Ubuntu 11.04: Speicherverbrauch und Compiz

Einige kennen sicherlich die Wettervorhersage, wo die Moderatorin verkündet: „Es ist heute 14 Grad, gefühlt 9 Grad.“ Das Bemerkenswerte an dieser Aussage ist, wie Volker Pispers mal zu sagen pflegte, dass die Meteorologen scheinbar wissen, wie kalt es einem selbst ist.
Ähnlich verhält es sich mit dem Speicherverbrauch und der gefühlten Geschwindigkeit bei Ubuntu 11.04 und meiner neuen Debian Testing-Installation. Direkt nach dem Start in Ubuntus neuen Unity Desktop zeigt die Systemüberwachung knapp 300 MB Speicherauslastung und mit aktiviertem Ubuntu One sind schon fast 340 MB erreicht. Meine Debian Wheezy-Installation auf dem gleichen Rechner begnügt sich erst einmal mit knapp 200 MB.
Genauso exakt wie die Temperaturen der Wettervorhersage lassen sich zwei verschiedene Linuxdistributionen vergleichen. Gefühlt starten und verhalten sich Icedove und Iceweasel bei mir schneller als ihre Ebenbilder Thunderbird und Firefox unter Ubuntu. Nautilus ist reaktionsfreudiger und auch meine Compiz Konfiguration mit Debian ist gefühlt um einiges effizienter als das ubuntische Derivat.
Doch es gibt auch Fakten, die meine Gefühle unterstützen:

Ubuntu benutzt zusätzliche Dienste, die ich bei Debian in dieser Form nicht brauchen werde: unity-applications-daemon, unity-window-decorator, unity-panel-service, und ganz dominant compiz an erster Stelle. Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch Dienste wie Zeitgeist und Ubuntu One, die permanent aktiv sein müssen um Veränderungen am System feststellen zu können.
Manchmal ist es so wie mit dem Apfel und Birnen Vergleich. Trotzdem wundert man sich, woher dieser Unterschied kommt, wenn es um die Reaktionsfähigkeit von Programmen geht. Wieso „verbraucht“ compiz bei meiner Ubuntu 11.04 Installtion (32 bit) 74 MB, während Debian Testing sich mit 28 MB begnügt. Es sind die gleichen Pakete und die gleichen Effekte oder doch nicht?
Mich stört es nicht sonderlich bei 4 GB RAM, ob ein Programm 40 MB mehr RAM einnimmt als mit einer anderen Distribution. Interessant finde ich nur, dass Programme wie die Gnome-Systemüberwachung nicht mit absoluter Sicherheit verdeutlichen können, woran es nun genau liegt und in welcher Hinsicht ein Ubuntu-Paket gegenüber dem Debian-Paket verändert wurde, damit ein solcher Effekt eintritt.
Was aber all die Zahlen zumindest ein wenig klarer erscheinen lassen und um wieder auf das Gefühl zurückzukommen. Debian Testing fühlt sich für mich im Moment einfach schneller an.

Wenn ich genau darüber nachdenke, erscheint mir Ubuntus Unity-Desktop im Moment nur eine andere Standardkonfiguration für Compiz zu sein, angereichert mit einem Dock ähnlich dem des avant-window-navigators und einem MacOS X ähnlichen Panel.
Zumindest letzteres ist erst einmal ein Merkmal von Ubuntu, welches sich nicht ganz so einfach mit einer Standardinstallation von Debian realisieren lässt. Anders schaut es aber mit ein paar Compiz Funktionen aus.
In Ubuntu 11.04 lässt sich mit der Linux-Taste + s zwischen der normalen Ansicht und einem in vier Arbeitsbereiche geteilten Desktop wechseln. Das Plugin von Compiz, welches eine solche Ansicht ermöglicht, heißt „Expo“.
Mit dem CompizConfig Einstellungs-Manager genügt es in Debian deshalb einfach das Expo Plugin zu aktivieren und unter „Allgemeine Compiz Optionen“ die Desktop Größe anzupassen. Virtuelle horizontale Größe und vertikale virtuelle Größe haben jeweils den Wert 2. Aktiviert man dann noch die „Desktop Tafel“ hat man den gleichen Effekt wie unter Ubuntu 11.04.
Mit etwas Lust zur Konfiguration hat man in Debian also schnell ähnliche Effekte wie in Ubuntu. Der Vergleich von Speicherverbrauch zwischen Distributionen ist dennoch nicht ganz trivial. Oft ist es wie mit dem Wetter: Gefühlssache.

Compositing für den Linux Desktop mit Ubuntu 8.04

Unter compositing versteht man allgemein das Mischen von verschiedenen Datenströmen um damit wiederum neue (visuelle) Effekte zu erzeugen. Mit einem Fenstermanager, der diese Funktionalität beherrscht, werden Desktopelemente wie Fenster, Knöpfe oder Leisten nicht mehr direkt auf dem Bildschirm angezeigt, sondern zuerst getrennt im Speicher erzeugt und mit Hilfe des Fenstermanagers zu neuen 2D oder 3D Effekten zusammengeführt. Dadurch entstehen dann visuelle Effekte wie z.B. Transparenz, Verzerrung und Transformation von Fenstern, live Vorschaubilder des Bildschirms oder der berühmte 3D Würfel von compiz.
Unter Ubuntu 8.04 werden standardmäßig nur wenige visuelle Desktop Effekte angezeigt. Je nach persönlicher Vorliebe oder Hardwareausstattung kann man sie ganz abschalten oder erweitern. Da ich wissen wollte, was meine AMD Athlon 1800+ CPU, 1GB DDR RAM und eine Radeon 9600 Grafikkarte für Effekte erzeugen können, habe ich mir noch zusätzlich den compizconfig-settings-manager installiert.
Danach erscheint unter System->Einstellungen->Erweiterte Einstellungen für Desktop Effekte
ein Menü um verschiedene Elemente von compiz besser einstellen zu können. Dort ist es zum Beispiel möglich den 3D Würfel einzustellen. Man sollte nur sicher gehen, dass vier Arbeitsflächen eingestellt sind. Anschließend lassen sich die vier Desktopoberflächen durch Druck auf die mittlere Maustaste als Würfel rotieren. Dabei abgespielte Filme laufen während der Darstellung weiter auf den Seitenflächen des Würfels ab. Zwischen den verschiedenen Arbeitsflächen lässt sich ohne Würfelansicht dann leicht mit einem einfach Dreh des Mausrades wechseln.
Selbst auf meinem betagten Rechner funktionieren diese „Spielereien“ noch ruckelfrei. Problematisch wird es erst als ich den Würfel benutzte und gleichzeitig versuche ein mit mpeg4 h.264 codiertes Video anschauen zu wollen. Der Prozessor ist hier beim Abspielen voll ausgelastet und stößt an seine Grenzen. Auch bei 2D Ansicht stockt das Video noch und erst das Abschalten aller Effekte hilft weiter. Ansonsten läuft compiz erstaunlich flüssig.
Ich denke je nach Geschmack und Rechner ist es für die einen Schnick-Schnack, andere wiederum können den Standarddesktop nicht mehr sehen. Mit heutigen Computern kann man alle compiz Effekte voll ausschöpfen. Dadurch entsteht nicht nur ein optisch viel ansprechender Desktop, sondern in vielerlei Hinsicht auch mehr Bedienungskomfort, sei es durch schnelles Wechseln zwischen den Arbeitsflächen oder automatischer Ausrichtung von Fenstern auf dem Desktop.
Warten wir mal ab was die Zukunft noch alles bringt. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Touchpads und Sprachsteuerung für den PC. 🙂
Das folgende Video zeigt einen Vergleich von Windows Vista mit Aero und Beryl. Mitlerweile sind Beryl und compiz zu compiz-fusion zusammengeschlossen worden. Da sage noch mal jemand Linux Desktops seien langweilig.