Was bedeutet Freiheit?

Bei meiner Installation von ConnochaetOS kam ich bei dem Versuch meine WLAN-Karte in Betrieb zu nehmen zum ersten Mal mit dem Begriff „deblobbed“ in Kontakt, was mich später dazu veranlasst hat ernsthafter darüber nachzudenken, was ich persönlich unter Freiheit und Freier Software verstehe und ob ich es damit bisher ernst gemeint habe.
Während meiner Suche stieß ich auf einen längeren Thread im Forum von ConnochaetOS, der sich ebenfalls mit der Thematik beschäftigte. Hier wurde eine Reihe von interessanten Aussagen getroffen, sowohl von Nutzern von ConnochaetOS als auch vom Hauptentwickler des Projekts Henry Jensen. Einige interessante Kernaussagen waren:

  1. WLAN- und USB-Adapter mit Freien Treibern sind verfügbar und bezahlbar. Es sollte kein Problem sein diese zu beschaffen. (Henry Jensen)
  2. Das offizielle Forum einer Freien Linuxdistribution sollte keine Ratschläge beinhalten, wie man ein unfreies Programm zum Laufen bringen kann. ( Richard Stallman Zitat aus einer E-Mail an Henry Jensen)
  3. Wenn Leute ConnochaetOS den Rücken kehren, weil es eine Freie Linuxdistribution ist, dann schätzen diese Leute ihre Freiheit nicht besonders. (Henry Jensen)

1. WLAN- und USB-Adapter mit Freien Treibern sind verfügbar und bezahlbar.

Wirklich, ich habe es versucht.
Da war zum einen meine WG511T WLAN-Karte von Netgear, bei der ich irrtümlich annahm, dass ein freier Treiber zur Verfügung stand, sie aber mit dem Modell WG511 und eben ohne T verwechselte. Das führte dazu, dass ich vor drei Jahren dann den Madwifi-Treiber selbst kompilieren musste. Das Problem löste sich schließlich von selbst als die Karte kaputt ging.
Beim nächsten Mal sollte alles besser werden. Ich wollte nun mit einem USB-Modell im Internet surfen und guckte mir dafür den Fritz-WLAN-USB-Stick von AVM aus. Hier wusste ich zwar, dass der Treiber proprietär war, fand es aber vertretbar, dass der Hersteller Linux unterstützte und zumindest einen eigenen Linuxtreiber anbot. Leider ahnte ich damals nicht, dass der Treiber nicht weiterentwickelt werden sollte und dazu noch Probleme verursachte, die mit den Windowstreibern nie auftraten, weswegen ich zu Ndiswrapper greifen musste.
Schließlich landete ich bei einer PCMCIA-WLAN-Karte von Linksys, die unter Linux mit dem Treiber b43 angesprochen werden kann. Leider ist die Firmware hierzu unfrei.
Ich denke Henry Jensen hat recht, wenn er behauptet, es sei kein Problem eine PCMCIA- oder USB-WLAN-Karte zu besorgen, die mit freien Treibern funktioniert. Man muss nur ein paar gute Quellen kennen, die einem den Kauf erleichtern und man sollte vor dem Kauf haargenau auf den Modellnamen schauen. Dabei spielt der Name des Herstellers weniger eine Rolle als der verwendete Chipsatz, der selbst bei ähnlich klingenden Produkten immer wieder anders sein kann.
Ich habe mich noch einmal nach Hardware mit Freier Software umgeschaut und daraufhin die PCMCIA-WLAN-Karte von Asus, Modell WL-107G mit Ralink-Chipsatz und zwei PCMCIA-zu-LAN-Karten von 3com gekauft. Das war dann zum einen das Modell Megahertz 3CCFE574BT und 3CCFE575CT. Ein weiterer positiver Effekt: Mit dem Erlös des alten WLAN-USB-Sticks von AVM konnte ich mir zwei der neuen Karten finanzieren. 6,95 € für das Asus-Modell waren auch nicht wirklich teuer.
Diese Links haben mir weitergeholfen:

Für ältere Notebooks mit PCMCIA-Slot ist deshalb der Netzzugang oft kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn die Komponenten im Rechner integriert sind und sich schlecht austauschen lassen.

2. Das offizielle Forum einer Freien Linuxdistribution sollte keine Ratschläge beinhalten, wie man ein unfreies Programm zum Laufen bringen kann.

Was ist eine Freie Linuxdistribution eingentlich? GNU.org hat hierzu eine klar definierte Meinung. Aus den vier grundlegenden Freiheiten wird die Vorgabe abgeleitet, dass jedwede Dokumentation, die hilft unfreie Software auf einem System zu installieren oder die Vorzüge einer solchen Installation hervorhebt schlicht eine Freie Linuxdistribution disqualifiziert, was dazu führt, dass die Liste der nach GNU Definition Freien Distributionen sehr überschaubar ist.
Warum ist Debian GNU/Linux nicht darunter? Immerhin ist Debians Linuxkernel genauso wie der von ConnochaetOS vollkommen von unfreien Firmware Blobs befreit und der „Main“-Bereich des Produkts Debian besteht ausschließlich aus Freier Software. Nach GNU.org lautet das ausschlaggebende Argument gegen Debian, dass es möglich ist, die zusätzlich auf den Projektservern gehostete unfreie Software zu installieren oder sich darüber zu informieren.
Ich denke die Freie Software Bewegung hat Richard Stallman viel zu verdanken und seine vier definierten Softwarefreiheiten kann ich auch genauso unterschreiben. Ich widerspreche ihm aber in seinem Menschenbild. Freiheit bedeutet für mich auch, die Freiheit zu haben sich über Alternativen informieren zu dürfen und sich zur Not auch gezielt für unfreie Software zu entscheiden. Die Frage ist doch, benutzen mehr Menschen freie Software, weil sie davon überzeugt sind oder weil sie weniger über unfreie Software wissen? Anstatt die Möglichkeiten von Benutzern willkürlich einzuschränken, finde ich es besser die Entscheidung über die Installation freier oder unfreier Software dem Menschen vor dem Computer zu überlassen, ihnen nicht einen Weg zu diktieren sondern viel stärker auf Aufklärung und Information zu setzen.

3. Wenn Leute ConnochaetOS den Rücken kehren, weil es eine Freie Linuxdistribution ist, dann schätzen diese Leute ihre Freiheit nicht besonders.

ConnochaetOS kann genauso wie das GNU-Projekt jederzeit Regeln und Richtlinien festlegen, was ihrer Meinung nach Freiheit in Sinne von Softwarefreiheit bedeutet. Wer in dem Club nicht mitspielen möchte, muss es nicht. Das Ziel ältere Rechner zu unterstützen und gleichzeitig einen Linux-Libre-Kernel zu benutzen kann sich aber leicht ausschließen. Wo zieht man hier die Grenze? ConnochaetOS hat sich klar dafür entschieden im Zweifelsfall die GNU-Richtlinien vorzuziehen und damit auf Kompatibilität zu verzichten. Hoffentlich zahlt sich das irgendwann wenigstens durch eine Aufnahme in die GNU-Liste der Freien Distributionen aus.
Es ist einfach ein Freund von Schwarz-und-Weiß-Denken zu sein. Doch im Zweifelsfall entscheide ich mich lieber für die weitere Benutzung meiner Hardware anstatt sie auf den Müll zu werfen. Ich schätze meine Freiheit. Ich lehne nur diese aufgezwungene Freiheit ab, die zwar mein Bestes will, aber im Prinzip mich genauso einschränkt wie ein unfreies System und darüber hinaus im schlimmsten Falle den Rechner nutzlos macht.
Die einzige Distribution, die meiner Vorstellung von Freiheit am nächsten kommt ist Debian, wo ich standardmäßig ein freies Betriebssystem habe, das mir alle Freiheiten gewährt, ich aber nicht daran gehindert werde unfreie Komponenten zu installieren, wenn ich sie denn tatsächlich brauche. Die Entscheidung treffe ich und nicht das Betriebssystem.
Warum nicht das Ganze anders herum aufzäumen und hervorheben, dass es ohne Freie Software überhaupt keine aktuelle Software mehr für Rechner aus dem Jahre 1998 gäbe. Der Support für Windows 98 ist eingestellt. Es wird keine Windowssoftware mehr für diese Plattform geschrieben, geschweige denn neue Treiber entwickelt. Das sollte vermarktet werden.

Fazit

Es ist mit geringem Aufwand möglich Computerzubehör wie WLAN-Karten zu kaufen, deren Treiber auch als Freie Software vorliegen. Ich glaube nicht, dass man eine „bessere“ Welt erschafft, indem man Menschen zu ihrem eigenen Glück zwingt. Es ist besser sich darauf zu konzentrieren die Dokumentation zu Linux zu verbessern und neue Freie Software zu schreiben als Freiheit zu predigen. Wer sich auch nur ein wenig für Technik interessiert kommt irgendwann selbst zur Einsicht wie wichtig freie, offene und transparente Standards sind. Und wer das nicht kann oder möchte, den muss man lassen. Auch das ist Freiheit.

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