TinyCore: Der ultrakleine Nomade

Ein weiteres Beispiel wie eine winzige Live-CD mit einer nur 10 MB großen ISO-Datei aussehen könnte. TinyCore reiht sich nahtlos, was die Größe anbetrifft, zwischen dem absoluten Champion der superleichtgewichtigen Betriebssysteme KolibriOS und dem vielseitigen Slitaz ein. Das Ziel von TinyCore ist nach eigener Darstellung ein „nomadisches, ultrakleines grafisches Desktopsystem“ zu erschaffen, welches in der Lage ist von CD-ROM, USB oder Festplatte zu booten und komplett im RAM zu laufen, was schon mit 48 MB oder weniger gelingen soll.
Bei einer so winzigen Distribution gibt es natürlich auch immer ein paar Fragen. Wie gut wird meine Hardware unterstützt, welche und wie viele Softwarepakete stehen mir zur Verfügung und wie leicht oder schwer ist es sich in ein unbekanntes System, dass sich bewusst von den vorherrschenden, großen Distributionen abheben will, hineinzudenken?
Die erste Frage konnte ich mit meinen älteren Laptops noch nicht beantworten, packe es aber mal auf die (immer länger werdende) Liste. Mich würde schon interessieren, ob TinyCore ähnliche Ergebnisse wie Slitaz liefern kann. Zum Testen in Virtualbox war das aber alles kein Hinderungsgrund. TC bootet tatsächlich sehr schnell und man befindet sich danach sofort auf einem grafischen Desktop mit Busybox, Tiny X, FLTK und FLWM. Die vorinstallierten grafischen Anwendungen sind tatsächlich minimal, aber nicht monoton. Wer Linux mal mit GTK1 kennengelernt hat, wird sich praktisch wie zu Hause fühlen. 😉
Im Regelfall möchte man aus der Liveumgebung noch ein paar Anwendungen „on demand“ installieren. Dazu muss man einmal auf den Desktop rechtsklicken und dann System Tools->AppBrowser auswählen. Auch TinyCore bietet als waschechte Linuxdistribution eine zentrale Paketverwaltung an. Natürlich kann sie nicht so umfangreich wie die von Debian mit dessen 1000 freiwilligen Entwicklern sein, aber auf den ersten Blick entdeckt man doch viele bekannte und essentielle Applikationen wieder.

Zum Test habe ich Firefox 5 installiert, was TinyCore als Extension also Erweiterung zu seinen bestehenden Kernanwendungen bezeichnet. Das ganze Betriebssystem ist wirklich in jeder Hinsicht auf den Punkt gebracht. Schnickschnack sucht man hier vergeblich. Die Installation klappte aber dennoch reibungslos und Firefox samt Abhängigkeiten wurden in den RAM geladen.
Einen vorkonfigurierten kompletten Desktop sucht man vergeblich. Es ist wirklich alles TinyCore. Slitaz ISO als Gegenbeispiel nimmt zwar geringfügig mehr Speicher ein, bietet dafür aber auch ein komplett vorkonfiguriertes Openbox-Desktoperlebnis. Wie auch immer, falls du dich genauso wie ich für sehr leichtgewichtige Linuxdistributionen interessierst, solltest du TinyCore zumindest einmal selbst ausprobieren. Ich denke ab 128 MB RAM und bei genauer Vorstellung was das System leisten soll, könnte TinyCore den Unterschied zwischen einer weiteren sinnvollen Verwendung des Rechners und dem Ende auf einem Schrottplatz bedeuten. Auf der offiziellen Homepage gibt es Links zu weiteren Screenshots und weitere grundlegende Informationen zu TinyCore.

4 Replies to “TinyCore: Der ultrakleine Nomade”

  1. Hallo,
    TinyCore ist das hübscheste+kleinste OS, wenn man nicht gerade in die CL booten möchte. Wunder wirkt es freilich auch nicht. Aber mit etwas Remastering arbeitet es auch mit den mickrigen 64MB meines uralten Celeron-Notebooks unter der Gui und voll im RAM. Und ergo schnell!
    Als Browser sollte/muss man für diese Minimalkonfiguration bonecho.tcz installieren. Klein, aber trotzdem fesch. Firefox, Midori & Friends sind für die 64 MB schon zu viel. Als Filemanager fluff.tcz. Für deutsche Tastauren braucht es kmaps.tcz. Die kmaps kann man alle bis auf das benötigte de-latin1 löschen, was auch noch einmal ~1 MB Ersparnis bringt.
    Üppig ist diese Mini-Ausstattung nicht. Aber neben dem hübschen Browser sollte sich sogar der eine oder andere kleine Server noch ausgehen.
    SliTaz etwa bringt auch eine Low-RAM-Version die auf den 64 MB läuft. Aaaaber … Das Swapping ist nicht mehr schön und bringt das System nahe an die Unbenutzbarkeit.
    Mein Fazit: wer es auf nur 64 MB schnell und trotzdem hübsch haben möchte, kommt an TinyCore nicht vorbei. Die Bootzeit auf meinem Celeron-Kistl ist übrigens ~12 Sekunden. Ziemlich flott für die alte Gurke … Wenn ich mich richtig erinnere, hat damals schon das originale Win 98 viiiel länger gebraucht:-)

  2. 64 MB RAM ist in der Tat eine erste Schallmauer bei grafischen Linuxen. Ich hoffe aber in Zukunft da drunter zu kommen. 🙂 Dazu muss ich mich aber erst einmal in Crux reinfuchsen.
    Auf meinem Toshiba Portege mit 64 MB RAM habe ich Debian Stable laufen und muss sagen, es ist noch akzeptabel. Wie bei allen Low RAM Systemen muss man sich aber davon verabschieden mehrere Anwendungen parallel geöffnet zu haben und Wunder zu erwarten. Ab 64 RAM würde ich wahrscheinlich fast immer Debian vorziehen, da ich mehr Möglichkeiten damit habe, aber es gibt mehr als genug Alternativen.
    An WIN98 mag ich lieber gar nicht mehr denken. 😉

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