Ein freier Blick auf Office-Dokumente

MS-Office-Dokumente per E-Mail zu erhalten kann in der Regel nur Arbeit bedeuten. Doch bevor man sie aus Reflex oder Angewohnheit dem elektronischen Müll überantwortet, ist es manchmal doch klüger vorher noch einen Blick hinein zu werfen. Es könnte ja wichtig sein.
Seit meinem Umstieg auf Linux benutze ich Freie Software, die in standardisierte Formate abspeichert. Es ist schon merkwürdig, dass das Open-Document-Format ein quelloffener Standard ist, Microsofts weit verbreitetes Doc- und Docx-Format aber nicht. Darum scheren sich aber die wenigsten Leute. Für viele erscheint es zwar selbstverständlich zu sein, dass man nicht mehr mit Elle, Zoll, Spanne oder Klafter misst, mittelalterliche Praktiken bei Dateiformaten nimmt man aber mehr oder weniger gelassen hin.
Auf meiner Festplatte tummeln sich immer noch alte Word-Perfect-Dokumente, die ich irgendwann noch einmal in ein freies Odt-Format umwandeln möchte, wenn ich mich nicht doch endlich entschließe den alten Kram nach /dev/null zu verschieben. 🙄
In der Regel habe ich auf dem leistungsfähigsten Rechner LibreOffice installiert, mit dem ich bisher immer alle Formate öffnen konnte und natürlich gibt es auch noch das PDF-Format, um den Kompatibilitätswahnsinn ein wenig zu umgehen.
Ich muss aber nicht auf jedem Rechner eine vollwertige Office Suite installiert haben. Für diesen Fall habe ich mir angewöhnt eine leichtere Alternative zu installieren, die mir lediglich den Inhalt eines Dokuments anzeigt. Für Doc-Dokumente ist das nach wie vor antiword, obwohl dieses kleine aber feine Programm seit 2005 nicht mehr weiterentwickelt wird. Als Konsolenalternative für das freie Odt-Format oder das ältere Sxw benutze ich bei Debian odt2txt. Beide sind äußerst anspruchslos an die Hardware und mit beiden lässt sich der Inhalt von Doc- oder Odt-Dateien anzeigen. Besonders gut spielen beide auch mit dem Text-E-Mail-Programm Alpine zusammen, in dem die Doc- und Odt-Anhänge automatisch im Textformat angezeigt werden.
Eine Alternative für ältere Word-Dokumente kann ebenfalls wv sein, welches auch nach HTML, LaTeX oder PDF konvertieren kann. Gäbe es nun nicht noch das Docx-Format, ich könnte an dieser Stelle schon Schluss machen. Bis auf ein kleines Perl-Skript namens docx2txt habe ich bisher noch kein reines Konsolenprogramm gefunden, welches mir wie bei Antiword einfach nur den Inhalt als Text ausgibt oder diesen sogar in PDF umwandeln kann. Jedoch funktioniert docx2txt für mich leider nicht.
Bisher war deshalb auch mein einziger Ausweg aus dem Dilemma LibreOffice zum Betrachten zu benutzen oder besser gesagt unoconv, ein Werkzeug für die Kommandozeile, mit dem es z.B auch möglich ist PowerPoint-Folien zur schnellen Ansicht in PDF umzuwandeln.

unoconv -f pdf wiewirdmanmillionaer.ppt

Leider lässt es sich nicht alleine installieren und benötigt zum Funktionieren Teile der LibreOffice Suite.
Ich habe mich deswegen im IRC in #debian auf irc.debian.org nach weiteren Lösungsmöglichkeiten umgehört und zumindest noch eine interessante gefunden, wie man den Inhalt einer Docx-Datei auf der Konsole als Text darstellen kann.
Da Docx ein gezipptes Format ist, lässt es sich mit unzip MeineDatei.docx entpacken. Im Ordner word befindet sich danach der Hauptteil des Dokuments in der Datei document.xml. Mit Hilfe von xmllint, das im Paket libxml2-utils mitgeliefert wird, kann der Inhalt in ein Html-Format umgewandelt und z.B. mit dem Textbrowser elinks angeschaut werden.

xmllint --html document.xml > document.html
elinks document.html

Wie schon erwähnt gehören Anwendungen für die Konsole zum Arbeiten mit Tabellenkalkulation und Präsentationen (noch) nicht zu meinen Schwerpunkten und solange sich das nicht ändert, werde ich auch nicht so tun als wäre es so. Für den schnellen Blick in Office-Dokumente genügen mir aber die vorgestellten Programme und wer nach weiteren Ausschau halten möchte, findet in den Quellen auf der Software-Seite und insbesondere auf jaredandcoralee.com unter der Überschrift “Document Converter” noch einige interessante Alternativen.

Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation auf der Konsole

Ich habe keine Probleme damit zuzugeben, dass ich mittlerweile eine große Anzahl von Konsolenanwendungen regelmäßig benutze und ich sie nicht nur als letztes Mittel für Jahrzehnte alte Laptops, sondern auch für eine leichtbedienbare und effiziente Alternative für moderne Computer halte.
Es gibt aber auch Bereiche, in denen der Einsatz von Programmen für die Konsole unbefriedigend ist oder wo ich gespaltener Meinung bin. Ich käme nicht auf die Idee Bild- und Videobearbeitung ausschließlich auf der Konsole durchzuführen, obwohl natürlich das massenhafte Zurechtschneiden und Konvertieren von Bildern mit den geeigneten Programmen und seiner Lieblingsshell hervorragend funktioniert.
Auch 3D-Spiele sind nichts, wofür ich zwingend nach einer Konsolenalternative suchen müsste. Und dann wären da noch die sogenannten Büroarbeiten – Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und die viel geliebten Präsentationen.

Textverarbeitung

Bei der Textverarbeitung sehe ich die geringsten Probleme. Tatsache ist, dass zu viele Texte “zu früh” oder gar unnötig mit Bürosoftware formatiert werden. In vielen Fällen würde es eine gut strukturierte Textdatei auch tun, die mit Hilfe von Editoren wie Vim oder Emacs verfasst wird. Außerdem spricht oft nichts dagegen Texte solange wie möglich in der Rohfassung zu belassen bis sie im letzten Schritt in ein ansprechendes Format gesetzt werden können. Für private Korrespondenz benutze ich deshalb nach wie vor entweder LibreOffice oder AbiWord und ansonsten einen schlichten Editor.

Tabellenkalkulation

Tabellenkalkulation wird immer dann praktisch, wenn man eine Teilnehmer- oder Getränkeliste erstellen will oder seine Finanzen planvoll ordnen möchte. Doch selten kommt es in privaten Haushalten vor, dass man zehntausende Zeilen Daten auswerten und zahllose Makros für Datenimport und -export verfassen muss. Mal abgesehen davon, dass ich Tabellenkalkulation im Allgemeinen nicht für die interessanteste Aufgabe halte, sehe ich abseits von automatisierten Prozessen kaum eine Notwendigkeit für eine Konsolenapplikation.
Das soll aber nicht heißen, dass es hier keine Alternativen geben würde. Als Lektüre empfehle ich K.Mandlas Tutorial “How to use teapot like a pro” und “Howto: Use Oleo like..like…like..“. Ich gebe zu, dass ich nach dem Lesen des Tutorials zu Teapot der Vorstellung einer Tabellenkalkulation für die Konsole positiver gegenüberstehe und mir nun nicht nur mehr vorstellen kann damit einmal zu arbeiten.
Meine ersten Schritte mit Teapot habe ich dazu genutzt, den Wert der Laptops im zuletzt vorgestellten Post als Beispiel zu visualisieren, wozu ich den Preis für einen Neukauf und den für die gebrauchten Laptops gegenübergestellt habe. Ich weiß nicht gerade eine Herkulesaufgabe, für die es auch etwas Kopfrechnen getan hätte. In Teapot lassen sich aber auch beliebige Formeln eingeben, die sich mit den entsprechenden Funktionen natürlich auch in mehrere Zellen kopieren lassen und deren Werte automatisch bei einer Änderung in einer anderen Zelle angepasst werden.

Leider findet sich zur Zeit kein Paket in Debian, weshalb ich kurzerhand Teapot mit meiner Archlinux-Installation auf dem Inspiron 4000 ausprobiert habe. Das entsprechende PKGBUILD lässt sich wie in diesem Beitrag schon vorgestellt in AUR finden und mit makepkg -s schnell selbst bauen. Man sollte nur sicherstellen, dass make installiert ist.
Teapot besitzt viele grundlegende Funktionen, die man von jeder Tabellenkalkulation her kennt, einen vollwertigen Ersatz für LibreOffice Calc oder Gnumeric sollte man aber nicht erwarten.

Präsentation

Ok, hier muss ich passen. Präsentationen sind genauso etwas wie Schlipse, von denen ich hoffe, dass in Zukunft die Welt davon nur noch in Geschichtsbüchern lesen und sich darüber köstlich amüsieren wird. Ich habe schon eine Menge Präsentationen erstellt, aber noch nie eine rein für private Zwecke. Auch wenn ihr nun vielleicht schmunzelt, das soll nicht heißen, dass es keine Alternativen für die Konsole gäbe. Erwähnt seien hier die Programme Beamer, tpp und xsw. Ich habe davon noch keines ausprobiert, obwohl die reine Vorstellung auf den entsprechenden Webseiten vielversprechend aussieht.
In Zukunft soll das heißen: Selbst wenn ich in Sachen Konsolenapplikationen auch einmal skeptisch sein sollte. In der Regel hat mich vermutlich vor Jahren schon irgendjemand eines besseren belehrt. 🙂