Ein Debianbenutzer zu Besuch bei Arch Linux

Auch wenn ich mich in Sachen Arch Linux oft wiederhole. Beißt euch durch die Installation durch, bleibt dran und gebt nicht auf – ganbatte kudasai!. Sie ist wirklich gut im englischen oder deutschen Arch Linux Wiki erklärt. Nachdem man diese vermeintliche Hürde nämlich genommen hat, stellt man plötzlich fest, dass man für den Rest der Lebenszeit seines Computers nicht mehr daran denken muss. Genauso wie bei Debian Unstable oder Testing ist Arch eine fortlaufend aktualisierte Distribution, weswegen der Teil mit der Installation wirklich nur einen Bruchteil der Zeit am Rechner ausmacht. Wie versprochen ist hier ein erster Eindruck, was mir bei regelmäßiger Benutzung von Arch auf dem Inspiron 4000 aufgefallen ist.

Das Netzwerk

Nachdem man den Installationsschritten gefolgt ist, muss man sich als Neuankömmling erst einmal ein paar Problemen stellen. Eine Interfaces Datei für Arch Linux gibt es nicht. Ist die nicht sogar bei Debian schon “deprecated”? Am leichtesten geht es, wenn man direkt in der /etc/rc.conf eine einzelne Netzwerkschnittstelle einrichten möchte. Für statische oder dynamische IP-Adressen-Konfiguration ist hier der richtige Ort.
Wenn es komplizierter werden soll aufgrund mehrerer Netzwerkkarten, sollte man sich netcfg anschauen. Ein Verhalten, das erst einmal gewöhnungsbedürftig ist falls man Befehle wie ifconfig, ifup und ifdown sofort nach einer Minimalinstallation von Debian gewohnt ist. Für einen Laptop gefällt mir außerdem noch Wicd, mit dem sich übersichtlich drahtlose Netzwerke einrichten lassen.

Aptitude und Pacman

Arch Linux ist kaputt, denn es hat kein Apt. Wahre Worte. 😛 Pacman ist zwar nicht Apt, erfüllt aber ähnliche Aufgaben, die man auch von Apt gewohnt ist. Die wichtigsten Befehle für den Anfang sind:

  • pacman -Syu : Das komplette System auf den neuesten Stand bringen
  • pacman -S “Paketname”: Ein Paket installieren
  • pacman -Ss “Suchbegriff” : Nach einem Begriff/Paket suchen
  • pacman -Sc : Den Paketcache leeren
  • pacman -Rs “Paketname” : Ein Paket und dessen Abhängigkeiten entfernen, sofern sie nicht von anderen Paketen gebraucht werden

Man vermisst zwar ein wenig Aptitudes exzellente Suchfähigkeiten, bisher konnte ich mein Arch trotzdem immer nach meinem Geschmack einrichten.

Kleine Unterschiede

Arch Linux bezeichnet sich selbst als eine Keep-it-simple-Distribution. Das geht soweit, dass das Patchen von Dateien bis auf ein absolut notwendiges Minimum reduziert wird. In der Regel werden neue Feature und Sicherheitsaktualisierungen durch den jeweiligen Upstream-Autor erstellt und dann umgehend als Arch-Linux-Paket bereitgestellt. Das kann aber auch dazu führen, dass einige Fähigkeiten, die man aus Debian kennt, plötzlich nicht mehr funktionieren.
Am Beispiel scrot, dem Screenshot Programm, wird das ziemlich deutlich. In der Arch Version gibt es den Patch zum gezielten Aufnehmen eines Fensters, in der offiziellen Version leider nicht. (-u) Dafür wird eine inoffizielle Version in AUR bereitgestellt. Wie gut sie wirklich ist, lässt sich nur durch Ausprobieren feststellen. Im Moment hat sie nur zwei Bewertungspunkte.

Pakete aus AUR – der leichte Weg

Am Anfang genügt es vollkommen nur die offiziell verfügbaren Pakete und den offiziellen Paketmanager Pacman zu benutzen. Es stehen dann zwar nicht die gleiche Anzahl an Paketen wie bei Debian zur Verfügung, man kann aber durch geschicktes Substituieren das Problem meistens umgehen. In den letzten beiden Posts zu Arch Linux auf dem Inspiron 4000 habe ich die manuelle Methode mit makepkg -s vorgestellt, bei der man das PKGBUILD manuell herunterladen und ggf. Abhängigkeiten ebenfalls manuell bauen muss.
Wenn man sich erst einmal an dieses “Do-it-yourself”-Konzept gewöhnt hat, macht das Bauen von Paketen bei Arch Linux sogar richtig Spaß. Für den regelmäßigen Baumeister empfiehlt sich aber einer der sogenannten AUR-Helfer. Insbesondere yaourt scheint populär zu sein. Im Grunde genommen ist yaourt ein Wrapper für Pacman, der die gleichen Befehle unterstützt, gleichzeitig aber die Möglichkeit bietet direkt im Arch User Repository nach Software zu suchen und diese wie mit Pacman gewohnt zu installieren. Momentan benutze ich yaourt ausschließlich nur für das Installieren von AUR-Paketen, was eine große Zeitersparnis ist.

Zum Schluss

Ja, Arch Linux ist anders als Debian. Wenn man sich aber an die Unterschiede gewöhnt hat, macht es viel Spaß. Software zu verwalten ist einfach und unkompliziert. Pacman ist weniger mächtig als Apt, ist dabei aber auch fühlbar schneller auf älteren Rechnern. Ein Bonus ist sicherlich auch, dass man in Sachen Desktopumgebung nicht umdenken muss. Meine alten Openbox-Einstellungen konnte ich problemlos übernehmen.

7 Replies to “Ein Debianbenutzer zu Besuch bei Arch Linux”

  1. Ich hab schon 2-3 kurze Ausflüge zu Arch hinter mir, und bin dann aus Faulheit und weil ich mit Unity gut zurecht gekommen bin wieder zu Ubuntu. Da mich die “veralteten” Pakete bei Ubuntu aber doch teilweise nerven werd ich am neuen Laptop wohl wieder Arch probieren.

  2. Hallo Apo,
    ich hab da mal ne Frage. Seit kurzem habe ich Arch installiert und mir gefällt das auch sehr gut und macht vor allen deshalb Spass, weil nur die benötigten Pakete installiert werden, also jeder nach seinen Geschmack. Für mich ist es aber jetzt nicht ganz so einfach, eine Druckertreiber zu installieren, den es nur im DEB oder RPM gibt. Er muss also per Hand umgeschrieben werden. Hast Du das schon mal gemacht und wenn ja, kannst mir nen Tip geben?
    MfG thony

  3. Hallo,
    habe mich jetzt auch mal mit Arch Linux (in einer virtuellen Maschine) ausprobiert und werde auch weiter experimentieren. Dabei lernt man nämlich doch so einiges über Linux… 🙂

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