{"id":559,"date":"2010-09-05T17:42:00","date_gmt":"2010-09-05T15:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gambaru.de\/blog\/?p=559"},"modified":"2010-09-05T17:42:00","modified_gmt":"2010-09-05T15:42:00","slug":"wie-ein-20-jahre-alter-laptop-das-kaffeekochen-nicht-lernen-wollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gambaru.de\/blog\/2010\/09\/05\/wie-ein-20-jahre-alter-laptop-das-kaffeekochen-nicht-lernen-wollte\/","title":{"rendered":"Wie ein 20 Jahre alter Laptop das Kaffeekochen nicht lernen wollte"},"content":{"rendered":"<p>An dieser Stelle sollte eigentlich die heroische Geschichte erz\u00e4hlt werden, wie es mir gelungen ist, einen knapp 20 Jahre alten Highscreen-486er-SLC-33-Laptop mit 2 MB RAM, dem Linuxkernel und GNU-Programmen in einen furiosen Server mit einigen sehr n\u00fctzlichen Konsolenanwendungen zu verwandeln. Leider begannen die Probleme schon bei der Suche nach einer geeigneten Installationsm\u00f6glichkeit, denn au\u00dfer einem 1,44 Zoll Diskettenlaufwerk und einer seriellen Schnittstelle hatte der alte Highscreen nicht viel zu bieten.<br \/>\nAngefangen hatte es mit einer Suche nach g\u00fcnstigen alten Rechnern auf einer allseits bekannten Onlineplattform. Mit dem Filter f\u00fcr Netbooks\/Notebooks, Bald Endend und einer Obergrenze von 10 Euro ging ich auf Schn\u00e4ppchenjagd. Nachdem ich einige Pentium-II-Laptops mit 32 MB RAM im Visier hatte, fiel meine Aufmerksamkeit pl\u00f6tzlich auf einen 486er-Highscreen-Laptop, einen wirklichen Oldy. Viel war aus der Beschreibung nicht zu entnehmen und weder die Gr\u00f6\u00dfe des Arbeitsspeichers noch die Festplattengr\u00f6\u00dfe waren bekannt. Eine weitere Suche im Internet brachte einen wahrscheinlichen Arbeitsspeicher von 4-8 MB zu Tage und dass es sich vermutlich um eine CPU der Firma Cyrix handeln musste.<br \/>\nF\u00fcr knapp 6 Euro + Versandkosten erhielt ich den Zuschlag und eine Woche sp\u00e4ter machte ich mich daran herauszufinden, was ich da eigentlich ersteigert hatte und wo die Grenzen einer sinnvollen Linuxinstallation lagen.<br \/>\nDas BIOS gab sich am Anfang wenig aussagefreudig. Mal waren Werte falsch eingestellt oder fehlten ganz, so dass es anfangs so aussah als w\u00e4re nicht einmal eine Festplatte eingebaut worden. Die Angabe \"Mainprocessor 386\" half auch nicht viel weiter. Zu guter Letzt musste ich erkennen, dass weder acht noch vier sondern lediglich 2 MB RAM im Inneren steckten und f\u00fcr einen Netzwerkbetrieb zus\u00e4tzlich ein Adapter f\u00fcr RJ45 notwendig war.<br \/>\nZum Gl\u00fcck hatte ich noch eine alte Rettungsdiskette meiner ersten Linuxdistribution RedHat 8.0 in auffallend roter Farbe herumliegen. Im Bootmen\u00fc lie\u00dfen sich verschiedene Optionen an den Linuxkernel \u00fcbergeben, darunter auch die Option \"lowmem\", die mir bei nur 2 MB RAM vern\u00fcnftig erschien. Nach einigen klackernden Ger\u00e4uschen des sich drehenden 1,44 Zoll Laufwerks, kam aber leider nur die n\u00fcchterne Nachricht<\/p>\n<blockquote><p>Less than 4 MB RAM<br \/>\nSystem halted<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch mit verschiedenen anderen Optionen oder mit dem normalen Bootvorgang ging es nicht weiter. An dieser Stelle ahnte ich schon, dass es schwieriger als gedacht werden w\u00fcrde \u00fcberhaupt etwas herauszufinden.<br \/>\nDanach begab ich mich auf die Suche nach <a title=\"Liste von Linux-Distributionen\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Linux-Distributionen\">Linuxdistributionen bei Wikipedia.org<\/a> oder anderen Projekten, die versprachen mit 2 MB RAM zurecht zu kommen. Auch <a title=\"Small Linux Distributions\" href=\"http:\/\/bengross.com\/smallunix\/\">diese Liste<\/a> mit kleinen Linuxdistributionen war hilfreich. Obwohl es viele Linuxsysteme gab, die geringe Anforderungen an die Hardware hatten, war bei den meisten dennoch bei 6-8 MB RAM Mindestvoraussetzung Schluss. Vielleicht am n\u00e4chsten dran waren <a title=\"Tiny Core Linux\" href=\"http:\/\/tinycorelinux.com\/\">Tiny Core Linux<\/a> oder <a title=\"Slitaz\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Slitaz\">Slitaz<\/a>. Im Grunde genommen kamen aber nur Distributionen in Frage, die sich auch \u00fcber 1,44 Zoll Disketten installieren lie\u00dfen. Au\u00dferdem sollten grundlegende Linuxprogramme vorhanden sein.<br \/>\nSchlie\u00dflich landete ich auf der Seite von <a title=\"BusyBox\" href=\"http:\/\/www.busybox.net\/\">BusyBox<\/a>, einem Programm, dass viele verschiedene UNIX-Werkzeuge in einem Programm enth\u00e4lt und gemessen an der Vielseitigkeit winzig klein ist. Zahlreiche Distributionen setzen BusyBox standardm\u00e4\u00dfig ein darunter auch Debian. Wer schon einmal w\u00e4hrend einer Debian-Installation auf die Konsole gewechselt ist, wird BusyBox schnell finden.<br \/>\nAuf der <a title=\"Produkte die BusyBox einsetzen\" href=\"http:\/\/www.busybox.net\/products.html\">Produktseite von BusyBox<\/a> gab es eine weitere Liste mit interessanten Projekten, die f\u00fcr eine absolute Minimalinstallation in Frage kamen. Wenn man es richtig machen m\u00f6chte,gibt es auch die M\u00f6glichkeit sich sein eigenes <a title=\"How to build a BusyBox based system\" href=\"http:\/\/www.busybox.net\/FAQ.html#build_system\">BusyBox-System<\/a> zusammenzustellen.<br \/>\nTrotzdem es viele gute Hinweise gab und sogar eine <a title=\"Linux Boot Disk Howto\" href=\"http:\/\/www.tldp.org\/HOWTO\/Bootdisk-HOWTO\/\">Anleitung wie man seine eigene Linux-Bootdiskette erstellt<\/a>, suchte ich immer noch nach einer fertigen Distribution, die ohne Murren auch 2 MB RAM akzeptieren wollte.<br \/>\nDie letzte Chance schienen <a title=\"Small Linux\" href=\"http:\/\/www.superant.com\/smalllinux\/\">Small Linux<\/a> und <a title=\"Basic Linux\" href=\"http:\/\/www.volny.cz\/basiclinux\/\">Basic Linux<\/a> zu sein, wobei erstere tats\u00e4chlich 2 MB Arbeitsspeicher als Minimalvoraussetzung versprach. Scheinbar wird Small Linux aber schon seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt und nur der erste Link auf der Small Linux Downloadseite f\u00fchrte mich zum Download der Version 0.75. Mit dem Programm dd und zwei 1,44 Zoll Disketten erstellte ich dann eine Boot- und Rootdiskette.<\/p>\n<blockquote><p>dd if=Pfad_zur_Image_Datei of=\/dev\/fd0<\/p><\/blockquote>\n<p>Tats\u00e4chlich konnte ich mit der Lowmem-Einstellung hier zum ersten Mal mehr \u00fcber den Laptop herausfinden ohne ihn komplett auseinander nehmen zu m\u00fcssen. Dabei stellte ich fest, dass eine 60 MB Festplatte von Western Digital vorhanden war. Als es aber an das Wechseln zur Rootdiskette kam und sogar schon \"Welcome to Small Linux\" erschien, wurden alle weiteren Versuche mit einer Fehlernachricht beendet.<\/p>\n<blockquote><p>can't load library libc.so.5<br \/>\ncan't map \/lib\/libc.so.5<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht war die Datei libc.so.5 nur defekt, eventuell sa\u00df das Problem auch tiefer. An dieser Stelle war vorerst Schluss. Nachdem ich die Festplatte im Bios aktiviert hatte und von dort bootete, landete ich bei einer alten DOS-Installation. Der DOS Befehl <em>msd<\/em> verriet leider auch nicht mehr \u00fcber das Innenleben des Highscreen-Laptops. Letztlich versuchte ich es noch einmal mit dem DOS-Programm <a title=\"CPU Indentification Utility\" href=\"http:\/\/web.inter.nl.net\/hcc\/J.Steunebrink\/chkcpu.htm\">chkcpu<\/a>, welches einen 386-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 20 MHz ermittelte. Wie das mit dem Logo eines 486 SLC 33 zusammenpasst, konnte ich mir nur so erkl\u00e4ren, dass die Hybrid-CPU von Cyrix nicht richtig erkannt worden war oder hier tats\u00e4chlich ein wahrer Oldtimer vor mir stand.<br \/>\nHierher und nicht weiter. Ich hatte noch in Erw\u00e4gung gezogen die Festplatte auszubauen und mit Hilfe von <a title=\"Debootstrap\" href=\"http:\/\/wiki.debian.org\/Debootstrap\">debootstrap<\/a> ein Debian-Komplettsystem zu installieren oder ein in <a title=\"VirtualBox.org\" href=\"http:\/\/www.virtualbox.org\/\">VirtualBox<\/a> erzeugtes Image mit dd auf die Festplatte zu schreiben.\u00a0 Auch im FTP-Archiv von Debian war ich unterwegs und habe mir dort mit der alten Version Hamm Startdisketten erstellt. Leider kam es zum gleichen Ergebnis wie mit der RedHat-Rettungsdiskette.<br \/>\nAlles in allem hat es Spa\u00df gemacht nach M\u00f6glichkeiten zu suchen um einen 20 Jahre alten Laptop wieder zum Laufen zu bringen. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass 2 MB Arbeitsspeicher zu wenig sind um irgendetwas Sinnvolles damit anzustellen. Die absolute Untergrenze sehe ich nun bei 4 MB RAM besser aber 8 MB. Neben der interessanten Einsicht, dass es immer noch Projekte gibt, die sich mit solch alter Hardware besch\u00e4ftigen, habe ich nun ein paar Ideen bekommen wie man seine eigene <a title=\"Linux from Scratch\" href=\"http:\/\/www.linuxfromscratch.org\/\">Mini-Linuxdistribution<\/a> erstellen k\u00f6nnte. Einen schnellen und einfachen Weg gibt es aber bei dieser Minimalkonfiguration nicht.<br \/>\nMein Tipp ist deswegen auch nach preisg\u00fcnstigen Pentium Laptops mit 32 MB RAM und mehr Ausschau zu halten. Teilweise gibt es diese schon zwischen 10-20 Euro zu haben und es er\u00f6ffnen sich gleichzeitig zahlreiche Verwendungsm\u00f6glichkeiten. Zum Kaffeekochen bleibe ich bei meiner Kaffeemaschine.<br \/>\nUnd so sah ein Laptop vor 20 Jahren mit Monochrom Display aus.<br \/>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-559 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_331-1.jpg'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_331-1-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_331-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_331-1-100x100.jpg 100w\" sizes=\"100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_floppy1-1.jpg'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_floppy1-1-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_floppy1-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_floppy1-1-100x100.jpg 100w\" sizes=\"100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_serial1-1.jpg'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_serial1-1-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_serial1-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/gambaru.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/highscreen_486_slc_33_serial1-1-100x100.jpg 100w\" sizes=\"100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle sollte eigentlich die heroische Geschichte erz\u00e4hlt werden, wie es mir gelungen ist, einen knapp 20 Jahre alten Highscreen-486er-SLC-33-Laptop mit 2 MB RAM, dem Linuxkernel und GNU-Programmen in einen furiosen Server mit einigen sehr n\u00fctzlichen Konsolenanwendungen zu verwandeln. 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