{"id":9725,"date":"2016-04-04T00:18:03","date_gmt":"2016-04-03T22:18:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/?p=9725"},"modified":"2019-09-22T21:31:04","modified_gmt":"2019-09-22T19:31:04","slug":"debian-mit-freebsd-kernel-gnukfreebsd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gambaru.de\/blog\/2016\/04\/04\/debian-mit-freebsd-kernel-gnukfreebsd\/","title":{"rendered":"Debian mit FreeBSD-Kernel: GNU\/kFreeBSD"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2013 kam ich zum ersten Mal mit <a href=\"https:\/\/wiki.debian.org\/Debian_GNU\/kFreeBSD\">Debian GNU\/kFreeBSD<\/a> in Ber\u00fchrung als ich an einem Patch f\u00fcr <a href=\"https:\/\/tracker.debian.org\/pkg\/libgphoto2\">libgphoto2<\/a> arbeitete. Galt GNU\/kFreeBSD zu Zeiten von Debian 6 \"Squeeze\" noch als technische Vorschau, war es in Debian 7 \"Wheezy\" schon eine offiziell unterst\u00fctzte Debian-Architektur. Als Teil von Debian Testing konnten demnach Kompilierungsfehler von GNU\/kFreeBSD die Ver\u00f6ffentlichung eines Pakets verhindern. Dieser Status hat sich mit der aktuellen stabilen Debian-Ver\u00f6ffentlichung nun erneut ge\u00e4ndert, leider aber zum Schlechteren. GNU\/kFreeBSD ist keine offizielle unterst\u00fctzte Debian-Architektur mehr, geh\u00f6rt jedoch weiterhin zu den sogenannten Debian-Ports wie GNU\/Hurd (eine weitere Kernelalternative) oder m68k (unterst\u00fctzt \u00e4ltere Amiga, Atari und Apple Macintosh). Der wohl entscheidende Grund, warum GNU\/kFreeBSD seinen alten Status verloren hat, ist die zu geringe Anzahl an aktiven Entwicklern und vielleicht vermag dieser Artikel das Interesse zu wecken, sich etwas mehr mit dieser Debianvariante auseinander zu setzen.<\/p>\n<h3>Warum GNU\/kFreeBSD?<\/h3>\n<p>Brauche ich einen FreeBSD-Kernel, wenn Debian mit dem Linux-Kernel schon tadellos auf meinem Rechner l\u00e4uft. Vermutlich ist die Antwort \"eher nicht\" aus den gleichen Gr\u00fcnden, warum FreeBSDler nicht zu Linux wechseln. Es ist diese Mischung aus Gewohnheit und der Tatsache, dass man mit beiden sowohl Desktop- als auch Serveraufgaben erledigen kann. Was GNU\/kFreeBSD jedoch interessant macht ist die Tatsache, dass es zwei verschiedene Welten miteinander verbindet und was in der einen nur sehr schwierig oder gar nicht funktioniert, l\u00e4sst sich mit dieser Kombination, FreeBSD-Kernel aber Debian-Paketsystem und Systemwerkzeuge, m\u00f6glich machen.<br \/>\nDie Entwickler geben im Debian-Wiki die Antwort auf die <a href=\"https:\/\/wiki.debian.org\/Debian_GNU\/kFreeBSD_why\">Warum-Frage<\/a>. Aus meiner Sicht am interessantesten sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Die M\u00f6glichkeit <a href=\"https:\/\/www.freebsd.org\/doc\/de_DE.ISO8859-1\/books\/handbook\/jails.html\">Jails<\/a> zu benutzen, die man am besten mit <a href=\"https:\/\/openvz.org\/Main_Page\">OpenVZ<\/a> bei Linuxsystemen vergleichen kann. F\u00fcr Systemadministratoren bieten sie ein zus\u00e4tzliches Sicherheitsmerkmal und die M\u00f6glichkeit Prozesse \"einzusperren\" und so eine weitere Barriere f\u00fcr Angreifer zu schaffen. Wie in einer Chroot-Umgebung unter Linux lie\u00dfe sich aber auch ein Debian GNU\/kFreeBSD unter FreeBSD betreiben und nat\u00fcrlich auch umgekehrt.<\/li>\n<li>Das 128-bit-Dateisystem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ZFS_%28Dateisystem%29\">ZFS<\/a>, das theoretisch so viel <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/ZFS#Capacity\">Speicherplatz<\/a> bietet, dass die zum Betrieb notwendige Energiemenge alle Ozeane der Welt verdampfen k\u00f6nnte.\u00a0 Wie man sich schnell denken kann, wurde es vor allem f\u00fcr den Einsatz in Rechenzentren mit immens vielen Daten konzipiert. Auf handels\u00fcblichen Rechnern l\u00e4sst es sich nat\u00fcrlich auch verwenden, setzt aber mindestens 1 GB RAM voraus, besser 2 GB oder gar mehr. Am ehesten l\u00e4sst es sich mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Btrfs\">btrfs<\/a> vergleichen, wobei es jedoch schon deutlich l\u00e4nger produktiv zum Einsatz kommt. Gr\u00f6\u00dftes Hindernis f\u00fcr einen Einsatz auf Linuxsystemen ist die CDDL-Lizenz des Dateisystems, die leider inkompatibel mit der GPL-Lizenz des Linuxkernels ist. Das <a href=\"http:\/\/open-zfs.org\/wiki\/Main_Page\">OpenZFS-Projekt<\/a> versucht unter anderem dieses Problem zu l\u00f6sen. Mit dem FreeBSD-Kernel gibt es aufgrund der liberalen BSD-Lizenz keine Probleme.<\/li>\n<li>GNU\/kFreeBSD benutzt die gleichen Debianpakete, die sich auch beim Linuxpendant finden lassen. Sie lassen sich genauso installieren und verwalten wie man das schon von Debian GNU\/Linux gewohnt ist. FreeBSD bietet mit den Ports und seinem neuen Paketmanager pkg ebenfalls einfache Hilfe beim Installieren, jedoch muss man als Benutzer permanent die neuste Upstream-Version installieren, da sich der Support auf das Kernsystem beschr\u00e4nkt. Sicherheitsupdates f\u00fcr GNOME 3, Apache oder LibreOffice als stabile Version f\u00fcr drei oder sogar f\u00fcnf Jahre, gibt es bei FreeBSD nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Installation und erste Erfahrungen<\/h3>\n<p>Am einfachsten l\u00e4sst sich FreeBSD zur Zeit mit dem \"<a href=\"https:\/\/lists.debian.org\/debian-bsd\/2016\/03\/msg00150.html\">Test-Image<\/a>\" von Steven Chamberlain installieren, der ma\u00dfgeblich die Entwicklung von GNU\/kFreeBSD vorantreibt. Sehr wahrscheinlich wird es in den n\u00e4chsten Monaten auch wieder ein offizielles Abbild auf <a href=\"https:\/\/www.debian.org\/\">debian.org<\/a> zu finden geben. Ich empfehle entweder die Installation auf einem \u00e4lteren, unbenutzten Rechner \ud83d\ude09 oder ihr probiert das Ganze mit <a href=\"https:\/\/tracker.debian.org\/pkg\/qemu\">Qemu<\/a> aus.<br \/>\nVor drei Jahren hatte ich zuerst die Qemu-Variante gew\u00e4hlt und anschlie\u00dfend das Ganze auf meinen \"neuen\" Lenovo-X200-Laptop transplantiert, es geht aber wohl auch einfacher. Danach funktioniert die Installation weiterer Pakete genauso wie unter Debian GNU\/Linux. Meine <a href=\"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/debian\/\">alten Anleitungen<\/a> sollten hier immer noch weiterhelfen k\u00f6nnen. Wer GNU\/kFreeBSD auf etwas \u00e4lteren Rechnern mit wenig Arbeitsspeicher verwenden will, sollte besser das ufs-Dateisystem w\u00e4hlen, was einen deutlichen Performanceschub verspricht.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_11-1.png\" rel=\"attachment wp-att-9728\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-9728 size-medium\" src=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_11-1-300x188.png\" alt=\"GNU\/kFreeBSD 1\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_11-1-300x188.png 300w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_11-1-768x480.png 768w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_11-1-1024x640.png 1024w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_11-1.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nIch selbst teste gerne mit Lightdm als Displaymanager und Mate (alias Gnome 2). Andere Desktopvarianten sollten auch funktionieren, wobei man bei den gro\u00dfen wie Gnome 3 und KDE jedoch Abstriche hinnehmen und ggf. einen anderen Displaymanager w\u00e4hlen muss. Das gesamte System \"f\u00fchlt\" sich nicht viel anders als unter Linux an. So l\u00e4sst sich zum Beispiel der Befehl <em>lsmod<\/em> weiterhin benutzen, das entsprechende Kommando von FreeBSD lautet <em>kldstat<\/em>. Bekannte Software wie Firefox und VLC funktionieren ohne Probleme und lassen sich mit <em>apt install firefox vlc<\/em> installieren. Neu und anders sind die Ger\u00e4tebezeichnungen f\u00fcr Festplatten oder Netzwerkkarten, einige bekannte FreeBSD-Werkzeuge fehlen oder wurden durch die GNU-Alternativen ersetzt.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_21-1.png\" rel=\"attachment wp-att-9730\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-9730 size-medium\" src=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_21-1-300x188.png\" alt=\"GNU\/kFreeBSD 2\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_21-1-300x188.png 300w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_21-1-768x480.png 768w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_21-1-1024x640.png 1024w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kfreebsd_21-1.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nEinige Anlaufschwierigkeiten hatte ich bisher nur mit dem Grafikartentreiber und manchmal startete ein Spiel nicht. Ich denke, das sind Fehler, die sich durch mehr Benutzer schneller finden und beseitigen lie\u00dfen. Oft w\u00e4re es auch m\u00f6glich beim FreeBSD-Projekt nach Patches zu suchen. Insgesamt ist GNU\/kFreeBSD deutlich weiterentwickelt als dies z.B. beim GNU\/Hurd-Port der Fall ist, dies sollte jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sich die Pakete nur aus \"unstable\" installieren lassen und damit mit Vorsicht zu genie\u00dfen sind. Zum Testen und Ausprobieren reicht es allemal. Um den Vergleich abzurunden, empfehle ich ebenso einen Blick auf <a href=\"https:\/\/www.freebsd.org\/\">FreeBSD<\/a> zu werfen, das demn\u00e4chst Version 10.3 ver\u00f6ffentlichen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2013 kam ich zum ersten Mal mit Debian GNU\/kFreeBSD in Ber\u00fchrung als ich an einem Patch f\u00fcr libgphoto2 arbeitete. 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