassen sich die Anwendungen direkt über die Shell suchen, die mit der Super-Taste geöffnet wird. Man kann entweder den gesuchten Programmnamen eintippen, die Anwendung mit den Pfeiltasten auswählen und das Ganze bestätigen. Oder man navigiert mit der Maus im rechten Anwendungsmenü, welches wahrscheinlich nicht ganz zufällig Erinnerungen an Gnome 2 Zeiten weckt. Wie man es nimmt, Programme zu finden ist mit Gnome 3 kein bisschen schwieriger als früher.
Gnome 3 ermutigt einen auch regen Gebrauch vom Arbeitsflächenumschalter auf der rechten Seite zu machen. Ich finde es am einfachsten die wichtigsten Programme wie z.B. Browser oder E-Mail-Anwendung auf eine separate Arbeitsfläche zu verschieben und dann mit STRG+ALT+Pfeiltaste oder ALT+TAB zwischen ihnen zu navigieren. Zwar lassen sich die alten Minimierung/Maximierung-Symbole mit dem Tweak-Tool wieder hervorholen, wenn man sich aber auf die Gnome-3-Philosophie einlässt, muss man diese Einstellung nicht in Frage stellen. Fenster müssen nicht zwangsläufig minimiert werden um Übersicht zu schaffen.

Ein kleines Fazit

Ich denke das Konzept von Gnome 3 ist schlüssig, wenn man davon ausgeht, dass der „normale“ Anwender nur eine Handvoll von Programmen regelmäßig benutzt und dieser eine größtmögliche Übersichtlichkeit über laufende Anwendungen haben möchte. Die Statusanzeige am unteren Bildschirmrand, welche dezent verborgen ist, ist meiner Meinung nach gut gelungen. Diese Art von Anzeige muss auch nicht unbedingt im Panel erscheinen.
Im Moment stört mich nur die eingeschränkte und meiner Meinung nach auch benutzerunfreundliche Konfiguration von Desktopeinstellungen und der Themen. Diese Probleme werden aber schon bald ausgeräumt werden. Man sollte auch immer im Hinterkopf behalten, dass Gnome 3 noch am Anfang des Entwicklungszyklus steht. Gnome 2 brauchte auch 8-9 Jahre bis es vollständig gereift war. Das neue Gnome 3 ist definitiv anders als alle anderen Desktopkonzepte. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass es irgendwo abgekupfert hätte. Gerade für den sogenannten Arbeitsplatzrechner halte ich Gnome 3 für geeignet. Compizfunktionen vermisste ich bei den getroffenen Designentscheidungen nicht.
Kontrovers werden auch die Entscheidungen in Debian diskutiert, warum das Metapaket gnome-core das Bluetooth-Paket als Abhängigkeit besitzt oder ob es zwingend notwendig sein muss, dass der Network-Manager immer installiert ist und dabei teilweise andere Netzwerkeinstellungen ignoriert. Nachlesen lässt sich der Thread auf der debian-devel Mailingliste.

Ausblick

Schon Gnome 3.2 bringt wieder einige Verbesserungen in Debian mit sich. Wie der aktuelle Stand von 3.2 ist lässt sich nach wie vor hier erfahren. Ich hoffe, dass bald auch wieder eine Verschlüsselungsfunktion in Nautilus mit Hilfe von Seahorse integriert sein wird. Das frühere Paket seahorse-plugins wurde komplett aus Debian auf Grund schwerwiegender Fehler entfernt. Laut den Seahorse Entwicklern ist eine Wiedereinführung für Gnome 3.4 geplant.
Zum Schluss das Wichtigste: Am besten Gnome 3 selbst installieren und sich eine eigene Meinung bilden. 😉

Gnome 3 ist nun in Debian Unstable

Gnome 3.0 ist da! Der 13. Oktober brachte nicht nur Ubuntu 11.10, sondern auch den Übergang der letzten und entscheidenden Pakete von Gnome 3 aus Debian Experimental nach Unstable. Was lange währt, wird endlich gut. Damit lag ich im letzten Beitrag zu diesem Thema mit der Vermutung nicht ganz falsch, dass Gnome 3.0 in Debian dann erscheinen wird, wenn offiziell 3.2 von den Gnome Entwicklern freigegeben wurde.
Hier sind vielleicht noch ein paar interessante Fakten zu Gnome 3 in Debian:

  • Tatsächlich fand der Übergang von Gnome 2 nach Gnome 3 bisher auf eine sanfte und unbemerkte Weise für alle Testing- oder Unstable-Nutzer statt. Von Zeit zu Zeit flossen Pakete von Gnome 3 schon ein und wurden parallel zu Gnome 2 installiert, ohne dass dies irgendeine gravierende Auswirkung gehabt hätte. Am ehesten fiel es noch bei Anwendungen wie „Eye of Gnome“ auf, die plötzlich Versionsnummer 3 trugen und nicht mehr im alten GTK2-Gewand erschienen sind, da sie nun auf GTK3 basieren.
  • Seit dem 13. Oktober befinden sich nun die wirklich entscheidenden Pakete in Debian Unstable, Gnome Shell, Nautilus 3 und Gnome Panel und mit ihnen alles, was das neue Bedienungskonzept von Gnome 3 sichtbar werden lässt.
  • Der Status von Gnome 3.0 in Debian lässt sich weiterhin auf http://www.0d.be/debian/debian-gnome-3.0-status.html verfolgen. Fast alles grün mittlerweile. 🙂
  • Gnome 3.2 hat eine ähnliche Übersichtsseite bekommen. http://www.0d.be/debian/debian-gnome-3.2-status.html
  • Kompetente und aktuelle Informationen in Englisch zu Gnome 3 in Debian gibt es im IRC in #debian-gnome auf OFTC.
  • Gnome 3 Release Critical Bugs: http://deb.li/gnomercbugs
  • Gnome 3 Buildd Status. Wurde Gnome 3 Paket X erfolgreich für meine Architektur gebaut?: http://deb.li/pkggnome
  • Auf linuxundich.de wurde berichtet, dass die Erweiterung nautilus-open-terminal zu Abstürzen der Ubuntu Version von Nautilus führt. Im Debian-Bugtracker existiert seit August Fehlerbericht #637309 hierzu, der scheinbar in Zusammenhang mit dem Fehlerbericht #869131 auf Launchpad.net steht. Scheinbar lassen sich eine Reihe von Bugs auf den notwendigen Übergang von GTK2 auf GTK3 zurückführen. Zu den mehr als 100 Gnome 3 relevanten Paketen gesellen sich auch noch eine große Anzahl von Erweiterungen hinzu, die alle ebenso portiert werden müssen. Eine Übersicht über alle schwerwiegenden Bugs in Bezug auf den Übergang von Nautilus befindet sich hier.
    Mittlerweile stuft Debian diese Bugs alle als „Serious“ und damit als veröffentlichungskritisch ein. Erste Warnungen an die Paketbetreuer gab es bereits im August. Diese müssen nun mit Hilfe von Upstream ihre Pakete wieder in einen stabilen Zustand bringen. Da Ubuntu direkt aus Debian Unstable Pakete entnimmt, ist die aktuelle Ubuntu Version Oneiric Ocelot direkt davon betroffen. Dieses kleine Beispiel zeigt nur, dass Gnome 3 ein sehr großes Projekt ist, welches von einer großen Anzahl von Einzelpersonen abhängt um perfekt zu funktionieren.
  • Ich habe in meinem Beitrag „Wie steht es um Gnome 3 in Debian?“ geschrieben, dass Debian einen größeren Aufwand hat Gnome 3 für alle auf Debian unterstützten Architekturen zur Verfügung zu stellen und es damit oft etwas länger dauert. Das trifft im Allgemeinen sicher zu, doch hat Josselin Mouette am 02. Oktober 2011, einer der Gnome Paketverwalter, auf der debian-devel Mailingliste klargestellt, dass dies nicht das Kernproblem ist.
    Vielmehr finden große Veränderungen in Debian in Übergängen (Transitions) statt, aber erst wenn sichergestellt ist, dass dadurch nicht eine Reihe von bestehenden Paketen unbenutzbar wird. Er führt die lange Verzögerung in Debian vor allem auf das letzte Einfrieren der Pakete für die Veröffentlichung von Squeeze zurück. Dadurch entsteht sozusagen ein „Paketstau“, der nur langsam abgebaut werden kann.

So viel zum aktuellen Stand von Gnome 3 in Debian. Mit etwas Glück könnte schon am 23. Oktober Gnome 3 in Testing ankommen. Selbst wenn es länger dauert, ich werde warten. 😉

Wie steht es um Gnome 3 in Debian?

Seitdem ich im April diesen Jahres mir das erste Mal Gnome 3 mit der Fedora Live-CD angeschaut habe, hat sich bei Debian im experimentellen Zweig zwar schon einiges getan, aber für eine direkte Installation aus Unstable oder gar Testing ist es weiterhin noch zu früh.
Raphael Hertzog hatte zusätzlich in seinem Blog schon am 16. Juni mitgeteilt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir jemals Gnome 3 in Stable alias Squeeze sehen werden, da der Aufwand für die Backports einfach zu groß wäre. Im gleichen Post stellte er aber eine ergänzte und erneuerte Anleitung vor, wie man Gnome 3 aus Experimental auch in Testing installieren kann.
Da ich feststelle, dass viele sich auf der Suche nach Gnome 3 in Debian hierher verirren, wollte ich nur kurz folgendes anmerken für alle, die die Entwickler schon wieder wegen ihrer Langsamkeit verfluchen. 😉
Update: Seit dem 08.11.2011 befindet sich Gnome 3 in Debian Testing.
Im Gegensatz zu Distributionen wie Fedora,OpenSuSe oder Ubuntu hat Debian den Anspruch „ein universelles Betriebssystem“ sein zu wollen. Das klingt zuerst vielleicht etwas hochtrabend, doch der Grund, warum es bei Debian oft länger dauert, liegt vor allem darin, dass Debian ein Dutzend verschiedener Prozessorarchitekturen unterstützt und nicht nur i386 oder amd64. Der Aufwand Gnome 3 in Debian zur Verfügung zu stellen ist also ungleich größer als das bei anderen Distributionen der Fall ist.
Für den normalen Desktopbenutzer ist das erst einmal frustrierend. Um sich vor Augen zu führen, welchen Anspruch Debian z.B. an Testing stellt, muss man sich nur einmal den Abschnitt „Wie Testing arbeitet“ durchlesen. Insbesondere der Punkt mit den veröffentlichungskritischen Fehlern macht deutlich, dass bevor Gnome 3 dort erscheint zuerst einmal sichergestellt werden muss, dass keine anderen schon bestehenden Pakete dadurch beeinträchtigt werden. Auch Iceweasel hat z.B. mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Viele Pakete funktionieren im Zusammenhang mit einem Update auf xulrunner-2.0 nicht mehr, weshalb ein Erscheinen von Iceweasel, welches xulrunner nutzt, gleichzeitig zu kaputten Softwarepaketen in Unstable führen würde.
Nun ist Iceweasel nur eine Applikation, Gnome 3 hingegen eine komplette Desktopumgebung, die den Vorgänger Gnome 2 unwiderruflich ersetzen wird.
Wer wissen will, welchen Aufwand es bedeutet einen Entwicklungsprozess mit Menschen auf der gesamten Welt, in verschiedenen Zeitzonen, zu koordinieren, sollte sich auch mal die Gnome 3 Mailingliste anschauen, wo ein Thread sich über zwei Monate erstreckt und der Übergang von Gnome 2 zu Gnome 3 besprochen wird.
Nach wie vor bietet http://www.0d.be/debian/debian-gnome-3.0-status.html den besten Überblick über den aktuellen Stand von Gnome 3 in Debian. Hier wird auch deutlich, dass die Gnome-Shell für weitere 5 Prozessorarchitekturen übersetzt werden muss und das heißt nocht lange nicht, dass das Paket für die anderen Architekturen bugfrei ist.
Wie diese Seite zeigt, gibt es auch jede Menge Bugs für das Gnome-Shell Paket in Ubuntu, welches sich über ein PPA schon installieren lässt.
Momentan denke ich, dass es gut sein kann, dass wir Gnome 3.0 in Debian erst sehen werden, wenn 3.2 im Herbst veröffentlicht wurde. Mich persönlich stört das nicht besonders. Zum einen kann ich nach fast zehn Jahren mit Gnome 2 auch noch ein paar Monate auf Gnome 3 warten und zum anderen ist Debian genau deshalb meine Lieblingsdistribution, weil sie eben nicht immer zu den ersten gehören will, dafür aber qualitativ hochwertige Software produziert, wovon wiederum alle auf Debian basierenden Distributionen langfristig profitieren.

Gnome 3 und Iceweasel 4 Status in Debian

Eine kleine Erinnerung für alle, die nicht auf Gnome 3 oder Iceweasel 4 warten können. Genau vor einem Monat hatte ich einen Blick auf Gnome 3 geworfen und dabei schon auf das Blog von Raphael Hertzog, einem Debian Entwickler, verlinkt, der erklärt wie sich Gnome 3 aus Debian Experimental mittels Apt-Pinning installieren lässt.
Schon am 18.04. hat er einen aktualisierten Beitrag veröffentlicht, der auch ein paar Fragen zu häufigen Problemen mit Gnome 3 beantwortet. Dank einer neuen Version von apt ist mittlerweile auch die APT-Pinning Datei etwas kürzer geworden.
Den Status von Gnome 3 in Debian kann man am besten auf dieser Seite verfolgen. Zur Zeit befinden sich 30 von 118 für Gnome relevante Pakete in Debian unstable. Der überwiegende Teil ist aber weiterhin in Experimental.
Iceweasel 4.0 befindet sich zur Zeit ebenfalls noch in Experimental, lässt sich aber auch schon je nach Debian Version installieren und produktiv nutzen.
Wie es geht, erklärt ein schicker Guide auf http://mozilla.debian.net/. Man muss lediglich auswählen, welches Debian man selbst verwendet und welches Iceweasel oder Icedove man haben möchte und schon gibt es eine kurze Erklärung.
Für den Fall, dass man sowieso schon Debian Unstable auf einem PC/Laptop benutzt, muss lediglich

deb http://ftp.de.debian.org/debian experimental main

in die /etc/apt/sources.list eingetragen werden. Mit aptitude install -t experimental iceweasel wird danach Iceweasel 4.0 aus Experimental installiert.

Von IceWM zu Gnome 3 mit Arch Linux

Es hat Dank des deutschen und englischen Wikis von Arch Linux nicht lange gedauert bis Gnome 3 zum ersten Mal über den Bildschirm flimmerte.
Nach der Basisinstallation sollte man bei Arch, ähnlich wie bei Debian auch, die installierten Pakete auf den neusten Stand bringen. Das Werkzeug hierzu heißt Pacman. Ähnlich wie bei Apt lässt sich damit die Software verwalten.
Nach dem obligatorischen pacman -Syu war es Zeit das System etwas zu erweitern. Als erstes installierte ich wie immer den SSH-Server und Client, um damit den Rechner aus der Ferne zu administrieren oder Daten auszutauschen.
Nach der Installation des Arch-Pakets openssh kam ich zum ersten Mal mit einer archtypischen Konfigurationsdatei in Berührung, der zentralen Datei /etc/rc.conf. Hier lassen sich neben der Lokalisierung und Netzwerkeinstellungen unter anderem Daemons eintragen, die beim Start ausgeführt werden sollen.
Hier landete dann auch sshd, womit der SSH-Server automatisch beim Booten gestartet wird. Später folgten dann auch noch Dbus, Alsa und GDM. Doch bevor ich Gnome 3 mit pacman -S gdm gnome installierte, probierte ich mich zuerst an dem Fenstermanager IceWM. Die Installation des Fenstermanagers zieht wie bei Debian auch keine Pakete für den X-Server. Diese mussten ebenfalls separat ausgewählt werden.
Die Installation von X und der Xorg Pakete war aber genauso leicht wie die Installation des Open Source Treibers Nouveau für meine Nvidia-Grafikkarte und der TrueType Schriftarten. Um IceWM ohne Loginmanager zu starten, griff ich auf den schon verwendeten Tipp aus dem Arch-Wiki zurück.
IceWM sieht in der Standardkonfiguration noch nicht beeindruckend aus, lässt sich aber leicht so einrichten, dass es später mal das Aussehen von Windows 95 vortäuschen kann (was für viele scheinbar auch ein Hauptgrund ist IceWM zu installieren ;)). Die Konfigurationsdateien liegen alle in /usr/share/icewm und sollten noch nach ~/.icewm kopiert werden. Weitere Informationen zu IceWM gibt es z.B. auch auf ubuntuusers.de. Ein anderes Mal werde ich mir IceWM genauer ansehen. Nach dem Login zeigte htop 74 MB RAM Systemauslastung an. Das klingt doch vielversprechend. 🙂
Zurück zu Gnome 3. Da ich mich bei dem kurzen Testlauf mit IceWM genau an die Anleitung für Einsteiger gehalten hatte, war Gnome 3 mit den Paketen gdm und gnome im Handumdrehen installiert, was bei Debian dem Paket gnome-core entsprechen würde. Arch Linux bietet noch zusätzlich das Paket gnome-extras an, mit allem was Gnome sonst noch so zu bieten hat.

Zu Gnome 3 kann ich nicht viel mehr hinzufügen, was ich nicht auch schon in meinem Beitrag zu Gnome 3 und der Fedora-Live-CD geschrieben habe. Damit Gnome mit dem freien Nouveau-Treiber funktioniert, muss dessen experimenteller 3D-Treiber, nouveau-dri, zusätzlich installiert werden. Gnome läuft aber nicht nur ohne proprietäre Treiber sondern verhält sich danach auch noch ausgesprochen flüssig.
Ein großer Vorteil eines Multi-Boot-Systems ist, man kann verschiedene Desktopumgebungen leicht vergleichen. Während ich mir sowohl für Ubuntus Unity als auch Gnome 3 mehr Konfigurationsmöglichkeiten wünsche, gefällt mir die Geschlossenheit des ganzen Konzepts bei Gnome sehr gut. Die Aufteilung der Anwendungen ist in der Gnome Shell meiner Meinung nach zur Zeit besser umgesetzt als dies Ubuntu mit seiner Dash vormacht.
Was bleibt zu Arch zu sagen? Ich schreibe gerade diesen Beitrag mit Firefox 4 in Gnome 3 auf einem 64 bit Arch-Linux-System. Zwar war die Installation und Konfiguration für mich aufwendiger als bei Debian, doch war es Dank der ausgezeichneten Dokumentation schließlich auch nicht besonders schwer Arch Linux zum Laufen zu bekommen.
Das alles setzt voraus, dass man gerne selbst Hand an sein System anlegt, schon Erfahrung mit linuxtypischen Fachbegriffen hat und bereit ist einige neue Konzepte dazuzulernen. Ich mag an Arch Linux, dass es brandaktuelle Software anbietet und sich auf i686 und die x86_64 Plattform konzentriert und eine vorbildliche Dokumentation hat. Auf jeden Fall eine gute Entscheidung, wenn man seinen Horizont in Sachen Linux erweitern möchte.

Gnome 3: neu, modern und nur noch etwas ungewohnt

Am 6. April wurde Gnome 3.0 von den Entwicklern freigegeben, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass Gnome 3 schon vollständig in meinem frisch installierten wheezy angekommen wäre. Zumindest im experimentellen Zweig von Debian tauchen schon die ersten Pakete mit Versionsnummer 3 auf.
Momentan habe ich kein Interesse Debian Testing mit experimentellen Paketen zu mischen. Es gibt andere Möglichkeiten Gnome 3 vorab zu testen. Wer dennoch die neue Desktopumgebung mit Debian ausprobieren möchte, sollte einen Blick auf das englische Blog von Raphaël Hertzog werfen, der seine Erfahrungen als Paketersteller für Gnome 3 beschreibt und gleichzeitig erklärt wie sich die Pakete von Experimental installieren lassen. Stichwort: Apt-Pinning und man apt_preferences
Ich habe den anderen Weg gewählt ohne das bestehende System zu ändern und mir die OpenSuSe und Fedora Live CD von gnome.org angeschaut.
Als Einstimmung sind auch die Videos auf gnome.org hilfreich. Absolut lesenswert sind die Beiträge zu Gnome 3 auf den bekannten Nachrichtenportalen heise.de und vor allem der hervorragende Artikel von Andreas Proschofsky auf derStandard.at.
Die 64 bit Variante von OpenSuse hat sich aus unerklärlichen Gründen nicht bereit erklärt auf meinem Dual Core Rechner ohne Fehler zu booten und mit dem abgesicherten Modus konnte ich die Fähigkeiten von Gnome 3 leider nicht testen, worauf ich zur Fedora 32 bit CD gegriffen habe.
Gnome 3 ist neu, Gnome 3 ist modern, Gnome 3 ist anders, so weit nicht überraschend. An der gewohnten Philosophie von Gnome, sinnvolle Voreinstellungen zu verwenden und den Nutzer nicht mit unnötigen Details zu verwirren, hat sich nichts geändert.

Vielleicht haben es die Entwickler aber an manchen Stellen zu weit getrieben. Wo ist die Einstellung, mit der ich die Schnellstartleiste „Dash“ anders positionieren kann? Ausschalten fehlt leider standardmäßig und kann nur durch Drücken von ALT angezeigt werden. Immerhin gibt es schon das GnomeTweakTool, ein erstes Werkzeug zum Anpassen.
Das Konzept der neuen Gnome Shell hingegen ist faszinierend. Anfangs versuchte ich noch gewohnheitsmäßig mit der Maus an der oberen Activities Leiste ein Anwendungsmenü zu öffnen und erwischte dabei nur den Punkt in der linken oberen Ecke, der die Favoriten aufklappen lässt.
Doch alle Anwendungen und Informationen befinden sich nun sozusagen direkt auf dem Desktop und können mit der Maus durchsucht werden.
Das fühlte sich aber noch nicht „richtig“ an. Spass machte es erst als ich die Linuxtaste nutzte, mit der sich zwischen der Fenster- und Anwendungsansicht wechseln lässt.
Erst ein Druck auf diese Super-Taste und dann die ersten zwei bis drei Anfangsbuchstaben der Anwendung eingeben und die Auswahl wird auf ähnlich Programme eingeschränkt. Mit den Pfeiltasten für Hoch und Runter und einem abschließenden Enter ist eine Anwendung im Handumdrehen gestartet und lässt sich auch bequem mit der Maus in der Dash ablegen.
Dass Compiz nicht mehr mit dem neuen Gnome funktionieren würde, hatte ich anfangs immer für einen großen Nachteil von Gnome 3 gehalten. Mittlerweile sehe ich es differenzierter.
Es gibt nur wenige Compiz Effekte, die für mich tatsächlich das Desktoperlebnis verbessern. Dazu gehört mit Sicherheit der Skalieren-Effekt, welcher mehrere Fenster übersichtlich darstellt und diesen hat die neue Gnome Shell schon integriert.
Ansonsten sind die Effekte eher dezent, funktionieren aber schon problemlos mit Nouveau, dem Open-Source-Treiber für Nvidia-Grafikkarten. Optische Spielereien wie wackelnde oder brennende Fenster brauche ich nicht. Wer den Desktopwürfel zum absoluten Muss erklärt hat, hat vielleicht ein Problem.
Ich mag die grundlegenden Ideen, die hinter Gnome 3 stecken und finde das Gesamtkonzept stimmig. Das Minimieren und Maximieren nun fehlen stört mich nicht im geringsten. Es ist einfach nicht mehr notwendig. Cool ist auch die integrierte Fähigkeit Desktopvideos mit der Kombination Ctrl+Shift+Alt+R zu erstellen, einer der vielen Tipps aus dem CheatSheet.
Trotzdem fühlt man sich an mancher Stelle zu eingeschränkt und wünscht sich mehr Gestaltungs- und Auswahlmöglichkeiten. Die ersten Themen für Gnome 3 sehen auf jeden Fall schon vielversprechend aus.
Zeitgeist wird sicher in Zukunft eine starke Rolle in Gnome spielen, da die Idee ereignisorientiert zu suchen viel natürlicher ist als die reine Suche nach Dateinamen. Momentan scheint es jedoch als ob sich die Geschichte mal wieder wiederholen würde.
Auch in der Übergangsphase von Gnome 1 zu 2 war noch nicht alles perfekt und nach und nach wurden die alten GTK1 Anwendungen auf GTK2 portiert und weitere Verbesserungen implementiert. Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass es noch 1 bis 2 Jahre dauern wird, bis die richtige Balance zwischen Einfachheit und Konfigurierbarkeit gefunden wurde, die Mehrzahl der GTK2 Anwendungen angepasst und die ersten Vorbehalte verschwunden sind.
Fürs Erste freue ich mich auf Gnome 3 in Debian. Auch wenn es keinen meiner älteren Laptops antreiben wird, fügt es dennoch erneut ein Stück Vielfalt und Auswahl zu Linux hinzu.