Einen maßgeschneiderten dwm-Fenstermanager von sid nach squeeze backporten

Obwohl ich denke, dass der Fenstermanager dwm in der Standardkonfiguration schnell zu erlernen und außerdem schlicht und ressourcensparend ist, wollte ich dennoch 2-3 Dinge verändern. Da Veränderungen bei dwm nur durch eine Neukompilierung möglich sind, habe ich die Gelegenheit genutzt und mich wieder etwas mehr mit der Erstellung eigener Debianpakete beschäftigt.

Ich hatte in dem Beitrag “Wie man Debian Pakete aus den Quellen baut” mehrere Methoden vorgestellt, wie man eigene Software speziell für Debian kompilieren kann. Die Pbuilder-Methode gefiel mir davon am besten. Erfolgreich wurde damit ein Mplayer nur für den Framebuffer und auch schon ein paar kleinere Backports erstellt.

Bevor ich meinen Weg zum Kompilieren und Anpassen von dwm vorstelle, wollte ich noch auf eine Alternative hinweisen. Im englischen Forum auf forums.debian.net gibt es schon eine sehr ausführliche Anleitung zum Kompilieren und Konfigurieren von dwm, die den Standardweg mit make und den Debian-Weg mit dpkg-buildpackage zeigt. Wie auch immer, ich denke Pbuilder ist noch einfacher.

Der elegante Weg mit pbuilder

Vorbereitung

aptitude install pbuilder
pbuilder create --distribution squeeze

oder wenn man z.B. i386-Pakete mit seinem AMD64-System bauen möchte

pbuilder create --distribution squeeze --debootstrapopts --arch --debootstrapopts i386

Quellen freischalten

deb-src http://ftp.de.debian.org/debian/ sid main in /etc/apt/sources.list hinzufügen.

Als normaler Benutzer das Quellpaket herunterladen und in das Quellverzeichnis wechseln.

apt-get source dwm
cd dwm-5.9/

Zwei Möglichkeiten

Möglichkeit 1

cp config.def.h config.h
vim config.h

Möglichkeit 2

cp config.def.h debian/local/config.apo.h
vim config.apo.h

Das Debian-Quellpaket bietet zum einen die Möglichkeit die Konfigurationsdatei wie gewohnt im Hauptverzeichnis editieren zu können oder aber im Debian-Verzeichnis. Der Paketverwalter von dwm hat hierzu einige Regeln angepasst, so dass beim Kompilieren auch alle Dateien im Verzeichnis debian/local in der Form config.*.h berücksichtigt werden.

Das hat später den enormen Vorteil, dass man gleichzeitig verschiedene Versionen von dwm übersetzen und später mit Debians update-alternatives Mechanismus auswählen kann.

Konfiguration

Ich habe die zweite Möglichkeit gewählt und die config Datei in debian/local namens config.apo.h modifiziert und folgende Dinge geändert.

  1. Farbe von hellblau auf dunkelgrau ändern
    static const char selbordercolor[] = "#333333";
    static const char selbgcolor[] = "#333333"; 
  2. Anzahl der Tags von 9 auf 6 verringern
    static const char *tags[] = { "1", "2", "3", "4", "5", "6", };
    
  3. Anstelle der ALT-Taste die Super/Windows-Taste benutzen
    #define MODKEY Mod4Mask
  4. rxvt-unicode anstatt xterm benutzen
    static const char *termcmd[] = { "urxvtc", NULL };

Das war es auch schon. Mir war insbesondere der Wechsel von xterm zu rxvt-unicode und von ALT zu Mod4 wichtig, da es einige Programme gibt, bei denen die voreingestellte ALT-Taste zu Problemen führen kann.

Kompilieren

Das Quellpaket aktualisieren

dpkg-source -b dwm-5.9/

Als Benutzer root ausführen

pbuilder build dwm_5.9-1.dsc

Das fertige I386-Squeeze-Paket fällt in /var/cache/pbuilder/result heraus und muss danach nur noch auf dem Zielrechner mit dpkg -i dwm_5.9-1_i386.deb installiert werden.

Mit dem Befehl update-alternatives --config dwm lässt sich danach zwischen der Standardversion, der dwm.web und der dwm.apo Version umschalten.

Fazit

Ich denke die Pbuilder-Methode sollte man sich aus mehreren Gründen beim Bauen von Debianpaketen merken. Zum einen lässt sich damit in einer “Reinraum-Umgebung” ein Paket sauber kompilieren. Man kann auf einer AMD64-Maschine mit Debian Unstable I386-Pakete für Debian Stable bauen und darüber hinaus sogar mehrere Pbuilder-Umgebungen parallel installieren, in denen Pakete für Testing, Unstable oder auch Ubuntu gebaut werden können!

Beachten sollte man aber, dass dieser Backport noch nicht den offiziellen Ansprüchen genügt. Insbesondere wurde das Paket nicht richtig umbenannt, das Changelog nicht geändert oder persönlich mit GnuPG signiert. Aber für den privaten Hausgebrauch sollte es reichen. 😉

Als optionale Ziele hatte ich mir noch vorgenommen surf, den minimalistischen Webkit-Browser aus der Suckless-Familie, und rxvt-unicode-256color “backzuporten”, da es für beide keine Version in Squeeze gibt.

Kurz gesagt: Surf lässt sich genauso einfach von Sid nach Squeeze backporten, er funktioniert auch, es gibt aber einen schweren Bug beim Aufruf von Https-Seiten, der so mit Debian Unstable nicht auftritt. Backports sind also unter Umständen gar nicht so schwierig, man sollte aber immer auch im Hinterkopf behalten, das Probleme nicht nur beim Übersetzen auftreten können. Mehr Details zu rxvt-unicode-256color und dwm demnächst auf diesem Kanal.

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