Ubuntu Natty: Schnelle Politur und Icon-Tausch

Zwar arbeite ich momentan selten mit Ubuntu Natty Narwhal, trotzdem oft genug, um das Erscheinungsbild an meine Vorstellungen anpassen zu wollen. Die Icons des Startmenüs sind OK, aber ich bevorzuge Kreationen wie Faenza oder AwOken.
Das tolle an Ubuntu ist, wie einfach sich solche unabhängigen Entwicklungen mit Hilfe eines PPA installieren lassen. Für das AwOken Icon Theme genügt es z.B. folgende Befehle im Terminal auszuführen.

AwOken

sudo add-apt-repository ppa:alecive/antigone
sudo apt-get update
sudo apt-get install awoken-icon-theme
awoken-icon-theme-customization

Mit dem letzten Befehl lässt sich das Icon Thema weiter anpassen. AwOken ist in dieser Hinsicht etwas Besonderes, da man mit Hilfe von imagemagick und zenity, das Icon Thema an seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann.
Es erscheint ein grafisches Menü mit dem man Schritt für Schritt seine Vorlieben festlegen kann. Ganz am Ende kann man sich dann noch entscheiden, welche Farbe die Icons eigentlich haben sollen. So entsteht ein sehr flexibles Thema.
Manche Farbkombinationen sehen mit der Standardeinstellung von Unity nicht sehr schön aus. Damit die Hintergrundbeleuchtung des Startmenüs nicht die gesamte Komposition zerstört, kann man diese mit Hilfe des compiz-config-Settings-manager (CCSM) abschalten. Die Einstellung befindet sich im Unity Plugin von Compiz und heißt “Backlight Mode” und muss auf “off” gesetzt sein.

Faenza

Faenza ist schon länger einer meiner Favoriten.

sudo add-apt-repository ppa:tiheum/equinox
sudo apt-get update && sudo apt-get install faenza-icon-theme

Faenza sieht einfach nur sehr, sehr schick und elegant aus. Im Gegensatz zu AwOken lassen sich die Farben nicht weiter anpassen, aber bei der gelungenen Gestaltung der Icons vermisse ich so ein Feature auch nicht wirklich.

Ubuntu 11.04: Eindrücke vom schicken Narwal

Vorgestern erschien Ubuntu 11.04. Zeit ein wenig alle Eindrücke aus den letzten beiden Wochen zusammenzufassen.
Ich denke man kann jede Distribution aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Entscheidend bleibt aber, welchen Maßstab man selbst anlegt und was für Prinzipien und Ideale einem selbst wichtig sind.
Fest steht für mich, dass ich weiterhin Ubuntu als Zweitinstallation des Multi-Boot Projekts für Video-, Audio- und Bildbearbeitung nutzen werde und dazu auch beim neuen Unity bleibe. Ich kann aber auch nicht verhehlen, dass ich nicht rundum begeistert von der neusten Ausgabe bin. Insbesondere fehlt mir für eine Einsteigerdistribution eine intuitivere Konfigurationsmöglichkeit für alle neuen Elemente des Unity Desktops. Hingegen bleibt die einfache Installation ein großer Pluspunkt von Ubuntu.

Licht und Schatten

Das Startmenü

Docks sind generell eine praktische Sache. Man erhält schnellen Zugriff auf wichtige Programme, diese sind übersichtlich angeordnet und lassen sich leicht verschieben. Das ist intuitiv und macht Spass.
Beim Starten wird die Schaltfläche animiert, Dreiecke symbolisieren wie viele Instanzen der Anwendung gerade gleichzeitig laufen.
Mit einem Linksklick auf den dazugehörigen Starter, erscheinen diese übersichtlich angeordnet durch den Effekt “Skalieren” von Compiz auf der momentanen Arbeitsfläche. Dabei spielt es keine Rolle auf welchen Arbeitsflächen sich die Fenster zuvor befunden haben.
Besondere Programme beherrschen schon die Fähigkeit, spezielle Optionen direkt aus dem Startmenü heraus auszuführen, sobald man die rechte Maustaste auf einer Schaltfläche drückt. Ein gutes und hoffentlich ausbaufähiges Feature.
Die Einstellungsmöglichkeiten des Compiz Unity Plugins sind noch arg begrenzt. Hätte man hier einfach mehr Funktionen, Gestaltungsmöglichkeiten und vielleicht sogar ein paar Applets wie beim AWN Dock eingebaut, gäbe es nicht viel auszusetzen.

Die Dash

Mit der Super/Linux/Windows-Taste oder einem Klick auf das Ubuntu Logo in der linken oberen Ecke öffnet sich das neue Dashboard, kurz die Dash.
Es gibt ein praktisches Suchfeld, mit welchem sich schnell nach Anwendungen oder Dateien suchen lässt. Hat man sich für Multimedia, Internet oder andere Anwendungen entschieden, öffnet sich die eigentliche Anwendungsansicht.
Als langjähriger Gnome Nutzer empfinde ich die Aufteilung der Programme eher als unintuitiv. Benutzt man nicht das Suchfeld, dauert es deutlich länger als früher eine Anwendung zu finden.
Die Favoriten sind bei den meisten höchstwahrscheinlich sowieso schon in das Startmenü gewandert. Die Empfehlungen für neu zu installierende Programme sind bestenfalls verwirrend und willkürlich. Ich glaube kaum, dass ein Anfänger mit der vorgeschlagenen Auswahl etwas anfangen kann.
Wenn ich etwas suche, nutze ich meist das zusätzliche nach Kategorien sortierte Anwendungsmenü am oberen rechten Rand der Dash. Das passt optisch zwar nicht zur Dash, spart mir aber Zeit beim Suchen.
Am besten ist noch die Suche nach bearbeiteten Dateien und Dokumenten, wofür das Zeigeist Rahmenwerk verantwortlich zeichnet. Leider gibt es auch in der Dash keinen Hinweis, wie man einzelne Elemente oder Verhaltensweisen konfigurieren könnte.
Eines der interessantesten Feature, Lenses genannt, ist noch experimentell und hat es leider noch nicht vollständig in die Dash und Ubuntu 11.04 geschafft. Nicht nur Programme und Dokumente sollen durchsuchbar sein.
Später ist es auch möglich Youtube, den Ubuntu Music Store und vielleicht auch andere Clouddienste direkt vom Desktop aus zu durchsuchen und Anwendungen direkt zu starten. Wie gesagt mehr als ein paar Entwicklungen als PPA zu dieser vielversprechenden Fähigkeit gibt es noch nicht.

Die Arbeitsflächen

Im Startmenü befindet sich nun ein Schalter, mit dem sich schnell zwischen dem momentan genutzten Desktop und den virtuellen Arbeitsflächen umschalten lässt. Auch die Tastenkombination Super+s führt zum gleichen Ziel.
Was beim Mac als “Spaces” bezeichnet wird, ist bei Ubuntu mit Compiz das “Expo” Plugin. Das gab es schon länger und wurde nicht durch Ubuntu erfunden. Gut finde ich, dass es jetzt standardmäßig Verwendung findet.
Ebenfalls bemerkenswert sind die neuen Scrollbars, die nur dann erscheinen, wenn sie wirklich gebraucht werden und damit zum Platzsparen beitragen.

Das neue Panel

Ebenfalls beim Mac abgeschaut ist das neue globale Menu im Panel. Die meisten Programme passen sich daran automatisch an, bei anderen befindet sich das Menü noch innerhalb der Anwendung. Wer das neue Menü nicht braucht, kann das indicator-appmenu deinstallieren.
Zwar ist dieses Verhalten erst einmal gewöhnungsbedürftig, ist aber nichts mit dem man sich nicht mittelfristig anfreunden könnte. Richtig störend sind nur zwei Sachen. Platzsparen hin und her, das globale Menü sollte den Programmnamen nicht überdecken, sondern schlicht und einfach rechts davon beginnen.
Wenn es 100 % Mac sein soll, dann müsste das Menü auch beim Auswählen der Anwendung schon erscheinen und nicht erst, wenn die Maus über das Panel streift. So sieht man nicht einmal, welche Menüeinträge überhaupt existieren und navigiert ins Blaue.

Fazit

Nach wie vor gehört Ubuntu zu den am einfachsten zu installierenden Linuxdistributionen auf aktuellen Rechnern und mit ihr lässt sich direkt nach dem Neustart schon produktiv arbeiten. Wer komplett neu bei Ubuntu oder Gnome ist, wird sich weniger an den Neuerungen stören als alteingessesene Gnome-Nutzer.
Im Gegensatz zu früheren Versionen fehlt mir aber mittlerweile der Mehrwert gegenüber einer reinen Debian-Installation. Das neue Standarddesign erinnert mich persönlich zu sehr an ein Smartphone, was mich nicht weiter stören würde, wenn es einfacher wäre Unity zu gestalten.
Auf der anderen Seite ist Natty Narwhal auch für Netbooks und Touchpads vorgesehen und muss gerade auch auf diesen bedienbar bleiben. Je nach dem auf welcher Art von Hardware also Ubuntu 11.04 eingesetzt wird, wird auch das individuelle Fazit anders ausfallen.
Es ist schade, dass gerade die vielversprechendsten Neuerungen wie Ubuntus Lenses noch nicht fertig sind. So scheint es, dass 11.04 erst mit 11.10 wirklich fertig sein wird.
Wer gar nicht mit Unity leben kann, hat immer noch die Option auf das klassische Gnome bei der Anmeldung umzusteigen oder Xubuntu eine Chance zu geben.
Spätestens mit Ubuntu 11.10 wird das klassische Gnome 2 nicht mehr standardmäßig zur Auswahl stehen. Es wird durch Unity 2D ersetzt, was weniger performanten Rechnern sicher zu Gute kommt.
Warum Ubuntu 11.04 sich dennoch gut für mich als Video- und Audioschnittplatz eignet, dazu demnächst mehr.

Lesenswertes

Der Compiz Config Einstellungsmanager
Unity Startmenü bei ubuntuusers.de
Unity Desktop bei ubuntuusers.de
Bewertung von Ubuntu 11.04 auf derstandard.at

Ubuntu 11.04: Auf der Suche nach den kleinen Optimierungen

Seit der Installation der Beta von Natty Narwhal als zweites Betriebssystem des Multi-Boot Projekts, habe ich versucht Ubuntu geringfügig an meine eigenen Vorstellungen anzupassen.
Genauso wie bei Gnome 3 fand ich auf Anhieb keine übersichtlichen Konfigurationsmöglichkeiten, welche einzelne Elemente der neuen Unity Shell, das Startmenu oder die Indikatoren im Panel justieren können. Erwartet hätte ich einen neuen Eintrag unter Systemeinstellungen, den ich aber dort nicht finden konnte.
Um die Standardkonfiguration von Unity zu ändern, muss auf jeden Fall das Paket compizconfig-settings-manager installiert werden. Unity ist nichts anderes als ein weiteres Plugin für Compiz und kann dementsprechend mit Hilfe des Einstellungsmanagers konfiguriert werden.
Ein einfaches Drücken auf die Super-Taste und Eingabe der ersten Buchstaben von “compiz” in das Suchfeld des sogenannten Dashboards (kurz dash) und schon erscheint der erste Eintrag, der Compiz Einstellungsmanager. Unter der Rubrik “Arbeitsfläche” befindet sich dann das Ubuntu Unity Plugin.
Noch sind die Möglichkeiten zur Konfiguration begrenzt. Die Tastenbelegung für den Starter und das Aussehen des Startmenüs ist zumindest geringfügig austauschbar. Letzteres war in der Beta noch als “experimentell” gekennzeichnet. Die Deckkraft und Hintergrundbeleuchtung des Docks lassen sich verändern und die Größe der Symbole anpassen. Besondere Animationen oder Themen wie sie z.B. das AWN Dock bietet, suchte ich hingegen vergeblich.
Weiterhin lässt sich auch das Expo Plugin manipulieren, welches die Arbeitsflächen übersichtlich und viergeteilt darstellt und wo man auch die Tastenkombination Super+s zur Darstellung der Arbeitsflächen finden kann. Um die Anzahl der virtuellen Arbeitsflächen zu vergrößern, muss man aber zu “Allgemeine Optionen” wechseln und dort die Desktop Größe seinen Wünschen anpassen. Die restlichen Einstellungen dienen wie gewohnt der Konfiguration von Compiz und haben weniger direkt mit Unity zu tun.
Das Ändern und Anpassen der Indikator-Applets oder der gesamten Unity Shell, ist zumindest auf den ersten Blick mit einer einheitlichen und konsistenten Anwendung nicht möglich. Ohne den vorinstallierten und von Gnome bekannten gconf-editor oder das Paket dconf-tools kommt man mit grafischen Werkzeugen nicht weiter.
Möchte man die Indikator-Applets aus dem Panel entfernen, führt wohl kein Weg vorbei das indicator-applet zu deinstallieren. Möchte man hingegen das alte Wetter Applet wieder haben, muss indicator-weather installiert werden.
Die Uhr Anzeige ist das einzige Element im Panel, dessen Einstellungen sich mit einem Mausklick direkt ändern lassen. Unter Zeit-& Datumseinstellungen->Uhr->Eine Uhr anzeigen, lässt sich die Uhr ein- und ausblenden. Möchte man hier noch feinkörnigere Kontrolle, muss dconf-editor im Terminal gestartet werden.
Unter com->canonical->indicator->datetime lassen sich der Kalender, die Uhr, Datum und Tag separat anzeigen. Auch nach mehr als zwei Stunden Suche mit dem gconf-editor oder dconf-editor habe ich keine Option gefunden, um den Email- und Chat-Indikator (normalerweise Empathy und Evolution) einfach nur aus dem Panel zu entfernen. Das geht mittlerweile nur durch Deinstallieren von indicator-messages.
Wenigstens ließ sich die Standardeinstellung ändern, die gemountete Geräte direkt auf dem Desktop anzeigt. Mit dem gconf-editor muss man zur Option volumes_visible navigieren, welche sich unter apps->nautilus->desktop befindet, und den Haken abwählen. Praktischerweise erscheinen eingehängte Partitionen, Festplatten oder USB-Sticks nämlich schon im Unity Startmenü.
Dieses Verhalten lässt sich dann wiederum mit dem dconf-editor verfeinern, indem man unter desktop->unity->devices den Wert für devices-option anpasst. Damit lassen sich alle Geräte, egal ob eingehängt oder nicht, im Startmenü anzeigen.
Vielleicht habe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Gegen das Verändern einiger Textdateien habe ich auch nichts einzuwenden. Da aber Ubuntu gezielt Einsteiger anspricht, hätte ich mir zumindest ein schlichtes Konfigurationswerkzeug für Unity, das Panel, die Indikatoren und das Startmenü erhofft, welches alle Optionen an einer Stelle bündelt.