Dein Name sei Debianspiele: Ein Exkurs in Markenrecht

Jedes tolle Online-Projekt braucht seine eigene Webseite. Ich grübelte eine Weile, was ich genau mit meinem vServer anstellen wollte. Schließlich entschied ich mich die Themen begrenzte Ressourcen, Debian und Spiele miteinander zu verbinden. Ich wollte Spieleserver anbieten mit ausschließlich freien Spielen, die Debian GNU/Linux in seinen Repositorien führt. Es sollte also zum einen Debian bekannter machen, vielleicht sogar etwas voranbringen, aber ebenso auch einfach nur ein Angebot für Spieler zum Spielen sein. Und schließlich sollte beim Konfigurieren und Bereitstellen natürlich auch wieder etwas dazugelernt werden.

Ich kam dann auf die Idee eine zweisprachige Seite in Englisch und Deutsch zu machen, da gerade Onlinespiele ein internationales Publikum anziehen und man mit Englisch noch die größten Chancen hat, dass jemand versteht, was man eigentlich vorhat. Mir kreisten die ganze Zeit dann die Domainnamen debiangames.de und debianspiele.de im Kopf herum. Wäre das nicht ein wirklich passender Name für eine Seite über freie Spiele mit Debian?

Auf der anderen Seite aber, warum gibt es noch keine offizielle Seite, die so heißt? Durfte ich die Domains einfach registrieren? Immerhin waren sie noch frei verfügbar.

Ich wollte es genauer wissen und fand bei debian.org die Trademark-Seite. Dort erfährt man, dass Debian seit dem 21. Dezember 1999 eine eingetragene Marke ist und auch in Europa mittlerweile geschützt ist. Ausdrücklich wird Firmen ein „vernünftiger Gebrauch“ der Marke Debian eingeräumt. So richtig viel Erhellendes zum Thema Domains stand dort aber nicht.

Ich beschloss daraufhin eine E-Mail an trademark@debian.org zu schreiben und es einmal darauf ankommen zu lassen. Der Wortlaut war:

Ladies and Gentlemen

My name is Markus Koschany and i intend to register the domains
debiangames.de and debianspiele.de. Before i go ahead i would like to
ask for your permission and if there are any objections against the
registration.

Both websites will be for private and non-commercial use. At the moment
i am hosting a Debian powered vServer which provides games included in
Debian.

My goal is

– to promote games available in Debian
– to provide statistics for gamers on the server
– to post short news about game development in Debian
– to present free software games
– to give gamers the opportunity for feedback
– to learn more about server administration
– last but not least: having fun

The content will be available under CC-BY-SA.

I would be glad to hear about a positive reply.

Yours sincerely

Markus Koschany

Nur zwei Tage später an einem Sonntag antwortete mir der aktuelle Projektleiter, Stefano Zacchiroli. Er bedankte sich für das Interesse an Debian, müsse aber leider meine Anfrage ablehnen. Debian sehe es lieber, wenn Domains, die den Namen Debian führen, offiziell wären oder von offiziellen Repräsentanten geführt würden. Stattdessen schlug er vor, dass ich das Debian-Games-Team kontaktieren solle, um meine Idee eines „debian games portal“ zu verwirklichen.

Gut, ich gebe zu, ein Spieleportal schwebte mir gar nicht vor und ich hätte den privaten Charakter des Projekts in der Mail mehr herausstellen sollen. Ansonsten überraschte mich seine Entscheidung aber nicht und ich hätte an seiner Stelle wahrscheinlich genauso entschieden. Bevor irgendein unbekannter Fremder die Erlaubnis erhält Debian im Domainnamen zu führen, macht es tatsächlich mehr Sinn, das in offizielle Kanäle zu lenken. Vermutlich ist es auch genau das, was ein guter Projektleiter machen sollte.

Wie ich später herausfand ist die Regelung des Markenrechts bei Debian gerade im Umbruch. Auf debian-devel-announce hatte Stefano Zacciroli hierzu nämlich schon Änderungen angekündigt und auch, dass die Domain debian.eu widerrechtlich als Webseite eines Computershops verwendet worden war.

Wenn nicht Debian dann…

Blieb schließlich nur noch das Problem, wie das Baby heißen sollte. Ich entschied mich für

linuxiuvat.de

Ich weiß, das ist sicher nicht der Name, der die nächsten Jahre zu einem Synonym des Internets werden wird, aber er beschreibt mein kleines Projekt am besten und ich darf ihn legal benutzen.

Da ich die Domain nicht als Marke benutzen werde (es sei denn natürlich damit lässt sich unverschämt viel Geld verdienen 😉 ) war es kein Problem Linux im Namen zu führen, die Linux Foundation gab grünes Licht.

Tja und iuvat ist lateinisch und bedeutet hilft. Oder wie ein alter Römer mir versichern konnte:

iuvat: a-Deklination
iuvare: helfen
Endung auf t: 3. Person Singular.
Frei übersetzt: Linux iuvat = Linux hilft.

Mit Latein hatte ich das Deutsch/Englisch-Problem umgangen und verprelle nun somit beide Muttersprachler. 😛

Im Moment sind alle Informationen nur auf Englisch verfügbar. Sobald die Seiten so statisch und endgültig sind, wie ich mir das vorstelle, übersetze ich sie natürlich noch auf Deutsch.

6 Replies to “Dein Name sei Debianspiele: Ein Exkurs in Markenrecht”

  1. Interessanter Vorschlag. Ich wollte es aber mit Absicht statisch und eher klein halten. Ich werde die meisten Ideen sowieso in diesem Blog vorstellen, von daher denke ich, verpasst niemand etwas, wenn er den Feed dieses Blogs regelmäßig mitliest.

    Ich denke aber im Moment darüber nach, wie man unkompliziert Kommentare dort hinterlassen kann, ohne dass ich PHP+MySQL bemühen muss. Ich schau mal, was sich machen lässt.

  2. Hey,

    finde ich eigentlich ganz gut was du davor hast und ich denke da ist viel potenzial hinter ;).

    Ich habe ja so oft schon die debatte mit bekannten gehabt was linux für ein Müll ist, dass man damit nicht mal, wie Sie sagen (Zocken kann!), und jetzt auch eine Seite hat wo man es zeigen kann was für spiele es gibt. 🙂

    Aber wegen dem Thema Marken und Rechte oder der gleichen, sage ich mal ist es ja sowie so immer ein Streit-Thema.

    Kai (Manchotix)

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