{"id":7977,"date":"2012-06-20T22:13:44","date_gmt":"2012-06-20T20:13:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/?p=7977"},"modified":"2019-09-27T22:12:50","modified_gmt":"2019-09-27T20:12:50","slug":"der-lange-weg-von-wine-1-4-nach-debian-wheezy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gambaru.de\/blog\/2012\/06\/20\/der-lange-weg-von-wine-1-4-nach-debian-wheezy\/","title":{"rendered":"Der lange Weg von Wine 1.4 nach Debian Wheezy"},"content":{"rendered":"<p>Es hat l\u00e4nger gedauert als viele gedacht h\u00e4tten. Doch nun ist es soweit und Debian hat ein aktuelles und stabiles <a href=\"http:\/\/www.winehq.org\/\">Wine<\/a> in Version 1.4 in seinen Repos. Da ich Wine in der Vergangenheit f\u00fcr einige bekannte Spiele wie <a href=\"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/2008\/10\/07\/howto-world-of-warcraft-installation-mit-wine-und-ubuntu-linux\/\">World of Warcraft<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/2010\/07\/31\/howto-starcraft-2-mit-linux-spielen\/\">Starcraft II<\/a> benutzt habe, hat mich das Schicksal dieses Pakets nicht kalt gelassen und mir sp\u00e4ter auch einige interessante Einsichten in die Entwicklung von Debian GNU\/Linux gebracht.<br \/>\nEs stimmt, nicht jeder h\u00e4lt Wine, eine Zwischenschicht f\u00fcr Windows entwickelte Programme und dem Linuxkernel, f\u00fcr einen Segen. Ich denke jedoch, dass Wine denjenigen hilft, die irgendwo noch dieses eine, scheinbar unersetzbare, Windowsprogramm haben, dass sie vom kompletten Umstieg auf Linux abh\u00e4lt. Ich habe privat mit Windows nichts mehr am Hut, doch mir hat es in der Vergangenheit beim Wechseln auch geholfen, zugegeben bei einer sehr optionalen Sache wie Computerspielen.<\/p>\n<p>Nun machte mich seit zwei Jahren stutzig, warum Debian mit einer vollkommen veralteten Wine-Version ausgeliefert wurde. Im Sommer letzten Jahres <a href=\"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/2011\/09\/14\/aktuelle-neuigkeiten-von-wine-in-debian\/\">erfuhr ich<\/a> dann, dass Wine einem sogenannten Code-Audit unterzogen wurde und das gesamte Paket so umgebaut werden musste, dass es sich mit den in Debian verf\u00fcgbaren freien Werkzeugen auch bauen lie\u00df.<br \/>\nDanach passierte lange Zeit nichts. Der Paketverwalter hatte <a href=\"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/2012\/03\/01\/wine-und-debian-eine-scheinbar-unendliche-geschichte\/\">keine Zeit mehr<\/a>. Einige engagierte Helfer arbeiteten trotzdem weiter, hatten aber nur eingeschr\u00e4nkte Rechte. Sie wurden vom urspr\u00fcnglichen Paketverwalter nicht als Teammitglieder aufgenommen und hatten deswegen keine M\u00f6glichkeit eine neuere Version hochzuladen.<\/p>\n<p>Erst als einer der Helfer, Michael Gilbert, schlie\u00dflich zum Debianentwickler \"bef\u00f6rdert\" wurde, durfte er sogenannte NMUs von Wine einstellen. Diese Non-Maintainer-Uploads sind in der Regel nur daf\u00fcr gedacht um ein gravierendes Problem mit einem Paket zu l\u00f6sen, wenn der urspr\u00fcngliche Paketverwalter keine Zeit daf\u00fcr hat. Jeder Debianentwickler hat das Recht dazu. Die Pakete werden je nach Dringlichkeit in eine Warteschlange gepackt, so dass Zeit bleibt das Paket zu begutachten oder auch wieder zu entfernen, wenn es den Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgen sollte.<br \/>\nObwohl der Paketverwalter selbst nicht aktiv sein konnte, forderte er jedoch, dass jede einzelne Wine-Version in den letzten zwei Jahren nach und nach hochgeladen werden sollte. Sp\u00e4testens hier begannen einige dann den Kopf zu sch\u00fctteln.<br \/>\nJoey Hess brachte es dann <a href=\"http:\/\/bugs.debian.org\/cgi-bin\/bugreport.cgi?bug=585409#438\">auf den Punkt<\/a>. Der Bug demonstriere Schw\u00e4chen in prozeduralen und administrativen Bereichen. Anstatt zu versuchen ein perfektes Paket zu bauen, w\u00e4re es f\u00fcr die Mehrheit der Benutzer besser gewesen, wenn man einfach ein aktuelles Wine-Paket verf\u00fcgbar gemacht h\u00e4tte. Notfalls h\u00e4tte man sich auch der Ubuntu-Version bedienen k\u00f6nnen, die nachweislich einwandfrei funktioniere.<br \/>\nWas mich sp\u00e4ter beeindruckt hat, war das Verhalten von Michael Gilbert, der wiederholt geschrieben hat, dass es ihm besser gef\u00e4llt auf Zusammenarbeit zu setzen als die Konfrontation mit dem Paketverwalter zu suchen. Optionen wie Wine f\u00fcr sich zu beanspruchen (\"Hijacking\") schloss er z.B. ausdr\u00fccklich aus. Steve Langasek ging soweit zu sagen, dass Hijacking schlicht \"asozial\" sei und es weitere Prozeduren wie z.B. \"Orphaning\" oder das Technische Komitee gebe, womit dem Paket ein neuer Paketverwalter zugewiesen werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Am Ende wurden alle Helfer schlie\u00dflich zu offiziellen Teammitgliedern des Wine-Pakets gemacht und die Arbeit konnte normal fortgesetzt werden. Der ganze Vorgang hat exemplarisch gezeigt, welche dynamischen Prozesse in einem Projekt wie Debian ablaufen, in dem jeder einzelne Entwickler eine sehr starke Stellung, aber auch viel Verantwortung hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Benutzer gibt es als Ergebnis nun zu vermelden, dass es sowohl m\u00f6glich sein wird Wine 1.4 (stable) als auch die Entwicklerversion (im Moment 1.5) in Zukunft parallel zu installieren und Dank Multiarch sollte es sp\u00e4ter ebenfalls m\u00f6glich sein, sogar 4 verschiedene Wine-Versionen parallel einzurichten. Happy End.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat l\u00e4nger gedauert als viele gedacht h\u00e4tten. Doch nun ist es soweit und Debian hat ein aktuelles und stabiles Wine in Version 1.4 in seinen Repos. 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